Erstlingswerk, Bericht und Fragen...

  • Hallo alle!


    Wie ich hier schon beschrieben habe,
    http://www.astrotreff.de/topic.asp?TOPIC_ID=144998
    möchte ich mein altes Projekt nun endlich fertigstellen.


    Nach Beratung durch Forenmitglieder, viel Nachdenken und Absprache mit einigen Bekannten habe ich mich jetzt allerdings gegen euren Rat doch entschlossen mich am Yolo zu versuchen. Ich hoffe das ich damit nicht eure Bereitschaft zur Mithilfe verspielt habe. Aber mit einem 160mm (effektiv 155-158mm) Newton wäre ich einfach nicht glücklich. Bevor ich so viel Zeit in so ein Gerät investiere könnte ich auch gleich eins kaufen. Einen Yolo aber nicht. Und irgendwo hier am Board hab ich gelesen das man den Spiegel schleifen (das Teleskop bauen) soll den (das) man will, nicht den der (das) einfach ist...


    Die mechanischen Bestandteile wie z.B. die Spannfassung und Spiegelzelle kann ich so gut wie gratis (d.h. wenn ich meine Garage für Karosserielackierarbeiten zur Verfügung stelle) in einer gut ausgestatteten Werkstatt anfertigen lassen. Einen guten Teil des Korpus- und Montierungsmaterials kann ich ebenfalls gratis beziehen wenn ich das ganze aus Bosch-Profilen fertige, was ich vorhabe.


    Also mein Entschluss steht fest, zumindest bis ich auf unüberwindbare Schwierigkeiten stoße die ich jetzt noch nicht voraussehen kann.




    Was bis jetzt geschah:


    Ich hab mir einen neuen Foucaulttester, einen Spiegelteststand, Balkensphärometer und einen Schleiftisch gebaut. Meine Ausgabe von "Spiegelfernrohre selbst gebaut" gefunden und "The Yolo Reflector" von Leonard im I-Net gefunden.


    Ich hab das Tool und den Spiegel vom Pech befreit, dazu hab ich die beiden erst einmal tiefgekühlt und das Pech mit dem runden Ende eines Hammerstiels vorsichtig abgeschlagen. Den Rest hab ich mit Speiseöl entfernt. Hat beides super geklappt, danke für die Tipps dazu!


    Ich hab die Brennweite des bereits begonnenen Spiegels mit ca. 3015mm bestimmt.


    Den gereinigten Spiegel hab ich unterm Mikroskop begutachtet und einige feine Kratzer gefunden die ich mir wohl mit dem Schwamm beim entfernen des Pechs zugezogen habe.


    War mir aber wurscht da die Brennweite nach meinen Berechungen sowieso zu kurz war.
    Zuerst hab ich das Buch von Herrn Trittelvitz hergenommen und die Maße des auf Seite 162 vorgeschlagenen Yolos auf 158mm Öffnung umgerechnet. Dabei bin ich auf eine Brennweite von 3342,35mm für den Primärspiegel gekommen.


    Also hab ich begonnen die Brennweite mit 220er Carbo, TOT und kurzen Strichen zu verlängern. 2x30min und ich bin gleich ein gutes Stück über das Ziel hinausgeschossen. Mit der Taschenlampenmethode konnte ich den Kugeldurchmesser nicht mehr bestimmen, mit dem Sphärometer komme ich auf eine Brennweite von rund 5201mm. Das das so schnell geht hätte ich nie gedacht. Liegt aber wahrscheinlich an der langen Brennweite. Zuerst hab ich an einen falschen Messwert oder einen stark abgesunkenen Rand gedacht, der Eddingtest sieht aber sehr schön aus und das Sphärometer sollte auch richtig eingestellt sein.


    Macht aber auch nix, ich schleif halt mit 220, MOT und langen zentralen Strichen weiter bis ich wieder in der Nähe der gewünschten Brennweite bin, sollte ja nicht all zu lange dauern...




