Interpretation von Foucaultbildern

  • Hallo zusammen,


    ich bin mit meinem Spiegel (D=355 f=1780mm) in einer Art Sackgasse gelandet und komme da jetzt irgendwie nicht mehr raus. Im folgenden sind 5 Foucaultbilder im Abstand von 0,3mm aufgenommen die ich wie folgt interpretiere. Tester ist mit bewegter Lichtquelle und Schneide von links. Das Loch vor der LED hat einen Durchmesser von 2mm. Achso ja der Spiegel soll erst mal sphärisch werden und ich denke das ich das noch ohne Auswertung mit Figur XP hinbekommen sollte.


    Position 0mm:

    Position +0,3mm:

    Position +0,6

    Position +0,9

    Position +1,2


    Meine Zusammenfassung der Daten.
    Ich habe außen eine 19mm Breite Zone (Durchmesser 317-355 ) die einen weit größeren Krümmungsradius aufweist als der Rest (ca. 1,2mm mehr als die nach innen angrenzende Zone).


    Es folgt eine 50mm Breite Zone mit dem kürzesten Krümmungsradius des Spiegels (Durchmesser 217-317).


    Danach kommt eine 36mm Zone (Durchmesser 145mm-217) mit etwas längerem Krümmungsradius als die vorherige.


    In der Mitte wird der Krümmungsradius wieder kleiner (annähernd der 2. Zone).


    Mein Tool: ca. 350mm - 355 Granitplatte
    Während des polierens habe ich schon bemerkt, das die äußeren 20mm mit dem Krümmungsradius zurückliegen (also der zurükgebliebene Rand) Zur Korrektur habe ich dann mehr Überhang 1/3 bis 1/2 angewendet und zusätzlich mit dem Daumen den Randbereich traktiert. Mit dem Daumen habe ich so lange poliert, bis der Randkrümmungsradius ca. dem der Zone weiter innen entsprach. Danach mit TOT 1/3 bis 1/2 Überhang und irgendwann war der Rand außen zwar "glatt / ohne umlaufende Riefen" aber dafür wieder mit dem Krümmungsradius ca. 1mm hinter der Zone weiter innen.


    Meine Schlussfolgerung: Mein Problem beim Spiegel ist die äußere Zone (317mm - 355mm). Hier muss ein kürzerer Krümmungsradius erreicht werden, also im Verhältnis mehr poliert werden als am Rest des Spiegels.
    Abhilfe: kleineres Tool ca. 250mm damit ich weniger die 217-317mm Zone bearbeiten kann. Daumenpolitur der Äußeren Zone.



    Nun meine Frage! Sind meine Überlegungen so richtig oder gehe ich hier einen Irrweg.



    Gruß Rudi

  • Hallo Rudi,


    ja, alle Interpretationen sind richtig.
    Ja, die Randzone ist das Hauptproblem, der Rest ist dagegen zu vernachlässigen.


    Eigentlich müsstest du mit dem fast Volltool TOT am besten zurecht kommen. Kannst du ein Bild der Pechhaut zeigen?
    Vielleicht greifen die Randbereiche der Pechhaut weniger als weiter innen (das ist oft der Fall). Dann hat man de fakto eine kleinere Pechhaut und müsste mehr seitlichen Überhang machen als man von den Abmessungen her denken würde.


    Nach der Daumenkur könntest du auch mit einem ca. 40 mm Minitool versuchen, den Übergang bei 317 mm Durchmesser auszugleichen, also gezielt dort polieren damit der Randbereich mit zu langem Krümmungsradius mit der Zone weiter innen mit zu kurzem Krümmungsradius angeglichen wird.


    Das wird aber! Alles noch im Grünen Bereich.


    p.s.
    Vielleicht kannst du das Loch für die Lichtquelle etwas weiter aufbohren, z.B. auf 4-5 mm. Damit hättest du mehr Licht und weniger rauschende Aufnahmen. Ist aber nicht so wichtig, man sieht ja alles gut genug.

  • Hallo


    die Schneide kommt von links, Licht von rechts.
    Ich würde sagen, der Rand hängt tief.


    Gruss

  • Hallo Rudi,


    So viel Erfahrung wie Stathis habe ich nicht, trotzdem hier mein "Senf" dazu:
    Wenn Du nun außen einfach mit einem kleinen Tool weiter polierst, bleibt der "Ringwall" im Übergang zum Rest des Spiegels bestehen oder verschiebt sich nur etwas. Du müsstest genau diesen bearbeiten, und so einen weicheren Übergang schaffen. Dann bist Du außen nicht mehr sphärisch, aber das geht in die richtige Richtung, nämlich Parabel.


    Ich würde hier genau wie Stathis es vorschlug ein Minitool verwenden. Die Strichführung sollten wir dir aber besser noch aufmalen, sonst bekommst Du gleich die nächste Ringzone ein Stück weiter innen. Am Schluss hast Du dann eine lustige Schießscheibe[:I].


