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 Noblex Vector 8x42, Nachf. Carl Zeiss Jena, Docter
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Klara66
Mitglied im Astrotreff


44 Beiträge

Erstellt am: 09.05.2019 :  11:49:01 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Ich beurteile nachfolgend ein Fernglas Noblex Vector 8x42. Die Firma Noblex Gmbh ist in Deutschland, Eisfeld (Süd-Tühringen) angesiedelt. Laut englischer Wikipedia als einer von mehreren Nachfolgern von Carl Zeiss Jena (Ferngläser wurden in Eisfeld produziert): Docter Optics, Jena Analytics, Noblex GmbH. Die Noblex GmbH ist Teil einer Frankfurter Holding:
https://en.wikipedia.org/wiki/Docter_Optics
https://www.pressebox.de/inaktiv/noblex-gmbh/Neues-Fuehrungsteam-bei-NOBLEX/boxid/923858
http://noblex-germany.com/index.php/de/start

Aufgrund der historischen Zusammenhänge und meiner "Affinität" (Affenliebe) zu Carl Zeiss Jena als "DDR-Bürgerin" mit "Jenoptem 10x50W multicoated" beurteile ich nachfolgend ein neues Produkt der Noblex GmbH, das Handfernglas Noblex Vector 8x42.

Die von Carl Zeiss Jena entwickelten und von Docter Optics weiter hergestellten und bezüglich Vergütung verbesserten Handferngläser kennen zumindest ältere Fernoptik-Freunde: Deltentris, Deltintrem, Dekarem, Jenoptem, Militärfernglas EDF 7x40 (für die NVA entwickelt), schwere Hochleistungs-Porros Nobilem usw.

Die Preislage des nachfolgend beurteilten Handfernglases Noblex Vector 8x42 bei Ebay: https://www.ebay.de/sch/i.html?_from=R40&_sacat=0&_nkw=Noblex+8x42&LH_PrefLoc=1&_sop=15
(Anbieter Noblex GmbH ist nicht immer dabei, jedoch schon oft gesehen, z. B. https://www.ebay.de/itm/SONDERANGEBOT-NOBLEX-Fernglas-8x42/352632352098?item=352632352098&pageci=b7970054-d293-4f5a-bd8d-4ed56d6c5080&redirect=mobile

Offensichtlich verkauft der Hersteller das Handfenglas Vector mit 42 mm Objektivdurchmesser schon mehrere Monate für 150 Euro + 10 Euro Versand (8x42) als billigster Händler jedesmal mit angeblich beschädigter Verpackung und 5 Jahren Werksgarantie gegenüber weiteren Online-Händlern (deren Preislage knapp 300 Euro). Wenn schon der Hersteller nicht mal eine neue Pappschachtel besorgen kann, riecht es streng nach Preisdumping - oder es sieht mit Gewährleistung/Ersatzteilen schlecht aus. Weitere Einfälle habe ich nicht, bin ja kein Fachhändler in offenbarer Konkurrenz zum Hersteller mit angeblich kaputter Verpackung ... ;-)


Hilfsweise (teilweise) vergleiche ich das Fernglas mit einem Minox HG 8x43 BR (war vor Jahren mal 1000 Euro Listenpreis). Das Noblex hingegen ist eine Neuentwicklung, meines Erachtens erst seit Anfang 2019 auf dem Markt als offensichtlich "entfeinerter" Nachfolger von 42-mm-ED-Gläsern von Docter: https://www.jaegermagazin.de/jagdausruestung/zielfernrohre-und-optik/jaeger-fernglas-test-das-docter-8x42-ed/

Da es mein erster veröffentlichter Test ist, beschreibe ich wegen Nachvollziehbarkeit durch Dritte ausführlich.

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Wetter für nachfolgende Tests: trübe, bewölkt, komplett grauer Himmel. (Im Sonnenschein sind fast alle Ferngläser gut.)
1/2, 2/3, 3/4 entsprechen des geschätzten Sehfeldradius ab optischer Achse (= Bildmitte bei Geradeinblick)

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Schärfe/Auflösung:
alter Mittelspannungs-Strommast (10 oder 20 kV) in 150 m Entfernung gegen grauen Himmel, braune Isolatoren, Zinken des Kamm-Musters mit Fernglas gerade so auflösbar
Fichtenzapfen in 30 m Entfernung, Detailsicht der Schuppen von Zapfen in optischer Achse und radial Richtung Rand gerade so erkennbar

