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 Erdrotation nicht schon vor Foucault bewiesen?
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delta9
Neues Mitglied


6 Beiträge

Erstellt am: 04.10.2019 :  09:59:34 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Warum war das Foucaultsche Pendel im 19.JH (Fehler korrigiert, nicth 18.) eigentlich so beeindruckend als Beweis für die Drehung der Erde? War es nicht mit den Gravitationsgesetzen Mitte des 17. Jahrhunderts klar, dass sich nicht die Sonne um die Erde drehen kann?
Denn wenn sich die Sonne an einem Tag einmal um die Erde dreht, der Mond aber dafür 30 Tage braucht, dann müsste der Mond weiter entfernt sein von der Erde als die Sonne. Eine Sonnenfinsternis wäre unmöglich. Also kann die Erde nicht im Mittelpunkt stehen.

Somit wäre heliozentrisches oder geozentrisches Weltbild keine Definitionssache mehr, sondern das eine wäre objektiv falsch und das andere objektiv richtig.
Aussagen wie diese wären demnach falsch:
„Mathematisch gesehen, war der Wechsel vom Geozentrismus zum Heliozentrismus eine bloße Umwandlung der Koordinaten, und alle Möglichkeiten, die Welt zu betrachten, werden vom physikalischen Gesichtspunkt aus als völlig äquivalent aufgefasst“ https://physik.cosmos-indirekt.de/Physik-Schule/Heliozentrisches_Weltbild#cite_note-Hoyle-22

Eine zweites Argument wäre, dass wenn im Rotationssystem Sonne-Erde der Drehmittelpunkt nahe am Erdmittelpunkt läge, die Sonne dann extrem viel leichter sein müsste als die Erde. (Gut, wäre theoretisch möglich wenn die Sonne ein fast masseloses Gebilde wäre)

Oder mache ich da einen Denkfehler?

Bearbeitet von: delta9 am: 04.10.2019 22:54:38 Uhr

winnie
Altmeister im Astrotreff

Deutschland
1788 Beiträge

Erstellt  am: 04.10.2019 :  16:35:53 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Moin Stefan!

> Denn wenn sich die Sonne an einem Tag einmal um die Erde dreht, der Mond aber dafür 30 Tage braucht

Wieso das denn? Der Mond steht, wenn er denn zu sehen ist, am nächsten Abend auch wieder am Himmel, wenn auch nicht an derselben Stelle in Bezug zu den Sternen.
Genauso braucht die Sonne ein Jahr einmal um die Erde, bevor sie wieder an der selben Stelle gegenüber den Sternen steht.

Lies mal nach: siderischer und synodischer Umlauf bei Wikipedia.

> Warum war das Foucaultsche Pendel im 18.JH

Der berühmte Pendelversuch fand 1851 statt, also im 19. Jhdt.

Zitat:"Ein Foucaultsches Pendel ist ein langes, sphärisches Pendel mit einer großen Pendelmasse, mit dessen Hilfe ohne Bezug auf Beobachtungen am Himmel die Erdrotation nachgewiesen werden kann." Wikipedia

Auf die fett markierte Stelle kommt es an.

> Somit wäre heliozentrisches oder geozentrisches Weltbild keine Definitionssache mehr

Natürlich ist das Definitionssache, nämlich von welchem Standpunkt aus man die Geschichte betrachtet. Es gab früher mal ein kleines Progrämmschen, das die Bahnen der Planeten um die Sonne wahlweise helio- als auch geozentrisch anzeigen konnte. Beide Systeme sind an sich richtig - vom jeweiligen Standpunkt aus gesehen. Die heliozentrische Lösung ist hierbei sicher die einfachere. "Von mehreren hinreichenden möglichen Erklärungen für ein und denselben Sachverhalt ist die einfachste Theorie allen anderen vorzuziehen." (Ockhams Rasiermesser)

...und vor sichtig mit den Begriffen: die Erde dreht sich einmal am Tag um ihre eigene Achse (Sterntag) und sie läuft einmal im Jahr um die Sonne. Das sind zwei verschiedene Bewegungen (und auch noch in zwei Ebenen).
.

Bye 4 now, Micha

Winnie's Heimatseite + Kometenseite

Bearbeitet von: am:
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AS-Fan
Altmeister im Astrotreff

Deutschland
3496 Beiträge

Erstellt  am: 04.10.2019 :  20:06:26 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Stefan,
ob helio, geo oder aero(Mars)zentrisches Weltbild, ist erstmal egal. Man kann eins in das andere umrechnen. Das Kriterium ist dabei nützlich oder unnütz. In einem nützlichen, einfachen System kann man schön rumrechnen und Voraussagen über die Örter der Planeten, Monde etc. treffen.
Wie Winnie schon erwähnte...wichtig ist auch nicht die Eigendrehung (Rotation) der Erde mit der Umlaufbewegung um andere Himmelskörper zu verwechseln.
Übrigens, drehte sich die Erde nicht um sich selbst, müßte eine hypothetische, leichte Sonne in etwa 36000 km Höhe die Erde umkreisen, um eine Tageslänge von 24 Stunden zu gewährleisten. Das ist die gleiche Höhe in der sich die geostationären Satelliten befinden.

Gruß Armin

Bearbeitet von: am:
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mschwzr
Mitglied im Astrotreff


25 Beiträge

Erstellt  am: 04.10.2019 :  20:20:42 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo,

es war schon Jahrhunderte vorher bekannt, dass es die Erdrotation geben muss, nur keiner konnte es beweisen.

