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Seite: von 5

fraxinus
Meister im Astrotreff


508 Beiträge

Erstellt  am: 11.12.2009 :  10:08:40 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Guten morgen,

(==>)Christian
Danke! Glück kann ich brauchen.
So eine große Scheibe ist großen Gefahren ausgesetzt, jedesmal wenn ich die anpacken will murmel ich leise: "Ganz fest zupacken"
Der Unterschied zwischen Haft- und Gleitreibung bei nassem Glas ist enorm, und die Scheibe erscheint wegen der Größe irgendwie federleicht. Sehr gefährlich!
ps. Jetzt weiß Du auch warum ich manchmal etwas kontrovers über Spiegelqualität disskutiere, *falls* das I-meter bei diesem Wagenrad jemals 0.8 Strehl anzeigt leg ich die Griffel weg, ich schwöre

(==>)Klaus
Besten Dank für die Wünsche!
So eine Scheibe kann man nicht zwingen, das merke ich schon bei der Rückseite, aber steter Tropfen höhlt den Stein.


Ein paar Bilder dazu, ich habe den Luxus eines eigenen leerstehenden Zimmers was ich für diese Zwecke mißbrauche, da kann ich alles stehenlassen oder auch sofort mit ein paar Wet's beginnen wenn Zeit ist.
Die Spiegelrückseite war konvex mit nur 0,25mm, also geht das mit K120 und es wird gleich schön glatt. Ein Teil ist geschafft, es war fast ein reiner Buckel abzutragen, also keine üble Sattelfläche, nur ein kleines "Ei" ist zu sehen:

Geschliffen wird gegen eine 19mm Scheibe mit D=640mm, die ist etwas krummer, vielleicht verwende ich sie später als Unterlage:

So sieht der Aufbau aus, von unten nach oben:
Schleiftisch - Knallfolie - 19mm Scheibe - K120 - Spiegel - Knallfolie - 24" Tool als Gewicht - dedizierte K120-Handschuhe

Die 19mm Scheibe bleibt immer exakt so liegen, wird natürlich nicht ganz plan dabei. Der Spiegel wird mit viel drehen bewegt. Normalerweise benutze ich mehr Gewicht, aber die Scheiben sind so dünn, daß sie dann anfangen zu klemmen und zu bocken. Damit dauer das alles länger.
Da der Spiegel zum Säubern nicht mehr in Mörtlekübel passt wird er mit einem Klumpen Küchentücher abgewischt, der Schlamm verschwindet mit Schwung im Kübel. Überhaupt verwende ich wenn möglich nur Einmalartikel. Pappkisten, Zeitungen, Knallfolie, Küchenrolle.
Hinter dem Kübel steht das 18" Tool, das wurde ohne Vorformen zum Grobschliff verwendet, ist ja alles wertvolles Verschleiß-Glas!

Aber weil ich sparsam bin verwende ich die Abtrocken-Tücher vom Parabolisieren des 21" nochmal, da fallen Unmengen davon an:

Also bis hierher so wie immer.
To be continued!
Kai



Bearbeitet von: fraxinus am: 11.12.2009 10:19:11 Uhr
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Timm
Altmeister im Astrotreff

Deutschland
1267 Beiträge

Erstellt  am: 11.12.2009 :  13:02:27 Uhr  Profil anzeigen  Besuche Timm's Homepage  Antwort mit Zitat
Zitat:
Original erstellt von: fraxinus

Aber weil ich sparsam bin verwende ich die Abtrocken-Tücher vom Parabolisieren des 21" nochmal, da fallen Unmengen davon an.


Kai



Hi Kai,

verwechsle sie bloß nicht!

Viel Erfolg wünscht
Timm

48°24'39"N / 8°0'38"O
und
38°41'02"N / 0°17'33"W

carpe noctem


Bearbeitet von: am:
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Horia
Meister im Astrotreff


374 Beiträge

Erstellt  am: 11.12.2009 :  15:54:23 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Kai,

tolles Projekt! Wenn ich denke, 350x bei 2mm Austrittpupille, was will man mehr?

