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hasebergen
Altmeister im Astrotreff

Deutschland
3189 Beiträge

Erstellt am: 30.04.2019 :  11:50:51 Uhr  Profil anzeigen  Besuche hasebergen's Homepage  Antwort mit Zitat
Hier mal: drei kleine Tips für (nicht nur) Telementor-User

1. Madenschräubchen zur Objektivfixierung sitzen fest und drohen bei Versuch, diese herauszuschrauben, kaputtzugehen bzw. "auszulatschern":

Lösung: Kriechöl drauf, einen halb Tag warten. Dann mit dem Fön einige Minuten auf die Stelle "halten" bis das Metall richtig warm ist: Nun mit dem Schraubenzieher an die Madenschrauben und - vorsichtig! Hin und Herdrehen. Ganz sachte! Ggf. nochmals mit dem Fön draufhalten. Bei mir ging das Lösen dann. Vermutlich ist da - der Telementor ist ja ein altes Fabrikat - Schmock in dem "Schraubgang", der durch Kriechöl und Fönhitze dann erst weich wird. Nach dem Rausschrauben der Madenschrauben sieht man beim Blick durch den Schraubgang das Loch in der Objektivfassung, in dem die Spitze der Madenschraube zur Fixierung "endet". Das brauchen wir bei 2. noch.

2. Telementorobjektiv sitzt nach Lösen der Madenschrauben immer noch bombenfest:

Lösung: Hier nun von vorn am Objektivfassungsrand/Tubusinnenseite Kriechöl rein. Natürlich aufpassen, das nichts auf das Objektiv selbst kommt. Telementor mit dem Objektiv nach oben aufstellen (so daß das Kriechöl an der Fassungswand nach unten "kriechen" kann). Einige Stunden warten.
Jetzt einen kleinen Nagel durch den Schraubgang der Madenschraube bis in das "Madenschraubenendloch" der Objektivfassung durchschieben.
Dann - vorsichtig! - ein Stückchen Holz mit einer Kante nehmen, diese Kante am Fassungsrand aufsetzen (bloss nicht auf die Linsen kommen!) und mit einem Hämmerchen hinten klopfen. I.d.R. beginnt sich das Objektiv - Richtung innen - zu lösen - bis es durch den Nagel im Schraubgang "blockiert" wird. Um nun das Objektiv zu lockern, hebelt man es vorsichtig mit dem Nagel, der eben nun als Hebel dient - wieder nach vorn. Und wiederholt diesen Vorgang ggf. so lange, bis das Objektiv immer lockerer sitzt. Dann lockert sich das gesamte Objektfassungssetup und man kann das Objekt bestenfalls vorne herausplumpsen lassen. Oder eben vorsichtig mit dem vorderen objektivseitigen Ende des Gerätes auf einen gepolsterte (bei mir war es ein Perserteppich) Unterlage stossen. Auch das mit Geduld.
Zum Wiedereinbau natürlich das Tubusinnenrohr und die Fassungsaussenseite reinigen und die Fassung samt Linsen genauso wieder reinschieben und dann entsprechend mit den gereinigten Madenschrauben wieder fixieren.
An meinem Telementor hat das prima geklappt, so daß ich das Objektv dann draussen hatte und reinigen konnte und nun wieder einen richtig schönen Gucker habe (der aber bald seiner Wege gehen wird, da ich noch einen weiteren kompletten Telementor habe).

3. Tubusschlieren wegbekommen.

Lösung: Häufig - gerade wenn man gebrauchte Telementoren (und andere alte Teleskope) aus dem Netz "zieht" - haben diese Gerätschaften Schlieren und Kratzer auf dem Tubus. Zunächst gilt es, die gesamte Tubusoberfläche von staubigen (Zigarettenrauch etc.) Ablagerungen zu befreien. Das macht Glasreiniger richtig gut. Nun zu den Schlieren, Kratzern und Co: hier gehe man mit einem billigst-Wundermittel ran: einfachem Natron /Backpulver. Stoffstück vorn in Wasser tunken, dann Natron drauf und ohne Hektik putzen. Da holt man eine Menge mit runter und schadet dem Lack des Telementortubusses nicht. Ich hab damit einen ziemlich verschrammelt aussehenden Tubus wieder recht schön hinbekommen. Kostenfaktor: im cent-Bereich.

siehe Bilder.




