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 Selbstschliff ADC Keilplatten S-FPL53
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AndiL
Senior im Astrotreff

Deutschland
182 Beiträge

Erstellt am: 24.03.2019 :  23:39:25 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Selbstschleifer,

ich möchte euch mein neues Projekt vorstellen, der Selbstschliff zweier Keilplatten für einen ADC. Mittlerweile ist das Projekt in vollem Gange. Da ich mich anfangs nicht zu sehr aus dem Fenster lehnen wollte, starte ich erst jetzt meinen Bericht. Zumindest sieht es bisher ganz gut aus.

Nach meinen Erfahrungen mit einem 115mm Spiegel als Einstieg, einem 300mm f/4.2 Spiegel und einem Cassegrain Sekundärspiegel, traue ich mich an die Keilplatten heran. Hier erwarten mich ganz andere Aspekte:
Die Gläser sind klein und müssen für eine bessere Handhabung irgendwie montiert werden.
Bearbeitung einer anderen Glassorte, die potenziell für einen APO sehr interessant ist.
Vorder- und Rückseite müssen bearbeitet werden.
Prüfung des Keilwinkels und der Oberflächengüte.

Zuerst etwas Theorie und Hintergrund der ganzen Sache:

Für die Planetensaison letzten Sommer habe ich mir den PierroAstro MK3 gegönnt. Der ADC, also atmosphärischer Dispersions-Korrektor, funktioniert ja bekannterweise über die Verdrehung zweier Keilplatten zueinander. Das Manko der gängigen ADC ist aber der Fakt, dass diese nur aus zwei einfachen Keilplatten bestehen. Mit zunehmender Drehung ergibt sich eine Bildverschiebung, viel schlimmer aber ein Astigmatismus. Dieser war beim tief stehenden Mars sehr auffällig. Eine Beobachtung mit Rotfilter hat ohne ADC das deutlich bessere Bild ergeben.

Dieses Manko kann man umgehen, indem man nicht zwei einfache Keilplatten verwendet, sondern jeweils zwei verkittete Keilplatten. Die Außenflächen sind plan, der Keil liegt in der Kittfläche. Idealerweise haben die beiden verkitteten Gläser denselben Brechungsindex aber möglichst unterschiedliche Dispersion. Da die beiden Keilplatten beim PierroAstro aus Quarzglas bestehen (n=1.46) ergibt sich als bestes Partnerglas das S-FPL53 (n=1.44). Ausnahmsweise wird das S-FPL53 hier nicht wegen der anomalen Teildispersion benötigt.

Die Aufgabe ist also: Zwei passende Keilplatten aus S-FPL53 herzustellen und diese im PierroAstro zu verbauen. Den PierroAstro habe ich natürlich zuerst zerlegt, um zu schauen, ob das überhaupt geht. Das Zerlegen war einfach, es sind nur wenige Teile. Außen Metall, innen 3D-Druck, zwei Kugellager und die beiden Keilplatten.



Die Quarzplatten sind auf dem Foto noch drin. Diese waren sehr fest in der Fassung eingepresst. Mit ordentlich Druck mit dem Daumen waren sie aber heraus zu bekommen. Diese Keilplatten lose zu haben war für die spätere Montage der Rohlinge im richtigen Winkel wichtig. Dazu aber dann mehr in den folgenden Berichten.

Viele Grüße
Andreas


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Niklo
Altmeister im Astrotreff

Deutschland
5269 Beiträge

Erstellt  am: 25.03.2019 :  10:01:53 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Andi,
ich muss zum ADC sagen, dass ich mich da noch nicht so gut auskenne.
Die gängigen ADC wie z.B. von Pierro oder Zwo sollen eine visuelle und photographische Verbesserung bringen. Wenn ich jetzt aber lese, dass der Astigmatismus mit ADC so stark war, dass das Bild mit Rotfilter ohne ADC besser war wie mit, dann bringen die gängigen ADC nichts?
Zumindest photographisch müssten sie dann immer das Bild verschlechtern, oder?
Daher auch meine Frage an andere ADC Benutzer. Wie sind da Eure Erfahrungen? Wieviel Astigmatismus bringt ein normaler ADC von Pierro oder ZWO ins Spiel? Was bringt die Verwendung mit ADC photographisch?
Servus,
Roland

Freund kleiner und klassischer Teleskope

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AndiL
Senior im Astrotreff

Deutschland
182 Beiträge

Erstellt  am: 25.03.2019 :  10:39:43 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Roland,

Hier etwas Lesefutter zum ADC: Teil 1 prinzipielle Funktionsweise, Teil 2 Aberrationen.

http://www.skyinspector.co.uk/atm-dispersion-corrector--adc
http://www.skyinspector.co.uk/adcs-part2

Das Problem mit dem Astigmatismus ergibt sich aus den schief stehenden Planflächen im Strahlengang. In der Neutralstellung der Keilplatten hebt sich der Astigmatismus auf, genauso wie die Farbverschiebung. Es ist abzuwägen zwischen Bildverbesserung durch die Farbkorrektion und Bildverschlechterung durch den Astigmatismus. Nach dem verlinkten Artikel oben, überwiegt bei einer Objekthöhe von mehr als etwa 25° der Farbvorteil.

