Balken-Pechhärtetester

  • Hallo zusammen,


    ich möchte Euch gerne meinen Pechhärtetester vorstellen. Ich weiss, ich sollte mal meinen ersten Spiegel endlich fertig kriegen, und eigentlich ist ein Pechhärtetester etwas zuviel des Guten, aber wenn schon, denn schon :)


    Im Netz habe ich zwei Varianten eines Härtetesters gefunden:


    <ul>
    <li> Variante A: Ein 1kg Gewicht mit einer 14° zulaufenden 1 mm Spitze und einer Messzeit von 5 Minuten </li>
    <li> Variante B: Ein 0,5 kg Gewicht mit einer 6mm Kugel und einer Messzeit von 30 Minuten </li>
    </ul>


    Weil ich leider keine Drehbank besitze, blieb eigentlich nur Variant B übrig. Entsprechende pollierte Metallkugeln gibt's für wenig Geld im Netz (5 € mit Versand für 12 Stück). Eine sehr gute Beschreibung findet sich unter http://www.zygo.com/library/papers/proc_3782_72.pdf.


    Allerdings waren meine erste Versuche, den Tester zu bauen, ziemlich enttäuschend. Der Grundaufbau ist simpel: Das Gewicht ist oben an einem Röhrchen befestigt, und unten die Kugel. Aber leider ist die Führung des Röhrchens eine nicht ganz so triviale Angelegenheit, mit dem Ergebnis, dass die Gewichtskraft der Kugel je nach Versuch um +-30g schwankte. Auch das Ablesen der Einsinktiefe, das Anbringen der Messuhr - alles nicht so einfach. Letztlich war mit meiner einfachen Werkstattausrüstung ein solcher Tester nicht ordentlich zu bauen.


    Schließlich kam ich auf folgendes Design: Ein einfacher Alubalken, der von einem Rohr getragen (Sekundenkleber) recht lose auf zwei Holzständern liegt. Die eine Seite des Balkens ist rund 10 cm lang, die andere rund 30 cm. An dem kurzen Ende ist eine Halterung für ein Röhrchen angeklebt, an dessen Ende die 6mm Kugel festgeklebt ist. Ein Bleigewicht kann auf dem kurzen Ende so hin- und hergeschoben werden, bis es mit genau 500g auf eine Waage drückt. Am anderen Ende ist mit Tesa eine Nadel befestigt, die zum Ablesen der Einsinktiefe auf einer selbstgedruckten Skala dient.


    Das Berechnen und Drucken der Skala war das Aufwändigste. Ein wenig Schulwissen aufgewärmt, Trigonometrie und der gute alte Strahlensatz, ein Javaprogramm (bei Interesse maile ich es gerne zu), ein Laserdrucker und etliche Blatt Papier später hatte ich eine brauchbare Skala, die bis in den 0,01 mm Bereich misst. Zur Probe habe ich mit dem Pechtester die Dicke verschiedener Gegenstände gemessen und mit einem einer Schieblehre verglichen, und es passt. Wenn man es genau nimmt, misst mein Apparat ja Bogenlängen und keine Gerade, aber die Abweichung ist sehr gering und macht bei den Einsinktiefen von 1-4 mm nur wenige tausendstel mm aus.


    Hier ein paar Bilder:







    Und was hat die ganze Messerei jetzt gebracht? Ich hatte ca. ein Jahr altes Pech wiederverwendet und mit der Speiseölmethode von Alois weicher gemacht (etwa ein halber Teelöffel Öl). Die Fingernagelprobe sah dann ok aus (den Pechhärtetester konnte ich für die Phase des Abmischens nicht benutzen, weil ein solcher Test aufwändiger ist, das Pech erst Raumtemperatur annehmen muss und dann eben mindestens eine halbe Stunde dauert). Bei 22°C hatte ich dann eine Einsinktiefe von 0,21 cm bei 500g und 30 min, was umgerechnet etwa Gugolz #59 entsprechen würde. Bei 19,8 °C hat das Pech eine Einsinktiefe von 0,15 cm, was etwa Gugolz #64 entspräche. Das ist auch in etwa die Raumtemperatur, bei der ich sphärisieren möchte.


    Gruß
    Sebastian

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