Mittenschärfe:
Noblex gleichwertig, aufgrund leichter drehender Fokussierung Schärfe schneller zu erreichen

Randunschärfe:
Minox: Unschärfebeginn ab 2/3, bei 80% gering ausgeprägt
Noblex: Unschärfebeginn ab 1/2, bei 80% eindeutig größer ausgeprägt (trotz geringem Sehfeld von 115 m)

Test mit Zeitung:
mit 2 Wäscheklammern auf Wäscheständer gehangen, Betrachtungsbstand etwa 10 Meter
Randunschärfe ist so sehr gut einschätzbar und bestätigt die vorherige Betrachtung mit Isolatoren des Hochspannungsmastes
Minox: Unschärfebeginn ab 2/3, gering ausgeprägt
Noblex: Unschärfebeginn ab 1/2, eindeutig größer ausgeprägt, Geisterlichter unter leichten Gegenlicht (Sonne durch Wolken gestreut)

Chromatische Aberration, davon Farbquerfehler eindeutig erkennbar
(anthrazitfarbener SAT-Spiegel und gleichfarbiges Dach in 20 m Entfernung vor hellem, aber grauem Himmel
Noblex: ab 2/3
Minox: ab 1/2, stärker ausgeprägt (breiterer violetter Rand, bei anderen Objekten auch mal grün)

Für Kontraste habe ich wegen dem Einsatzzweck des Glases (Naturbeobachtung) "nahe nebeneinander liegende" Naturtöne wiederum bei trübem Wetter in 500 bis 600 m Entfernung betrachtet.
Kontrast (Zapfen braun, dunkelgrüner Hintergrund durch Baumäste)
keine Unterschiede feststellbar

Kontraste an Schorsteinverkleidung, anthrazitfarbener Schiefer)
keine Unterschiede feststellbar
bei leichtem Gegenlicht Minox geringfügig besser

Kontraste an grauen Dachschindeln
keine Unterschiede feststellbar

Kontraste an Ziegelschornstein mit beigefarbenen Fugen
keine Unterschiede feststellbar

Kontraste, Entfernung etwa 200 m, grüner Maschendraht vor rostig-brauner Blechplatte, Maschendraht vor Hintergrund mit Gläsern gerade so unterscheidbar
keine Unterschiede feststellbar

Farbwiedergabe
Papiertest nach W. E. Schön: Minox blendend weiß (unverändert), Noblex leicht beige und eindeutig dunkler

Umfokussierung 600 m -> 150 m (bequem wäre, wenn nicht notwendig)
Noblex nicht oder kaum notwendig
Minox nicht oder kaum notwendig

Verzeichnung (Krümmung gerader Linien, hier Stromleitung)
ab 1/2, etwa gleich bei beiden Gläsern

Abschattungen ohne Brille
Minox muss zur Vermeidung von Abschattungen etwas genauer vor den Augen positioniert werden. Noblex ist da etwas "gutmütiger".

Abschattungen, Brillenträgerokulare eingeschraubt, Test mit kleiner Lesebrille nahe vor den Augen (habe keine weitere)
beide Gläser "gutmütig" vor Auge positionierbar, komplettes Sehfeld nutzbar
Rastung der Okulare von Noblex gegenüber Minox weniger bemerkbar, Minox rastet "eindeutiger", Funktionsfähigkeit der Brillenträgerokulare des Noblex jedoch gegeben

Gegenlichtempfindlichkeit im Freien (von schräg oben kommende, von leichten Wolken bedeckte Sonne, ich suche mir eine annähernd waagerechte Kante, bei der beim Noblex Reflexe/"Nebel" entstehen)
Minox weit besser, leichter Nebel nur am Sichtfeldrand ab 3/4 des Sehfeldradius
Diese Lichtsituation (keine volle Sonne) ist nicht praxisfern - aber für Fernoptik schwierig. Selbst das Minox beginnt mit "Geisterlicht" zu reagieren, das Minox ist laut Messungen Dritter bezüglich Falschlicht sehr gut.
Mit der Taschenlampe in die Okulare des Noblex geleuchtet, sehe ich beim Noblex rauhe, grau-silbern schimmernde Prismenaußenflächen, 2 Blendenringe ("Gegenlichtfallen"?) und Ringstrukturierung an den Innenseiten der Tuben. Ich kann die Qualität des Innenlebens von Tuben schlecht einschätzen.
Weitere Tests gegen leichten Sonnenschein zeigen weit erhöhte Gegenlichtempfindlichkeit (Geisterlichter, Reflexe im Glas, "Viertelmonde") des Noblex gegenüber dem Minox.