Es gibt einen ADC mit verkitteten Keilplatten auf dem Markt. Leider ist dieser aber in einem Preisbereich, den ich nicht bezahlen möchte. Schade, dass alle anderen Hersteller nur die Variante mit einfachen Keilplatten anbieten. Dies ist vermutlich der Tatsache geschuldet, dass man Keilplatten von gängigen Optik-Herstellern eigentlich nur aus N-BK7 oder Quarzglas erhält. Alles andere wäre aus Stückzahlgründen eine teure Sonderanfertigung.

Für mich ist das "Tuning" des PierroAstro quasi das Hobby im Hobby. Wenn es nicht klappt, baue ich den ADC wieder zusammen wie gehabt.

Viele Grüße
Andreas

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Niklo
Altmeister im Astrotreff

Deutschland
5269 Beiträge

Erstellt  am: 25.03.2019 :  11:31:42 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Andi,
das war mir nicht bewusst. Danke für die beiden Links. Interessant ist, dass bis 115 mm Öffnung der ADC anscheinend bis > 5° über den Horizont gut funktioniert und bei 230 > 10°.
Das bedeutet am 105 mm APO sollte der Standard ADC noch brauchbar sein solange das gewünschte Objekt nicht 5° über dem Horizont unterschreitet?
Bei größerer Öffnung setzen die Fehler schon früher ein, aber grundsätzlich scheint auch beim 6" Newton der ADC noch bei > 10° über den Horizont einen Gewinn zu bringen. Richtig?
Ich drücke Dir natürlich die Daumen, dass Dein ADC gut klappt. Es wird dabei eh interessant wo man das FPL53 herbekommt.
Servus,
Roland

Freund kleiner und klassischer Teleskope

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AndiL
Senior im Astrotreff

Deutschland
182 Beiträge

Erstellt  am: 25.03.2019 :  13:36:14 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Roland,

die Thematik mit dem Astigmatismus ist den meisten Leuten nicht bewusst. In der Regel ist das bei kleinen bis mittleren Teleskopöffnungen und vernünftigen Horizonthöhen auch kein Thema. Im Prinzip bin ich mit dem PierroAstro MK3 auch zufrieden. Gerade die unabhängige Verstellung von Drehwinkel der Keile zueinander und Winkel zum Horizont gefällt mir gut.

Die Wirkung der Keilplatten hängt nicht nur vom Drehwinkel ab, sondern auch vom Abstand zum Fokus. Bringe ich jetzt die S-FPL53 Keile auf die Quarzkeile, dann reduziert sich die Wirkung deutlich. Bei mir funktioniert das Ganze nur, weil ich den ADC vor dem Binoansatz habe. Durch den Fokusabstand von über 100mm reicht die Wirkung aus, ohne die Keilwinkel zu erhöhen.

Ich bin in der glücklichen Lage, das S-FPL53 als Ausschuss-Rohlinge bekommen zu haben. Ansonsten wäre generell die Beschaffung von optischem Glas als Privatperson eine Hürde. Da hin und wieder in den Foren die Herstellung einer S-FPL53 Linse aufkommt, möchte ich die Community teilhaben lassen, wie es mit der Bearbeitung des Materials aussieht.

Viele Grüße
Andreas

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Guntram
Meister im Astrotreff

Österreich
727 Beiträge

Erstellt  am: 25.03.2019 :  22:33:45 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Andreas.

Großes Lob für dein Projekt! Hoffentlich liest ein Hersteller mit. Verkittete Keilplatten sollen nach Aussage eines Optikers nicht sooo ein Hexenwerk sein, und würden ADCs noch attraktiver machen. Die Pixel in den Planetenkameras werden in jeder Modellgeneration kleiner, und damit sinken auch die Öffnungszahlen für die hochauflösende Fotografie: Waren vor etlichen Jahren noch f/30 mehr oder weniger Standard, so sind es jetzt schon oft f/10 bis f/12. Und damit wird der Astigmatismus mehr als nur ein theoretisches Problem. Z.B. an einem C14 bei ca. f/11.

Ausserdem wird die Bildwanderung bei hohen Vergrößerungen wirklich lästig.

An einem Yolo oder Schiefspiegler kann man den kleinen Astigmatismus, der bei den Dispersionskorrektoren mit einfachen Keilprismen ja noch wegjustieren.