Werdest Du den Schleiftisch so klein lassen? Ich glaube, ohne vollflächige Unterstützung wird später der Spiegel im Randbereich nicht mehr zu kontrollieren sein. Und 0,6 bis 0,7 Strehl soll schon werden, damit die Größe richtig zur Geltung kommt.

Viel Erfolg und viele Grüße,
Horia

Bearbeitet von: am:
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astrobart
Meister im Astrotreff

Deutschland
288 Beiträge

Erstellt  am: 11.12.2009 :  17:15:29 Uhr  Profil anzeigen  Besuche astrobart's Homepage  Antwort mit Zitat
Hallo Kai!

Das ist aber ein sehr gewagtes Projekt! Getreu dem Motto: "No risk, no fun!"
Trotzdem werde ich es mit großem Interesse verfolgen!

Viel Erfolg wünscht

Christian

"Schaut zu den Sternen! Schaut zum Himmel!
Erblickt das ganze funkelnde Volk am Firmament,
diese Orte und Zitadellen aus Licht!"
Gerard Manley Hopkins (1844-1889)

Bearbeitet von: am:
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Stathis
Forenautor im Astrotreff

Greece
3450 Beiträge

Erstellt  am: 12.12.2009 :  09:07:03 Uhr  Profil anzeigen  Besuche Stathis's Homepage  Antwort mit Zitat
Das geht ja flott voran bei dir!
Zitat:
Original erstellt von: fraxinus

Ein Teil ist geschafft, es war fast ein reiner Buckel abzutragen, also keine üble Sattelfläche, nur ein kleines "Ei" ist zu sehen:


Oder der Rand hängt runter aufgrund des kleinen Schleiftisches? Die Durchbiegungen bei diesen Dimensionen können mehrere Zehntel mm betragen. Ich hatte beim Polieren des 32" Zöllers komische Effekte durch die unplane Unterlage troz der der 57 mm Dicke (siehe http://www.stathis-firstlight.de/atm/32inch_mirror.htm unter flexibler Schleifbock). Daher kann ich die Bedenken von Horia teilen.

ABER: du hast ja schon beschrieben, welch große Glasmenge beim Parabolisieren von der Sphäre heraus abgetragen werden muss. Da ist es vielleicht schlau, auf so einem Tisch TOT zu schleifen. Dadurch wird der Rand überhängen und die Mitte einen deutlich kürzeren Krümmungsradius erhalten - und genau da willst du ja hin.

Gib's zu, die Durchmesser von Tisch und Unterlegtol hast du per Finite Elemente genau berechnet, damit automatisch 'ne Parabel rauskommt?

Vielleicht kannst du z.B. nach K320 kurz anpolieren (bereits 30 Minuten reicht, um genug Glanz zu bekommen) und per provisorischem Foucaulttest die Form prüfen. Ich habe sowas schon wiederholt gemacht, funktionierte prächtig und ich konnte ruhiger schlafen.

Stathis Kafalis
http://www.stathis-firstlight.de

Bearbeitet von: Stathis am: 12.12.2009 09:16:01 Uhr
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Alois
Meister im Astrotreff

Austria
856 Beiträge

Erstellt  am: 12.12.2009 :  12:01:27 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Kai .

Mich freut es auch dass bei dir alles so flott voran geht.
Deine handwerklichen Fehigkeiten sind überzeugend und Erfolg versprechend.
Wünsche dir dass es auch so wird.
Eine Anmerkung hätte ich noch.
Da deine Schleifscheibe kleiner und unten ist wird der Spiegel auf der Rückseite
etwas hohler werden. Da er dort eh schon sehr dünn ist wäre es gut dort nicht
mehr als nötig abzutragen.
Dies könntest du vermeiden wenn du jetzt schon als Vorkorrektur mit der kleinen Scheibe oben
die Spiegelrückseite dort wo sie jetzt am Rand schon greift, etwas vermehrt schleifst um sie der
anderen Krümmung anzugleichen und dann erst wieder mit Spiegel oben fertig schleifst.
Die Vorkorrektur ist gut wenn sie als Vorgabe erhaben ist und es macht nichts wenn sie
am fertigen Spiegel auch noch leicht erhaben ist. Weil 0,2 oder 0,3mm werden von der Matte
noch leicht ausgeglichen und in der Spiegelzelle spielt das eh keine Rolle mehr.
Damit du siehst ob die Flächen hohl oder erhaben sind kannst du mit einer geraden Schiene
den Lichtspalt anschauen.
Am besten ist du kaufst dir im Baumarkt so ein großes Aluminium Lineal und verwendest es
als Haarlineal. Es geht ja nicht um +- 0,01 mm aber man kann sehr gut sehen ob beide Scheiben
gleich sind oder ob die Eine hohl ist und dafür die Andere erhaben.
Wenn das Lineal gut ist kannst du sogar kontrollieren ob alle Richtungen gleich sind.
Vor allem wirst du gut sehen wie weit die noch nicht geschliffene Fläche
von der Geraden weg ist.