Dämmerung, immer mehr Dunkelwerden, immer wieder schauen (50 m Abstand, Zapfen an Bäumen mit Glas gerade so erkennbar, mit bloßem Auge kaum, zu unauffällig)
Welches Glas ist heller, kontrastreicher? Kein eindeutiger Unterschied erkennbar. Habe allerdings nicht bis zur völligen Dunkelheit beobachtet.

Nachthimmel, Auflösung und Abbildungsfehler, Doppelsterne, Mond/Mondkrater:
laufend bedeckter Himmel oder keine Gelegenheit oder Nachbar beleuchtet Umgebung auch nachts. Langsam weiß ich, was "Seeing" bedeutet, obwohl ich Denglish nicht mag ... ;-)
Schade, gerade für die Publikation des Tests in einem Astroforum wäre mir das wichtig gewesen. Das Noblex war ein Leihglas von Bekannten, mittlerweile zurückgegeben.

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Zusammenfasssung der optischen Tests:
Das Noblex ist für Nichtbrillenträger gutmütig vor den Augen positionierbar (schnell, kaum Korrekturen nötig). Randunschärfe beginnt schon bei 1/2 des Sehfeldradius und das bei nur 115 m auf 1000 m Sehfeld. Das Sehfeld von 115 m empfinde ich als Tunnelblick. Chromatische Aberration (Farbquerfehler) ist gering und m. E. kunstfrei korrigiert - bei dem geringem Sehfeld. Die hohe Gegenlichtempfindlichkeit behindert eine gute Sicht schon bei etwas Gegenlicht. Mehrere Versuche und Vergleiche wurden durchgeführt.

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Beurteilung der Mechanik und Haptik:

Meine engstehenden Augen (58 mm) kriege ich mit beiden Gläsern gerade noch so "knickgebrückt". Unter 56 mm (Jugendliche?) wird mit beiden Gläsern sicher nichts, das Noblex ist dabei mehr am Ende, nahezu völlig geknickt.

2 Plastik-Wasserleitungen anzufassen ist offenbar bei vielen Herstellern modern (und aalglatt), ich mag nicht, wenn ein nebelfeuchtes Glas deshalb runterfällt. Ist beim ehem. 1000-Euro-Minox mit angeblichem und hochgelobten "VW-Design" nicht besser, ein Docter 8x42 ED (strukturierte Oberfläche) wurde diesbezüglich ganz offenbar von Noblex "entfeinert". Ein Begriff aus der Reichsbahngeschichte für Kriegslokomotiven, zu gut deutsch einfach abgespeckt.

Der Dioptrienausgleich per dickem, herausziehbarem Fokussierrad ist bei vorherigem Zusammendrücken der Knickbrücke nervig: Frau zieht mühevoll mit 2 Fingern an einem Zylinder, der mindestens zur Hälfte von den Tuben verdeckt ist. Familientauglichkeit (Jugendliche) = Null. Für Einzelnutzer ist das nicht schlecht, der Dioptrienausgleich kann so nicht versehentlich verstellt werden. Mit etwas Nachdenken hätte ein intelligenter Hersteller ein weiteres, kleineres Rädchen für Dioptrienausgleich zusätzlich zur Fokussierung vorsehen können. Oder eben klassisch an einem Okular. Die Neuerfindung der Welt ist nicht immer besser.

Als gelernte Feinwerktechnikerin hat mich das Spiel (Verkippen) der Achse des Fokussierrades mit kombiniertem Dioptrienausgleich selbst bei hineingeschobenen Kombi-Fokus-Rad gestört: Ein Radialspiel der Achse von etwa 1,5 mm. Umfänglich war kein Spiel zu bemerken, das Fokussierrad lief gleichmäßig, für meinen Geschmack zu leicht. Ich mag Widerstand so wie bei Porros von CZJ. Das Verkippen der Achse ist mehr oder weniger ein Schönheitsfehler, behindert nicht die Funktion der Fokussierung und des Dioptrienausgleiches. Meines Erachtens ist die Mechanik für ein 200-Euro-Glas okay. Für ein 500-Euro-Glas selbstverständlich nicht! Die Kollimation (parallele Ausrichtung der Tuben) war okay, verschiedene Tests gemacht. Jedoch keinen Sterntest, der wohl exakt wäre: Dioptrienausgleich maximal verstellt und scharf fokussierter Stern im Zentrum der Unschärfe des verstellten Tubus.

