Pferdekopf und Rosetta aus der Stadt

  • Hallo Freunde,
    es ist zur Zeit lausig kalt in Spanien, deshalb habe ich nach einem tollen Essen, gekocht von Moni, den low-rider auf der Dachterrasse aufgebaut und bis zum Mondaufgang gespechtelt. Die 35 Min. Anfahrt in die Berge habe ich mir geschenkt und so mir kalte Füße erspart.
    Ich wollte mal sehen, was ich mit 20 Zoll und nur 8 Meter neben einer Straßenlampe (zum Glück etwas niedriger als meine Terrasse) alles sehen kann. Dank gutem seeing und einer passable Durchsicht war das Trapez im Orionnebel mit E und F Komponente sehr schön zu sehen. Mit dem 9mm Nagler (220 fach) konnte ich weitere 12 schwache Sternchen erkennen. Die ungemein detailreichen Gasmassen der Nebels waren mit und ohne Filter eine Augenweide. Nach Trennung von Zeta Ori war der Flammennebel dran: sehr schwach ohne Filter und kaum besser im O III. Dann mit dem H-Beta-Filter ein verwegener Versuch: der Pferdekopfnebel! Da ich die Position genau kenne, habe ich ihn sofort gesehen... na, vielleicht ist "gesehen" etwas übertrieben, aber doch recht gut erkennbar. Später versuchte ich auch den Rosettennebel. Ohne Filter ein schöner lockerer Sternhaufen mit einem etwas hellerem gelblichen Stern. Mit O III dann eine schwache und diffuse Aufhellung um den Haufen erkannt. Wenn man diese Objekte schon unter optimalen Bedingungen gesehen hat, ist auch unter erschwerten Bedingungen mitten in der Stadt eine Sichtung möglich. Wer hat auch schon mitten in der Stadt den Pferdekopf gesehen?
    Auch einige planetarische Nebel konnte ich noch finden, bis mich der spanische Rotwein wieder in das warme Wohnzimmer lockte. Morgen werde ich aber doch lieber wieder in die Berge fahren, wenn es der Wettergott weiter gut mit mir meint. Aber etwas wärmer als + 5° sollte es schon werden!
    CS
    Timm

  • Hi Timm,


    schöner Bericht...hat es sich doch gelohnt sich vom Rotwein zu lösen [:D] Zu deinen Erfahrungen mit der Sichtung des Pferdekopfnebels kann ich nur soviel sagen, dass es wirklich wichtig ist zu wissen, nach was man überhaupt schauen soll und welche Position. So konnte ich schon bei sehr gutem Landhimmel B33 mit einem 20x125 Großfernglas ohne Filter beobachten siehe http://www.gotodobson.de/Sternenfreunde/Zb33.htm (ok, die Zeichnung hab ich vom Gornergrat gemacht), obwohl wenige Meter neben mir Leute durch ein 18" mit Filter arge Probleme hatte überhaupt was zu erkennen. B33 wird von den meisten als zu klein angenommen und es wird versucht ein Dunkelnebel in einer hellen Kante zu sehen (genau wie auf den Fotos), obwohl oft nur ein großes schwarzes Nichts vorhanden ist. Einmal hat es aber auch mich vom Hocker gerissen!!! Konnte mal B33 mit Hß in einem 20" auf dem Großglockner mit Binoansatz bei Hochalpenhimmel (fst+7,0) beobachten...man man...ich konnte sogar das Schnaufen der Pferdeschnautze erkennen [;)]


    Gruß, Uwe


    http://www.sternenfreunde-eichsfeld.de

  • Hi Uwe,
    ich geb dir recht... unter optimalen Bedingungen soll mit einem 20-Zöller im B 33 sogar das Weiße im Auge des Pferdes zu sehen sein ;-)))
    Die meisten Leute stellen sich einen viel zu kleinen Dunkelnebel vor. In der Realität sieht man halt einen mehr oder weniger hellen Schimmer, der eine recht große Ausbuchtung hat: B 33. Wenn man ihn einmal gesehen hat, weiß man wohin und auf ewas man schauen muss.
    Der recht helle NGC 2023 ist ein guter Wegweiser. Am besten hilft der 2 Zoll H-Beta-Filter mit dem 30mm Zeiss-Ultraweitwinkel bei knapp 70 fach und einer AP von über 7 mm!
    Ich habe mir mal deine Zeichnung angesehen, aber bei meinem Flachbildschirm ist nichts vom Pferdekopf zu sehen. Mal sehen, ob ich die Helligkeit und den Kontrast etwas verändern muss, um ihn zu sehen.
    Für mich war es gestern eine Premiere: bei einem knappen 5er Himmel den Pferdekopf... das gibt Hoffnung auf schöne Terrassenbeobachtungen!
    CS
    Timm

