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 150mm Spiegel, Take two
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Robert Ganter
Mitglied im Astrotreff

Schweiz
47 Beiträge

Erstellt am: 15.04.2019 :  16:04:24 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo werte Glasquäler,

wie der eine oder andere vielleicht (vemutlich mit zunehmend verdrehten Augen) in mehreren Threads von mir gelesen hat bin ich seit mehr als einem Jahr daran, einen 155mm Borofloat Rohling von Stathis zu einem Spiegel zu transformieren. Letzter Eintrag im Tagebuch (bisher) vom 17.02.2019: "Rand nur noch 45nm zu hoch".
Und dann wurden die Dinosaurier durch einen Meteoriteneinschlag ausgelöscht. Ah, sorry, falsche Geschichte: es sollte heissen:
wurde der fast fast fertige Spiegel durch herumvagabundierendes grobes Karbo in der Vereinswerkstatt so schwer zerkratzt, dass ich ihn beinahe an die Wand geschmissen hätte. Habe ich dann aber doch nicht und ich bin froh drum. Nach 40h Schleif- und fast 26h Polierzeit ist es aber Zeit, mal über ein paar Dinge nachzudenken.

Was ist in der Zwischenzeit passiert?
1. Entscheid: es wird zu Hause weiter gearbeitet, die Werkstatt kann offensichtlich nicht sauber gehalten werden.
2. Schleifmaterial ab K320 bei Stathis bestellt.
3. PDI Material bei Michael bestellt und die mechanische Konstruktion für einen kombinierten Slitless Foucaulttester / PDI erstellt und das Material bestellt (den Tester stelle ich in einem eigenen Thread vor).
4. Durchatmen, Berichte und Tipps anderer lesen um herauszufinden, was ich anders machen muss. Ergebnis: nichts, was ich nicht schon gewusst habe. Aber sonst viel gelernt.
5. Weiter durchatmen und Mut fassen, weiter zu machen. Für die Lagerung des Schleif- und Poliermaterials braucht es geeignete Behältnisse. Im blaugelben schwedischen Waldfriedhof gibt es alles, was es dazu braucht.

Am 8.3. gebe ich mir einen Ruck. Ich pack den Spiegel aus und mache eine Schadenaufnahme. Es sind insgesamt sechs Schäden vorhanden (plus einzelne Pits, wie von einem Schrotschuss), zwei sind darauf zurückzuführen, dass mir der Spiegel mal ins Waschbecken gestürzt ist. Ich erwähne dies deshalb, weil diese am Ende der Politur optisch kaum mehr zu sehen waren. Es sind aber einige kleine Muschelbrüche entstanden, die sehr wahrscheinlich auf die grossen Kräfte am Spiegelrand beim Polieren und die Schwächung des Glases an der Aufschlagstelle zurückzuführen sind. Ich dokumentiere diese nun bei jeder Schleifstufe und während des Polierens. Mal sehen, ob da was abbricht...

Also: Hier sind die durchnummerierten Schäden auf dem Spiegel:



Mikroskopaufnahmen derselben zeigen das Ausmass der Schäden:



Die Vergrösserung ist ca. 60fach, unten ist ein Massstab beigefügt. Ein kleiner Teilstrich entspricht 0.1mm.
Schaden 1 bis 4 sind deftige Kratzer, die Form lässt auf Karbo schliessen. Der scharze Fleck bei Schaden 3 ist ein Fussel.
Schaden 5 ist der eine Aufschlagschaden. Es sind deutlich die ca. 0.1 bis 0.4mm breiten Muschelbrüche an der Kante zu sehen.
Schaden 6 ist der andere Aufschlagschaden. Er hat weit *im* Spiegel einen Riss verursacht und sollte kein Problem darstellen.

Am 9.3. gehts los. Da die Rückseite des Spiegels (schon ziemlich von Anfang an) üble Kratzer hat, wird diese erst mal mit K320 gegen die Rückseite des Tools geschliffen. Das geht ganz gut, es hat aber immer noch Randbereiche, die glänzen.

