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Seite: von 10

HWS
Meister im Astrotreff

United Kingdom
531 Beiträge

Erstellt  am: 10.01.2020 :  13:20:15 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Das Drumherum um die Wasserstoffbombe ist so zusagen natürlich im Kern der Sonne dauerhaft vorhanden - daher "Dauer-Wasserstoffbombe".
Was in der Sonne los ist, können wir ja nicht wissen, wir können nur rechnen und Modelle aufstellen.
Wenn man sich die Sonne als einen Riesen Kochpott vorstellt, so stößt sie kontinuierlich eine ganze Menge Fusionsproduckte mit dem Sonnenwind ab ins All. In einem verdampfenden Kochpott sind ja auch Spuren anderer Elemente als nur Wasserdampf enthalten.
Die einzigen Direktnachrichten aus dem Sonneninneren können uns nur die Neutrinos geben. Sonnenneutrinos werden heute detektiert und ein Supernovaausbruch wird auch detektiert, bevor wir überhaupt was von ihr sehen:
"Supernova Neu­tri­nos
Einige Sterne beenden ihr Leben in einer gigantischen Explosion, einer sogenannten Su­per­no­va, welche für kurze Zeit heller strahlt als eine ganze Galaxie. Dabei werden enorme Energiemengen frei­ge­setzt. Etwa 99% der frei werdenden Energie wird in Form von Neu­tri­nos emittiert. Im Fall einer galaktischen Supernova würden tausende Neu­tri­nos auf der Erde detektiert werden. Die Gruppe untersucht, was wir von solchen von einer Supernova stammenden Neu­tri­nos lernen können. Außerdem arbeitet die Gruppe an physikalischen Herausforderungen, die sich er­ge­ben, wenn Neu­tri­nos durch solch dichte Materie propagieren.
Wir erwarten nur einige wenige galaktische Supernovae pro Jahrhundert. Da wir keine Möglichkeiten haben vorherzusagen, wann eine solche galaktische Supernova stattfinden wird, müssen wir möglichst gut vorbereitet sein, wenn sie stattfindet. Eine Möglichkeit besteht darin Neu­tri­nos als "Frühwarnsystem" bzw. Auslöser für optische Untersuchungen und Gra­vi­ta­tion­smes­sung­en zu nutzen."

Läßt sich hier nachlesen:
https://www.mpi-hd.mpg.de/lin/research_NU.de.html

HWS

Bearbeitet von: am:
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mag16
Meister im Astrotreff

Deutschland
425 Beiträge

Erstellt  am: 10.01.2020 :  18:18:10 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Zitat:
Original erstellt von: Okke Dillen
wir können doch auch die Metallizität von anderen Sternen spektroskopisch bestimmen. Kämen die Spektrallinien nicht durch Wasserstoff hindurch, wüßten wir es nicht. Wir messen das ja und behaupten es nicht nur.



Hallo Okke,

danke für Deinen Beitrag. Das ist genau der Punkt, auf den ich hinaus wollte.

Viele Grüße,
Marco

Bearbeitet von: am:
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30sec
Altmeister im Astrotreff

Deutschland
2520 Beiträge

Erstellt  am: 10.01.2020 :  18:41:07 Uhr  Profil anzeigen  Besuche 30sec's Homepage  Antwort mit Zitat
Hallo Marco und Okke,
der Wasserstoff aus dem der Stern entsteht ist "verunreinigt". Im frühen Universum wenig oder gar nicht, später mit immer mehr schwereren Elementen. Das kann man messen in den Absorptionslinien. Selbst wenn Helium oder noch schwerere Elemente durch Konvektion an die Oberfläche kämen, dieser Prozess dauerte tausende Jahre und wäre sicher nicht geeignet eine SN vorherzusagen. Soweit ich weiß gibt es diese Konvektion auch gar nicht. Und ganz nebenbei, wenn man den Zeitpunkt eines Ausbruchs auf 100000 Jahre eingrenzen kann, dann ist das für uns sicher lang, aus der Sicht eines Sterns ist das aber ein Wimpernschlag. Man darf auch nicht vergessen, es handelt sich um einen "Kipp-Prozess", dieser ist per se nicht präzise vorherzusagen.(siehe unser Wetter)
Gruß,
ralf