Eine Seriennummer (sinnvoll für Gewährleistung, Werksgarantie und Qualitätsmanagement) ist am Noblex nicht vorhanden. Beim Minox schon. Und bei jedem CZJ-Porro ...

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Für welche Ansprüche ist das Glas geeignet?
Das Noblex Vector 8x42 (oder 10x42) kann ein altes, dunkles, schweres, nicht wasserdichtes Porro (zumindest 8x30) ersetzen. Mit wie so oft zu leicht abfallenden Schutzkappen für Okulare und Objektive. Es gibt viele trübe (Beobachtungs-) Tage im Jahr. Für Wanderungen ist ein 8x42 schon zu schwer, eigener Fehlkauf mit dem Minox 8x43, ein 8x30/32 wäre besser gewesen, 8x25 und kleiner wird zu fummelig und gegenlichtempfindlich. Die 8-fache Vegrößerung des Noblex mit entsprechendem Gewicht gibt ein schönes, ruhiges Bild für "Zittterer" wie ich es bin. Also ein preiswertes Terassen-/Balkonglas für zu Hause. Schade, Astrotauglichkeit konnte ich nicht testen. Das geringe Sehfeld von 115 m / 1000 m fällt auf, wenn man Besseres gesehen hat. Bei dem geringen Sehfeld akzeptiere ich Randunschärfe ab 1/2 des Sehfeldradius nur bei einem Billigglas. Was mit dem Noblex 8x42 für etwa 200 Euro gegeben ist. Meine Empfehlung: Ein besseres 8x32er Glas!
Vielleicht ist ein deutscher Hersteller für Werksgarantie greifbar. In AGBs von Noblex war ich fundlos - aber 2 Jahre Gewährleistung schreibt der deutsche Gesetzgeber vor. Nicht mehr und nicht weniger. :-)

Vergleicht also vor beabsichtigten Kauf eines unklar dargestellten Gebraucht-Porros mit der von mir vorgestellten Billig-Dachkante vom hoffentlich "greifbarem" deutschen Hersteller mit 2 Jahren Gewährleistung. Moderne (Billig-) Dachkanten sind wasserdicht und haben Schutzkappen, alte Porros haben beides nicht und sind für Brillenträger ungeeignet. Dafür aber ein großes Sehfeld (Deltintrem mit 150 m auf 1000 m mit Erfle-Weitwinkelokularen).
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Falls ein(e) Marketender*In von Noblex GmbH mal liest:
U. a. Temperaturbereich in Datenblättern fehlt, Jäger und Urlauber wollen auch mal bei Frost oder im Winterurlaub schauen. Nebst vielen anderen sinnvollen Angaben, z. B. gegenüber Docter fehlendes ED, "Raindefender" usw. Ansonsten könnnen wir gern das von der Noblex GmbH produzierte Fernglas (wo eigentilch produziert?) meiner Bekannten einem unabhängigen Gutachter vorlegen. AGBs von Noblex habe ich überflogen, Aussagen zu (Werks-) Garantie-Zeiträumen sind mir dabei (leider) nicht "untergekommmen".

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Zuletzt mache sich jeder mal eigene Gedanken bezüglich Firmenpolitiken und deren Zukunft:
Katalog Docter/Noblex von 2017: http://www.docter-germany.com/images/uploads/kataloge/NOBLEX_Katalog-EN_2017.pdf
(mit Aspectems, Docter EDs, NVA-EDFs usw.)
Katalog Noblex (2019): http://noblex-germany.com/images/fileadmin/content/a_noblex_bilder/NOBLEX_Produktkatalog_DE_V5.pdf
Nobilems und Aspectems (Großferngläser) fehlen offensichtlich, 32er Gläser gibt es nicht. EDF wurde bereits in der DDR entwickelt, das Docter ED mit 42 mm Objektivdurchmesser wurde offensichtlich "entfeinert" und mit dem Namen der neuen Firma versehen. Als "Marketing-Tante" hätte ich den neuen Firmennamen nur auf ein neues Spitzenprodukt gemalt, nicht auf ein wohl abgespecktes Billigprodukt des Vor-Vorgängers Docter. Zieloptiken und deren (Eigen?) Entwicklung habe ich nicht recherchiert. Bin nur Beobachterin bezüglich Handferngläsern.

