Ein Hilfebedürftiger bei der Wahl des Teleskops

  • Liebe Astrogemeinde,
    wie viele andere Astrobegeisterte versuche auch ich mir ein Teleskop zuzulegen, das meinen Anforderungen gerecht wird. Meine Absichten: Gute Planeten- Landbeobachtungen und Transportfähigkeit des Gerätes. Dazu diente mir bisher nur das Internet als Informationsquelle, weil ich in der Nähe meines Wohnortes keinen ernsthaften Händler finden konnte. Als Zielobjekt habe ich mir das Sky-Watcher 80/400 ausgesucht. Der Preis sollte also zwischen 300 und 350 EUR liegen.
    Bitte um Unterstützung bei meiner Suche.
    Grüße
    Markus

  • Hallo Markus,


    erstmal herzlich willkommen im Forum. Das Sky-Watcher 80/400 scheint mir eher ein sogenanntes Richfield-Gerät zu sein, wegen der kurzen Brennweite. Das bedeutet, dass es sicher schöne Übersichten über weite Himmelsbereiche liefern wird, aber wohl für Planeten nicht so gut geeignet ist, weil für die eine höhere Vergrösserung besser ist. Mit 400mm Brennweite müsstest du zB. ein 5mm Okular benutzen um auf 80x zu kommen. Das ist für Planeten schon an der untersten Spassgrenze und dabei ist der Einblick in das Okular dann schon alles andere als angenehm. Sicher ist es mobil und für die Landbeobachtung bestimmt interessant. Aber wie gesagt, für Planeten würde ich eher etwas mit längeren Breitweiten nehmen so ab 900 mm, besser mehr, damit du die Kugeln auch gross genug bekommst, um Details zu sehen.


    Gruss
    Micha

  • Hallo Micha,
    vielen Dank dafür.
    Gibt es denn ein Teleskop ab 900 mm in dieser kompakten Größe?
    Ich meine hier in der Stadt werde ich die Planeten nicht so richtig beobachten können, weil nicht nur die Stadtlichter sondern vor allem die dicken, fetten Regenwolken im Wegen stehen. Deshalb würde ich das Teleskop z. B. nach Griechenland mitnehmen wollen. Da Du jetzt ungefähr mein Absichten kennst, wüsstest Du ein bestimmtes Gerät für mich? Den Preis erstmal zu Seite dahingestellt?
    Gruß
    Markus

  • Hallo Markus,


    hatte selbst kurz ein solches Gerät: Landbeobachtung ist gut möglich
    und transportabel stimmt. Aber Planeten kannst Du (fast) vergessen. Um
    am Planeten selbst etwas sehen zu können, brauchst Du hohe
    Vergrößerungen.


    Bei dem FH 80/400 bräuchtest Du also z.B. ein 2.5mm Okular um
    auf 160x zu kommen. Damit ist das Gerät aber völlig überreizt. Bei
    Deinen Budget-Vorstellungen (und Du brauchst ja auch noch ein bischen
    Reserve für's Zubehör) käme evtl. ein FH 70/900 in Frage, wenn es denn
    unbedingt ein Refraktor sein muß. Wenn Du dieses Teil dann ächzend auf
    etwa 120x bringst, kannst Du unter günstigen Bedingungen die
    Cassini-Teilung oder die großen Bänder auf Jupiter erahnen. Mehr aber
    nicht.


    Es gibt hier im Forum viele andere threads zum Thema "welches
    Einsteigerteleskop", schau Dich mal um mit der Suchfunktion...


    Viel Erfolg,
    Oliver

  • Hallo Markus,


    von Maksutov-Systemen habe ich leider keine Ahnung, aber deine Anforderungen laufen wohl darauf hinaus, da sie klein und kompakt sind und höhere Vergrösserungen auch mit besserem Einblick in das Okular möglich sind.