  • Hallo Timm,


    stimmt, oft wird nach einem kleinen Loch ausschau gehalten, kommt wohl daher, da es viele Aufnahmen mit niedriger Brennweite vom Pferdekopfkomplex gibt und dieser dort sehr klein wirkt.
    Zu den Zeichnungen: Unbedingt den Bildschirm heller stellen, ohne das verschwinden fast alle Details und Nebel. Ich müsste mal einen Graubalken reinbauen, um die richtige Helligkeitseinstellung zu vereinfachen.


    Gruß nach Spanien
    Uwe


    http://www.sternenfreunde-eichsfeld.de

  • Hallo Timm,
    Glückwunsch zu der tollen Beobachtung, B33 neben der Laterne ist schon verwegen! Ich hatte ihn erstmalig deutlich mit UHC und 18" bei gutem Landhimmel als ziemlich fetten Brocken gesehen. Ich denke du wirst ziemlich trockene Luft gehabt haben, hattest du die Grenzgröße abgeschätzt?


    Gruß

  • Hi Timm,
    ich hatte die Tage Gelegenheit den Pferdekopf unter wirklich perfektem Himmel (FST >7.5m, 3% rel. Luftfeuchte) im 12.5" zu betrachten. Wir waren erst skeptisch ob ohne Filter überhaupt was zu sehen sein würde, umso größer war dann die Überraschung als das Vieh dick und fett direkt sichtbar zu sehen war! Nicht nur der Hals sondern auch der Kopf - und das ohne Filter, hätte ich so vorher für unmöglich gehalten... aber da sieht man wieder was richtig guter Himmel ausmacht.


    Grüße,
    Cord

  • Hi Cord,


    wo hat man denn so einen 7.5er Himmel? 6.3-6.5m ist normalerweise das, was man in den Voralpen schafft, bein Inversionswetterlage vielleicht auch mal 6.7m.


    Ciao,
    Martin

  • Hallo Roland,
    das war ein 5m Himmel... mehr nicht! Die Sterne des kleinen Bären waren grade sichtbar. Allerdings war es eine trockene Luft und nach dem Regen der vorigen Nacht war es auch schön sauber am Himmel. Die Straßenlampe wirft alles Licht nach unten und ist im Nordosten. Nach Süden habe ich bis zum Horizont das Meer und dort ist es richtig finster.
    Noch mal zum Pferdekopf: die Anschaffung des H-beta-Filters ist wirklich lohnenswert, denn mit allen anderen Filtern war nichts zu sehen. Und wenn man den schon hat, sollte man unbedingt auch den Californianebel ansehen... einfach toll! Allerdings braucht man eine möglichst niedrige Vergrößerung, um wenigstens einen Teil zu überblicken.
    CS
    Timm

  • Hallo Uwe,
    ich habe den Kontrast und die Helligkeit verändert und nun ist die Zeichnung gut sichtbar.
    Jetzt lass ich diese Einstellung, denn sie scheint mehr der Realität zu entsprechen.
    Schöne Zeichnung... wie lange brauchst du dafür und wie machst du das mit der Adaption und dem Zeichnen? Da braucht man doch etwas Licht und so geht die Adaption doch flöten, oder nicht?
    CS
    Timm
    CS
    Timm

  • Hi Timm,


    hab jetzt einen Graubalken eingefügt, du kannst die Bildschirmhelligkeit jetzt sehr gut nach diesen Balken abstimmen.