Ich denke, mein Text unterliegt der Meinungsfreiheit laut Grundgesetz als diesbezüglich abzuwägendes höheres Gut gegenüber Umsatzinteressen einer Privatfirma. Danke für entsprechendes Verständnis des Grundgesetzes!

Danke auch an die Admins und Mods des Forums für Nicht-Zensur! Ich gebe zu, polarisierend sein zu wollen. Meine einziges Ziel jedoch ist unlangweilig, informativ und zum Nachdenken anregend zu schreiben, mich und andere "aus dem eigenen Saft" herauszuholen. ;-)

Achtungsvolle Grüße an die Ingenieure und Arbeiter von CZJ - vmtl. lesen einige "Alte" lachend und hoffentlich stolz mit ...

Edit:
Ein "Peer Review" Dritter (sachbezogene Kritik) bezüglich meiner Enschätzung des Noblex Vector 8x42 oder 10x42 und (würdigen?) Nachfolgern von CZJ / Docter wäre hochinteressant ...

Text inhaltlich korrigiert und gekürzt.


Bearbeitet von: Klara66 am: 11.05.2019 10:44:44 Uhr

Mettling
Altmeister im Astrotreff

Deutschland
5740 Beiträge

Erstellt  am: 09.05.2019 :  21:06:20 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Halllo Klara,

Ein schöner Bericht, vielen Dank dafür.
Noblex war mir bislang nur als Hersteller von Zieloptiken bekannt. Dass es unter diesem Label auch Ferngläser gibt und dass es wie Docter in der Zeiss Tradition steht, war mir völlig unbekannt.

Dein Testergebnis und der günstige Preis des Glases deuten meiner Meinung nach darauf hin, dass es sich hierbei um ein einfaches Glas aus chinesischer Produktion handelt, das in Deutschland eventuell noch fertig montiert wird um das Label "Made in Germany" zu erhalten. Auf Bildern sieht es dem DDoptics Ultralight 8x42 sehr ähnlich, welches definitiv ein Chinaglas ist. Vermutlich fallen sie in Fernost vom gleichen Fließband. Allerdings hat das DDoptics mit 124/1000m ein größeres Sehfeld.
Wenn man im Noblex-Prospekt mal vergleicht, wieviel Platz den Zieloptiken und wieviel den Ferngläsern eingeräumt wird, vermute ich mal dass sie nur ein paar Gläser aus OEM-Produktion zur Abrundung des Sortiments aufgenommen haben. Aber das ist keinesfalls deren Kerngeschäft.

Ein "würdiges" Konkurrenzprodukt wäre vermutlich die Zeiss-Einstiegsklasse: das Zeiss Terra 8x42. Ich habe es eine Zeitlang besessen und nach Deiner Beschreibung dürfte das Zeiss das Noblex in Sachen optischer Qualität deutlich hinter sich lassen.

Bis dann:
Marcus


EDIT:
Du hast Dein Posting ja schon einige Male editiert. Vielleicht könntest Du noch mal den Threadtitel ändern. Denn bei Deinem Test geht es ja nicht um Ferngläser von Zeis oder Docter, sondern nur um das Noblex im Vergleich mit Deinem Minox. Da finde ich den Titel etwas irreführend.

16" f/3,7 Dobson, 6" Reisedobs, C8, ED 80/560, Sunlux (Skylux/PST-Mod)
Vixen SP-DX und Porta, Star Adventurer
Zeige mir einen Dobson und ich zeige Dir eine Baustelle.

Bearbeitet von: Mettling am: 10.05.2019 07:18:08 Uhr
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b_schaefer
Senior im Astrotreff

Deutschland
142 Beiträge

Erstellt  am: 11.05.2019 :  01:03:57 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Auffällig finde ich, dass im Katalog beim neuen Vector kein „Made in Germany“ dabei steht. Beim alten Militärglas EDF ist das hingegen der Fall. Das scheint dann tatsächlich das letzte Überbleibsel der CZJ-Tradition zu sein. Beim Aspectem scheint die Maschine zur Gehäusefertigung kaputt gegangen zu sein, liest man bei Cloudy Nights. Ersatz lohnt bei dem geringen Absatz offenbar nicht. Das Vector ist dann hingegen dazugekauft. Das Astro-Okular ist im Katalog auch nicht mehr aufgeführt. Zum Glück habe ich noch zwei, die zusammen mit ein paar japanischen Optik-Teilen ein fantastisches 32x71 mit abgewinkeltem Einblick ergeben.

