Heute vor 10 Jahren - Helle Polarlichter

  • Hallo zusammen,


    heute vor 10 Jahren zeigte sich über Mitteleuropa eines der eindrucksvollsten Polarlichter des 23. Sonnenfleckenzyklus. Am 27.05.2003 gegen 08:00 MESZ hatte sich auf der Sonne ein lang anhaltender Röntgenflare der M-Klasse ereignet; in der Nacht vom 27. auf den 28.05.2003 folgten gegen 02:00 MESZ zwei X-Class-Flares ( http://www.n3kl.org/sun/noaa_a…003/May_28/noaa_xrays.gif ). Alle 3 Flares waren von erdgerichteten CMEs begleitet. Die CME aus dem M-Class-Flare erreichte die Erde am 29.05.2003 gegen 14:00 MESZ; eine zweite Schockfront, welche mit einem oder beiden X-Class-Flares in Zusammenhang stand, traf gegen 21:00 MESZ ein ( http://www.saevert.de/bilder/030531sonnenwind.gif ). Bereits ab 14:00 MESZ setzte ein geomagnetischer Sturm ein, welcher bis zum Morgen des 30.05.2003 drei fast nahtlos aufeinander folgende Substorms hervorbrachte ( http://www.lutz-schenk.de/pl/p…20030529/20030529_kir.gif ). Während der gesamten Nacht vom 29. auf den 30.05.2003 lag der nachträglich ermittelte Kp-Wert bei 8 ( http://www.lutz-schenk.de/pl/pl2003/20030529/20030530_kp.png ).
    Spätestens ab 23:25 MESZ, evt. bereits ab etwa 23:00 MESZ wurden über Mitteleuropa Polarlichter beobachtet. Während der gesamten, in Folge der Mitternachtsdämmerung aufgehellten und kurzen Nacht war ein grüner Polarlichtbogen oder zumindest ein grünes Glimmen am Nordhorizont präsent. Die Hauptaktivitätsphase, welche mit einem neuen Substorm einsetzte, erstreckte sich von 00:00 bis 01:00 MESZ, wobei in 3 Intervallen (00:00-00:15, 00:25-00:35, 00:45-01:00 MESZ) rote Flächen sowie weiße, rote und violette Beamer beobachtet wurden. Die Beamer erschienen nach oben hin bläulich, weil sie dort - typisch für ein Sommerpolarlicht - von der Sonne beschienen wurden. In äußersten Norden Deutschlands reichten sie bis etwas über den Zenit hinaus, waren fast farblos und am hellen Mittsommerhimmel schwer zu beobachten ( http://3sky.de/PL/PL2/aurora_b_030529.html ). Gegen 01:50 MESZ setzte eine weitere, deutlich schwächere Aktivitätsphase ein.


    In der Schweiz war dieses Polarlicht ebenfalls sichtbar; von dort wurden vor allem rote Flächen und allenfalls schwache Beamer gemeldet.
    Das Polarlicht vom 29./30.05.2003 erlangte in der amateurastronomischen Szene einen hohen Bekanntheitsgrad, weil es von zahlreichen Teilnehmern des traditionellen Teleskoptreffens ITV am hessischen Vogelsberg beobachtet und fotografiert wurde. Gute Wetterbedingungen sorgten dafür, dass diesmal fast alle Polarlichtfans in Deutschland auf ihre Kosten kamen. Fast alle, denn einige hielten sich anlässlich der gut 24 Stunden später stattfindenden Ringförmigen Sonnenfinsternis (s. http://sonnenfinsternis.org/sofi2003a/index.htm ) in Schottland oder Island auf, so auch der Autor dieser Zeilen. Konnten wir "Isländer" am Morgen des 30.05.2003 aus Internet-Foren nur zerknirscht von der entgangenen Gelegenheit Kenntnis nehmen, so bekamen einige der "Schotten", bei denen die Weiße Nacht nicht gar so aufgehellt war, zumindest einen Hauch von Polarlicht mit. So gelang es z.B. Ulrich Rieth, bei Dundee einige Beamer zu fotografieren ( http://ulrich-rieth.de/sofi2003/aurora290503_01.html ).


    Wer mehr über das "ITV-Polarlicht" erfahren möchte, sei auf die hervorragende Dokumentation der Ereignisse auf den Webseiten von Lutz Schenk verwiesen: http://www.lutz-schenk.de/pl/pl2003/20030529/pl20030529.html .


    Viele Grüße aus Bonn,


    Stefan

  • Hallo Stefan,


    danke für die Zeitreise! Ich erinnere mich noch lebhaft.
    Wenn ich mich recht erinnere hab ich damals Eindrücke direkt vom Acker via Rechner und Handy an Meteoros oder astrotreff (?) geschickt. Ich muss direkt mal auf die Suche gehen...


    Cheers


    Oliver

  • Ich habe in meinem ganzen Leben leider noch kein Polarlicht gesehen, nicht mal ganz schwach. In diesem Fleckenzyklus ist aber auch echt nichts los!


    Bis dann,


    Michael

  • Hallo Stefan,


    danke an die Erinnerung!


    Weshalb ich schreibe: Michael, wenn wir bis in die Nacht vom Sonntag zum Montag nicht total abgesoffen sind (wann gab es schon mal einen so nassen, beobachtungsunfreundlichen Mai??), und eventuell es sternenklar werden würde (Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt) besteht eine reelle Chance über Mitteleuropa wieder so ein Schauspiel zu verfolgen: Auf der Sonne hat sich ein riesiges Koronales Loch gebildet, welches bekanntlich schnellen Sonnenwind erzeugt, welcher in oben genannter Nacht die Erde erreichen sollte.


    Hoffentlich CS...


    ...wünscht Volker!

  • Wow, also das würde locker reichen, damit ich wunschlos glücklich bin.
    Ich stelle mir gerade vor, sowas würde ich über dem nahegelegenen See vors Objektiv bekommen...[8D]


    Bis dann,


    Michael

  • Es ist tatsächlich völlig klarer Himmel heute Abend!
    Nur ist es immer noch viel zu hell, da muss man noch etwas abwarten.


    Bis dann,


    Michael

  • Ja, an dieses ITV erinnere ich mich noch zu gut... erst das Polarlicht, dann die haselnußgroßen Hagelkörner, und natürlich an die nicht gesehene Sonnenfinsternis... [B)]


    Viele Grüße
    Caro

  • Hi allerseits, danke Caro für den Hinweis mit der Sofi. Da hab ich doch von beiden Ereingnissen ein paar Fotos aus meiner Bodenluke in HH-Altona. 10 Jahre ist das her ?!? Alles mitten aus der Stadt, mit einer Olympus 2001 Ultra Zoom Digiknipse.





    Bei der Sofi einen Morgen danach hatten wir noch telefonisch bis tief in die Nacht herumdiskutiert, ob man besser irgendwo Richtung Nordseeküste fährt und sich da auf einen hohen Deich stellt. Ich habs zuhause ausgesessen. War nicht sicher, ob das so clever war: Bei Sonnenaufgang lag bei ansonstem klaren Himmel eine tiefe Wolken/Nebelbank am Horizont. Es waren Heißluftballons gestartet, die das Haus in ein paar 100m Höhe überflogen, und man konnte die Leute hören, wie sie sich über den Anblick euphorisch unterhielten. Eine Bekannte rief mich aus Potsdam an und schwärmte ebenfalls von dem tolen Anblick der aufgehenden Sonne. Bei mir sah's derweil so aus:



    Erst, als die Hörner der Sonne aus den Wolken erschienen, wurde es so richtig spektakulär:





    Hartwig

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