Also auf zum Glaser. Auf meine Frage, ob er ein Stück Bruchglas in geeigneter Grösse hätte kommt ein bedauerndes nein, das fliege sofort in den Container. Auf die Idee, mich da reingucken zu lassen kommt er nicht aber er will mir ein 30x30cm Stück schneiden. Preis: umgerechnet 30€ . Ich lehne dankend ab. Auch so kann man potentielle Kunden abschrecken.
Also wieder auf zum Schweden und ein 4-er Pack Spiegel für etwa 6.50€ plus weiteres Material besorgt. War ein schöner Nachmittagsausflug (alles mit ÖV) mit der Kleinen inklusive Kaffee und Kuchen und das für weniger Knete.

Am 11.4. wird der Ikeaspiegel mit meinem Spiegel malträtiert. Nach ca. 3min ist die Rückseite meines Spiegels homogen aufgerauht, es sind keinerlei Kratzer mehr zu sehen. Mission accomplished.

Nun zur richtigen Seite.
Ich beherzige den Rat von Kurt in einem anderen Thread, in Wets zu denken. (Generell werden meine Wets zwischen 2 und 3min lang sein. Ich verlass mich ausschliesslich auf mein Ohr. Wenns ruhig wird wird nachgeladen).
5 Wets TOT, dann sauber machen und ein Blick mit dem Mikroskop. Die Kratzer sind flacher geworden, aber immer noch da. Also nochmals 5 Wets MOT und nochmals Kontrolle: Alle Kratzer sind weg. Das ging ja schnell!



Jetzt habe ich Blut gerochen .
Alles sauber machen (ich habe das draussen auf dem mit einem alten Duschvorhang verkleideten Gartentisch gemacht, Reinigung mit Gartenschlauch reicht). Zum Festhalten von Spiegel oder Tool dienen übrigens Stücke einer Antirutschmatte.Ein Stück direkt auf dem Tisch (und unter dem Duschvorhang), ein Stück drüber.

Am Nachmittag dann die nächste Stufe mit 15u.

Nach 20 Wets TOT und 16 Wets MOT sind alle K320 Pits bis auf einen weg. Ich lass den, mal sehen wie er sich entwickelt. Die Kleine darf Papa helfen, den Spiegel (von dem er seit über einem Jahr berichtet) zu schleifen. Sie will endlich Magneten (Planeten) anschauen .



Interessant auch Schaden 5. Die Muschelbrüche sind teilweise abgetragen, es werden vertikale Risse sichtbar.

Am Abend dann 9u. Ab hier arbeite ich am Esstisch drinnen. Mann ist das bequem, sitzend zu arbeiten. Kein Veitstanz um den Opferstock. Einfach (un)regelmässig Tool und Spiegel drehen und mit 1/3 Strichen und Kreisen (so in der Art von Zykloiden) schleifen.
Wieder 15Wets TOT und 15 Wets MOT. Das Resultat kann sich sehen lassen (die weisse Spur auf dem oberen Bild sind Reste von Schleifschlamm):



Das einsame Pit ist immer noch da, es ist aber kleiner geworden.
Die Muschelbrüche bei Schaden 5 sind weg! Einzig die vertikalen Risse sind noch zu sehen (auf diesem Bild ev. nicht so deutlich wie im Originalbild).

Am 12.4. am Abend ist 5u dran. Wieder 15Wets TOT und 15 Wets MOT.
Wieder: keine 9er Pits mehr, keine neuen Kratzer. Noch eine Stufe, dann ist der Feinschliff durch.
Das darf doch nicht wahr sein, was mach ich falsch? Keine Kratzer, Bleistiftspuren nach nach einer Runde homogen weg. Wofür die 6 Monate letztes Jahr bis Ende Feinschliff? Ok. Nicht grübeln... Weitermachen.



Am 13.4. am Abend: Endspurt mit 3u. 15 Wets TOT, dann eine Blick durchs Mikroskop:
<Loriot> Alles sehr sauber </Loriot>.
Ich mach noch 4 Wets MOT, dann höre ich auf. Ich will das Schicksal nicht herausfordern und erkäre den Feinschliff nach 6.5h für beendet.