Wenn Ihr noch weitere Tips für die Reinigung/Veredlung von klassischen Teleskopen habt - vielleicht fügt Ihr sie hier an, so daß wir hier eine kleine "Klassische-Teleskope-Hilfe-Tips-Sammlung" hinbekommen. So eine Art kleines Nachschlagewerk vielleicht.

Greetz Hannes

Diverses klassisches Zeugs - Klassikerseite: http://amateurastronomie.com/index.htm - Bereich Klassiker

Facebook - Gruppe Klassische Teleskope https://www.facebook.com/groups/1101191130018058/

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wambo
Altmeister im Astrotreff

Djibouti
3830 Beiträge

Erstellt  am: 01.05.2019 :  14:40:54 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
...eine, der schönen Restaurierungsarbeiten von Wolfgang Paech. Gut mit Bildern und Tipps dokumentiert:

http://www.astrotech-hannover.de/amateurteleskope/kosmos-d61.htm

MfG Michael Aaron


Freund klassischer Teleskope
RED SUN die unbekannte Mars-Mission 1973

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Greebo
Neues Mitglied

Deutschland
4 Beiträge

Erstellt  am: 07.06.2019 :  09:04:10 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Moin. Gut beschrieben wie ich die Schrauben lösen kann. Habe ich später beim wiedereinbau des Objektives noch etwas zu beachten? Kann ich das als Laie irgendwie kaputtmachen?
Habe ein Telementor in dem Tubus ist dreck drin den ich nicht rausbekomme. Habe Angst etwas kaputtzumachen. Deine Anleitung hier ist die erste die ich gefunden habe. Ansonsten war meine Suche bisher nicht wirklich erfolgreich.

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Kalle66
Forenmeister im Astrotreff

Deutschland
10009 Beiträge

Erstellt  am: 07.06.2019 :  10:18:44 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Greebo,
grundsätzlich hilft erst mal ein Verständnis, wie Tubus, Objektiv und Fassung aufgebaut sind. Manche Schräubchen löst man erst, wenn sie "an der Reihe" sind. Objektivfassungen (das Teil, dass die diversen Objetivlinsen zusammen hält) zerlegt man nicht, solange die Linsen o.k. (nicht "blind") sind. Man braucht nämlich eine opt. Bank, um das Objektiv wieder funktionstüchtig zusammen zu kriegen. Speziell in Refraktoren dienen viele Schräubchen nur der Justage und weniger dem "Zusammenhalten".

Was sehr gut hilft beim wieder zusammenbauen ... jeden Arbeitsschritt mit Handykamera filmen/fotografieren, so dass man selbst nachschauen kann, wo was war.

Schrauben grundsätzlich in einem Schälchen/Tassenuntersetzer aufbewahren, damit nichts verloren geht. Zu jeder Schraube gehört ein passender Schraubendreher. Hat man die nicht, ruiniert man ansonsten nur die Schraube. Vor allem auch auf die Länge der Schrauben achten und später nicht verwechseln. Ein Streifen Malerkrepp, auf die man die Schrauben klebt/ablegt und Beschriftung wirkt manchmal Wunder.

Tubusinnenseiten sind regelmäßig "geschwärzt" und die Methode der Schwärzung kann manchmal überraschen. Wenn man Pech hat, reinigt man das "Schwarze" glatt weg.

Was Hannes eingangs beschreibt, resultiert aus der Erfahrung, die er beim Auseinandernehmen, Reinigen und Zusammenbau von wenigstens einem Dutzend Refraktoren gesammelt hat. Gerade bei "alten" Dingern, weiß der "Anfänger" zudem regelmäßig nicht, ob das Teil noch im Original ist oder von einem der Vorbesitzer schon mal "umgebaut" wurde. Man muss also auf Überraschungen immer gefasst sein.

Kalle - Alles wird gut !
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Greebo
Neues Mitglied

Deutschland
4 Beiträge

Erstellt  am: 10.06.2019 :  19:58:00 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo, ich nochmal. Welches Öl hast du genommen? Ich habe WD40, aber irgendwie funktioniert das nicht richtig.