    Zu den Zeichnungen. Grundsätzlich werden ja draußen nur Rohzeichnungen gemacht (steht auf der homepage wie). Diese sind auf weissen Papier, eingezeichnet werden nur helle Kanten, Dunkelnebel und Helligkeitsverteilung. Das ist recht einfach zu machen. Mit dem Fernglas hatte ich ein vorgedruckten Auszug aus einem Sternkartenprogramm, welches mir die Sterne schon zeigte.
    Mit dem 16" zeichne ich die Sterne jetzt so ein. Das läuft dann meistens so ab. Zu erst beobachtet ich ohne Licht und versucht so viel wie möglich aus dem Objekt rauszuholen. Jetzt zeichne ich bei angeschalteten Licht die Sterne. Das Licht muß natürlich so dunkel wie möglich gehalten werden. Wenn die Sterne stehen, lege ich die Lampe und das Zeichenbrett weg und konzentriere mich wieder auf das Objekt. Ich merke mir jetzt Details und zeichne dann Schritt für Schritt die Details ein. Zwischen den Schritten kann es schon mal ziemlich lange dauern, da sich das Auge wieder etwas adaptieren muß und ich mich aufs Objekt und eventuell neu auftauchende Details konzentriere.
    Die Dauer ist ganz unterschiedlich. Wenn es nur darum geht in einfachen Galaxien ohne Details und ohne viele umgebene Sterne eine Supernova einzuzeichnen ist die Sache in einer halben Stunde gegessen. Die meisten Zeichnungen dauern so etwa eine Stunde. Es geht aber auch anders. An dieser Zeichnung http://www.gotodobson.de/Stern…ichnungen/Virgohaufen.jpg hab ich 2 Nächte (ca. 5h) damals gesessen und mit dem Fernglas 48 Galaxien im Virgohaufen in einem Feld von 4°x5° beobachtet. Versuch doch mal alle zu finden...eine Herausforderung. Du siehst...doch ein gewisser Aufwand. Hab auch nicht immer Lust dazu und beobachte manchmal ohne zu zeichnen...dann überkommt es mir wieder und ich mache pro Nacht bis zu 3 Stück...danach sehe ich so aus [B)][:D]


    Gruß, Uwe


    http://www.sternenfreunde-eichsfeld.de

  • <blockquote id="quote"><font size="1" face="Verdana, Arial, Helvetica" id="quote">Zitat:<hr height="1" noshade id="quote"><i>Original erstellt von: Scorpio</i>
    <br />wo hat man denn so einen 7.5er Himmel? <hr height="1" noshade id="quote"></blockquote id="quote"></font id="quote">


    Hi Martin,
    das war auf dem Gipfel (~2400m) des Roque auf La Palma. So ein Himmel ist wirklich sehr beeindruckend, die Wintermilchstrasse führt wie eine vierspurige Autobahn am Orion vorbei ;)
    Die Bok Globulen im Rosettennebel kann man übrigens auch problemlos ohne Filter im 12.5" sehen, richtig umgehauen haben mich aber erst die Galaxien...


    Grüße,
    Cord

  • Hi Cord,


    wie jetzt...du warst auf dem Gipfel des Roque (du meinst sicher 3400m)???
    Das ist ja verrückt. Diese Idee hatte ich damals auch, als ich dort oben in dem Refugio de Altavista auf 3260m (natürlich ohne Fernrohr) übernachtet hatte, um mir mit den anderen Gästen den Sonnenaufgang auf dem Gipfel anzuschauen (nach 1,5h Aufstieg in der Nacht versteht sich). Der Himmel war als wir aufstanden und losgingen (war ja noch Nacht) extrem genial, wahnsinnig transparent und schwarz. Der ganze Schwanz des Skopions...wahnsinn.
    Mir kam dann die Idee mal mit einem Fernrohr dort oben zu übernachten, da mir die Stelle vom Parador überhaupt nicht gefiel...da steht ja genau im Süden die große Wand des Guajara vor einem. Und von Izana war die Lichterglocke von den Städten am Wasser zu sehen.
    Berichte doch mal. Bist du mit der Seilbahn und Equipment hochgefahren? Wo hast du genau gestanden? Wie war der Wind und die Temperatur dort oben? Haben die Parkranger irgendwas gesagt? Brauchtet ihr einen Sondergenehmigung? Interessiert mich sehr...sehr spannend und sicher total verrückt [:D]


    Gruß, Uwe


    http://www.sternenfreunde-eichsfeld.de

  • Hi Uwe,


    ich glaube eben verwechselst du La Palma mit Teneriffa, der "Roque de los Muchachos" ist auf La Palma und gut 2300m hoch, dort stehen auch die ganzen Teleskope, wie Herschel und GTC, das Hotel Parador hingegen steht in der Caldera auf Teneriffa.


    Gruß

  • oh...


    hast Recht Roland...das sehe ich jetzt erst [:o)]
    Vielleicht ließt aber wer mit, der trotzdem schonmal eine Nacht dort oben verbracht hat. Möglich wäre es. Und es wären fast 3400m Höhe mit perfekter Horizontsicht (viel besser als der mathematisch berechnete) Die eigentlich strenegen Parkwächter waren damals sehr freundlich, als ich oben bleiben wollte, obwohl die letzte Bahn ging.


    Gruß, Uwe


    http://www.sternenfreunde-eichsfeld.de

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