Bearbeitet von: am:
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Okke Dillen
Mitglied im Astrotreff


44 Beiträge

Erstellt  am: 10.01.2020 :  20:01:05 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hi Marco,

ich könnte mir sonst nur noch vorstellen, daß die schweren Elemente ebenfalls in der Sonnenatmosphäre vorkommen und dann auch an der Oberfläche zu finden wären oder mindestens dort, wo sie das Schwarzkörperlicht um ihre jeweilige(n) Fraunhoferlinie(n) sichtbar abschwächen (Aufnahme des Photons -> Anregung -> Rückfall -> Abgabe des P. in char. Wellenlänge in beliebiger (!) Richtung statt in jene, aus der das anregende P. gekommen ist und ohne solche "Behinderung" auf dem Sensor angekommen wäre).

Beim Schalenbrennen brennt ja immer nur die äußerste Schale, weil weder Druck noch Temp ausreichen würden, um die nächstschwere zünden zu können. Auch hier würde ich dann erwarten, daß die Fusionsprodukte nicht nur Richtung Kern absinken, sondern auch nach außen gespült werden, wo sie Teil der Atmosphäre wären. Ok, beim roten Riesen ist es weit bis zur Oberfläche, wo man ihren Einfluß messen könnte. Aber Konvektion sollte auch hier dafür sorgen können. Dauert halt für menschliche Zeitmaßstäbe... könnte also sein, daß im Kern bereits das große "Theater" losgeht, bevor die Zwischenprodukte eine nachweisbare Höhe erreicht haben.

Aus dieser Überlegung folgt eigentlich, daß wir den genauen Entwicklungsstand so nicht bestimmen können und Beteigeuze bleibt ein Überraschungsei

Na mal schauen....... für Sterne mit um die 20 Sonnenmassen M0 heißt es:
- 8 MioJ Wasserstoffbrennen
- 1 MioJ Heliumbrennen
- 1000 J Kohlenstoffbrennen
- 1 J Neonbrennen
- 1 J Sauerstoffbrennen
- 1 T Siliziumbrennen
- 670J Warten auf Godot (Lichtlaufzeit halt noch)
=================================================================
9.001.672,002739723 Jahre

DAS ist doch jetzt mal ne präzise Angabe! Na also, geht doch!
Achso, der doppelte Strich ist der Fehlerbalken...

Oder so...

Grüße
Okke


edit: ah, Ralf war schneller, danke für die Klärung!

Meine kleine Galerie auf Astrobin: https://www.astrobin.com/users/Okke_Dillen/

Bearbeitet von: Okke Dillen am: 10.01.2020 20:08:09 Uhr
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mag16
Meister im Astrotreff

Deutschland
425 Beiträge

Erstellt  am: 10.01.2020 :  20:59:28 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hi Okke, hi Ralf,

danke für Eure Antworten. Ich finde das Thema super spannend, verstehe Eure Punkte und möchte halt nur hinterfragen, wo die spektroskopischen oder messtechnischen Grenzen liegen.

(==>)Okke: In dem Zusammenhang noch eine Frage zu dem folgenden Punkt: "Beim Schalenbrennen brennt ja immer nur die äußerste Schale, weil weder Druck noch Temp ausreichen würden, um die nächst schwerere zünden zu können."

Bedeutet das, dass beim Zünden der nächst schwereren Schale die weiter außen liegenden erloschen sind?