Weiter hin gute Fortschritte wünscht dir

Alois

Bearbeitet von: Alois am: 12.12.2009 12:04:01 Uhr
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fraxinus
Meister im Astrotreff


508 Beiträge

Erstellt  am: 12.12.2009 :  14:28:30 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo zusammen,

da sich in diesem Thread viele der einschlägig "vorbestraften" Großspiegelschleifer eingefunden haben, sieht es so aus als könnte ich diesen Rohling nicht mehr heimlich unterm Sofa verschwinden lassen.
Danke für Euer Interesse, ist mir eine Ehre!

Also es geht gut voran, vorallem weil im Moment keine zeitraubenden Nebenarbeiten anfallen. Ich nutze was da ist, wie dieser kleine, suboptimale Schleiftisch, aber für die Richtige Seite werde ich entweder eine plane, stabile 60cm Glasunterlage oder die eben verwendete 64cm Scheibe benutzen. Mit Auflage aus Pechpunkten. Das ganze auf den Resten meiner Schleifmaschine, die ich als Drehteller mißbrauche. Etwas Rand hängt über, aber die Idee von Stathis (Anpolieren) wird zeigen ob es funktioniert. Habe das noch nie versucht, aber diesmal ist es sehr sinnvoll - Danke Stathis, super Idee!

Die Rückseite entwickelt sich ganz gut. Ausgangslage waren 0.25mm konvex, die 19mm war ebenfalls konvex. Und wie Alois prognostizierte, die Unterseite wird langsam konkav. Ich hatte die Planlage gestern abend erreicht und bin ein klein wenig darüber hinaus gegangen weil noch ein knapper Centimeter bis zum Rand fehlte.
Heute früh Wechsel von K120 auf 40my, Ziel ist die Form zu halten.

(==>)Alois
Alu-Schiene hab ich, aber ich trau der nicht
Eine 1/1000mm Messuhr leistet wieder gute Dienste, eine 1/100 hätte es auch getan. Was man kann messen verliert seinen Schrecken.
Der Basiskreis hat R=95mm und man kann das Ergebnis, hier 0,003mm, auf den Spiegelradius von 355mm hochrechen: (355/95)^2 ergibt circa Faktor 14, also 0.042mm konkav über die gesamte Fläche. Wichtiger ist natürlich die Rotations-Symmetrie.

Als Referenz dient das Tool von letzten Fangspiegel, was wiederum gegen diesen in Differenz gemessen wurde, das ist also topfeben. Man muss nur sofort nach dem eichen messen, so eine Holzkonstruktion verzieht sich im Viertelsunden-Takt.

Wünsche Euch allen einen schönen 3.Advent!

To be continued!
Kai




Bearbeitet von: am:
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fraxinus
Meister im Astrotreff


508 Beiträge

Erstellt  am: 15.12.2009 :  22:56:55 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Guten Abend,

falls die Bilder nicht das zeigen was sie sollen - habe den Eindruck die klemmen manchmal und kommen durcheinander. Einfach "Reload" Buttom am Browser drücken, dann müsste es in Ordnung kommen. Oder besser gleich "Strg + Reload".

Die Rückseite wurde nach einigen Chargen Microgrit 40my für plan erklärt. Sie hat die Form, also ganz leicht konkav, gehalten und es erscheint dieser phantastiche, rötliche Glanz im flachen Winkel. Auf der Vorderseite wird das länger dauern, die Pits müssen dann restlos verschwinden, hier ist das nicht so wild und ich kann mich schon mal über diese schöne Fläche freuen


Danach ein paar Experimente mit der Messuhr.