Das erste Bild ist der alte Bekannte: das einzige Pit .
Das zweite Bild ist irgendwo in der Mitte des Spiegels. So sieht auch der Rest des Spiegels aus.
Das dritte Bild ist wieder Schaden 5, in diesem Bild nicht mit Durchlicht, sondern mit Auflicht beleuchtet. Es sind deutlich die vertikalen Risse zu sehen. Ich bin gespannt, wie sich diese beim Polieren entwickeln, ob es wieder Muschelbrüche gibt, oder ob sich diese Risse füllen werden.



Fazit bisher:
Inklusive Grobschliff lässt sich das in weniger als 12h durchziehen.
Ich bin sicher, dass die sehr kurze Runde K320 darauf zurückzuführen ist, dass ich einen Schritt zurück gemacht habe. Kommt man von K180, dauert das sicher etwas länger. Ab dann sollte es aber passen. 30-40 Wets (nicht länger als 3min) scheinen recht effizient zu sein. Ideen von 20min/Wet halte ich für unsinnig, das ist Zeitverschwendung.
Ab 9u habe ich überigens keinen Druck mehr auf Tool oder Spiegel ausgeübt. Einzig das Eigengewicht hat für den nötigen Anpressdruck gesorgt. Ausserdem habe ich ab 15u die Suspension in einer Spritzflasche vorbereitet (schätzungsweise 1:5 - 1:7). Ein bis zwei Tropfen Glyzerin dazu (keine Diskussion bitte, in der Schweiz kriegt man das in jeder Drogerie), dann klebt sicher nichts an. Ich werde das bei der CeO Suspension auch wieder so machen.

Sauberes Material und Arbeitsbereich vorausgesetzt sollten Kratzer wirklich kein Thema sein (ich kann nun wirklich nicht behaupten, dass in unserem Haushalt mit 5-jährigem Kind und aktivem Hund Reinraumbedingungen herrschen, auch nicht, dass ich nach jeder Schleifrunde alles geschwemmt und anschliessend mit Staubsauger gereinigt hätte).
Die Kratzer letztes Jahr sind also auf eine unglückliche Kombination von Nachlässigkeit und Pech (no Pun intended) zurückzuführen.

Mal sehen, wie es nun beim Polieren aussieht.

So, das wars vorerst. Nun ist erst mal Osterpause. Nächster Schritt ist, den Tester fertig zu stellen (ein Teststand für den Spiegel ist schon fertig), dann Pechhaut herstellen.

Und dann gehts los mit dem Fitnesstraining .

Ich berichte weiter.


Herzliche Grüsse

Robert

Ich habe keine besondere Begabung, sondern bin nur leidenschaftlich neugierig (Albert Einstein)

Bearbeitet von: Robert Ganter am: 15.04.2019 23:17:46 Uhr

Dobsenschubser
Altmeister im Astrotreff

Deutschland
1370 Beiträge

Erstellt  am: 16.04.2019 :  09:50:36 Uhr  Profil anzeigen  Besuche Dobsenschubser's Homepage  Antwort mit Zitat
Hallo Robert,

feut mich, dass der Spiegel wieder auf der Spur ist! Verfolge die Geschichte schon eine Weile.
Kleiner Tipp aus eigener Erfahrung: Ab jetzt nur noch mit Kleidung vor den Spiegel, die garantiert nicht bei irgendwelchen gröberen Körnungen getragen wurde.
Selbst wenn diese schon mehrfach gewaschen wurde. Noch nicht einmal die Socken! Karbo kann auf diesem Weg z.b. unter den Fingernagel geraten.
Ich hab mir bei meinem 18" im Finale eine schöne 10cm Spur eingefangen. Nach langer Suche fand ich am Kragen eines T-Shirt feines Karbo, trotz mehrfacher Wäsche.

Gruß Dirk

12" f/5 Dobson, Lunt LS60THa, FH 127/1200, ED 90/900, 30/88° Leitz Planokular, 20mm & 14mm ES 100, 10mm Pentax, 5mm Pentax, 3mm LE, i.Nova PLB-Mx, cooled ASI224
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"Time to take a BATH!"
(Mel Bartels)

Bearbeitet von: am:
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Robert Ganter
Mitglied im Astrotreff

Schweiz
47 Beiträge

Erstellt  am: 16.04.2019 :  14:30:25 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Dirk,

Zitat:

feut mich, dass der Spiegel wieder auf der Spur ist! Verfolge die Geschichte schon eine Weile.



