Eingenimport aus den USA?

  • Hallo beisammen,


    Vielen Dank für die netten und überlegten Antworten. Ist schon doll, wie schnell es hier gute Infos gibt.


    Ada: ich finde es im Prinzip gut, sich für die heimische Wirtschaft einzusetzen. Ich habe übrigens auch nicht auf die deutschen Händler schimpfen (wollen - sorry, wenn's so klang). Ich kann mir auch die Gründe für die Kalkulation gut vorstellen. Mir gehört ein kleines Software-Haus und neben unserer eigenen Software vertreten wir auch kleinere amerikanische Häuser. Nun ist Software ein wesentlich simpler zu importierendes Gut als Teleskope. Aber 'mal noch 2 Dinge zu Deiner Auflistung, die einem auch *echt* zu schaffen machen können: da ist zum einen der sehr wechselhafte Dollar-Kurs. Da Du aber nicht jede Woche neue Preise kalkulieren kannst, musst Du schon mit irgendeinem Mittelwert rechnen, der natürlich immer irgendwie "daneben" liegt. Ein ganz anderes großes Ärgernis ist die Zahlungsmoral. Die Kosten für Zahlungsausfälle müssen ja auch irgendwie aufgebracht werden, gehen also in die Kalkulation mit ein. Die US-Händler haben meist Vorauskasse (Kreditkarte), das ist erheblich unproblematischer. Das erklärt sicherlich nicht alles, aber auch das sollte man mit berücksichtigen.


    Was ich persönlich wirklich schlimm finde ist aber die "Ich lass mich im Fachhandel gut beraten und kauf dann woanders billiger" geiz-ist-geil Mentalität. Wenn ich mich irgendwo gut beraten lasse und dann aufgrund dieser Beratung kaufe, dann auch dort, wo die Beratung gut war. Alles andere ist unfair und kurzsichtig.


    Über alternative Beschaffungswege nachzudenken an sich halte ich aber nicht für verwerflich. Wichtig ist, dass man eben weiss, worauf man sich einlässt. Und auch die Kosten ehrlich betrachtet. Neben den Transportkosten dürften da Zölle so ziemlich der intressanteste Faktor sein. Übrigens würde ich "mangelnde Beratung" nicht unbedingt als US-Nachteil nennen. Heute ist ein Telefonat in die USA billiger als ein Ortsgespräch (DAS ist pervers!). Wenn ich also einen guten Astro-Händler in den USA habe und mit dem 2 Stunden telefonisch schwatze, ist das auch nichts anderes, wie wenn ich in München, Hamburg oder Berlin anrufe. Ein Risiko, was sofort eingängig ist, ist der Transport. Allerdings ist Mailorder in Deutschland auch schon mit ca. 100€ Speditionskosten belastet, in den USA kostet das dann 250$, also schon etwas mehr (jetzt mal größeres Gerät angenommen). Einmal zum Reparieren zurückschicken ist dann schon etwas teuerer. Und das eingangs im Thread genannte "Gurken-Risiko" ist natürlich gegeben. Dazu kommen dann so Sachen, dass man gut Englisch können sollte und wahrscheinlich noch ein paar Feinheiten.


    Genau darum ging es mir aber in dem Thread hier - 'mal rauszufinden, wie es ich der Praxis den wirklich so ist.


    Ich habe übrigens momentan keinen konkreten Anlass. Ich bin auf das Thema gekommen, nachdem wir beim gemeinschaftlichen Beobachten (und meinem Klagen über den Dollar-Kurs als Exporteuer ;)) darüber gestolpert sind.


    Ich habe aber mal Verglichen. Der Preisunterschied bei einem Celestron C11 auf guter GOTO-Montierung ist in der Tat so hoch, dass davon sogar noch der *vollständige* 2-Wochen US-Urlaub mit Probespechteln bezahlt werden kann - inkl. Transportkosten und 16% Einfuhrumsatzsteuer. Billiger ist es dann aber nicht mehr (es sei denn, der Euro steigt noch über 1,40$, was ich mir nun wirklich nicht wünsche ... Was aber nicht unrealistisch ist). Bei solchen Differenzen darf man mal über Kosten/Risiko/Nutzen nachdenken...


    Erfahrungen und Adressen von guten US-Astrohändlern werden immer noch gerne genommen ;)


    Viele Grüße und CS,
    Rainer

  • Hi Rainer,


    auch ich staune, was so alles zusammengetragen wird.


    Ich muß aber auch nochmal betonen, dass bei mir alles weitgehend gut gegangen ist, was nun wirklich nicht immer der Fall sein muß! Wenn ich daran denke, was auf mich zugekommen wäre, wenn mein riesen Teil irgendwie zurückgeschickt hätte werden müssen...oje, ich weiß nicht wie ich das weggesteckt hätte. Vielleicht wäre es z.B. gar nicht möglich gewesen, das Ding auf Kosten des Empfänges zurückzuschicken, das wären dann satte 400.- Euro(!) Versandkosten für nichts(!!) gewesen, gesetzt den Fall ich wäre vom Kauf zurückgetreten.


    Weiterhin hatte Discovery ziemliche Lieferschwierigkeiten, bzw. machte Zusagen die nicht eingehalten wurden. Dies war mir aus amerikanischen Foren bekannt. Dennoch wollte mich ein flaues Gefühl nicht verlassen. Ohne Bekanntschaft in Kalifornien, die ich im Notfall zum Händler hätte schicken können, wäre mir noch unwohler gewesen.


