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Emil Nietlispach
Meister im Astrotreff

Schweiz
438 Beiträge

Erstellt am: 17.10.2019 :  18:20:00 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Freunde des Teleskopbaus,


Die Grundidee ist, ein möglichst leichtes, kompakt zerlegbares Teleskop zu haben für den Ueberseegebrauch, das zudem halb zerlegt, rasch aufgestellt, auch in einem Auto noch Platz hätte für den hiesigen Gebrauch :
Wenn man ein schweres Teleskop in den Bergen neben dem Auto aufstellen muss, sind Störungen leider fast immer vorprogrammiert, denn wenn ich mit dem Auto parkieren darf, dürfen auch andere. Und wenn ich meine Ruhe haben will, darf ein anderer auch lärmen und lichten. Wenn ich Tee liebe, darf der andere besoffen neben meinem Fernrohr sein Gaudi haben. So ist es leider in der Schweiz immer mehr. Solidarität und Rücksicht sind absolut unverständliche Fremdwörter. Das ruft nach einem anderen Fernrohr: Trotz viel Oeffnung muss ein abseits von etwa 300m vom Parkplatz möglich sein.


Für die Packmasse sollte gelten: Kein Teil breiter als 45cm und nichts länger als 80cm. Gewicht zwischen 10-12kg inkl. Optik.
Ein selbstgemachter 400mm/ f4.5/ 25mm/ 6kg Spiegel ist gegeben .


Um diese harten Vorgaben einhalten zu können, habe ich einen Plan A und Plan B ausgedacht. Plan A verabschiedet sich vom Dobsonprinzip und ist somit Neuland mit allen Risiken des Misslingens. Plan B ist ein Dobson aber die Sache wird dann 1-2kg schwerer und vermutlich schwingungsgeplagter.
1.)Plan A ist inzwischen in die Hosen gegangen und nach viel Zweifeln und Schmerzen realisiere ich nun Plan B. Da viel Zeit und Energie aufgewendet wurde, möchte ich die Probleme mit Plan A trotzdem kurz erörtern:










Die Bilder sagen mehr als Worte. Es gibt 3 Problemfelder. A) Die nötigen Massnahmen bei Steilstellung des Fernrohrs. B) Das grosse ground-board. C) Restproblemchen.


A) Bei Steilstellung zieht das Fernrohr ab einer gewissen Deklinationshöhe natürlich gegen den Zenit. Das war in meinem Fall ab etwa 50° Höhe. Entweder man baut seitlich 2 weitere Auflagepunkte hinter dem Spiegelzentrum ein, oder man fügt seitlich 2 Scheiben ein, die den Auflagepunkt kontinuierlich nach hinten verlegen mit zunehmender Deklinationshöhe. Die erste Lösung hat den Nachteil, dass dann der Spiegel im Zenit stark angehoben wird, mehr als 20cm zusätzlich höher über dem Boden ist. Ein no go! Die andere Lösung umgeht diesen Nachteil elegant. Leider geht es mit einem Kreissegment nicht: Der Kreis als Form der Scheibe wäre gut, wenn die Schwerpunktsverschiebung eine lineare wäre. Und das ist sie eben nicht. Je höher man das Fernrohr aufrichtet, desto massiver drückt das Gewicht des Spiegels das Fernrohr via Zenit. Vermutlich ist die richtige Kurve eine Parabel . Näherungsweise liesse sich das rechnen, indem man für einige wenige Deklinationswerte den Ort des noch nicht ganz labilen Gleichgewichts bestimmt (eine Ungleichung macht) und dann interpoliert für die nicht berechneten dazwischen liegenden Deklinationwerte. Die Rechnung war für mich zu kompliziert. Da kommt einiges an Mathe hinein, etwa das Flächenverhältnis bei verschiedenen Sehnen im Kreis müsste ermittelt werden. Nach 2 Probeschablonen mit der Stichsäge, habe ich aufgegeben. Jedes Mal resultierte ein toter labiler Punkt und nicht für alle Deklinationswerte ein stetiger Andruck an den Stützstab.
Schliesslich kamen Zweifel auf, ob es überhaupt eine richtige Kurve geben kann, da das ground-board nicht in allen Punkten der Kurve automatisch eine Tangente bildet, wie es beim Kreis der Fall ist.