Bei Druck (halbes Körpergewicht) rechts und links auf den Rand schlägt die Uhr um 5my aus! Das gleiche passiert auch auf einer Schleifunterlage aus 5mm dünner Iso-Matte. Ist völlig egal vorauf man die dünne Scheibe bettet, das Ding biegt sich. Das erklärt auch das Bocken beim Grobschliff, gegen Ende wenn das Korn "dünner" wird. Habe ich bis jetzt noch nicht so erlebt.

Geht nicht anders, die Pechunterlage muss her!
Und zwar auf meine dicke Schleifunterlage aus Glas die mit 60cm zwar kleiner als die etwas größere 19mm Scheibe ist, sich aber aufgrund doppelter Dicke nicht mehr messbar durchbiegt.
Für den ersten Versuch nehme ich einen Rest Gelb-Pech weil sich das leichter verarbeiten lässt. Klebt nicht so, splittert anders, macht keine scharzen Flecken

Während das Brechen von Schwarzpech die reine Katastrophe ist, weil das Zeug wie Glas splittert, kann man diese Sorte richtig gut in Form bringen. Nach ein paar Versuchen fiel mein Blick auf die Alte Gartenschere:

Danach kam die 60cm Schleifunterlage auf den Kachelofen und konnte sich schön langsam an die Hitze gewöhnen. Immer mal wenden wegen akuter Bruchgefahr. Dann die Pech-Pepperl obendrauf, alle einzeln andrücken und wenn alle weich wie Kaugummi sind nochmal ringsrum festpeppen.

Jetzt zum Warmpressen die 19mm Scheibe von der Rückseite-Planieraktion mit einer Lage Butterbrotpapier obendrauf.
Man sieht gut den Schleiftisch,zusammengeklebt aus drei Scheiben eines alten Aquariums. So ein Ding ist goldes Wert, man kann es auch gut zum planschleifen von Rückseiten verwenden.


Und zu guter letzt noch ein paar lästige Nebenarbeiten am 24" Tool. Anfasen und Rillen einfräsen. Diese Diamantfeilen eignen sich ganz vorzüglich dafür und halten, mit viel Wasser, auch erstaunlich lange. Manchmal liegen die in meinem Werkzeugladen im Dreierpack herum, in ebay habe ich auch schon welche gesichtet.

Die Rillen haben sich beim 21" schon sehr bewährt und verteilen besonders die feinen Körnungen sehr gut weil sie als Wasser und Korn-Depot fungieren. Beim 21" habe ich dieses große Tool MOT verwendet, hier nun leider nur TOT, aber größer war nicht drin. So ein Tool macht viel Arbeit, also erst einmal das alte aufbrauchen. Ein Glastool ist sowieso schon Luxus, und man kann von oben durchschauen, damit wird das schleifen richtig zum Genuss

Hoffe es geht bald weiter, zunächst muss ich noch etwas aufräumen und saubermachen...

To be continued!
Kai

Bearbeitet von: fraxinus am: 15.12.2009 22:59:58 Uhr
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Marty
Altmeister im Astrotreff

Germany
1741 Beiträge

Erstellt  am: 19.12.2009 :  15:18:34 Uhr  Profil anzeigen  Besuche Marty's Homepage  Sende Marty eine AOL Message  Sende Marty eine ICQ Message  Sende Marty eine Yahoo! Message  Antwort mit Zitat
Hallo Kai,
Ich drueck dir die Daumen, bin auch gespannt ob sich das Projekt so verwirklichen laesst wie du es geplant hast. F3 ist jedenfalls auch bei kleineren Spiegeln extrem.
Jedenfalls stimme ich mit Stathis ueberein dass da ein Strehl von 0,5 absolut perfekt ist. Mein Vorschlag zum Testen geht in Richtung Dall-0-test. Ich hab den bei einem klitzekleinen 19-Zollspiegel verwendet. Damit bekommt man ein aussagefaehiges Foucaultbild. Ich habe ein Feldstecherobjektiv als 0-Linse benutzt. Natuerlich nicht als einziges Testverfahren. Ich wuerde mich sowieso nicht auf einen einzigen Test verlassen.
Ich drueck dir die Daumen
marty