    Welche Vergrösserung für Planeten sinnvoll sind, kann man so pauschal nicht sagen. Ich schaue immer ab 32x aufwärts bis ca. 200x. Das letzte geht aber nur bei gutem Seeing vernünftig. Jupiter finde ich z.B. auch schon bei 50x sehr schön, weil man dann das Spiel der vier galilleischen Monde schön im Überblick hat. Um mehr Details zu sehen, benutze ich bei meinem Refraktor mit 1000mm Brennweite meistens ein 7mm Ortho (also ca. 140x), ein tolles Planetenokular wie ich finde. Wenn das Seeing es zulässt, geh ich Hilfe einer Barlowlinse max. damit bis 280x, das ist dann aber bei meiner Öffnung wirklich nur noch bei sehr guten Bedingungen - sprich wenig Luftunruhe und sehr dunklem Himmel - sinnvoll.


    Gruss
    Micha

  • Hallo Micha,
    mein Händler bietet Teleskope von DÖRR an. Die Auswahl ist zwar nicht so groß, dafür gibt es aber viele unterschiedliche Geräte. Der bisherrigen Informationen nach, würde sich eher ein kurzer Reflektor für mich besser eigenen. In meinem Katalog ist ein DÖRR Delta, Catadioptrisch 114/1000 mm auf einem EQ-1 Stativ. Was hältst Du denn davon? Auch dieses Gerät ist tranportabel.
    Gruß
    Markus

  • Hallo,
    wenn das Thema "Landbeobachtung" nicht wäre, würde ich zu einem 8-Zoll Dobson z.B. von GSO oder ähnlichem greifen. Wie der Testbericht in interstellarum gezeigt hat, sind die Optiken ordentlich wenn auch nicht perfekt. Bei einem Öffnungsverhältnis von f/5 oder f/6 wäre man später auch gleich für die Fotografie gerüstet. Ich würde mir nochmals überlegen, ob für die Landbeobachtung nicht ein Feldstecher besser geeignet ist und nicht schon in der Kiste bereitliegt.
    Gruß, Burkhard.

  • Hallo Burkhard,


    ein 8 Zoll Dobson als transportables Gerät?


    @Markus:


    von katadioptischen Newtons halte ich überhaupt nichts: Kugelspiegel, Korrekturlinse etc. machen das Gerät für Einsteiger zum Justagehorror mit einem viel zu dunklem Bild. Such doch mal hier im Forum nach dem Stichwort "katadioptisch". Über die Nachteile für Anfänger haben wir uns hier schon die Finger wund geschrieben. Und dann ist der noch auf einer EQ-1? Lass von dieser Wackelpartie bloss die Finger, damit versaust du dir wahrscheinlich dein Hobby.


    Nix gegen Dörr, ich kenn die Marke nicht, aber mit einem Lidlscope auf der Astro 3 (liegt zwischen EQ 2 und EQ 3) für ca. 70 Euro neu wirst du garantiert mehr Spass haben, als ein kurzgebauter 114er Newton auf ner EQ 1.


    Gruss
    Micha

  • Hallo Burkhard,
    Markus 1976 will das Teleskop mit in die Griechenland nehmen. Also ein 8" Dobson im Flugzeug ist sehr sehr schwierig, und transportabel ist das nicht. Ausser Dobson a la Stathis. Er hat transportable Dobson.
    mfg

  • Hallo Markus,


    Quote

    Markus: was wäre denn eine sehr gute Vergrößerung für Planeten und vor allem welches Gerät müsste ich mir dann zulegen?

    Wie Micha schon schreibt, kann man das so pauschal nicht sagen. Für
    Übersichtsbeobachtung reicht weniger, für Details auf dem
    Planetenscheibchen braucht man mehr. Grob gesagt: die großen Planeten
    sind so um die 30-45 Winkelsekunden, und die Kleinen zwischen 5-10".
    Und dann kann es z.T. noch erheblich mit dem Beobachtungszeitpunkt im
    Jahresrund variieren (Venus: 10-40").


    Als Mars besonders dicht war im Herbst 2003, war er etwa 25" groß. Hier (im
    Abschnitt "alle übrigen eingereichten Bilder") kannst Du viele verschiedene
    Bilder mit verschiedenen Geräten durchsehen. Auch kleinere Refraktoren
    sind dabei. Man sieht dann auch sehr schön die Unterschiede, die sich
    trotz gleichem/vergleichbarem Gerät noch aus seeing und Aufnahmeerfahrung
    ergeben...


    Quote

    Markus: ...und vor allem welches Gerät müsste ich mir dann zulegen?