Lies mal hier nach:

https://www.hs.uni-hamburg.de/DE/GNT/exk/pdf/erd-rot.pdf


Viele Grüße, Michael


skywatcher maksutov 127/1500, canon eos 450d, canon eos 6d

Bearbeitet von: am:
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delta9
Neues Mitglied


6 Beiträge

Erstellt  am: 04.10.2019 :  22:53:04 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Klar kann man die Systeme ineinander unrechnen, aber nur geometrisch! Also für die Frage "Wann steht was wo" sind die Betrachtungsweisen alle äquivalent. Aber zieht man die Gravitatiosgesetze dazu, dann sind sie eben nicht mehr äquivaltent. Bzw. war das meine Frage, ob ich damit recht habe. Alle bisherigen Antworten hier arguemtieren rein geometrisch.

(==>)winnie: Ja so wird es sein "...rein von der Erde aus beobachtet ..."

Bearbeitet von: delta9 am: 04.10.2019 22:57:10 Uhr
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Atlas
Meister im Astrotreff

Deutschland
388 Beiträge

Erstellt  am: 05.10.2019 :  16:04:41 Uhr  Profil anzeigen  Besuche Atlas's Homepage  Antwort mit Zitat
Hallo delta9,

Ich habe den Eindruck, daß Du in Deiner Frage vieles durcheinander wirfst. Wie auch die anderen schon geschrieben haben, mußt Du die Drehung der Erde um ihre eigene Achse unterscheiden von der Bewegung der Erde um die Sonne. Das Foucaultsche Pendel war der erste direkte Beweis für die Achsdrehung der Erde. Mit der Bewegung der Erde um die Sonne hat das nichts zu tun.

Ob die Achsdrehung der Erde auch vor Foucault schon als bewiesen gelten konnte? Nun, es gab keine direkten Beweise, sondern nur indirekte Hinweise. Kopernikus war natürlich klar, daß er der Erde nur dann eine Bewegung um die Sonne zuschreiben konnte, wenn er sie auch um ihre eigene Achse drehen ließ. Sonst wäre ja ein Tag genau so lang wie ein Jahr. Der Geozentriker erklärt die Tageslänge einfach durch die Sonne, die sich wie alle Himmelskörper um die Erde bewegt. Der Heliozentriker muß dagegen zwei Bewegungen einführen, nämlich die Bahn der Erde um die Sonne und die Achsdrehung der Erde. Der Geozentriker liefert also die einfachere Erklärung, die in diesem Fall aber doch nicht die richtige ist. Die Heliozentriker konnten die zweite Bewegung der Erde, nämlich die Achsdrehung, aber nicht beweisen, sondern sie mußten sie auf der Basis der ersten Bewegung postulieren.

Ändert sich daran etwas durch Newtons Gravitationstheorie? Ich denke nicht, denn in ihrer astronomischen Anwendung besagt sie über die Achsdrehung der Erde zunächst gar nichts. Sie betrifft nur die Bewegung der Himmelskörper auf ihren Bahnen.

Man kann weiter fragen, ob die Gravitationstheorie überhaupt relevant ist für die Frage: Heliozentrismus oder Geozentrismus? Es könnte ja sein, daß die Erde der Zentralkörper des Sonnensystems ist. (Über die Massen der Himmelskörper wußte man damals praktisch nichts.) Wäre dann die Newtonsche Gravitationstheorie sogar mit dem geozentrischen Weltbild vereinbar? Nun, das wohl nicht. Denn nach Newton und Kepler bewegen sich die äußeren Planeten langsamer als die inneren (unter der Voraussetzung, daß ihre Massen gegenüber der Masse des Zentralkörpers klein sind). Sie brauchen also mehr Zeit für einen Umlauf. Doch dem geozentrischen System zufolge laufen die äußeren Planeten schneller als die inneren: Die Fixsternsphäre braucht demnach ca. 23,9 Stunden für einen Umlauf; Saturn ist ein kleines bisschen langsamer und wird deshalb alle 29,5 Jahre von den Sternen überrundet; Mars wird ca. alle 1,9 Jahre überrundet; die Sonne wird jedes Jahr einmal von den Sternen überrundet und der Mond alle 27,3 Tage. Der Mond als das nächstgelegene Objekt bewegt sich demnach am langsamsten, Saturn als das fernste Objekt am schnellsten. Das paßt aber nicht zum dritten Keplerschen Gesetz und zur Newtonschen Gravitationstheorie. Wenn diese richtig sind, muß das geozentrische System falsch sein.

Die Newtonsche Gravitationstheorie liefert somit ein weiteres Argument für die Richtigkeit des heliozentrischen Weltbildes. Die Achsdrehung der Erde wird davon aber nicht direkt berührt, sondern sie ergibt sich weiterhin nur als Zusatzannahme aus dem Heliozentrismus, weil man sonst die Tageslänge von 24 Stunden nicht erklären konnte.

Foucault hat demgegenüber erstmals einen direkten Beweis für die Achsdrehung der Erde geliefert.

Viele Grüße
Johannes

25" f4 Selbstbaudobson, Argo Navis, ServoCat
Meine Astronomie Website: Blick ins All

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dkracht
Meister im Astrotreff

Deutschland
303 Beiträge

Erstellt  am: 05.10.2019 :  17:41:33 Uhr  Profil anzeigen  Besuche dkracht's Homepage  Antwort mit Zitat
Hey Stefan,
das Foucaultsche Pendel demonstriert ganz einfach und schön in einer warmen Stube, dass die Erde sich in ca. 24 Stunden dreht. So eine schöne Demonstration hatte man vorher nicht.
So einfach ist das.
Clear Skies
Dietrich

Skywatcher HEQ5 Pro, Orion ED 80/600, Canon EOS 600D APS-C, Zeiss Jena Sonnar f/4 f=300mm, Takumar 135mm, Olympus 50mm, Sigma 24mm
Software: APT, CdC, PHD2 Guiding, DSS, Fitswork, All Sky Plate Solver

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