Homepage www.marty-atm.de
mailto:martin<at>marty-atm.de
AG Spiegelschleifen in der Wilhelm Foerster Sternwarte NUR NOCH NACH VEREINBARUNG
Info zum AG Spiegelschleifen: http://www.wfs.be.schule.de/pages/AGSpiegel/

Bearbeitet von: am:
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fraxinus
Meister im Astrotreff


508 Beiträge

Erstellt  am: 19.12.2009 :  17:42:55 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Marty,

danke!
Wenn mir der Spiegel nicht irgendwie runterfällt hat er gute Chancen, es geht voran!

Mir ist bei der ganzen Planung erst so richtig klar geworden, daß die Grenzen für uns Spiegelschleifer hauptsächlich in der Messtechnik liegen. Wenn man eine genaue topografische Karte vom Zielgebiet vorgelegt bekommt, dann ist es letztlich ein handwerkliches Problem die Buckel wegzubekommen. Nicht immer trivial aber machbar.
Openfringe hat nun das Zeug dazu die Grenzen *weit* hinauszuschieben, in jeder Beziehung - Größer, Dünner, wenn's sein muss schneller. Noch im Frühjahr habe ich extra für meinen 21" f/3.7 eine Ross-Null-Linse gefertigt, mit Option bis 28" f/3.
http://www.astrotreff.de/topic.asp?TOPIC_ID=88424
Kurz darauf hat Dale Eason und Steve Koehler das Openfringe soweit verbessert, daß damit der 21" f/3.7 sehr gut möglich war. Wenn es sein muss werde ich den Dale Eason persönlich darum bitten, das Programm soweit zu verbessern, daß auch der 28" geknackt werden kann

In Richtung große und zwangsläufig schnelle Spiegel geht mit normaler Messtechnik nicht mehr viel. Mit Dall-Null ist bei mittelgroßen f/5 Spiegeln definitiv Ende. Habe das mal in OSLO überprüft. Man sieht sicher noch die Oberflächenstrukturen aber wenn man die flach poliert liegt man mehr oder weniger danaben. Waineo-Null (der mit dem sphärischen Loch-Spiegel) geht auch nicht viel weiter.
Ross-Null mit einer *großen* Linse ist neben dem Offner-Null-Test die einzige traditionelle Möglichkeit.
Hut ab vor allen, die allein mit Foucault einen großen Spiegel bezwungen haben! Spätestens wenn die Auswertung in jede Richtung ein anderes Profil zeigt, ist man der Einlieferung in die Psychatrie ganz nah.
Hier ein Beispiel für Ross-Null. Die Sensitivität ist übrigens hier doppelt so gut wie Foucault am Stern! Und damit genauso gut wie bei Doppelpass gegen einen Planspiegel. Dieser 21" f/3.7 hat übrigens Strehl 0.801, und bei den Rinnen ist mir der Schimmel durchgegangen, das sind die Reste meines Zeigefingers. Ich will es ja auch ganz gewiss nicht wieder tun...

Das gleiche mit Openfringe, allerdings "nur" unter Berücksichtigung der ersten 41 Zernikes. Das ist auch nicht immer üblich, oft wird wesentlich weniger angegeben:

Und nun noch einmal mit höchster praktikabler Auflösung von 361 Zernike Termen. Man sieht deutlich, daß eine gewöhnliche Auswertung sicher noch für eine Qualitätsaussage reicht, nicht aber für zielgerichtetes Polieren.

Viele Grüße
Kai

Bearbeitet von: am:
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fraxinus
Meister im Astrotreff


508 Beiträge

Erstellt  am: 21.12.2009 :  00:00:17 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Es geht weiter!

