Lunt LS35THa DX first view und fragen

  • Hallo an alle Sonnenbeobachter.


    Seit einer Woche bin ich Besitzer eines Lunt LS 35 Dx.
    Durch das Wetter bin ich erst heute dazu gekommen, es auszuprobieren.


    Vorher hatte ich mit meinem 8" Dobson im Weißlicht beobachtet. Durch die schönen H-Alpha Bildern habe ich mich dazu entschlossen, mir ein kleines Lunt zuzulegen.


    Erster Eindruck:


    Außen solide verarbeitet, drehfukusierer sehr weich und präziese.
    Die Messingplatte an der Kupfassung ist etwas braun geworden, sonst aber keine Mängel.


    Ein erster Einblick:
    Ich habe gelesen das man das Teleskop etwas an der Sonnen stehen lassen soll, damit es die volle Bildstärke erreicht(korrigiert mich wenns falsch sein sollte).
    Ich habe 10 min gewartet.


    Dann das mitgelieferte Okular eingesteckt und losgelegt.
    Sehr schön sind mir die Protuberanzen aufgefallen, sie wirklich sehr scharf dargestellt werden.


    Nur ist mir aufgefallen das das mitgelieferte Okular einen sehr unruhigen einblick hat und von den angeblich 70° Gesichtsfeld war auch nicht viel zu sehen....also gleich mal weg damit und mein Seeben Zoom Oklular (8-24mm) rein.


    Mit dem Seeben Zomm war der Einblick besser und das geringere Gesichtsfeld hatte keinerlei negative auswirkungen auf das Bild.


    Nun zur Oberfläche:
    Die ist leider nicht so schön Orange und Kontrastreich wie bei den Bildern oder in den PST-Youtube viedeos zu sehen ist(vieleicht ein schlechter vergleich?).
    Mein Bild ist rötlicher, wobei man auch dort die Granulen zu erkennen sind, allerdings nicht sofort.
    Nach etwas längeren hinschauen erkannte ich dann auch 3 nahgelegene Sonnenflecken Süd-östlich und ein Filament in der nord-west Region.
    Mehr war auch nicht zu sehen (keine Plages oder sonstiges). Vieleicht auch weil heute die Sonne nicht so arg aktiv ist oder auch weil ein ganz dünnen Nabel den Kontrast verschlechtert hat.


    Nun zur Kippfassung.
    Ganz zugedreht: Oberflächendateils und Protuberanzen sind zu erkennen.


    Nach 3 bis 4 Drehungen (halb offen): Die Protuberanzen sind schärfer zu sehen, die Oberfläche scheint gleich geblieben zu sein.


    Bis zum Anschalg aufgedreht: keine Protuberanzen und (scheinbar)keine Oberflächendetails sind zu sehen. Lediglich die Farbe ist Orange und die Chromosphere ist zu sehen (der Rote Kranz um die Sonne?). Dann endekte ich doch die 2-3 nahgelegenen Sonnenflecken. Ähnlich wie im Weißlicht, nur eben in Orange.


    Im großen umd ganzen bin ich zufrieden, nur habe ich mir etwas mehr erhofft, vorallem was den Oberflächendetails angeht.
    Vieleicht bin ich etwas zu ungeduldig und Urteile schon zu früh, da ich ja vorher noch nie in einem H-Alpha Gerät reingeschaut habe.
    Vergrößerung waren um die 33,3 - 50 fach.
    Spaßeshalber habe ich den Speers waler zomm 5-8mm drangeschaubt und konnte sogar bis 6mm Brennweite (also 66.6 Facher vergrößerung) vergrößern. Die Protuperanzen waren trotzdem noch scharf zu sehen!


    Hat sonst noch jemand erfahrungen mit dem Lunt LS 35?

  • Hallo Vetyver,


    Ich bin kürzlich von einem PST auf ein Lunt60 umgestiegen.


    Bilder der Sonne in H-Alpha und der visuelle Eindruck sind immer unterschiedlich. Dabei sind es oft die Bilder, die nicht die richtige Farbe wiedergeben. Oft sind die Farbbilder auch in S/W aufgenommen und dann nach 'Geschmack' im Bildverarbeitungsprogramm eingefärbt. Eine korrekte Wiedergabe ist da nicht zu erwarten. H-Alpha ist bei 656.28 nm festgenagelt. Kein H-Alpha Filter oder Teleskop kann Produktionsschwankungen haben, die eine für den Menschen wahrnehmbar andere Farbe zeigen. Auch die Wellenlängen-Unterschiede beim Kipp-justieren sind nie so groß, dass man eine Änderung der Farbe sehen würde.