    Weiterhin hatte ich die Befürchtung, dass ich vielleicht ein ungliebtes (Gurken-)Teil erhalte. Einem Händler schickt man in der Regel keine schlechten Teile, man will ja den Export / die Exportbeziehungen nicht gefährden, bei einer Einzelbestellung kann so eine Versuchung schon mal greifen. Die Befürchtungen können sich bis zur Neurose steigern![:)]


    Ich hatte mich zwar diesbezüglich kundig gemacht und wußte, dass Discovery ziemlich viele Einzelbestellungen von privat aus der ganzen westlichen Welt erhält, dennoch muß man sich mit solchen Befürchtungen auseinandersetzen. Ich könnte noch eine recht unterhaltsame Geschichte erzählen vom gesamten Geschäftsvorgang, der allerdings nur in der Erinnerung erheiternd wirkt.


    All das sollte man sich vorher überlegen. Kurioserweise: ich würde es wieder tun. Denn bei mir hieß es kompromißlos: entweder ich werde so ein Ding nie besitzen ODER ich werde es auf diese Weise besorgen. Denn der Preis des deutschen Marktes war für mich nicht zu bezahlen.


    Ein Abenteuer war es allemal, und ich bin immer noch froh es getan zu haben, auch wenn ich es wieder abgeben muß. Hier kann das betreffende Gerät übrigens ausgiebig betrachtet werden:
    http://www.astrotreff.de/topic.asp?TOPIC_ID=16541

  • Ich wollte auch nochmal was zum Thema Import und die Folgen auf die deutsche Wirtschaft los werden:
    Wie machen es denn die deutschen Firmen, wenn ihnen die Produktionskosten in Deutschland zu teuer werden? Da kümmern sich doch die meißten auch nicht um den deuschen Arbeitsmarkt bzw. die Arbeiter. Entweder es werden mehrere 1000 Stellen gestrichen um statt 10 Mio 10,5 Mio Gewinn zu erwirtschaften und wenn das nicht geht werden die Produktionen halt ins Ausland verlagert.
    Ich für meinen Teil bin gerne bereit, die Wirtschaft und Industrie durch Konsum zu unterstützen, aber von was soll ich denn bitte was kaufen?
    Ich versteh's nicht ganz, dass in den USA Produkte halb soviel kosten wie bei uns, dort die Löhne aber auch nicht wesentlich niedriger sind als bei uns. Sicher ist das jetzt die Sicht des kleinen Käufers. Aber warum soll ich mich ständig bemühen, den Standpunkt der Wirtschaft zu verstehen, während die sich (scheinbar) einen Dreck um den meinigen kümmert. Es mag vielleicht etwas egoistisch klingen, aber wenn ich die Möglichkeit habe, vergleichbare Produkte und den damit verbundenen Service wo anders günstiger zu bekommen, warum sollte ich das dann nicht tun?
    Was unserer Wirtschaft, Industrie und dem Staat (siehe Harz4, "Öko"-steuer auf Benzin (ich bin Pendler und hab keine Alternative zum Kfz (die Bahn hat erst vor ein paar Jahren unseren städtischen Bahnhof geschlossen)), etc.) ein bischen abhanden gekommen ist, ist das Bewusstsein, dass wir Konsumenten zwar scheinbar die ohnmächtigste aber auch die größte und wichtigste Schicht im Land bilden wenn es darum geht irgendwoher Geld zu bekommen.Und diese Schicht ist nunmal nicht grenzenlos belastbar. Deswegen sehe ich Aktionen wie die Aktuelle bei den Gaspreisen mit höchster Genugtuung.
    Bei uns in Bayern gibt's da ein schönes Sprichwort: "An Nackert'n kam'ma net in die Taschn lang'a".
    Dass wir in einer neuen Zeit leben, in der wir alle damit rechnen müssen, früher oder später auf einen Teil unseres Luxus zu verzichten ist mir auch klar (insofern stimme ich mit den 2 grundlegenden Möglichkeiten die diesbezüglich weiter oben genannt wurden überein). Aber warum sollte ich als kleiner Mann mich jetzt schon mit weniger zufrieden geben, während die großen noch schnell kräftig abräumen.
    Ich kann nicht mehr Arbeit, weniger Geld und gleichzeitig auch mehr Konsum fordern. Von was und wann soll ich denn dann bitte noch konsumieren?


    mfg Hoffi

  • Hallo zusammen
    Ich habe mir 1994 die komplette ´Grundausstattung Celestron C8+
    Tele Vue Objektive zu fast dem halben Preis gegenüber Händlern in
    Deutschland inklusive Transport bestellt. Es fallen dann noch etwa 1-2 Prozent Zoll und die Mehrwertsteuer an. Bei vielen Händlern können bei Großteilen (Teleskopen) den Bestimmungsfluzghafen wählen. Der Service ist sehr gut. viele HÄndler sprechen auch deutsch. Außerdem ist die Technik in den USA gut ein Jahr früher auf dem Markt. Viele Sachen astrocomputer und andere Teile bekommt man in den USA als Bausätze z.b CCD Camera Cookbock. Die habe habe ich mir 1996 bestellt. Bei Kleinteilen gibt es übrigens die Möglichkeit den Vermerk Selbstverzoller vom Händler schreiben zu lassen. Dann wird ihnen das Paket direkt zugestellt. Sie müssen dann aber zum nächsten Zollamt gehen und die Ware verzollen.
    Ich bin bisher voll zufrieden mit dem Eigenimport und kann es nur weiterempfehlen. Noch günstiger ist es natürlich mit meheren zusammen zu tun. Das spart an Transtortkosten.

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