Nach einigen Anpasungsschwierigkeiten der Unterlage liegt der Spiegel nun satt auf. Ohne hohle Klopfgeräusche und ohne Ausschlag der Messuhr am Sphärometer!
Das Warmpressen war aufgrund des leichten Spiegels gar nicht so einfach und auch das Auflegen von Gewichten ist problematisch wegen Verbiegungsgefahr. Nach sechsmaligen Aufwärmen in der Sandmuschel konnte ich die beiden widerspenstigen Scheiben versöhnen.


Danach war endlich der Weg frei für K120. Und es schleift sich auf dem Drehteller auch sehr komfortabel.

Mit genügend Gewicht geht es gut voran und der Eddingtest zeigt nach einigen Wet's sehr gleichmäßigen Abtrag.


Der Spiegel ist nicht auf dem Pech festgeklebt, als Trennmittel dient Ceroxid. Aber nicht das gute Ceri HPC sondern ein eher unbrauchbarer ebay Kauf. Für irgendwas muss das grobe Zeug ja gut sein.

Nach vielen Wet's mit K120 war K220 an der Reihe und danach das Microgrit 40my. Das 40my schleift sich etwas anders als das Karbo und eine Unterbrechung zum Wasser nachlegen ist sehr lästig. Deshalb ab jetzt nur noch mit Tropf. Sehr bequem. Man muss nur noch einen schönen neutralen Strich finden und zweimal hellwach werden - beim Tool auflegen und Tool wieder abheben.


Ganz wichtig bei den feineren Körnungen ist die Thermik des Glastools. Die Handwärme darf da nicht ran sonst biegt es sich und bockt. Deshalb die beiden Styropor Stücken zum anfassen. Nur für die Führung sind die Fingerspitzen erlaubt.

An dem Nachmittag mit der schönen Sonne musste ich allerdings schnell aufgeben, wechselnde Temperaturen sind ganz schlecht für die Passung.

Jetzt gibt es noch eine interessante Sache bei der Kornabstufung. Die Reihenfolge ist K60, K120, K220, 40my, 9my.
Um dem Abtragsverhalten auf die Spur zu kommen habe ich mir den unbearbeiteten Rand eingeteilt. Aber dazu später mehr.
Nun bin ich bei 9my angekommen und es fehlen noch circa 0,2mm. Zum Vergleich, die Fase ist etwa 2mm breit. Bin sehr gespannt wieviele Wet's das noch werden.


To be continued!
Kai

Bearbeitet von: fraxinus am: 21.12.2009 00:05:59 Uhr
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dobsongucker
Meister im Astrotreff

Deutschland
369 Beiträge

Erstellt  am: 21.12.2009 :  13:11:42 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo,
mich würde es mal interessieren, wie lange es dauert, bis die "große Scheibe" fertig bearbeitet ist, daß daraus dann ein Dobson wird....
Habe hier nur einen bescheidenen 12,5", F/4.8

Schöne Weihnachtstage und "Daumen drücken": besseres Wetter als in 2009.

Gruß
Guenther

Bearbeitet von: am:
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Stathis
Forenautor im Astrotreff

Greece
3450 Beiträge

Erstellt  am: 22.12.2009 :  05:02:29 Uhr  Profil anzeigen  Besuche Stathis's Homepage  Antwort mit Zitat
Zitat:
Original erstellt von: fraxinus

Der Spiegel ist nicht auf dem Pech festgeklebt

Ein wichtiges Detail. Wenn du den Spiegel oft genug auf der Unterlage drehst, kriegst du aufgrund der radialsymmetrischen Pechnoppenanordnung wenigstens "nur" eine Schießscheibenoberfläche und kein griechisches Mosaik in Form der Pechkacheln
Zitat:
Jetzt gibt es noch eine interessante Sache bei der Kornabstufung. Die Reihenfolge ist K60, K120, K220, 40my, 9my.


Der große Sprung von 40my auf 9my klingt exotisch. Bin gespannt, was es damit aufsich hat.

Stathis Kafalis
http://www.stathis-firstlight.de

Bearbeitet von: am:
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fraxinus
Meister im Astrotreff


508 Beiträge

Erstellt  am: 22.12.2009 :  22:20:57 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Guten Abend,

(==>)Guenther
Danke für's Daumendrücken. Und besseres Wetter wäre wirklich schön!
Wie lange dieser Spiegel dauert kann ich nicht einmal schätzen und ich führe ungern Buch darüber. Viele Schritte sind allerdings recht interessant und manchmal auch entspannend und in der Größe lohnt es sogar finanziell - wenn's gelingt.

