Maximales Gesichtsfeld Überschreiten?

  • Hallo, ich bins schon wieder :)


    An meinem 8"Dobson habe ich in der Artikelbeschreibung gelesen:


    "Maximales Gesichtsfeld 2" 2.2 Grad"


    Ich besitze ein 30 mm Erfle 2" Okular mit 68° Gesichtsfeld
    Laut meiner Berechnung komme ich auf 1,7 Grad Wahres GF
    (Gesichtsfeld / Vergrößerung) = (68/40)=1,7


    Jetzt meine Frage: Sollte ich das Maximale Gesichtsfeld voll ausreizen um mehr zu sehen? Ich Liebeugle nämlich mit einem 38 mm Omegon SWA 2" mit 70° Gesichtsfeld.
    (Gesichtsfeld / Vergrößerung) = (70/31,6)= 2,22!


    Das wären 2 Hundertstel über dem Maximum, was der Hersteller angibt. hat das auswirkungen? Oder lohnt es sich überhaupt, bis an die Grenze zu gehen? Habe ich da mehr vom "SpaceWalk"?


    MFG

  • Hallo,


    ja, das kann man machen. Nur wenn die Austrittspupille mehr als 7mm beträgt hast Du eine s.g. leere Vergrößerung. Beim 8" Dobson f:6 kannst Du bis 42mm gehen. Dazusagen muß man allerdings, daß die sich nur dann lohnen, wenn Du einen richtig dunklen Standort hast.
    Am Stadtrandhimmel würde das Bild zu hell und Du würdest weniger Sterne sehen. Also auf den Himmelshintergrund achten und einen wirklich dunklen Beobachungsplatz suchen, dann ist das Spacewalk pur!


    CS
    Winfried

  • Hi!


    Ohne das Teleskop und das Okular zu kennen, wage ich mal zu behaupten, dass du etwas zu viel Vertrauen in die Genauigkeit der Angaben setzt - und dass die 2,2° vom Teleskop (hoffentlich) irgendwo zwischen 2,15000000000000000000000000000000000 und 2,24999999999999999999999999999999999° liegen (so Pi mal Daumen), anstatt 2,200000000000000000000° zu bedeuten - zumindest, solange keine Messgenauigkeit angegeben ist [:)] Ich würde auch keine Wette darauf eingehen, dass das "SWA" (Super Wide Angle? Eher ein normales Erfle) auch nicht unbedingt 70,000° Gesichtsfeld und 38,00mm Brennweite hat.


    Von daher würde ich sagen, dass du das Okular problemlos ausprobieren kannst (bei Onlinekauf hast du eh Rückgaberecht) und allenfalls etwas weniger Bildhelligkeit am Gesichtsfeldrand hast, je nach Fangspiegelgröße und was sonst so in den Strahlengang ragt. 2,22° sind im Rahmen der Messgenauigkeit 2,2°. Und ein rundes halbes Grad mehr Gesichtsfeld lohnt sich, das ist immerhin etwa ein Vollmonddurchmesser.


    Gruß,
    Alex

  • Hallo Stefan,


    ich würde das 30er auf jeden Fall gegen das 38er ersetzen. Nicht so sehr wegen des rund 0,5° größeren Gesichtsfeldes, was auf jeden Fall ein netter Nebeneffekt ist. Wie Winfried schon schrieb, ist die größere AP ein wichtiger Faktor - 6,3 mm gegenüber 5 mm wirkt sich auf jeden Fall bei flächenlichtschwachen Objekten positiv aus, sofern die Himmelsqualität stimmt. Und auch die Randschärfe wird beim 38er besser sein als beim 30er, da ersteres weniger Okularastigmatismus bei f/6 zeigt (eigene Erfahrung).

  • Hallo Leute,


    die scheinbaren Gesichtsfelder haben doch nicht wirklich etwas mit dem echten Gesichtsfeld zu tun.
    Gerade Weitwinkelokulare gaukeln durch kissenformige Verzeichnung oft mehr Gesichtsfeld vor als sie wirklich haben. So kommt ein 31'er Nagler mit 82° SGF nur auf ein Eigengesichtsfeld von 73° (lt. astrookulare.de), der Rest ist Verzeichnung.
    Darum liefert die Methode SGF / Vergösserung nur einen recht ungenauen Wert für das echte Gesichtsfeld. Besser ist es, die Grösse der Feldblende zu betrachten.


    Ein 38'er SWA hat 46 mm Feldblende. Da sind <b>2 * atan( 46 / 1200 / 2) = 2,196°</b>


    Und auf dem Weg ist wohl auch das max. Gesichtsfeld des Teleskops berechnet worden, denn viel mehr als 46 mm Feldblende sind mit 2" nicht möglich.