Viele Grüße,
Marco

Bearbeitet von: am:
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Kalle66
Forenmeister im Astrotreff

Deutschland
10417 Beiträge

Erstellt  am: 10.01.2020 :  23:42:48 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Die Metallizität (Elemente), die man in den Spektren misst, gibt vor allem Aufschluss über die Zusammensetzung des Gases, aus dem die Sonne sich bildete, also der Ausgangszusammensetzung. Sie gibt kaum bis keine Infos darüber, was alles im Stern schon verbrannt wurde, denn das findet im Kern statt und gerade die schwereren Abfall-Elemente (vor allem Helium, Sauerstoff, Kohlenstoff, viel schwerer wird ja nichts fusioniert) steigen nicht zur Hülle auf. Zum Vergleich mal die Masseverteilung in unserer eigenen Sonne: 50% der Masse befindet sich im Kern in einem 25% Radius (= ~1,5% des Gesamtvolumens). Da herrscht ein Druck von 200 Mrd. Bar und eine Dichte von 150 kg je Liter Volumen (Eisen, wie wir es kennen, hat nur 7,8 kg/l.) Ein Mensch würde da in eine Halbliterflasche passen, wenn man ihn so zusammenstaucht.

Die Infos, was im Kern schon alles passiert ist (also die Altersbestimmung) geschieht über Kennlinien aus Sterngröße, Masse und absoluter Helligkeit und messbare Temperatur (Strahlungsfarbe), die sich im Hertzsprung-Russel-Diagramm (HR) wiederspiegeln. Das HR ist eine empirische Zusammenfassung vieler Beobachtungen.

Größe, Farbtemperatur und Helligkeit stehen dabei ebenfalls in unmittelbaren Zusammenhang und geben Rückschluss über den Energieumsatz. Grundlage dafür ist die Theorie der Schwarzkörperstrahlung (https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarzer_K%C3%B6rper)

Masse ist bei Einzelsternen dagegen schlecht messbar, bei Doppelsternen oder extrasolaren Planeten hat man eine Chance durch die Keplerbahnen, mit denen sie sich umkreisen. Die Bahngeschwindigkeit kann man zumindest in Sichtlinie durch Rot-/Blauverschiebung (Dopplereffekt) gut messen, selbst wenn man die Querbewegungen nicht im Teleskop auflösen kann, eine Bahnumrundung durch die Periodendauer. Kennt man die Geschwindigkeiten beider Sterne, dann hat man auch deren Massenverhältnis (Schwerpunktlage). Der kleinere der beiden Sterne verbrennt zudem deutlich langsamer und entwickelt sich deshalb auch langsamer, worüber man wiederum Rückschlüsse auf Massenobergrenzen ziehen kann.

Das HR-Diagramm ist so was wie eine eierlegende Wollmilchsau, ein Kataster aller Sternzustandsvarianten, denn hat man einen Stern dort erst mal sauber ins Diagramm platziert, kann man via scheinbarer Helligkeit auf seine wahre Helligkeit und damit auf seine Entfernung Rückschlüsse ziehen. Das heißt, man kennt dann andere Sterne mit gleichen Eigenschaften und wendet deren gewonnene Daten auf den neuen Stern mit an und umgekehrt. Dabei wird dann auch das HR-Diagramm (und die dahinter stehende Klassifikation) ständig verfeinert.


(==>)Marco:
Beim Schalenbrennen interessiert sich die Kernschale nicht darum, ob weiter außen noch ein Wasserstoffbrennen läuft oder nicht. Was zählt ist einzig und allein, ob Druck, Temperatur und Dichte z.B. fürs Heliumbrennen (oder in weiterer Folge fürs Kohlenstoffbrennen) ausreichen. Es muss sich nur genug Helium im Kern als Abfall des Wasserstoffbrennens abgelagert haben und durch die Sonnenmasse dort genug Druck und Temperatur aufbauen können. Fazit: Es können mehrere Schalen gleichzeitig "brennen", zumindest übergangsweise. Denn das Starten des Heliumbrennens liefert dann Energie, die die äußeren Schalen und die Hülle aufblähen und damit das Wasserstoffschalenbrennen weiter draußen stören. Da landet man dann bei einer dynamischen Betrachtungsweise. Von innen kommt plötzlich ein neuer Schub, intensiviert kurz das Wasserstoffbrennen, bis dessen Schale so weit aufgebläht wird, dass es teilweise zusammenbricht. Das Heliumbrennen selbst ist auch nicht stabil, 5% Temperaturerhöhung im Kern intensiviert das Brennen um den Faktor 3 und umgekehrt, wenn der Heliumbreich zu wenig Nachschub aus dem Wasserstoffbrennen bekommt, lässt es auch schlagartig wieder nach. Das sind genau die Gründe, warum der Stern in den letzten 100.000 Jahren so "pumpt".