    Soweit bin ich also bis jetzt gekommen, noch nicht sehr weit weil ich mich bis jetzt mehr mit theoretischen als praktischen Belangen beschäftigt habe. Dazu gehörte z.B. das ich die Formeln aus dem Leonard Paper in eine Excel Tabelle eingetragen hab um die Maße des Yolos einfach anpassen zu können, bzw. um zu sehen was passiert wenn ich die Brennweiten nicht so genau erwische wie ich es mir wünsche.


    Und da steh ich jetzt vor einem richtig großen Problem: Wenn ich den im Buch vorgeschlagenen Yolo in die Tabelle eingebe bekomm ich völlig unsinnige Werte. Einen Sekundärspiegel-Fokus-Abstand von guten 9,5m und einen Negativen Wert für die effektiv beleuchtete Sekundärspiegelfläche (also den Durchmesser derselben).
    Die Formeln finden sich hier:
    http://www.atmsite.org/contrib/Holm/yolo/index.html
    auf den Seiten 3 und 4. Das Exceldokument hab ich hier hochgeladen:
    http://rapidshare.com/files/2310552639/yolo-ma%C3%9Fe.xlsx
    Könnte sich das BITTE wer anschauen und mir sagen wo der Fehler liegt?


    Danke im Voraus!


    Florian

  • Hallo Florian,


    willkommen im Club der Yolo-Bauer.
    Deutschland ist ja wirklich noch 'ne Yolo-Wüste.
    Aber das wird sich ja nun ändern.[;)]


    Warum machst Du es Dir mit der Berechnung so schwer?
    Saug Dir doch einfach das kostenlose Programm WinSpot herunter.
    http://bhs.broo.k12.wv.us/home…mni/dstevick/software.htm
    Das zeigt Dir auch graphisch die Stellung der Spiegel und des Strahlenverlaufs, sowie das zu erwartende Beugungsbild.


    Ist nach ein paar Minuten recht einfach zu bedienen. Herumspielen mit den Samples vereinfacht das auch noch.


    Ich schleife meine Spiegel immer etwas über das Ziel hinaus, dann kann ich nämlich beruhigt und sehr intensiv bei den folgenden Körnungen TOT schleifen. So bekommt man recht bequem den Spiegelrand auspoliert. Da muss man dann nicht immer herum eiern damit der Kugelradius bleibt wo er ist.


    Ich bin mal gespannt wie es bei Dir so weitergeht.



    Viele Grüße von einem begeisterten Yolo-Bauer/Besitzer


    Ralf


    Edit:
    PS: Aus eigener Erfahrung hatte ich Dir damals zum Yolo geraten. Du wirst es bestimmt nicht bereuen.

  • Danke, das hat mir schon einmal sehr geholfen. Mit ein bisschen herumprobieren und gutem Rat von dir/euch bekomm ich so brauchbare Maße zusammen und kann abschätzen wie wichtig die Genauigkeit bei der Brennweite ist.
    Ich hab schon ein bisschen gespielt und bis jetzt folgendes erhalten:



    Ich glaub damit kann man leben oder?
    Welche Grenzwerte sollte man einhalten bei Coma und Asti?

  • Hi,


    das sieht doch sehr gut aus.
    Die werte entprechen ja fast die von meinem Yolo.
    SChau mal hier auf meine HP:
    http://www.astroattack.eu/selbstbau/yolo6zoll/yolo1.htm


    Natürlich kannst Du die Werte im Programm sehr genau einstellen, nur in der Praxis wirst Du die Winkel wohl kaum auf 1/10 oder 1/100 Grad genau justiert bekommen.
    Aber so empfindlich ist die ganze Sache nicht.
    Probier doch einfach mal aus die Winkel zu verstellen und schau Dir an was das Beugungsscheibchen dabei macht.
    Du wirst sehen wieviel Spiel Du bei den Winkeln und dem Toroid hast bis Dir etwas aus dem Ruder läuft.


    Selbst wenn Du jetzt bei beiden Spiegeln nicht die berechnete Brennweite hin bekommst, kannst Du die Fehler durch die Differenz durch optimieren der Winkel und des Toroids wieder weg justieren.


    Viele Grüße
    Ralf

  • Stimmt! Da hat man ja viel mehr Spielraum als ich gedacht habe! Sehr gut, so kann ich mir durchaus vorstellen das ich das hinbekomme.