Ja, es hat mich zeitweise selbst erstaunt, dass ich nicht schon längst aufgegeben habe. Aber eben, man wächst mit Krisen und der Selbstschliff eines Astrospiegels war seit der Schulzeit ein Traum von mir.
Ich habe bei all den Rückschlägen auch sehr viel gelernt. Die jetzige Runde Feinschliff habe ich glaube ich ziemlich routiniert durchgezogen. Das unsichere Gefühl für Strichlänge, Sound (Schleifmittel noch ok, schon durchgeschliffen?) und Reaktion des Glases auf Schleifmaterial und Strichführung ist nach nunmehr bald 40h (kaum zu glauben!) Feinschliff einer gewissen Erfahrung, was ok ist und was nicht, gewichen.

Ich bin gespannt, wie das nun beim Polieren aussieht. Da habe ich ja in Take one auch schon einige Zeit verbraten.

Zitat:

Kleiner Tipp aus eigener Erfahrung: Ab jetzt nur noch mit Kleidung vor den Spiegel, die garantiert nicht bei irgendwelchen gröberen Körnungen getragen wurde.
Selbst wenn diese schon mehrfach gewaschen wurde. Noch nicht einmal die Socken! Karbo kann auf diesem Weg z.b. unter den Fingernagel geraten.



Das wird (im Moment) schwierig sein. Ich habe keine Ahnung, welche Kleider ich beim Schleifen an hatte. Da ich aber schon hoffe, dass nun endlich der Frühling ausbricht und die Temperaturen steigen, kommen sockenfreie Zeiten. Kurz geschnittene Fingernägel sind sicher auch keine schlechte Idee.
Aber danke für den Tipp, muss man sich immer mal wieder in Erinnerung rufen, dass ein einziges vagabundierendes hartes Korn ausreicht. "Vor dem Polieren, nach dem Schleifen, Händewaschen nicht vergessen". Oder so.


Zitat:

"Time to take a BATH!"
(Mel Bartels)



Sehr schön

Material liegt schon rum, hat sich aber bisher geweigert, sich selber zusammen zu bauen . Erst mal aber Foucault / PDI fertig bauen, da geht es nur noch um die Endmontage.



Herzliche Grüsse

Robert

Ich habe keine besondere Begabung, sondern bin nur leidenschaftlich neugierig (Albert Einstein)

Bearbeitet von: am:
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stefan-h
Altmeister im Astrotreff


16736 Beiträge

Erstellt  am: 16.04.2019 :  14:44:55 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hi Robert,

ich bin zwar kein Spiegelschleifer- aber hast du am Spiegelrand keine Fase angeschliffen? Auf deinen Fotos ist da eine sehr scharf verlaufende 90° Kante zu sehen- das provoziert doch Muschelbrüche geradezu.

Gruß
Stefan

12" Galaxy Dobson * 105mm William ZS - 66mm William ZS - Tak FSQ85
Vixen Atlux - Skysensor 2000 PC - GP DX Skysensor 2000 / auf Berlebach Planet
Sonnenbeobachtung: 2" Baader Herschelkeil - SolarMax 60 mit BF15

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Robert Ganter
Mitglied im Astrotreff

Schweiz
47 Beiträge

Erstellt  am: 16.04.2019 :  16:05:17 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Stefan,

nein, nein, da ist schon ein Fase :-)
Alle Bilder der Kante zeigen einen Bereich mit gerichteten Riefen, das ist der Fasenbereich. Diese hat ungefähr 45°.
Du hast diesen Bereich vielleicht mit der Spiegelseite verwechselt, die sieht man nicht auf den Bildern.
Nicht vergessen, das sind Mikroskopbilder bei 60x, ziemlich genau von oben, d.h. das Bild zeigt nur ca. 6x4mm.


Herzliche Grüsse

Robert

Ich habe keine besondere Begabung, sondern bin nur leidenschaftlich neugierig (Albert Einstein)

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