maximale, sinnvolle und förderliche Vergrößerung

  • Ich dachte eigentlich, dass die Vergrößerung eines Teleskops relativ einfach bestimmt werden kann, aber mittlerweile bin ich mir da nicht mehr so sicher.
    Ich besitze einen Newton-Reflektor 150/750.
    Beim Kauf hat mir der Händler erklärt, dass sich die maximale Vergrößerung ganz einfach mit der Formel "Öffnung x 2" berechnen lässt. In meinem Fall also 150x2, ergibt eine Vergrößerung von 300 mit einem 2,5mm Okular.
    Zu meinem Teleskop habe ich damals auch den "Fernrohr Führerschein" aus dem Oculum-Verlag gekauft. Hier wird die maximale Vergrößerung ganz anders berechnet.
    "Öffnung in mm / 0,7" ergibt die förderliche Vergrößerung. Dieser Wert wird mit zwei multpliziert und ergibt die maximale Vergrößerung.
    Einfache Rechnung: (150/0,7) * 2 = 428,57 also rund 430. (Okular mit 1,7mm Brennweite)
    Das ist eine recht große Differenz. Gibt es etwa verschiedene maximale Vergrößerungen?
    Zu allem Überfluss kommt dann noch die "sinnvolle Vergrößerung".
    Bei Newtonteleskopen soll diese durch "Öffnung in mm x 1,5" berechnet werden, also 150 x 1,5 = 225.
    Jede Menge Vergrößerungen aber doch noch kein klares Bild.
    Mit der "sinnvollen Vergrößerung" verbinde ich die Vergrößerung, bei der die volle Auflösung des Teleskops ausgeschöpft wird.
    Warum vergrößere ich aber über die sinnvolle Auflösung hinaus, noch dazu in solchen Dimensionen, wenn ich dann eigentlich nichts mehr sehe, außer einem "Fleck" am Himmel.
    Ich habe jetzt zur "passenden" Vergrößerung ein Okular mit 3,5mm bzw. 4mm ausgesucht, da diese der "sinnvollen" Vergrößerung am nähesten kommen. Oder kann ich doch eine höhere Vergrößerung wählen?


    MfG
    Blacky27

  • Wenn du dir beim Suchen Mühe gibst, wirst du bestimmt noch ein halbes Dutzend weitere Definitionen finden [:D].
    Vergrösser einfach so hoch, wie das Bild für dich noch okay ist [;)].


    Für die meisten Benutzer dürften die meisten Teleskope bei einer AP von unter 0,7 mm keine weiteren Details mehr zeigen, so lange das Seeing nicht schon früher die Grenze setzt.

  • Hallo,


    <blockquote id="quote"><font size="1" face="Verdana, Arial, Helvetica" id="quote">Zitat:<hr height="1" noshade id="quote">
    Beim Kauf hat mir der Händler erklärt, dass sich die maximale Vergrößerung ganz einfach mit der Formel "Öffnung x 2" berechnen lässt. In meinem Fall also 150x2, ergibt eine Vergrößerung von 300 mit einem 2,5mm Okular.
    Zu meinem Teleskop habe ich damals auch den "Fernrohr Führerschein" aus dem Oculum-Verlag gekauft. Hier wird die maximale Vergrößerung ganz anders berechnet.
    "Öffnung in mm / 0,7" ergibt die förderliche Vergrößerung. Dieser Wert wird mit zwei multpliziert und ergibt die maximale Vergrößerung.
    Einfache Rechnung: (150/0,7) * 2 = 428,57 also rund 430. (Okular mit 1,7mm Brennweite)
    Das ist eine recht große Differenz. Gibt es etwa verschiedene maximale Vergrößerungen?
    <hr height="1" noshade id="quote"></blockquote id="quote"></font id="quote">


    Jaja, das Geschmurgel mit den Vergrößerungen, die je nach Sichtweise mal hin, mal her springen, mal das Seeing berücksichtigen, mal nicht, mal das Teleskopsystem berücksichtigen... usw.


    Die Faustformel sagt Öffnung x2, aber da geht es schon um ein paar Ausnahmenächte, deren Anschaffung eines Okulars man bewusst in Frage stellen kann.


    Schlussendlich geht man bei den sinnvollen Grenzen der Vergrößerung min/max vom menschlichen Auge aus. Einserseits die Verteilung der Sehzellen auf der Netzhaut, andererseits von der maximalen Öffnung der Iris, was auch vom Alter des Beobachters abhängt.