PS: Bis sich das in der Hülle selbst bemerkbar macht, vergehen nochmals tausende Jahre. Schon in unserer Sonne braucht Licht/Energie aus dem aktiven Kern 100.000 Jahre, bis es für uns auf deren Oberfläche sichtbar wird. Fazit: Was wir auf der Oberfläche sehen, ist Ergebnis von Prozessen, die schon tausende Jahre zurück liegen.

Das ändert sich erst beim Kernkollaps, dem Beginn der Supernova. Die Kernmitte selbst kollabiert da in Millisekunden, hinterlässt mitten in der Sonne dann eine Art Vakuum, wenn die nachfolgende Materie nicht schnell genug hinterher fällt, äußere Schalen fallen dann ungebremst auf diesen neuen "entarteten" Neutronenstern, prallen dort auf wie auf eine Mauer, der Stoß wird dann nach außen reflektiert und zerfetzt alles, was noch weiter draußen ist. Dabei entstehen Schockwellen, in denen die wirklich schweren Elemente dann erbrütet werden. Besser könnte man eine Atombombe nicht bauen, mit spiegelnder Kugel in der Mitte, die die Wirkung nach außen erhöht.

Kalle - Alles wird gut !
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Bearbeitet von: Kalle66 am: 10.01.2020 23:47:07 Uhr
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Okke Dillen
Mitglied im Astrotreff


44 Beiträge

Erstellt  am: 11.01.2020 :  02:24:09 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Vllt dazu noch schnell ergänzend
Zitat:
Original erstellt von: mag16

Bedeutet das, dass beim Zünden der nächst schwereren Schale die weiter außen liegenden erloschen sind?

Viele Grüße,
Marco



jau, sie muß sogar (mindestens fast) erlöschen, damit der Strahlungsdruck nachläßt, der das aufgeblähte Äußere am Kolabieren hinderte. Sobald der nachläßt, können diese wieder der Schwerkraft folgen und auf den Kern drücken. Dabei schrumpft der Stern. Druck und Temperatur steigen daraufhin an und wenn die Zündbedingung fürs nächst schwerere Element erreicht wird - sofern genügend Masse vorhanden ist, passiert das auch - fängt jene an zu brennen. Der Strahlungsdruck nimmt wieder zu bis sich wieder ein Gleichgewicht einstellt zwischen nach innen gerichteter Schwerkraft und nach außen gerichtetem Strahlungsdruck. Das ist ein Einschwingvorgang, der sich in Pumpen und damit auch Helligkeitsschwankungen äußert.
Wenn dabei die Zündbedingungen für weiter innenliegende Schalen schwererer Elemente erreicht werden (eher nicht), zünden auch diese. Eher aber Reste der vorigen Schale, die nochmal nachzünden. Dann sind auch mehrere Schalen am brennen. Aber dadurch steigt der Strahlungsdruck wieder, und schiebt wieder nach außen.

Wenn aktuell tatsächlich der dunkelste Wert seit dem Heliumbrennen erreicht wurde (und womöglich noch weiter fällt), könnte es nicht nur ein Pumpen sein, sondern Brennschluß beim Helium. Oder Kohlenstoff... Könnte! Muß aber nicht!
Oder er wird einfach wieder heller als ob nix gewesen wäre...
Aber wenn doch, dann sind jetzt die kurzlebigen Zyklen dran.
Leider kann man auch bei noch so guten Modellrechnungen den StatusQuo nicht zuverlässig genug erfassen, sodaß nur bleibt, gut zu schätzen. Oder abzuwarten (bleibt uns wohl auch nix anderes übrig)

Vllt liefert Super-Kamiokande ja bald mehr Aufschluß.