    Die Polieraction sollte auf den letzten paar mm zum Rand bis auf 0 abnehmen. So kriegst Du den äußersten Rand auch noch besser hin. Bei geeigneter Strichführung ist das kein Problem.


    Nach meiner persönlichen Erfahrung ist es ganz wichtig, dass das Tool beim Polieren nicht "kippelt", d.h. es sollten keinerlei Drehkräfte einwirken. Zum Bewegen des Tools bei der Polierbewegung fasse ich nicht an der oberen Kante an, sondern drücke mit den Fingern möglichst weit unten seitlich dagegen.


    Mit Volltool in Spiegelgröße poliere ich auch gern MOT. Ich bilde mir ein, dass ich so leichter eine scharfe Kante bekomme.


    Ein Foto von deinem Tool möchte ich auch gern sehen!


    Gruß,
    Martin

  • Hallo Rudi,


    es gibt wohl viele Wege zum Glück[:)]. Mein Vorschlag:


    1. Motorbetriebenen Drehteller bauen.


    2. Fullsize Ringtool herstellen. Das geht ganz einfach indem man eine sternförmig begrenzte dünne Plastikscheibe zwischen dem erwärmten Tool und Spiegel presst.

    2a). (Nur für Masochisten) Mit Minitool und/oder Daumen arbeiten.


    3. Mit Ringtool on Top und kurzen Strichen polieren.


    4. Fortschritt der Korrektur mit PDI kontrollieren. Mit Foucault kannst du nämlich derartige Fehler kaum quantifizieren.


    Viel Erfolg wünscht dir


    Kurt

  • Hallo zusammen,


    erst mal Danke für die Antworten. Folgend habe ich Bilder meiner Pechhaut mit und ohne Spiegel und eine Skizze der Testanordnung.
    Mit Messerschneide von links meinte ich vom Standpunkt des Betrachters aus gesehen.



    Hallo Roger meintest Du mit "der Rand hängt tief", das an diesem schon zu viel Material abgetragen wurde und ich somit eher die inneren Bereiche bearbeiten müsste?


    Aus den drei anderen Antworten lese ich das ich die Foucaultbilder richtig interpretiert habe. Und eigentlich schon theoretisch auf dem richtigen Weg war. Es mangelt wohl noch an der praktischen Umsetzung bzw. an meiner Fertigkeit (die ich mir hoffentlich noch aneigne).


    Hallo Stathis und Martin: Foto vom Tool siehe unten.


    Hallo Kurt, PDI-Platte Typ2 mit LED vom Michael Koch hab ich. Bin aber nicht ganz klar damit gekommen und habs dann erst mal wieder zur Seite gelegt. Ich hatte eigentlich erst vor beim parabolisieren damit anzufangen.





    Gruß Rudi

  • Hallo Rudi,
    <blockquote id="quote"><font size="1" face="Verdana, Arial, Helvetica" id="quote">Zitat:<hr height="1" noshade id="quote">Hallo Kurt, PDI-Platte Typ2 mit LED vom Michael Koch hab ich. Bin aber nicht ganz klar damit gekommen und habs dann erst mal wieder zur Seite gelegt. Ich hatte eigentlich erst vor beim parabolisieren damit anzufangen.
    <hr height="1" noshade id="quote"></blockquote id="quote"></font id="quote">
    Anfängliche Schwierigkeiten mit dieser für dich neuen Messtechnik musst du halt überwinden. Es wird sich garantiert lohnen. Vielleicht hilft dir diese Beitrag auf die Sprünge:


    P-D-I(nterferometer) für Einsteiger
    http://www.astrotreff.de/topic.asp?TOPIC_ID=143437


    Natürlich kannst du jederzeit gerne Fragen dazu stellen.


    Gruß Kurt

  • Hallo Kurt,


    ist es schädlich das Interferogramm beim PDI mit dem Auge zu betrachten. Ich meine nicht stundenlang und beim unbelegtem Spiegel.


    Gruß Rudi

  • Hallo


    hab überlegt, meinen "Senf" zu löschen <font color="green"><font size="1">(da dies zu Verwirrung führt)</font id="size1"></font id="green">, da eine Antwort steht lass ich es. Mit Ratschlägen zur Korrektur hab ich es nicht so, da gibt es wirklich erfahrene Leute wie Stathis, Martin, Kurt, ect.
    <blockquote id="quote"><font size="1" face="Verdana, Arial, Helvetica" id="quote">Zitat:<hr height="1" noshade id="quote">Stathis: ... der Randbereich mit zu langem Krümmungsradius... <hr height="1" noshade id="quote"></blockquote id="quote"></font id="quote">
    bedeutet dass der Rand tiefer ist als die innere Zone.


    Mit dem Laser durch das PDI und direkt ins Auge würd ich lassen. Ist vermutlich nicht arg tragisch bei unbelegtem Spiegel, doch kann man Fehler dieser Art, wenn's dann einer ist, nur zwei mal machen...