B) Bis 50° Höhe, wenn das Fernrohr auf den beiden vorderen Scharnieren steht, macht das ground-board keine Probleme, ist nicht grösser als beim Dobson, eher kleiner ist möglich. Wegen der weiteren hinteren Auflageflächen wird alles schwieriger. Ich dachte zuletzt an 2 kleinere kreisförmige ground-boards. Mit nur einem Auflagepunkt pro Scheibe, hätte man beträchtliche statische Lagerungsvorteile, etwa 4-Punkteauflage oder beliebig mehr wäre möglich. (Der Tisch wackelt ja auch nicht, wenn man sich mit nur 1 Ellbogen abstützt). Aber das handling beim Beobachten…….. auch hier hatte ich eine Abhilfe ersonnen, aber verschonen wir den Leser vor weiteren sprachlichen Konjunktiven.

C) Kommt hinzu das sanfte kontinuierliche Wegrutschen, wenn nachgeschubst wird beim Beobachten. War weniger schlimm, als erwartet. Je entfernter das Fernrohr vom labilen Punkt ist, desto stärker wirkt das Wegrutschen. Bei tiefer Deklination will es sich flach legen, bei hoher richtet es sich nach oben. Beim Beobachten ist das aber kein wirklich störender Punkt. Die Weglänge beim Schubsen ist einfach etwas mehr.

Ich denke diese einfache Montierungsart bringt etwas bei kleineren * langbrennweitigen * Teleskopen , wo der Dobson immer ungünstiger wird mit den dann nötigen hohen Seitenwänden. Der Umkehrpunkt wäre bei einer viel höheren Deklinationslage infolge des geringeren Spiegelgewichts, dem kleineren Spiegeldurchmesser und dem längeren Hebel. Für den Zenitbereich reichten 2 kurze Stelzen als Auflagepunkte etwas hinter der Spiegelmitte. Der Spiegel müsste nur wenig angehoben werden. Man könnte mit einfachen Mitteln ein erstklassiges Planetenteleskop realisieren für den unbeschwerten schnellen Hausgebrauch, wenn rein von den Oertlichkeiten her, nicht mehr als eine handvoll Objekte anvisiert werden können. In Sachen Wackel-Zappel und Feinheit im Nachschubsen hat man bessere Verhältnisse als beim gut gemachten Dobson. Das ist ein weiterer wichtiger Vorteil neben der raschen Realisierung.

2.) Plan B
Die Höhenräder sollten faltbar sein, (nach der Idee von Mel Bartels.) Momentan hirnschmalze ich an deren Fixierung am Mittenquadrat…….

(to be continued….)

Gruss Emil






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rainer-l
Meister im Astrotreff


532 Beiträge

Erstellt  am: 17.10.2019 :  23:01:48 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Emil

Ein Vorschlag zu deinem Problem :

Ziehe einen Kreis mit Mittelpunkt vom Schwerpunkt des Teleskops bis etwas tiefer wie die untere Ecke (Drehpunkt am Boden).
Dann kannst Du den Kreis horizontal so weit verschieben das sein neuer Mittelpunkt so neben dem Schwerpunkt zu liegen kommt das immer ein Drehmoment (in die gewünschte Richtung) übrig bleibt .

Viele Grüße Rainer

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Emil Nietlispach
Meister im Astrotreff

Schweiz
438 Beiträge

Erstellt  am: 18.10.2019 :  11:38:57 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Rainer,

gute Idee, meinst du das etwa so?






Bei einem horizontalen Versatz des Kreissegmentes von d=10cm, käme man bei Zenitstellung auf eine Erhöhung von + 9,9cm des Spiegels, eine gute Verbesserung gegenüber mehr als + 20cm, bei der Variante mit einer Stelze.


Grüsse Emil


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rainer-l
Meister im Astrotreff


532 Beiträge

Erstellt  am: 18.10.2019 :  16:45:51 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Emil

Ja , genauso .

Die Idee mit dem Abrollen auf einer Bodenplatte finde ich auch interessant . Ob es für das Seeing gut ist den Spiegel so dicht über den Boden zu haben und ob es sinnvoll ist die Oberfläche der Bodenplatte mit niedriegen Wärmeemissioswert zu wählen kannst Du testen .
Ich hoffe Du machst auch mit Plan A weiter .

Viele Grüße Rainer

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Emil Nietlispach
Meister im Astrotreff

Schweiz
438 Beiträge

Erstellt  am: 18.10.2019 :  20:52:24 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Rainer,

Plan B, also Dobson ist mir sympathischer. Aber ich habe Zweifel, ob eine genügende Stabilität und Justierkonstanz möglich ist. Es ist doch alles sehr dünngliedrig. Falls nicht,bin ich froh, mit Plan A wieder eine Perspektive zu haben. Danke! - Die Stunde der Wahrheit kommt bald, wenn ich die Höhenräder fertig anfixiert habe und alles auf 4 Backsteine gestellt habe.