Wie auch immer, Beteigeuze bietet uns mit seinem Finale einen fantastischen Einblick (oder unseren Enkeln, Urenkeln...) bei all den Mitteln, die uns heute zur Verfügung stehen. Wenn man überlegt, daß der noch nicht einmal die Dinosaurier "gesehen" hat...

Guts Nächtle,
Okke

Meine kleine Galerie auf Astrobin: https://www.astrobin.com/users/Okke_Dillen/

Bearbeitet von: Okke Dillen am: 11.01.2020 02:28:50 Uhr
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mag16
Meister im Astrotreff

Deutschland
425 Beiträge

Erstellt  am: 11.01.2020 :  08:37:37 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Kalle, hallo Okke,

danke für die detaillierten und sehr interessanten Informationen. Das hat mir und sicherlich auch anderen Mitlesenden geholfen, die Vorgänge im Inneren des Sterns besser zu verstehen.

Viel Grüße,
Marco

Bearbeitet von: am:
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Kalle66
Forenmeister im Astrotreff

Deutschland
10417 Beiträge

Erstellt  am: 11.01.2020 :  09:27:04 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Okke,
Zitat:
au, sie muß sogar (mindestens fast) erlöschen, damit der Strahlungsdruck nachläßt, der das aufgeblähte Äußere am Kolabieren hinderte. ...

wie kommst du darauf?
Das Heliumbrennen findet innerhallb der Schale des Wasserstoffbrennens statt. Das Schalenbrennen mindert nicht den Druck auf den Heliumkern, denn der ist von der Gesamtmasse abhängig. Eine brennende Schale ist kein Stützgewölbe, welches den Druck auf den Kern abschirmt. Kannst du dir bei einer Brücke ein Stützbogen aus Gas vorstellen?

Der Wirkungszusammenhang kommt umgekehrt von innen. Brennt das Helium, schiebt es die Wasserstoffschale nach außen, durch Sternenwind findet sogar ein Massenverlust des Sterns statt. Das hat Auswirkungen auf die Bedingungen der Wasserstoffschale. Die Intensität des Schalenbrennens ist ja auch von der Temperatur und dem dort herrschenden Druck abhängig. Der Druck ist umso kleiner, je weiter die Schale von der Sternmitte entfernt ist und je weniger Masse der Stern hat. Andererseits heizt ein brennender Heliumkern die Schale auf und die Intensität ist auch abhängig von der Schalenfläche (Durchmesser). Je mehr Fläche als Brennraum zur Verfügung steht, desto mehr kann gleichzeitig brennen. Letztendlich kommt man an einer dynamischen Betrachtungsweise nicht vorbei.

Kalle - Alles wird gut !
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Bearbeitet von: Kalle66 am: 11.01.2020 09:40:03 Uhr
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Okke Dillen
Mitglied im Astrotreff


44 Beiträge

Erstellt  am: 11.01.2020 :  14:13:12 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Kalle,

hab gerade mal Wikipedia bemüht, da steht, Zitat:
Zitat:
Ablauf
Wenn ein Großteil der Wasserstoffkerne im innersten Kern des Sternes zu Heliumkernen fusioniert ist, erlischt diese erste Stufe der Kernfusion. Dadurch sinkt der Strahlungsdruck des Sterns, der durch die beim Wasserstoffbrennen freigesetzte Energie erzeugt wurde. Der Strahlungsdruck hat bis zu diesem Zeitpunkt zusammen mit dem Gasdruck der Gravitation entgegengewirkt und den Stern im hydrostatischen Gleichgewicht der drei Kräfte gehalten. Wegen der nun vorherrschenden Gravitation beginnt der Stern jetzt zu schrumpfen. Aufgrund der Gasgesetze steigen dabei Temperatur und Dichte im Innern, sodass im Kern die nächste Fusionsstufe, das Heliumbrennen, einsetzen kann, sofern der Stern eine genügend große Masse besitzt.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Schalenbrennen