    Man geht davon aus, daß der Strahl, der das Okular verlässt , also die Austrittspupille und in das Auge dringt, nicht kleiner als 0,5mm sein sollte, da darunter aufgrund der Seezellenverteilung keine weiteren Bildgewinne zu erwarten sind. Nun ist ja also Öffnung *2 das Gleiche wie Öffnung in mm / Austrittspupille in mm, hier mal zur Annahme 0,5.


    Theoretisch.
    Rein praktisch kommen eine Reihe von Fehlerchen dazu, die diese 0,5mm AP selten oder unmöglich machen, sodaß man (oder besser... ich) hier mit einer AP von 1mm bis 0,8mm rechne. eine AP von 1mm bedeutet ja anders ausgedrückt nichts anderes als einfache Öffnung als sinnvolle Vergrößerung, in ruhigen Nächten auch mal etwas mehr, also 0,8mm.


    Das käme den angesprochenen 0,7mm AP doch schon näher.
    Wo hier allerdings der Faktor 2 herkommt, entzieht sich meiner Kenntnis, bzw dürfte kein für die visuelle Beobachtung anwendbarer Faktor sein.

    CN&CS

    Toni

  • An die max. Vergößerung wirst du warscheinlich eher selten kommen.


    Warscheinlich treibst du dich die meiste Zeit in einem Bereich von 30fach - 200fach herum.


    Das Seeing, also Bewegungen der Luftschichten können dir ganz schnell dein Bild bei hohen Vergrößerungen zerschießen.
    Auch ein nicht ausgekühltes Teleskop kann dir einen Strich durch die Rechnung machen.
    Und die sinnvolle Vergrößerung hängt von dem Objekt ab welches du beobachten willst.


    Ein großer Nebel zeigt dir bei 300fach nicht mehr viel, da brauchst du kleine Vergrößerungen und große Gesichtsfelder.
    Der Mond, Planeten und einiges mehr vertragen und benötigen eine hohe Vergrößerung.


    Gamer

  • Hallo "Blacky",


    vom Prinzip gilt für jedes Teleskop das Gleiche- die Austrittspupille soll nicht kleiner als 0,5mm werden und nicht größer als die Pupille des Beobachters. Da richtet sich man sich meist nach der Himmelshelligkeit.


    Wenn du also noch einen Stern mag5,5 mit freiem Auge sehen kannst sollte die Austrittspupille so um 5,5mm liegen- darf noch ein wenig größer sein, aber so bei 6mm bis max. 6,5mm ist dann langsam Schluss mit lustig- der Hintergrund des Himmels wird im Teleskop zu hell und die lichtschwachen Objekte saufen darin ab.


    Wird die AP größer als die Pupillengröße des Beobachters dann verschenkt man Licht da dieses dann eben nicht mehr von dem Auge aufgenommen werden kann- es geht ja an der Pupille vorbei.


    Maximal und förderlich: maximal läge bei 0,5mm AP- entspricht Öffnung x2 bei der Vergrößerung. Noch mehr bringt nichts weiter- das Bild wird dunkler, aber auch unschärfer und es werden keine weiteren Details sichtbar, auch wenn das Bild dabei größer wird.


    Aber- bereits bei einer AP von 1mm kann das Auge schon gut 95% der vorhandenen Details erkennen, auch wenn das Bild noch nicht ganz so groß ist wie es sein könnte. Dafür ist es dann noch deutlich heller. Das ist der Wert der dann als förderlich angegeben wird- je nach Autor schwankt das ein wenig.


    Hier mal ein Link- Okularrechner- wenn du die Spalte "Exit Pupil" ansiehst und dazu die Vergrößerung wirst du leicht die nutzbaren Okulare herausfinden. Oben im Kopf kannst du jedes beliebige Teleskop eintragen und dann neu rechnen lassen.



    Hi Gamer- <blockquote id="quote"><font size="1" face="Verdana, Arial, Helvetica" id="quote">Zitat:<hr height="1" noshade id="quote">An die max. Vergößerung wirst du warscheinlich eher selten kommen.<hr height="1" noshade id="quote"></blockquote id="quote"></font id="quote">Kommt halt ein wenig auf das Teleskop an- wenn man mit einem 4"er beobachtet, sind die 200x wohl fast immer möglich. Guckt man mit 20" dann kann man die 1000x sehr selten machbar.


    Gruß
    Stefan


    PS: kann man dich auch anders anreden als "Blacky"? Hier auf Astrotreff ist es gängig sich mit realen Namen anzusprechen.