Das mit dem seeing ist wieder ein Kapitel für sich. Habe gute Erfahrungen mit der Verklebung von Velour und Rettungsfolie gemacht bei meinem Schiefspiegler. So etwas könnte man unter den Spiegel stopfen... Aber das ist mehr bei einem Planetenfernrohr als bei einem Lichteimer wichtig.

Gruss Emil

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Emil Nietlispach
Meister im Astrotreff

Schweiz
438 Beiträge

Erstellt  am: 08.11.2019 :  10:13:05 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo,


und weiter ging es mit dem Anfertigen der Höhenräder: Eine heikle und sehr wichtige Angelegenheit ist die konzentrische Fixierung der beiden Kreise. Kleinste Fehler führen zu einem nachher eiernden und ächzenden Bewegungsablauf. – Man muss einfach genau messen und arbeiten!



So wie er abgebildet ist, bringt er ganze 4.7kg auf die Waage. Mit dem Spiegel wären es dann 10,7kg. Dann fehlt nur noch der Rocker, Sucher und Fangspiegel. Könnte unter der 13kg Schwelle gehen, alles zusammen.
Die Höhenräder sind aus 12mm starkem Pappelsperrholz gemacht, extrem weiches Holz. Deshalb habe ich für die Lauffläche ein 2mm starkes eloxiertes (wichtig) Flachprofil angeklebt.Führte zu einer merkbaren Versteifung.



Das im Bild sichtbare Front-Dreieck, verbindet die Enden der Höhenräder mit dem Mittenquadrat. Wie zu erwarten, schaukelte das Dreieck in der Basis etwas und die Stabilität liess sehr zu wünschen übrig. Da musste man gar nicht erst beobachten…. Die Lösung mit dem gespannten Draht und der geeignet angebrachten Zugfeder verbesserte die Situation dramatisch, verlangte wenig Zusatzarbeit, auch beim Aufstellen dann nicht. Allerdings muss erst noch beobachtet werden…

Beim Laser-Test kriegte ich fast einen Schock. Der Punkt wanderte 3-4 cm , wenn man das Teleskop von der Vertikalen in die Horizontale neigte. Beruhigt stellte ich fest, dass die Spinnenschrauben am Fangspiegel lose waren. Es wurde etwas besser dann. Aber das Problem ist immer noch der Fangspiegel. Eine Fixierung mit einer angelegten Diagonalstrebe zum Erkennen der Ursache zeigte, es liegt nur an der Fangspiegelaufhängung. Der filigrane Tubus ist perfekt stabil. Hat kein schwaches Glied in der Kette. Das ist sehr beruhigend. - Die Spinne kann nicht gespannt werden, sonst verzieht sich der schwache 15mm Ring gnadenlos. (Ein Bino ginge sicher nicht). Die Lösung wäre den Ring auch durch ein Quadrat ersetzen und dann könnte man die Spinne über die Diagonale spannen. Aber dann liegt der Okularauszug nicht genau am Ort, wo ich ihn haben will. Dieser ganze Problemkreis wird später angegangen.

Gruss Emil

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GerdHuissel
Altmeister im Astrotreff

Deutschland
1613 Beiträge

Erstellt  am: 08.11.2019 :  18:51:55 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Emil,
sehr interessant, Dein Leichtbau der gerade Gestalt annimmt.
Ich habe mir vor 9 Jahren mir meinen flugreisetauglichen 16" Reisedob realisiert.
Er war seither 2 mal auf La Palma dabei.
http://www.astrotreff.de/topic.asp?ARCHIVE=true&TOPIC_ID=136822

Inzwischen haben die Höhenräder Querstreben aus 8mm Alurohr mit 1,5mm Wandstärke.
Mein Dob wiegt knapp 25 KIlo und hat kleines Packmass, d.h passt zerlegt in die Rockerbox.

Grüssle vom Gerd
Backnanger Sterngucker

Bearbeitet von: GerdHuissel am: 09.11.2019 11:30:29 Uhr
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Emil Nietlispach
Meister im Astrotreff

Schweiz
438 Beiträge

Erstellt  am: 09.11.2019 :  00:26:27 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Gerd

Gute Sache, dein Bericht kommt mir noch bekannt vor.
Gruss Emil

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