Etwas widersprüchlich dazu fand ich weiters in Wikipedia diesen Abschnitt, erster Absatz: https://de.wikipedia.org/wiki/Stern#Letzte_Brennphasen

besonders folgendes: "Das Wasserstoffbrennen wird dabei nicht ausgesetzt, sondern läuft in einer Schale um den Helium brennenden Kern weiter"

Für mich nicht so wirklich konsistent. Was habe ich übersehen?

Gruß Okke

Meine kleine Galerie auf Astrobin: https://www.astrobin.com/users/Okke_Dillen/

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Kalle66
Forenmeister im Astrotreff

Deutschland
10417 Beiträge

Erstellt  am: 11.01.2020 :  15:53:18 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hi Okke,
das Zitat betrifft den Temperatur-/Druckaufbau im Heliumkern. Der steigt dann ohne Strahlungsdruck weiter an, bis das Helium anfängt zu fusioniern. Das Heliumbrennen startet dann in der Mitte vom Heliumkern, wo Druck und Temperatur am höchsten sind. Da es intensiver abläuft als das Wasserstoffbrennen, geht die Heliummenge irgendwann zur Neige, bzw. der Rest baut nicht mehr genug Druck und Temperatur auf, denn die Wasserstoffschale liefert das Zeugs nicht schnell genug (gut 25% des Helium ist aber eh schon vorhanden und stammt noch vom Urknall). Insofern wäre "Anreichern" der besserer Ausdruck.

Das Weiterbrennen der Wasserstoffschale und dessen Intensität ist von der Sternmasse abhängig. Alles was an Heliumabfall im Kern innen liegt, trägt in der Wasserstoffschale nicht mehr zum Druckaufbau bei. Auch der Massenverlust aufgrund des Sternenwinds mindert den Druck in der Wasserstoffschale. Als Gegeneffekt nimmt aber die Fläche zu. Das Wasserstoff brennt da am stärksten, wo die Grenze zur Heliumschale ist. Faktisch ist das die Schalenzone, in der Wasserstoffbrennen stattfindet. Wenn dann vom Heliumbrennen innen noch Energie die Wasserstoffschale aufheizt, fördert das das temperaturabhängige Wasserstoffbrennen. Wenn dieser Strahlungsdruck alles aufbläht und nach außen treibt, nimmt aber die Dichte ab, was hinderlich ist. Die spontane Fusion lebt ja von beiden Faktoren: Dichte und Temperatur. Die Temperatur macht die Teilchen schnell, so dass die Kerne sich überhaupt nahe genug kommen können und je dichter das Plasma gepackt ist, desto größer die Trefferwahrscheinlichkeit zweier Kerne. Und wenn du dir die einzelnen Zwischenschritte der Fusionsreaktionen anschaust ... es kommt auch auf die Zusammensetzung an. Es müssen sich statistisch ja die richtigen Kerne treffen. Je höher der Heliumanteil in der Wasserstoffschale ist (als Abfallprodukt), desto hinderlicher ist das und die Brandfront wandert weiter nach außen.

Letztendlich muss man das hydrodynamisch simulieren. Verfeinern kann man es, wenn man noch die Rotation des Sterns berücksichtigt, wodurch alles nicht mehr kugelrund ist. Dazu kommt noch die Konvektion, also Strömungen ähnlich, wie der Golfstrom auf der Erde fürs Klima eine Rolle spielt. Und was auch noch eine Rolle spielt, sind Magnetfelder. Die Kerne sind ja alle elektrisch geladen, dazwischen irren die freien Elektronen herum; wir reden hier schließlich von Plasma. Zusammen mit der Rotation ist das Ganze ein riesiger Dynamo. Und da kommen die Rechner aktuell an die Grenzen. Sie kriegen dieses Chaos nicht abgebildet. Nicht nur rechentechnisch, sondern auch, weil man die einzelnen Effekte nicht gut genug gewichten kann. Was ist unter welchen Umständen der dominierende Faktor? Welcher Faktor kann einen anderen ausbremsen?