(==>)Stathis
Genau, zur Kornabtufung wollte ich was schreiben!
Die ist deshalb so grob weil das saubermachen so viel Zeit kostet. Also schleife ich lieber etwas länger. Prinzipiell kann man auch mit einem großen Sack 9my die Pfeiltiefe erreichen, dauert eben

Mir ist aufgefallen, daß das Microgrit recht wenig abträgt. Allerdings habe ich keinen Vergleich zu den feinen Karbosorten, weil noch nie geschliffen. Aber den Sprung von K320 auf 25my bzw K220 auf 40my schien recht weit und wurde deshalb von mir immer sehr ernst genommen, sprich besonders lange geschliffen.

Jetzt habe ich erstmalig den verbleibenden Rand so eingeteilt, daß zum Schluss noch etwas für 9my übrig ist. Das geht natürlich so schön nur bei Borofloat.
Nach K60 waren circa 8mm unbearbeiteter Rand an der breitesten Stelle übrig. Der Anstieg der Oberfläche direkt am Rand ist 1/(4xF) also 1:12 bei f/3. Bei f/5 wären es 1:20.
Das bedeutet, 1mm Randverbrauch entspricht in meinem Fall 83my Abtrag. Das gilt natürlich nur wenn der Krümmungsradius konstannt bleibt, nur dann geht es gleichmäßig nach unten. Also habe ich diesen mit dem Sphärometer überwacht.

Rausgekommen ist diese Tabelle. Würde mich freuen wenn jemand eine ähnliche Messung macht, die Werte sind sehr subjektiv und hängen von vielen Faktoren ab. Aber so ganz grob zeigen sie, daß der Sprung von Karbo auf das weiße Pulver vermutlich zu groß ist. Da kommt bei mir beim nächsten mal noch K320 dazwischen.
Bei Pieplow und Brandt gibt es die Tabellen zu den Korngrößen. Bei Microgrit steht: Kornlänge circa 5x Kornhöhe. Deswegen habe ich bei 40my einfach grobe 10my eingetragen.


Weiterhin habe ich am Nachmittag eine halbe Stunde anpoliert. Es ist viel zu kalt in meiner Stube aber es hat für Foucault gereicht und auch für ein Interferogramm. War ein arges Gefummel weil die Reflektivität sehr gering und ungleichmäßig ist. Ein gescheiter Teststand ist in Arbeit, ich habe den Spiegel jetzt nur gerade hingestellt und mit Tesafilm vor dem Umkippen geschützt.
Der Spiegel ist halbwegs "rund", also kaum Asti. Hat aber einen riesigen Berg in der Mitte. Irgendwie lag er wohl doch nicht so satt auf wie es den Anschein hatte. Es handelt sich ja "nur" um einen halben 1/100mm. Aber optisch sind diese 5000nm eben schon Welten.
Habe sozusagen einen "oblate Spheroid" mit einer CC=+0.37
Also das negative Gegenstück zu einer Parabel. Andersrum wär's mir lieber.
Den Buckel werde ich baldigst mit 9my einebnen! Wenn's geht mit MOT - Versuch macht kluch.

To be continued!
Kai


Bearbeitet von: am:
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TGM
Senior im Astrotreff

Deutschland
207 Beiträge

Erstellt  am: 08.01.2010 :  23:52:05 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Kai,

erstmal mal viel Glück für dein 28" Teleskop und vor allem auch Respekt! Ich bin schon beindruckt, dass du so viel Zeit und Energie aufbringst für so ein Projekt. Ein 28" Teleskop mit einem Spiegel von weniger als 20 kg kann in eine neue Dimension vorstoßen, denn es wird wohl gerade noch für eine Person handhabbar sein. Das Öffnungsverhältnis von 1/3 macht das Teleskop extrem kompakt, stellt gleichzeit an Okulare eine extreme Anforderung. Welche Okuare hast du eingeplant?

beste Grüße

Thomas

Bearbeitet von: am:
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