    Gruss <font color="green"> <font size="1"></font id="size1"></font id="green">

  • Hallo Roger, deine Aussage


    <blockquote id="quote"><font size="1" face="Verdana, Arial, Helvetica" id="quote">Zitat:<hr height="1" noshade id="quote">die Schneide kommt von links, Licht von rechts.
    Ich würde sagen, der Rand hängt tief.<hr height="1" noshade id="quote"></blockquote id="quote"></font id="quote">
    ist völlig richtig - kein Grund irgend was zu löschen. Trotzdem führt diese Formullierung immer wieder zu falschen Schlussfolgerungen, wie dieser hier von Rudi:


    <blockquote id="quote"><font size="1" face="Verdana, Arial, Helvetica" id="quote">Zitat:<hr height="1" noshade id="quote"><i>Original erstellt von: Rudi FK</i>
    <br />Hallo zusammen,


    Hallo Roger meintest Du mit "der Rand hängt tief", das an diesem schon zu viel Material abgetragen wurde und ich somit eher die inneren Bereiche bearbeiten müsste?<hr height="1" noshade id="quote"></blockquote id="quote"></font id="quote">


    Um das zu entwirren, muss man sich klarmachen, dass der Foucaulttest Krümmungsrardienunterschiede zeigt und keine Höhen und Tiefen. Letztere werden erst nach Integration z.B. mit einem Auswerteprogramm berechnet.


    Man kann mit einem Auswerteprogramm wie FoucaultXP mal mit fiktiven Werten rumspielen um das zu verstehen. Hat man z.B. grob gesehen eine Sphäre wie hier, wo jedoch die Randzone eine deutlich zu lange Schnittweite hat, so kommt als Ergebnisprofil ein tiefer Rand heraus. Die Schnittweiten wären alle gleich bis auf den Rand, z.B. 0, 0, 0, 0, 2.


    Das heißt aber nicht, dass der Rand zu stark poliert wurde!!
    In den meisten solchen Fällen hat man die Mitte im Verhältnis zu stark poliert, ihr Krümmungsradius ist kürzer geworden und der Rand ist im Vergleich dazu mit einem zu langen Krümmungsradius zurückgeblieben. Daher spreche ich persönlich lieber von "zurückgebliebenen Rand".
    Ich habe versucht, das hier zu erläutern:
    http://www.stathis-firstlight.de/spiegelschleifen/tipps.htm


    Um das zu korrigieren, muss man Material am Schattenübergang wegpolieren. Das gleicht die Krümmungsradien zwischen Mitte und Rand an, es entsteht eine Sphäre mit neuem mittlerem Krümmungsradius.


    Danke für das Pechhautbild. Die Kanäle sind zu klein, somit kann das Pech im wesentlichen nur zum Rand hin fließen. Das bewirkt, dass der Randbereich der Pechhaut weniger stark poliert, als der Rest. Wenn man die Strichführung nicht daran anpassen kann, bleibt der Rand zurück.


    Ich würde die Pechahut runderneuern: Die Oberfläche mit einer Rasierklinge abkratzen und neue tiefe breite Kanäle eindrücken. Alternativ kann man sie auch mit einem Baustrahler aufschmelzen oder eine dünne neue Pechschicht mit heißem dünnflüssigen Pech drüber gießen.

  • Hallo Roger,


    danke für die Warnung mit dem PDI.
    Ich wollte dann heute doch noch einmal einen Versuch mit dem Ding machen und bemerkte nach dem Aufbau das die Diode nicht mehr funzt. Also weiter mit Pechhaut frisieren.



    Hallo Stathis,


    wie merke ich das ich die Oberfläche erneuern muss! Sieht man das an der Farbe? Ich hab der Pechhaut vor ca. 10 Polierstunden schon einmal eine neue Oberfläche verpasst.


    Bilder der neuen Pechhaut stell ich dann ein wenn ich mein das diese angepasst ist. Die Oberfläche hab ich inzwischen auch schon wieder runter. Beim abkratzen fällt auf das die oberste Schicht in kleinen Platten wegplatzt (war beim leztenmal genauso) und darunter kommt dann wieder das schwarze Pech, das nicht ganz so zum wegplatzen neigt, zum Vorschein.
    Zum Abschaben der Pechhaut hab ich ein Stück Teppichmesserklinge mit der schneide nach vorne in eine Papierskalpellhalterung eingespant.


    Gruß Rudi

  • Hallo zusammen,


    jetzt ist die Pechhaut runderneuert.


    1. 45 Min. Oberfläche runtergeschabt.
    2. Stunden im wechsel Kanäle mit einem Alulineal pressen und Spiegel anpassen. Bei jedem anpassen gehen die Kanäle ja wieder schön zu.
    3. Das ganze über Nacht mit Spiegel oben und Fliegengitter dazwischen Kaltgepresst.
    4. Kanäle 3 Stunden unter Wasser mit einem Papierskalpell nachgeschnitten.


    Ergebnis siehe wie folgt.


    5. Stern einpressen und den Rand bekämpfen.


    Gruß Rudi

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