    Die H-Alpha Linie ist eine Absorptionslinie. Wenn man mittig in die Linie justiert hat, ist das Bild dunkler. Außerhalb der Linie heller. Dass kann fälschlich als Farbänderung (Orange) beschrieben werden, ist es aber nicht.


    Die Chromosphäre hast Du wahrscheinlich nicht gesehen, sondern Streulicht. Die Chromosphäre ist etwa 2000km dick. Die Sonne hat etwa 1.3mio km Durchmesser. Hatte der 'Kranz', den Du gesehen hast etwa 1/1000 des Sonnendurchmessers als Dicke? Man kann die Chromosphäre mit hohen Vergrößerungen sehen, aber mit den von Dir angegebenen 33 bis 50 fach nicht.


    In dem tiefen Rot der H-Alpha Linie ist das Auge nicht besonders gut geeignet Kontraste zu unterscheiden. Bilder aus Schwarz/Weiss Cameras, die dann verstärkt und bearbeitet sind geben einen überzeichneten Eindruck dessen, was man wirklich sieht. Die Protuberanzen vor dem schwarzen Himmelshintergrund sind noch gut zu sehen, aber Oberflächendetails erscheinen immer schwächer als auf S/W Bildern.


    Clear Skies,
    Gert

  • Hallo Stefan,
    herzlich willkommen in der Halpha Sonnensuchtfraktion.
    Dein Bericht entspricht in etwa meinen ersten Erfahrungen mit dem kleinen Lunt.
    Mit dem mitgelieferten Okular konnte ich auch nicht sehr viel angangen.
    Da war mir die Sonne einfach zu klein.
    Ich habe auch das Seben Zoomokular und bin sehr zufrieden damit.
    Hätte mir aber auch etwas mehr Vergrößerung, wie mit deinem Speers Waler, gewünscht.
    Aber das ist fast schon unwichtig für mich, da ich das Lunt nur noch fotografisch verwende.


    Die Protuberanzen kommen mit dem Lunt echt hell rüber.
    Habe mir von der Oberfläche anfangs auch mehr erhofft.
    Mit einem schwarzen Tuch über dem Kopf steigert sich aber der Kontrast erheblich,
    so dass ich die Oberflächendetails schneller erkannte.
    Bin aber mit meinem Lunt sehr zufrieden.


    Das mit der vollen Lichstärke ist mir, in meiner kurzen visuellen Karriere, noch nicht aufgefallen.
    Ich merkte nur, dass man sich an den Ein- und Anblick etwas gewöhnen musste.
    Das Teil möchte ich nicht mehr missen.
    Ich kanns kaum noch abwarten, mal wieder die Gesamtsonne aufzunehmen.
    Das geht mir schon seit Monaten ab.


    Hier ein paar Gesamtsonnen in s/w und nach meinem Farbgeschmack.


    http://www.astrotreff.de/topic.asp?TOPIC_ID=108947


    http://www.astrotreff.de/topic.asp?TOPIC_ID=108696


    http://www.astrotreff.de/topic.asp?TOPIC_ID=108360


    Ansonsten viel Spass beim weiteren Beobachten in Halpha.


    Gruß Ingmar

  • Danke für die Antworten. Jetzt bin ich um einiges schlauer.


    @Ingsten
    Das mit dem Schwarzen Tuch werde ich beim nächsten mal ausprobieren.


    @Gert
    gibt es eine möglichkeit, mit einem Filter das genze etwas kontrastreicher zu machen?
    Also ich meine damit, ein Filter zwischen zu stecken. Oder sollte ich einfach mal ein paar Farbfilter ausprobieren?


    Zeigt der Lunt60 einen besseren Kontrast oder ist die Vergrößerung nur höher?

  • Hallo Stefan,
    mein eigenes Lunt35 würde ich ebenfall wie von dir beschreiben charakterisieren.
    Bei den Oberflächendetails gehört schon etwas Übung zum beobachten, diese springen einem nicht sofort in´s Auge. Ich benötige auch einige Zeit zum "Einsehen". Wie schon beschrieben ist ein dunkles Tuch ein Muss - das verbessert den Kontrast deutlich. Schleierbewölkung - auch nur ganz leichte - verschlechtert den Kontrast meistens drastisch.
    Experimentiere einmal mit einem leichten neutralen Graufilter oder einem Polfilter. Das kann den Kontrast in einigen Situationen leicht erhöhen - aber ich denke nicht in dem Maße, wie Du dir vielleicht erhoffst.
    Alternativ gibt es für das kleine Lunt einen DoubleStack, der die Bandbreite auf laut Hersteller >55 Angström reduziert. Damit wirst Du die Oberflächendetails wesentlich kontrastreicher sehen können. Ich schätze auch hell genug, das das Lunt an sich ein sehr helles Bild liefert.

