Meade ETX 125 oder Zeiss Diascope 85 ?

  • Hallo,
    ich komme eigentlich aus der Vogelguckerecke. Da man aber recht schnell feststellt, daß die Optikexperten wohl eher unter den Sternenguckern zu finden sind, möchte ich meine Fragen in diesem Forum stellen. Das Problem ist Folgendes: Für Tagbeobachtungen benutze ich zur Zeit ein Zeiss Diascope 85 mit Zoomokular (8-24 mm, 20-60x). Allerdings hätte ich lieber eine Vergrößerung im Bereich von über 100-fach. Meade bietet jetzt das ETX 125 als reines spotting scope an. Würde man bei diesem Gerät (Brennweite 1900 mm) z.B. ein 8 mm-Okular reinsetzen, hätte man eine Vergrößerung von 238-fach. Die Frage ist nun, ob das überhaupt Sinn macht. Kann man da noch mit einer gestochen scharfen Abbildung rechnen ? Meine Zielobjekte sind meist nur 200 m von mir entfernt, aber treten auf dieser kurzen Entfernung schon atmosphärische Störungen auf ?


    Was mich interessiert ist einzig und allein die Schärfe und Helligkeit der Abbildung, nicht die Größe des Sichtfeldes.


    Generell würde ich gerne auch erfahren, welche Optik besser ist. Unter den Spektiven landet das Zeiss Diascope in allen mir bekannten Tests stets in der Spitzengruppe. Kann das Meade ETX 125 von der optischen Qualität her überhaupt mithalten ? Zur Zeit kann ich die optische Qualität der Meadeprodukte überhaupt nicht einschätzen.


    Viele Grüße und Danke für die Antworten


    Kai

  • Hi Kai,


    der ungefähre Grenzwert an Vergrößerung und damit auch fürs Scharfstellen ist die doppelte Öffnung in mm. Bei dem ETX-125 ist das demnach rund 250x. Darüber kannst Du zwar noch vergrößern, aber das Bild wird flau wirken.
    Ob das ETX mit dem Zeiss mithalten kann, weiß ich nicht. Ich kenne aber eine Optik von einem ETX-90, und die ist schon recht ordentlich. Die Gabelmontierung war jedoch gewöhnungsbedürftig; diese fällt aber bei einem Spektiv weg. Auf meiner Homepage findest Du ein paar Bilder vom Mond, die ich mit einem ETX-90 gemacht habe. Vielleicht können diese Dir ja etwas weiterhelfen.


    Ciao,
    Martin

  • Quote
    <i>Original erstellt von: Kai D</i>
    <br />Für Tagbeobachtungen benutze ich zur Zeit ein Zeiss Diascope 85 mit Zoomokular (8-24 mm, 20-60x). Allerdings hätte ich lieber eine Vergrößerung im Bereich von über 100-fach.


    Hallo,
    Mit dem ETX hab ich keine Erfahrung. Dein Zeiss-spektiv hat eine Öffnung von 85 mm d.h. die Vergrößerung kann nicht höher als 170fach werden. Zudem sind Zoomokulare immer nachteilig, weil sie aus vielen Linsen bestehen. Besser ist es Einzelokulare zu benutzen und die zu wechseln. Beim Vogelspechteln ist natürlich auch die einfache Handhabung mit entscheidend, ich kann mir vorstellen, daß ein Okularwechsel da Probleme machen kann.
    Hast Du die Möglichkeit das Gerät irgendwo auszuprobieren? Wenn du den Händler fragst, dann weis der sicher eine Möglichkeit.
    Grüße Martin

  • Hi Kai,


    ich verwende auch ein sogenanntes Spotting Scope, etwas kleiner: TS Mak 102/1400. Folgendes fällt mir auf: die Naturbeobachtung ist wesentlich anspruchsloser als die astronomische. Das erste Gerät konnte noch nicht einmal die Planeten scharf stellen, in der Naturbeobachtung fiel mir nichts auf. Als ich bei der astronomischen Beobachtung das Problem bemerkte (mit Hilfe Erfahrener Beobachter in der Sternwarte München), wurde das Gerät anstandslos ausgetauscht. Daher mein Tipp: Gerät in der Nacht bei Stern- und Planetenbeobachtung testen.


    Hingegen kann man die Vergrösserung trotz dieses Sachverhalts nicht überreizen. Mit meinem 5m Nagler Okular, welches sehr gut ist, bekomme ich eine fast dreifache Vergrösserung, das Bild ist aber selbst in der Naturbeobachtung etwas matschig, Genuß will nicht mehr aufkommen.


    Auch bei den Meade Geräten wird es Ausreißer geben, dass sollte beim Kauf mit Umtauschrecht, oder wie in meinem Falle mit gutem Kontakt zum Händler/guter Ruf des Händlers, abgedeckt sein.


    Die Sicherheitsformel lautet auch D*1,5, was beim besagten ETX 125 immerhin ungefähr 180-fache Vergrösserung darstellt. Zum Preis-Leistungsverhältnis kann ich nichts sagen. Meines kostet 210.-, ohne Montierung, mit motorisierter Montierung blieb ich noch alles inklusive bei unter 450.- Euro. Aber wohlgemerkt: ich habe 23mm weniger Öffnung, und es ist nicht Meade, falls da Wert drauf gelegt wird.

  • Hallo Kai,


    ich bin Besitzer eines Meade ETX 105 welches ich zum Teil auch für Tagesbeobachtungen nutze und kann dir folgendes sagen:
    Die Geräte haben eine gute bis sehr Optik, können aber nicht ganz mit (mehrfach teureren) Linsenoptiken mithalten.
    Die m.E. sinnvolle Maximalvergrößerung für Tagesbeobachtungen entspricht dem 1- bis 1,5-fachen der Öffnung in mm, also beim ETX-125 bis etwa 180fach, dein Zoomokular passt da also genauso gut rein.
    Oberhalb von 100facher Vergrößerung bekommst du allerdings mit der Feinbewegung eines herkömmlichen Fotostativs Probleme, von daher solltest du für diese Fälle eine Montierung einplanen, die eine Feinbewegung in den Achsen erlaubt.


    Gruß Christian

  • Ach ja,


    das von Christian gesagt möchte ich hiermit unterstreichen: ich hatte auch die Naturbeobachtungen zunächst mit einem Fotostativ durchgeführt. Wie Christian sagt, ab einer gewissen Vergrösserung (spätestens 50fach) ist das Auffinden schon nicht mehr ganz einfach. Vom guten Zentrieren ganz zu schweigen. Und wenn sich das zu beobachtende Getier noch bewegt, ist ganz feierabend, da hatte ich mich schon recht geärgert. Mit meiner jetzigen EQ3 alles kein Problem mehr.

  • Hallo,
    vielen Dank für die vielen netten Antworten. Besonders interessant finde ich, wie Ihr die maximal sinnvolle Vergrößerung ungefähr abschätzt. Ich werde mir demnächst so ein Gerät zulegen, und dann auch mein bisher benutztes Fotostativ gegen was Besseres eintauschen. Bei 60x sind Motivsuche und verwacklungsfreies Beobachten in der Tat nicht ganz einfach. Im Winter, wenn das mit den Tagbeobachtungen abends nicht mehr so ganz funktioniert, sehe ich mich schon auf dem Balkon sitzen.


    Viele Grüße


    Kai

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