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Dieter-S
Neues Mitglied im Astrotreff

Deutschland
14 Beiträge

Erstellt  am: 10.06.2019 :  23:19:07 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Unlackiertes Holz (Stative) kann man wunderbar mit Leinöl auffrischen und danach mit Wachs schützen. Zunächst das Holz schön glatt schleifen (250er Körnung reicht), vorsicht bei Funktionsstellen, die nachher noch passen müssen! Dann Leinöl üppig mit einem Lappen auftragen und - wenn die Oberfläche sehr gut ist - mit einem Stück Stahlwolle der Stärke 0000 vorsichtig einarbeiten. Stahlfussel muß man natürlich gleich wieder entfernen. Das ganze läßt man dann eine Woche staubfrei aushärten (besser zwei Wochen) und poliert dann mit Wachs und einem Tuch nach. Vorher kann man, wieder mit feinster Stahlwolle und wenig Druck, nachpolieren. Wem das zu lange dauert, der kann sich auch ein Firnisöl besorgen, das schnell aushärtet. Diese Öle enthalten allerdings teils recht unappetitliche Zusatzstoffe. Wer kein Leinöl mag, kann auch z.B. Walnußöl nehmen, wenn er nicht dagegen allergisch ist. Leinölfirnis härtet etwas schneller aus, hat aber Zusatzstoffe. Wer ganz sicher gehen will, nimmt Leinöl aus dem Reformhaus (kein Scherz!).

Für Metalloberflächen gibt es spezielle Polierpasten. Die trägt man am besten mit einem Filzlappen auf und poliert damit auch aus. Filzlappen funktionieren aber auch hervorragend mit Sidol, wenn es nur darum geht, übliche Haushaltsablagerungen zu entfernen (hab ich oft bei Reparaturen von Alu-Leuchten bei der Arbeit). Kratzer kann man damit zwar nicht entfernen (schon garnicht auf Stahl), aber der so erzielte Glanz überstrahlt vieles. Man braucht mit Sidol übrigens nur wenig Druck. Druck hilft eher neue Kratzer zu erzeugen (Staub verreiben etc.). Rost, Farbe und korridiertes Aluminium lassen sich so natürlich nicht bekämpfen. Bei Lacken und glatten Kunststoffen kann es auch funktionieren, kann aber auch zerstören. Am besten an einer unauffälligen Stelle testen.

Bei Arbeiten dieser Art sollten sämtliche optischen Teile natürlich möglichst weit entfernt sein ;)

Achtung: Sidol enthält Ammoniak, also an einem gut belüfteten Ort arbeiten oder darauf verzichten. Bei anderen Poliermitteln die Verbraucherhinweise lesen.

Bearbeitet von: Dieter-S am: 10.06.2019 23:32:04 Uhr
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Kalle66
Forenmeister im Astrotreff

Deutschland
10009 Beiträge

Erstellt  am: 10.06.2019 :  23:48:41 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Dieter,
ich bevorzuge für die Holzpflege Leinölfirnis (doppelt gekochtes und geklärtes Leinöl). Geklärt, weil die Eiweisprodukte aus den Leinsamen nichts auf dem Holz zu suchen haben. Vielleicht meinen wir ja das Gleiche. Der Begriff "Firnis" ist da im Deutschen nicht eindeutig.

Der Nachteil von Leinöl ist, dass es bei Staunässe schwarz wird auf dem Holz, insb. bei Endholz. Da sind andere Holzöle wie Tungöl besser. Ein weiterer Nachteil dieser Naturprodukte ist, dass sie keinen UV-Schutz bieten und Hartholz in der Sonne vergraut. Das können die Industrieprodukte dann besser.

Greebo,
was willst du mit WD40 einölen? Das ist kein Schmiermittel, eher ein Korrosionsschutz bzw. Kriechöl. Ich täte das in der Nähe von Objektiven vermeiden, denn es kriecht in alle Ritzen. Einzig zum Lösen von festgebackenen Schrauben taugt das.

Kalle - Alles wird gut !
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Greebo
Neues Mitglied

Deutschland
4 Beiträge

Erstellt  am: 11.06.2019 :  20:56:33 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Kalle. Ich versuche damit die Madenschrau en zu lösen. Die sitzen bombenfest und rühren sich kein Stück.