  • Hallo Vetyver,


    Ein weiterer Filter bringt nichts. Die Filterkurve des Lunt Etalons ist so schmal, dass kein normaler Farbfilter irgendeine andere Wirkung erzielt ausser einer Abschwaechung. Und ich sehe keinen Grund das Bild noch weiter abzudunkeln. Es gibt keinen Filter, der bei einem H-Alpha Teleskop den Kontrast erhoeht. Einzige Alternative ist ein Doublestack. Ich weiss nicht, ob dass bei 35mm Oeffnung was bringt.


    Ich bin vom PST auf ein Lunt60 Komplettscope umgestiegen. Das groessere Objektiv liefert mehr Licht. Fuer mich bedeutet das, dass ich visuell noch etwas hoeher vergroessern kann (bei gleichem Kontrast und Helligkeit). Beim PST war im 15mm Okular der Anblick am besten (33x). Beim Lunt konnte ich auf ein 11mm gehen (55x). Doublestacking habe ich nicht probiert. Zum Lunt60 gibt es eine Doublestack Option, aber die war mir zu teuer.


    Clear Skies,
    Gert

  • Habe auch seit letzten Herbst ein LS35THa und habe es sozusagen immer "standby" auf einem Holz-Fotostativ stehen um bei schönem Wetter mal eben zu schauen, was los ist auf der Sonne.


    Auch bei mir sind von der Oberfläche erst nach längerem Anpassen der Augen und Abschattung von Umgebungslicht (Schwarzes Tuch) Details nicht nur "erahnbar". Protuberanzen am Sonnenrand sind jedoch sehr kontrastreich (auch im Vergleich zu meinen früheren Erfahrungen mit PST's)und der Bereich vom Blickfeld, in dem man optimale BEdingungen hat, ist auch groß genug, um mit einem 9mm-Okular zu beobachten.


    Das Okular hat einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Kontrastleistung. Habe da etwas rumprobiert und bin vom Kontrast bei einem 9mm Plössl (sehr dunkler Himmel um die "Sonnenscheibe") gelandet.


    Daraufhinhin hab ich mir noch TS-Planetenokulare (6mm und 9mm) zugelegt, hier ist der EInblick sehr komfortabel und der Sichbereich größer (man kann mal ohne ständig die Hände am Teleskop zu haben ein paar Augenblicke beobachten). Sicher ist das alles bei nachgeführten Montierungen nicht mehr so wichtig, aber in meinem Falle schon, Deshalb nutze ich auch keine orthoskopischen Okulare. Allerdings ist der Kontrast nicht ganz so gut, wie mit dem einfachen Plössl.


    Habe noch mein altes Maede 8,8mm UWA (Nagler-ähnlicher Aufbau), getestet, aber damit ist bei zwar noch komfortablerem Einblick und Gesichtsfeld der Kontrat und die Auflösung nicht mehr gut genug. Mit meinem "Nachtteleskop" (8" Dobson) nutze ich dieses Okular aber wiederum sehr gerne.


    Es sind also zumindest bei mir nicht "automatisch" alle für die nächtliche Beobachtung bewährten Okulare auch für den Einsatz am LS35THa gleichermaßen geeignet.

  • @ SaltatorSolaris


    Ich habe auch 2 Plössels rumliegen (15 u.9mm) Ich werde die beiden beim nächsten mal ausprobieren.


    Ich habe mal bei einem Händler in Amerika nachgefragt, der meine das Lunt vorhat, die DoubleStack Filter für den LS35 einzustellen!
    Ich werde mich mal schlau machen ob das wirklich so ist... denn das wäre wirklich schade, weil das die einzigen Filter sind, die ich mir noch als (Kontrast-Tuning) leisten kann.
    Aber mal ne Blöde Frage:
    Könnte man auch ein Solarmax 40 auf einen Lunt LS35 dranschareuben und so auch ein Krontrastgewinn erziehlen? Aber ich denke mal das die Gewinde da nicht übereinstimmen werden... falls das mit dem Double-Stack möglich wäre.

  • Hallo zusammen,


    es stimmt, der Hersteller Lunt Solar Systems will die Produktion der LS35FHa Filter einstellen. Das gilt sowohl für die Double-Stack Filter, wie auch für die Filter-Sets zusammen mit einem Blocking-Filter zur Umrüstung normaler astronomischer Teleskope für die H-Alpha Sonnenbeobachtung. Es werden nur noch die Filter ausgeliefert, für die beim Hersteller bereits Bestellungen vorliegen. Wir haben noch eine handvoll dieser Filter bestellt, wenn die weg sind ist Schluss.
    Ob die Nutzung von Solarmax Filtern zum Double-Stacking am LS35THa möglich ist weiß ich nicht, mit den Coronado Filtern haben wir keine Erfahrung.


    Beste Grüße
    Wolfgang Quere

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