Ich wünsche dir jedenfalls viel Erfolg beim Schleifen und Polieren. Und halte uns bitte auf dem Laufenden!

Viel Glück,


Guntram

Bearbeitet von: Guntram am: 26.03.2019 11:24:34 Uhr
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Niklo
Altmeister im Astrotreff

Deutschland
5269 Beiträge

Erstellt  am: 26.03.2019 :  01:06:01 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Andreas,
ich muss mich damit auch beschäftigen...
Heute hab ich noch über einfach Keilprismen gelesen.
http://www.aokswiss.ch/d/zub/aok/refraktions_linsen.html
Wenn man zwei oder drei Keilprismen besitzt, dann sollte es doch vermutlich auch schon besser sein wie ohne. Die einfachen Keilprismen sollten noch keine Astigmatismus erzeugen.
Ich finde es auf jeden Fall toll, was Du da baust und vielleicht kannst Du ja wenn es geht dies Pierro usw. schreiben, so dass sie auch neue Versionen bauen können, die noch besser sind.
Schauen wir einmal.
Servus,
Roland

Freund kleiner und klassischer Teleskope

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AndiL
Senior im Astrotreff

Deutschland
182 Beiträge

Erstellt  am: 26.03.2019 :  11:16:50 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Guntram,

danke für deinen Zuspruch. Ich sehe mittlerweile eine Chance auf Erfolg. Eine große Lernkurve habe ich bereits durchlaufen, gerade was das Polieren und das Montieren und Lösen auf Träger betrifft.

In der Tat wird mit zunehmender Entwicklung in der Sensortechnologie das Thema immer interessanter. Schon parallel zum Bau meines Cassegrains habe ich mir Gedanken zum ADC gemacht. Vorbild war immer der Gutekunst. So etwas nachzubauen war der Plan. Natürlich eine aufwändige Sache, die ganze Mechanik und die Keilplatten. Als Glaspaarung hatte ich z.B. S-LAH65/S-TIH6 oder N-LAK22/N-SF2 angedacht. Bei beiden Paarungen fast identische Brechzahl, aber möglichst großer Unterschied in der Dispersion.

PierroAstro hat dann mit dem MK3 das Einstell-Konzept von Gutekunst aufgenommen. Die Ausführung ist nicht so edel, aber es funktioniert. Der einzige Nachteil sind noch die beiden einfachen Keilplatten. Für diese hat PierroAstro Quarzglas gewählt, mit dem Argument Transmission für die Venus UV-Fotografie. Ich habe mir dann den PierroAstro gekauft, so muss ich "nur noch" zwei Keilplatten herstellen. Auch wenn es nichts wird, habe ich immer noch den unmodifizierten ADC.

Wäre schön, wenn ein Hersteller darauf eingeht und einen ADC mit verkitteten Keilplatten zu einem akzeptablen Preis anbietet. Ich befürchte aber, dass dies nicht passiert. Gar nicht, weil der Hersteller das nicht will, sondern weil es nicht machbar ist. Blättert man in Katalogen von Optik-Herstellern (Edmund, Qioptiq, ...), so findet man nur Keilplatten aus N-BK7 oder Quarzglas. Für die Hauptanwendungen wie z.B. Laser-Stahlablenkung reicht das. Ich vermute, die Hersteller der ADC bedienen sich alle aus dem großen Pool der Hersteller von Optik-Komponenten. Nur für den kleinen Markt ADC für Astroamateure jetzt Keilplatten aus speziellen Glassorten zu fertigen wäre übermäßig teuer. Leider.

Viele Grüße
Andreas


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AndiL
Senior im Astrotreff

Deutschland
182 Beiträge

Erstellt  am: 26.03.2019 :  11:29:52 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Roland,

interessantes Teil von AOKswiss. Was nicht klar hervor geht, ist das jetzt ein einfaches Keilprisma, oder ein verkittetes Keilprismenpaar.

Falls es nur ein einfaches Keilprisma ist, hätte man keinen Vorteil, sonder nur den Nachteil, dass es nicht stufenlos verstellbar ist.

Ist es aber ein verkittetes Keilprisma, dann hätte man den Vorteil aberrationsfrei. Man würde dafür auf die stufenlose Verstellung verzichten. Die Wirkung kann man aber durch einen anderen Abstand zum Fokus noch etwas variieren. Ich denke mit einem Satz von 2 oder 3 dieser "Keillinsen" ist man ausreichend versorgt. Für einen Einsatz am Bino ist es halt leider ungünstig.