Nobilem, Dekarem und Deltrintem sind ja schon länger ausgephast. Daher musste ich statt letzterem auf die Nikon-Kopie (8x30 EII) ausweichen. Auch ein schönes Glas.

Insgesamt bleiben von der Tradition in Eisfeld jetzt halt hauptsächlich die Zielfernrohre. Wirtschaftlich alles erklärbar, aber dennoch schade.

Vielen Dank für den Bericht! Einer musste sich ja opfern...

Viele Grüße
Sebastian



Bearbeitet von: am:
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Klara66
Mitglied im Astrotreff


44 Beiträge

Erstellt  am: 11.05.2019 :  09:57:19 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Marcus, hallo Sebastian,

stimmt, auf dem Noblex steht weder eine Seriennummer noch „Made in Germany“. Den China-Gedanken hatte ich wieder verworfen - nachdem ich Fotos vom Werk in Eisfeld sah und die CZJ-Docter-Tradition im Hinterkopf hatte ... .

Bei der aktuellen Konkurrenz bezüglich Handferngläsern verstehe ich, dass sich ein Unternehmen mehr auf Zieloptiken und Jäger konzentriert. Was ich nicht verstehe, wie dort ein Billigfernglas hinpasst. Jäger dürften eine recht wohlhabende Zielgruppe sein, ein bekannter Jäger schätzt die „Baby-Erstausstattung“ einschl. Jagdschein auf 12.000 Euro + laufende Kosten für Pacht und Munition. Für ein Ansitzglas werden 1000 Euro bis 2000 Euro ausgegeben, für ein gutes und leichtes Pirschglas (8x42) sicher bis 1000 Euro. Das Docter 8x42 ED (800 ... 900 Euro) als leichtes Pirschglas wurde in mehren Jagdzeitschriften beurteilt. Die noch angebotenen 40-mm-Militär-EDF (CZJ-Entwicklung) wiegen schon etwa 1 kg, eine fragwürdige, weil schwere Alternative.

Marken-Grossferngläser und Astrogläser werden von Fujinon doch auch produziert und erfolgreich verkauft. Mit wohl nur wenig (?) chinesischer Konkurrenz (TS Optics). Die Erfahrung mit Porros wie Aspectem und Nobilem dürfte vorhanden (gewesen) sein. Mal sehen, wie es in Eisfeld weitergeht, im Segment Fernoptik (Zieloptiken nicht recherchiert) sehe ich das Vector als einzige Entwicklung (oder Entfeinerung des Docter 8/10x42 ED) der Firma Noblex seit mehreren Jahren. Und nun das Ende der Produktion weiterer Klassen von Fernoptik (Aspectem, hochwertige Pirschgläser). Nun ja, Umsatz und Arbeitsplatzerhalt ist wichtig - für welches Marktsegment auch immer.

Den Threadtitel habe ich etwas angepasst, geht aber auch um aktuelle Produktpolitik gegenüber der Tradition früherer Gesellschafter. Mit vielen Fragezeichen und begründeter Spekulation. ;-)

Schönes WE euch und allen Mitlesern. Klara

Bearbeitet von: Klara66 am: 11.05.2019 10:52:18 Uhr
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Mettling
Altmeister im Astrotreff

Deutschland
5740 Beiträge

Erstellt  am: 11.05.2019 :  14:19:11 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Clara,

ich denke in dieser Preisklasse ist Fertigung in Deutschland nicht mehr drin. Sogar das Zeiss Terra ED 8x42 trägt offen den Schriftzug "Made ich China". Auch die höherwertigen Gläser der namhaften Hersteller werden viele chinesische Komponenten enthalten. Interessant wird es, wenn die Fertigung und eine Endkontrolle in Deutschland erfolgen. Aber dafür wird man schon in einer deutlich höheren Preiskategorie suchen müssen.

Ein Produkt darf sich "Made in Germany" nennen, wenn mehr als 50% der Wertschöpfung in Deutschland geleistet wird. Bezogen auf den Einkaufspreis! Also Komponenten für 200,- aus China, Komponenten für 100,- aus Deutschland, Arbeitszeit im Wert von 105,- in Deutschland ét voila: Made in Germany. Das fertige Glas steht dann für 1000,- als deutsches Markenprodukt beim Händler.
Auch wenn 2/3 des Glases aus dem fernen Osten stammen.

Bis dann:
Marcus

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Bearbeitet von: Mettling am: 11.05.2019 14:22:12 Uhr
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