    Gruss Heinz

  • Hi zusammen,


    laut Okularrechner Televue kommst du mit deinem 200/1200 auf max. 2,2°- und das entweder mit einem 41er Panoptik oder mit einem 55er Plössl. Das angesprochene 31er Nagler würde noch 2° ergeben.


    Und wenn Heinz für das 38mm SWA ~2,2° errechnet, dann dürfte das im Randbereich wohl deutlich mehr Verzeichnung aufweisen als das 31mm Nagler. Je mehr Weitwinkel desto mehr kissenförmige Verzeicnung- nur ist dann noch die Frage wie sich diese auswirkt- und bekanntlich schneiden die günstigeren Okulare hier auch schlechter ab.


    Gruß
    Stefan

  • Hallo Stefan,


    ich habe gearfe noch mal nachgesehen. Das 38'er SWA dürfte etwa die gleiche kissenförmige Verzeichnung haben wie das 31'er Nagler.
    Das scheint bei vielen Übersichtsokularen der Fall zu sein. So bekommt man wohl eine bessere Bildfeldebnung hin und die Verzeichnung stört am Sternenhimmel ja nicht so sehr.

  • Alternativ könnte ich ja auch ein 42mm Erfle mit 60° Gesichtsfeld besorgen. Würde na ap von 7 ergeben und ein 2,1° wahres Gesichtsfeld. Da müsste dann keine verzeichnung aufzuweisen sein.


    Wobei es zukunftsbedingt ja besser wäre, unter 7 mm zu bleiben, da sich die Ap ja verringert.

  • Hallo Heinz,


    ich bin nun nicht der Optikspezialist, aber ich denke mal das die Kissenverzeichnung eine Folge des großen Öffnungswinkel ist.


    Wie gut dann das Okular gerechnet ist, wirkt sich auf die Bildfeldebnung aus- schlechter gerechnet/gefertigt bedeutet dann mehr aufgeblasene Sterne am Bildfeldrand- bzw. ein größerer Bereich in dem die Verzeichnung dann mehr oder weniger stark auffällt.


    Das ist ja auch der Punkt, wo die günstigen Weitwinkel alle ihre Probleme bei schnellen Optiken haben- und nur die wenigen guten und entsprechend teueren Okulare auch noch gut abschneiden.


    Jedenfalls zur Ausgangsfrage- die angegebenen 2,2° sind ja nicht nur vom Teleskop abhängig sondern von der Kombination von selbigem mit einem Okular. Und da gehen eben wie schon vorher erwähnt max. 2,2°.


    Wenn mit einem Okular wie dem Omegon rechnerisch was anderes herauskommt, dann dürfte bei den Angaben zu dem Okular etwas nicht passen- mehr als 46mm Feldblende gehen bei 2" nunmal nicht. [:D]


    Gruß
    Stefan

  • Hi,
    das mit dem Gesichtsfelder sind Anhaltspunkte aber keine messerscharfe Trennlinien. Gleiches gilt für die Austrittspupille und anderen Einflussfaktoren.


    Das Gesichtsfeld schattet sich winkelabhängig zunehmend ab. Erstens, weil der Hauptspiegel mit seinem Strahlkegel dann nicht mehr den Fangspiegel trifft, zweitens, weil der Tubusrand seitlich einfallendes Licht ausblendet, und drittens, weil die Fokalebene durch die Feldblende (und Auszugsrohr) ebenfalls schräges Licht ausblendet. Das verstärkt sich winkelabhängig bis auf 0% Nutzlicht. (Nämlich wenn selbst diagonal kein Licht mehr durch den Tubus auf den Haupspiegel fällt oder den Fangspiegel mehr trifft.) Visuell sind selbst Ausleuchtungsabfälle auf nur 50% kaum bemerkbar (weniger als 1 mag Unterschied).


    Die sog. Minimalvergrößerung besagt nur, das Licht aufgrund einer übermäßigen Austrittspupille verloren geht. Um aber eine Panoramaübersicht zu genießen, kann dies dennoch "sinnvoll" sein. Grenzfaktor am Newton ist, dass irgendwann der Fangspiegel in der Mitte wie eine sichtbare Maske wirkt, welche das Zentrum ausblendet. Am Refraktor ist jede Minimalvergrößerung erlaubt und macht, wenn die "Übersicht" wichtiger als die "Ausleuchtung" ist, auch Sinn.


    Gruß

  • Neben der Verzeichnung scheint es bei der Angabe des scheinbaren Gesichtsfeld auch so zu sein, dass dort häufiger mal etwas nach oben gerundet wird, besonders bei den langen Brennweiten einer Serie, welche den maximalen Steckhülsendurchmsser ganz ausnutzen.
    Es sieht halt etwas schöner aus, wenn alle Okulare einer Serie das gleiche SGF haben.


    Um das Gesichtsfeld unterschiedlicher Okulare zu vergleichen, ist m.E. der Feldblendendurchmesser besser geeignet als die SGF-Angabe.

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