Kalle - Alles wird gut !
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Okke Dillen
Mitglied im Astrotreff


44 Beiträge

Erstellt  am: 12.01.2020 :  18:08:03 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Moin Kalle,

danke für deine Ausführungen! Wohl habe ich schlicht übersehen, daß schwerere Elemente ja bereits bei der Entstehung vorhanden waren und deswegen auch gemessen werden können. Aber eben nur der Ausgangszustand und nicht jener Anteil, der erst durch Hochfusionieren hinzukommt.

Und das "zunächst-erlöschen-müssen-Szenario" nur bei den leichteren der schweren Sterne zu erwarten ist, mangels Masse, bis sie durch Ausbleiben des Strahlungsdrucks nachverdichten können, um Druck und Temperatur aufzubauen, bis das Zündkriterium erreicht ist.
Ist der Stern schwer genug, können also auch die schwereren Schalen bereits brennen, lange bevor der Wasserstoff verbraucht ist. Solange die Gravitation ausreicht, um den Druck und damit die Temperatur aufzubauen.

Beteigeuze wäre mit 17..20 Sonnenmassen dann wohl einer, der nicht auf ein Nachverdichten angewiesen ist, um schwerere Schalen zu verbrennen. Die aktuelle Verdunkelung wird mit dem Aufeinandertreffen zweier Minima erklärt, die zu 2 unterschiedlichen periodischen Schwankungen gehören.
Die eine Periodendauer wird mit 425 Tagen angegeben (Quelle: http://articles.adsabs.harvard.edu/pdf/1980ApJ...239..565H), die andere mit 2153 Tagen (Quelle: http://www.astronomerstelegram.org/?read=13365). Interessanterweise ein etwa ganzzahliges Verhältnis von 1:5.

Demnach müßte es ja alle 5 kurze Perioden zu einer solchen Überlagerung kommen mit ähnlichen Auswirkungen. Bisher liest man von Schwankungen im Bereich von mag0,3 und mag0,6 - normalerweise. Aktuell sind wir bei mag1,3. Das ist signifikant jenseits des üblichen Wertes.
Irgendwas tanzt gerade also schon aus der Reihe... oder?

Gruß Okke

Meine kleine Galerie auf Astrobin: https://www.astrobin.com/users/Okke_Dillen/

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Martin_D
Mitglied im Astrotreff


64 Beiträge

Erstellt  am: 12.01.2020 :  21:10:47 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Wenn man den hier im Forum veröffentlichten Schätzungen glauben darf, hat Beteigeuze seit Anfang November etwa 0,3 bis 0,4 mag an Helligkeit verloren. Das kann man nicht alleine mit dem Zusammentreffen der Minima beider Perioden erklären.

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Dysnomia
Altmeister im Astrotreff

Deutschland
1129 Beiträge

Erstellt  am: 13.01.2020 :  01:26:23 Uhr  Profil anzeigen  Sende Dysnomia eine ICQ Message  Antwort mit Zitat
Beteigeuze war gestern Abend Thema im Heute-Journal https://www.zdf.de/nachrichten/heute-journal/riesensonne-leuchtet-schwaecher-100.html

Gruß und cs
Andreas

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Meade LXD55 10" f/4
GSO Dobson 8" f/6
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Canon EOS 600Da/1000Da

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Das Weltall ist ein Kreis, dessen Mittelpunkt überall, dessen Umfang nirgends ist. - Blaise Pascal

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Okke Dillen
Mitglied im Astrotreff


44 Beiträge

Erstellt  am: 13.01.2020 :  16:07:37 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Klasse! Danke für den Link, Andreas!

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