  • Hallo Klaus,
    <blockquote id="quote"><font size="1" face="Verdana, Arial, Helvetica" id="quote">Zitat:<hr height="1" noshade id="quote">...Zu allem Überfluss kommt dann noch die "sinnvolle Vergrößerung"...
    <hr height="1" noshade id="quote"></blockquote id="quote"></font id="quote">
    das ist aber die wichtigste[8D]. Diese sollte man sinnvollerweise individuell ermitteln. Viel Spaß dabei wünscht dir


    Kurt

  • Hallo Klaus,


    unsere Augen scheinen eine große Spannbreite an Auflösungswerten zu haben. Bei einer Person mögen es Nachts 3 Bogenminuten sein, bei einer anderen sind es eher 8 Bogenminuten. Nun musst du einfach das Auflösungsverhältnis Auge/Teleskop bilden und heraus kommt die sinnvolle Maximalvergrößerung für deine Augen. Im Karkoschka steht für das dunkeladaptierte Auge ein Wert von 300", also 5 Bogenminuten. Dein 150er Newton hat etwa 0,8" Auflösung. Du könntest also 300/0,8 = 375fach vergrößern, wenn deine Augen der Angabe im Karkoschka entsprechen. Siehst du besser wird es weniger Vergrößerung, sind die Augen schlechter, wird es eben mehr Vergrößerung. Viel Spaß beim Ausprobieren.


    Sternklare Grüße
    Alko

  • Hallo Blacky27,


    <blockquote id="quote"><font size="1" face="Verdana, Arial, Helvetica" id="quote">Zitat:<hr height="1" noshade id="quote">
    Zu meinem Teleskop habe ich damals auch den "Fernrohr Führerschein" aus dem Oculum-Verlag gekauft <hr height="1" noshade id="quote"></blockquote id="quote"></font id="quote">


    Kein Wunder, so ganz ohne Führerscheinprüfung.....au weia.


    Was man hier immer so lesen kann...


    Gruß und cs,


    René

  • Hi,
    die Auflösung des Auges ist maßgeblich von der Helligkeit bestimmt. Am Rande der Wahrnehmungsgrenze und bei perfekter Dunkeladaption werden die Stäbchen nerventechnisch in Gruppen zusammengeschaltet, was das Auflösungsvermögen massiv einschränkt. Bei hellem Himmelshintergrund kommt es für lichtschwache Objekte mehr auf die Kontrastleistung (unter Dunkelheit) an, ab wann man etwas vom Hintergrund getrennt wahrnehmen kann. Die nachts wirksamen Stäbchen der Peripherie sind aber eher auf Bewegungserkennung 'getrimmt'.


    Am Jupiter oder anderen hellen Objekten dagegen sind u.U. noch die für Farbsehen maßgeblichen Zapfen aktiv. Im Sehzentrum "Fovea centralis" sind ~140.000 Zapfen pro Quadratmillimeter (glaubt man Wiki).


    Insofern gibt es unterschiedliche Anforderungen hinsichtlich max. Vergrößerung. Subjektive Unterschiede kommen noch hinzu, wenn Augen noch mit diversen Schwächen/Fehlern/Krankheiten behaftet sind.


    So gesehen haben die unterschiedlichen Autoren fast alle recht, bis auf die Werbeaussagen, die bei 70mm Öffnung eine 600x-Vergrößerung versprechen.[:D]


    Gruß

    Alles wird gut!
    Kalle

  • Hi Klaus,


    Du hast ja schon eine große Menge sinnvoller Hinweise bekommen (das Posting von astromaster wie leider so oft mal aussen vor gelassen ;) ).


    Ich möchte hier nochmal das was Kurt, skylux und Kalle gesagt haben unterstreichen - es hängt erstens von Deinen Augen und Sehgewohnheiten ab, aber zweitens auch von der scheinbaren Ausdehnung, Helligkeit und Kontrast des Beobachtungsobjektes!


    Das alles beeinflusst viel mehr als man meist glauben würde die Fähigkeit unserer Augen, feine Details zu erkennen und damit Nutzen aus hohen Vergrösserungen zu ziehen. Der beste Tipp den man geben kann ist glaube ich folgender: Beobachte viel mit den Okularen die Du momentan hast.


    Bald stellt sich dann ein Gefühl dafür ein, ob mit höherer Vergrösserung als momentan verfügbar manchmal "mehr ginge". Ich würde aber sehr vermuten, den meisten Spass machen mit Deinem Teleskop (wie meistens!) eher nicht die extrem hohen Vergrösserungen. Wichtiger als Vergrösserung ist in der Astronomie nämlich immer, dass Dein Teleskop Licht sammelt und Dir damit schwache Objekte zeigt. Gerade bei denen sollte man nicht extrem hoch vergrößern...


    Viele Grüsse,
    Dominik

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