Bearbeitet von: Greebo am: 11.06.2019 21:05:10 Uhr
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Dieter-S
Neues Mitglied im Astrotreff

Deutschland
14 Beiträge

Erstellt  am: 11.06.2019 :  22:57:04 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Greebo, im schlimmsten Fall ausbohren und etwas dickere einsetzen. Vielleicht hilft dir jemand in der Nähe - ein Schlosser, Kollege oder so. Paßt noch ein Schrauber in die Madenschrauben? Und müssen die Madenschrauben unbedingt wieder gängig werden?

Bearbeitet von: am:
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Dieter-S
Neues Mitglied im Astrotreff

Deutschland
14 Beiträge

Erstellt  am: 11.06.2019 :  23:07:49 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Zitat:
Original erstellt von: Kalle66
ich bevorzuge für die Holzpflege Leinölfirnis (doppelt gekochtes und geklärtes Leinöl). Geklärt, weil die Eiweisprodukte aus den Leinsamen nichts auf dem Holz zu suchen haben. Vielleicht meinen wir ja das Gleiche. Der Begriff "Firnis" ist da im Deutschen nicht eindeutig.

Der Nachteil von Leinöl ist, dass es bei Staunässe schwarz wird auf dem Holz, insb. bei Endholz. Da sind andere Holzöle wie Tungöl besser. Ein weiterer Nachteil dieser Naturprodukte ist, dass sie keinen UV-Schutz bieten und Hartholz in der Sonne vergraut. Das können die Industrieprodukte dann besser.



Ok, ich dachte mehr an "Museumsobjekte", wo die Stative ohne Behandlung einfach nicht mehr ansehnlich sind. Außerdem wollte ich es einfach machen und das Prinzip ist ja bei allen Ölen mehr oder weniger gleich.

Leinölfirnis nach deiner Beschreibung finde ich sehr interessant! ich kenne nur den Chemiemix aus dem Baumarkt und lebensmitteltaugliches Leinöl. Im Haus habe ich damit bisher keine Probleme.

Endholz würde ich eh nicht auf die Erde stellen, da gehören dann, insbesondere bei Stativbeinen, Kappen drauf ;).

Bearbeitet von: Dieter-S am: 11.06.2019 23:09:06 Uhr
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hasebergen
Altmeister im Astrotreff

Deutschland
3189 Beiträge

Erstellt  am: 12.06.2019 :  08:41:14 Uhr  Profil anzeigen  Besuche hasebergen's Homepage  Antwort mit Zitat
Zitat:
Original erstellt von: Kalle66



Greebo,
was willst du mit WD40 einölen? Das ist kein Schmiermittel, eher ein Korrosionsschutz bzw. Kriechöl. Ich täte das in der Nähe von Objektiven vermeiden, denn es kriecht in alle Ritzen. Einzig zum Lösen von festgebackenen Schrauben taugt das.



Kalle,
nun ich hatte seinerzeit bei meinem Telementor genau dieses WD40 genutzt - ist eben ein Kriechöl, was dann auch soweit einen Schmiereffekt hatte, dass ich das feste Objektiv aus dem Tubus herausbekommen habe und dann reinigen konte. Natürlich muss man da sehr umsichtig mit arbeiten, aber es hat hingehauen (zumindest bei mir).

Greebo, siehe oben. Aber nach Nutzen des WD40 musst Du schon einige Stunden warten, und den Tubus mit dem Objektiv nach Oben aufstellen, so daß das Öl dann "nach unten" kriechen kann.
Ist das Objetiv allerdings verkantet bzw. hat sich ein Metallspan zwischen Tubusinnenseite und Objektivhülse gesetzt, wird dann WD40 auch nicht wirklich helfen.

Greetz Hannes

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Kalle66
Forenmeister im Astrotreff

Deutschland
10009 Beiträge

Erstellt  am: 12.06.2019 :  09:25:24 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hi Dieter,
die Zusammensetzung von Holzölen wird hier ausführlich beschrieben:
https://www.farbmanufaktur-werder.de//catalog/product_info_texte.php?text_id=67

Leinsamenöl (als Salatöl) enthält m.E. zu viele nicht aushärtende Fremd-/Trübstoffe, die den Schimmelbefall fördern.

Kalle - Alles wird gut !
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Greebo
Neues Mitglied

Deutschland
4 Beiträge

Erstellt  am: 13.06.2019 :  23:11:19 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo hasenbergen. Gut, dann werde ich das nochmal probieren und mich in Geduld üben.

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