    Schwer zu sagen bei Deinem Budget. Vielleicht müßtest Du erstmal
    genauer wissen, was Du am Planeten auf jeden Fall sehen können willst.
    Daraus ergeben sich Mindestanforderungen an das Teleskop. Kann dann
    allerdings passieren, dass Du feststellst: mit 350 Euronen geht es
    nicht...


    Viele Grüße,
    Oliver

  • Hallo Marcus und herzlich willkommen im Forum.
    Wenn du Interesse an der Beobachtung von Planeten hast und dies mit einem kompakten Gerät, dann kämen die Mak-Casegrains für dich in frage. Diese Geräte erreichen am Planeten mit Ihren Optiken schon einiges, jedoch um richtig etwas erkennen zu können und einiger maßen vernünftig vergrößern zu können, würde ich mind. einen 4"er empfehlen. Mit z.B. einem Sky-Watcher Mak 102 http://www.hoo-germany.de/produkt.php?prd=63 schaffst du Objekte bis zu einer Größenordnung von 12,7 mag und handlich ist das Gerät auch noch. Auch für den Urlaub macht dieser Mak keine großen Umstände, da es in seiner eigenen mitgelieferten Tasche gut als Handgepäck mitgeht.
    Gruß,
    Robert

  • Hallo zusammen,
    ich danke Euch allen für die interessanten Beiträge, die ich mir einzeln ausdrucke und mit meinen sonstigen Unterlagen abgleiche.


    Burkhard: Die Landbeobachtung scheint mir also ein Thema für sich zu sein. Ich dachte es wäre nur ein Nebeneffekt, den ich mit jedem Teleskop hätte. Wenn das so ist, dann lege ich natürlich mehr Wert auf die nächstlichen Himmelbeobachtungen.


    Micha: Von den Nachteilen der Catadioptrischen Geräte wusste ich bisher leider nichts. Was ich natürlich unbedingt meiden will ist eine Nachjustierung. Dazu bin ich noch nicht kundig genug. Davon sind aber auch eher die Reflektoren als die Refraktoren betroffen, oder? Wie kann denn aber das 70 EUR Lidl-Teleskop besser sein als ein 300 EUR Teleskop vom Fachhändler. Irgendwas macht Lidl richtig, aber was?


    Oliver: Die Bilder habe ich mir bereits alle angeschaut. Einige sind besser als die anderen und umgekehrt. Bei den Geräten konnte ich aber in den meisten Fällen das GSO 8' Newton Teleskop finden. Gibt es denn solche Bilder auch von kleineren Geräten?


    Robert: Also von MakCasegrains habe ich bisher noch nichts gehört. Werde mich mal im Internet umsehen. Das Problem sehe ich dann eher in der Umsetzung eines Kaufs. Ich kenne in meiner Umgebung nur einen Händler, der sich eher nicht gut auskennt "Tante Emma Laden". Und ich würde ein Teleskop ungern im Internet bestellen.


    Grüße
    Markus

  • Markus,
    deinen "Tante Emma Laden" für Teleskope kannst du natürlich gerne in Anspruch nehmen, da wird aber wahrscheinlich nicht so das richtige Teleskop für dich dabei raus kommen. Im Internet zu bestellen, ist natürlich immer irgendwie "komisch". Den Link den ich dir gab, führt zu solch ein Mak-Cassegrain. Hier in den Foren sind neben mir auch andere Astrohändler, die absolut vertrauenswürdig sind, im Anbetracht daß die doch bekannt sind und die hier anwesenden doch wissen, daß derlei Betrügereien wie daß der Kunde seine Ware bezahlt und nichts erhält, oder dergleichen nicht vorkommen. Bei Ebay würde ich anders denken.
    Aus welcher Gegend bist du? Falls du in NRW zuhause bist und nicht all zu weit weg von Heinsberg wohnst, dann komm vorbei und ich zeige dir einige verschiedene Teleskope. Dann siehst du was die einzelnen Typen alles können und was für dich das beste ist. Oder du versuchst in deiner Gegend astronomische Vereine oder irgendwen zu kontaktieren, der dich mal mitgucken lässt.
    Gruß,
    Robert

  • Hallo Markus,


    vor ner Internetbestellung brauchst du keine Angst zu haben. Ich denke mal, dass fast alle das hier so machen. Kaum einer wohnt da, wo es die Händler gibt und mehrere hundert Kilometer fahr ich deswegen nicht mit meinem ollen Cabrio [8D]. Ich habe persönlich nur gute Erfahrungen gemacht und mittlerweile schon 3 Teleskope problemlos zugeschickt bekommen.