    Mittlerweile hab ich mit dem 220er die gewünschte Brennweite fast erreicht. Kugelradius ca. 6710mm. Das Ziel sind 6684,7mm. Dazu hab ich 3x30 und 1x15min mit langen Strichen ohne Überhang gearbeitet.


    Jetzt gehts weiter mit 320er und kurzen, unregelmäßigen Strichen. Teilweise mit leichtem Überhang. Hier zwei Fotos vom heutigen Schleifvorgang. Mein Tool ist ca. 1cm kleiner als der Spiegel. Den Rest kann man eh recht gut sehen.


    Schleifen:



    Arbeitspause:


  • Ich hätte wieder einmal eine Frage:
    Ich hab jetzt noch ca. eineinhalb Stunden Schleifzeit mit der 800er Körnung vor mir. In meinem Buch steht das man nach dem 800er eigentlich anfangen kann zu polieren.
    Ich hab aber auch noch 1000er, 1200er und WAC1 hier. Ist es sinnvoll noch diese Körnungen durch zu schleifen oder soll ich jetzt anfangen eine Pechhaut anzufertigen?

  • Hallo Florian!
    Erstmal Gratulation, dass du dein Projekt doch wie beabsichtigt durchziehst!
    Wenn du noch 1000er und feineres Zeug hast, kannst du das gerne noch durchschleifen. Das erspart dir nachher einiges an Polierarbeit. Allerdings läuft man allgemein halt die Gefahr, dass man sich Kratzer oder so einfängt, wenn die Reinheit des Schleifmittels nicht gegeben ist, oder die "Hygiene" am Arbeitsplatz nicht passt. Aber das gilt ja eigentlich für alle Korngrößen!
    Ich würde noch etwas feiner schleifen, und dann erst polieren.


    MfG und CS wünscht
    Martin

  • Hallo Florian,


    Du legst ja gut vor.
    Ich würde Dir auch anraten mit kleineren Körnungen soweit zu schleifen wie es Deine Sauberkeit am Arbeitsplatz zu lässt.
    Mein derzeitiges 14"-Yolo-Projekt habe ich gerade ca. 4h mit 1µ geschliffen. Die Oberfläche fängt schon leicht an zu spiegeln. Bei Gelegenheit werde ich mal versuchen ob es damit schon ausreicht ohne Politur zumindest mal einen ersten Focault-Test zu machen.
    Auf jeden Fall spart das einige Stunden Politur ein.


    Gruß
    Ralf

  • Ich finde auch das es gut voran geht. Ich machs aber wie gesagt nicht alleine. Mir hilft mein 15 Jähriger Sohn, und der arbeitet wirklich brav mit. Ohne ihn wäre ich sicher erst halb so weit...

  • Sehr schön!
    Da ich nur mehr ca. 2 Stunden mit WAC1 vor mir hab, hab ich mir heute gedacht: "Mach dir doch schon eine Pechhaut auf das schöne neue Poliertool das du dir gebastelt hast."
    Und siehe da, ist beim ersten Mal gleich recht schön geworden. Hat für mich wirklich brauchbar ausgesehen. Und wie ich es dann die Kellertreppe hochgetragen hab musst ichs natürlich fallen lassen. Schön in der Mitte entzwei gebrochen das gute Stück!


    Also noch ein Tool basteln und neues Pech bestellen, ich brauch sowieso noch Schleifmaterial für den zweiten Spiegel.
    Hrmpf... Wisst ihr wie lange das ca. dauert wenn man bei Stathis bestellt?

  • Hallo Florian


    bestellungen bei Stathis gingen immer flott, doch könnte er auch mal im Urlaub sein...
    Das Pech kannst du auch abkratzen, lege das Tool zuerst in den Gefrierschrank, danach in einem Sack das Pech abkratzen, das springt sofort weg bei tiefen Temperaturen. Danach nicht sogleich einschmelzen sonder mal ein Tag offen liegen lassen, damit die Feuchtigkeit verdunsten kann welche sich am kalten Pech angehaftet hat.


    Gruss

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