    Nun, es gibt auch Refraktoren, die man justieren kann, bei teureren wie z.B. von Vixen ist das aber nicht vorgesehen, nur beim OAZ. Das ist aber alles nur ein kleines Problem. Soweit ich weiss, sind Mak-Cassegrains auch sehr justagestabil. Da muss aber mal ein anderer was zu sagen, denn ich habe nur noch Refraktoren hier rumstehen.


    Spiegelteleskope muss man justieren, je grösser die Öffnung und je kleiner dabei das Öffnungsverhältnis ist (Brennweite : Öffnung), desto justieranfälliger sind sie wohl. In der Praxis heisst das aber auch, dass du mit einem Newton kleinerer Öffnung (z.B. 114) nicht dauernd nachjustieren musst. Anleitungen wie man das z.B mit einer Filmdose und ohne Justierlaser hinbekommst, findest du im Netz. Das ist alles nur halb so wild und man lernt es schnell. Komplizierter wird es erst richtig bei den sehr lichtstarken Geräten wie f4-Newton.


    Das Öffnungsverhältnis sagt dir schon etwas darüber aus, wofür ein Teleskop sich eignet. Ein hoher Wert (so von f9-fxx) kennzeichnet ein eher auf Planeten spezialisertes Teleskop, ein niedriger die lichtstarken DeepSky-Teleskope. Darum sind Maks mit ca. f14 sicher ganz gute Planetenjäger. Für deine Preiskategorie und Vorstellungen finde ich z.B. dies Gerät hochinteressant
    http://www.teleskop-service.de/Astro/Mak/mak.htm#Tsmak102


    Ich kann aber nicht beurteilen, wie gut es ist. Als Reiseteleskop würde ich es mir aber durchaus selbst kaufen. Du kannst dir auch ein Lidlscope bei ebay ersteigern und nur den Mak-Tubus erwerben. Da kommst du noch billiger mit weg, weil auch das Lidlscope eine Astro 3 Montierung hat. So kannst du gleich 2 Teleskope noch billiger bekommen, als ein komplettes vom Händler. Nur so als Spar-Tipp und ich hoffe sie reissen mir hier dafür nicht die Rübe runter. [:o)]


    Gruss
    Micha

  • Mensch Micha, du hast aber auch immer gute Ideen! [8D]


    Übrigens wollen wir am Freitag, wenn das Wetter es zulässt, unseren 8 Zöllern "First Light" verpassen, wenn sie rechtzeitig eintreffen.


    Wenn du Bock hast zu spechteln, dann meld dich einfach!


    Gruss Ramses

  • Hi Ramses,


    das könnte evtl. klappen, genau weiss ich es aber noch nicht. Ich kenn da nen cooles Plätzchen für das first light ca. 12 km von dir entfernt. Genaueres dann telefonisch oder per PM.


    Gruss
    Micha

  • Hallo zusammen,
    Robert: Ich wohne ca. 100km weg von Heinsberg, nämlich in Leverkusen. Wenn sich eine Gelegenheit ergibt werde ich gerne vorbeikommen, um mir die Geräte anzusehen. Danke.


    Micha: Die Russentonnen also. Sind die denn auch soweit verbreitet, daß es so viel Zubehör dafür gibt, wie für die bekannteren Teleskope? Ich kenne jetzt mehrere Marken und es werden immer mehr. Dobson, Meade, Doerr, Skywatcher, Newton, Mak und SkyLux. Ich weiß auch, daß man sich an keine Marke binden sollte. Ich werde mich jetzt auf jeden Fall nach einem Refraktor umsehen, der einigermassen transportable ist und ein Üffnungsverhältnis von f9-fxx hat. An Reflektoren finde ich auch komisch, daß man von der Seite reinschauen muss. Ist das nicht etwas umständlich beim Fokusieren? Ich kann mir das nur schwer vorstellen.
    Viele Grüße
    Markus

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