Viele Grüße
Andreas

Bearbeitet von: am:
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AndiL
Senior im Astrotreff

Deutschland
182 Beiträge

Erstellt  am: 26.03.2019 :  23:55:32 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo,

jetzt aber ran an die Arbeit. Zuerst die Vorbereitung:

Ich habe die zwei S-FPL53 Rohlinge, Durchmesser 25mm und Dicke 6mm. Aus der Optik-Grabbelkiste habe ich diverse Glasscheiben und Glasplatten zum Aufkleben der Rohlinge und als Tools zum Schleifen und Polieren. Zur Messung und Überprüfung des Keilwinkels darf auch ein Laser nicht fehlen.



Mir stand ein aussortierter Festkörperlaser zur Verfügung (ein Laserpointer würde auch reichen). Der Laser steht an der Tischkante und ist auf einer nivelierbaren Grundplatte montiert. Der Strahlteiler lenkt in Richtung Boden um. Auf dem Boden liegt eine Glasplatte, die wieder nach oben spiegelt. Jetzt kann man den Strahl so justieren, dass er in sich zurück läuft. Die Spiegelung von der Platte am Boden und von der Strahlteiler-Unterseite sind dann deckungsgleich an der Zimmerdecke. Durch Auflegen der Keile auf der Glasplatte und etwas Trigonometrie kann man den Keilwinkel bestimmen. Ebenso kann man mit diesem Aufbau die Parallelität der beiden Außenflächen nach Zusammenbringen zweier Keilplatten prüfen.

Der erste Schritt war das Aufkleben der Rohlinge im richtigen Winkel auf eine Trägerplatte. Hier waren die Gegenstücke vom ADC nötig, um den Winkel zu übertragen. Die Geschichte erforderte etwas Überlegung und Ausprobieren, wie mit dem vorhandenen Hilfsmaterial das gewünschte Ergebnis zu erreichen ist. Da Bilder mehr als tausend Worte sagen, so sieht es aus (bereits etwas angeschliffen):



Die Rohlinge sind jeweils auf etwas größere dicke Glasplatten aufgeklebt. Der Kleber ist eine Art Sekundenkleber. Diese Pakete sind dann im richtigen Winkel auf eine große Trägerplatte geklebt. Hier habe ich 2-Komponentenkleber verwendet. Die Klebeprozedur auf die große Platte ist auf dem Kopf liegend erfolgt, mit den Keilplatten vom ADC an den Rohlingen befestigt. Als Auflage und Abstandshalter habe ich einen praktischen Glasring in der Grabbelkiste gefunden.



Viele Grüße
Andreas

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AndiL
Senior im Astrotreff

Deutschland
182 Beiträge

Erstellt  am: 27.03.2019 :  22:10:51 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo,

weiter geht es mit ein paar Infos zum Schleifen. Zur Verfügung stand mir das Material von Stathis. Da die Rohlinge klein sind, habe ich mit der 180er Körnung Carbo begonnen. Die 80er schien mir doch zu grob. Als Tools dienten Teile von Vitrinenscheiben vom Sperrmüll. Zur Vermeidung von Kippen und für eine gute Planität wird der Glasring mit geschliffen. Hier ein paar Fotos: Grobschliff (umgedreht zur Demonstration), Feinschliff mit dem Korund, fertig (zumindest die Keilseite):





Ach ja, am Anfang läuft nicht immer alles glatt: Eine der Rohlinge war nicht ganz im richtigen Winkel. Also wieder lösen und neu aufkleben. Den großen Träger auf eine Herdplatte auf kleiner Stufe und der 2-Komponentenkleber verliert an Festigkeit. Dann die mit Sekundenkleber geklebten Rohlinge ablösen. Im Prinzip mit Aceton, da aber flächig geklebt ist, kommt das Lösemittel nicht ran. Also Meister Google befragen: So bei 70°-90° Celsius sollte Sekundenkleber zäh werden. Langsam im Wasserbad erhitzt und tatsächlich, es funktioniert.

Viele Grüße
Andreas

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AndiL
Senior im Astrotreff

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182 Beiträge

Erstellt  am: 31.03.2019 :  13:57:00 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Leute,

weiter geht es mit dem Polieren. Das Poliertool hat einen Durchmesser von 125mm, die Pechhaut ist etwa 5mm dick. Zum Pressen einer planen Fläche dient die dicke quadratische Glasplatte. Ein Wabenmuster ist mit eingepresst. Poliermittel ist das Ceroxid von Stathis.

Zuerst habe ich wie beim Schleifen die beiden Keilplatten samt Trägerplatte und Glasring poliert. Gerade bis leicht ovale Striche über Toolmitte. Strichlänge so, dass der Glasring etwas über das Tool hinaus läuft.



Diese Art zu polieren hat den Nachteil, dass der Glasring das Polierpech am Rand zu sehr herunterdrückt. Zudem laufen die beiden Keilplatten selbst nicht über die Toolmitte. Laut meinen Unterlagen zu einem Feinoptiker-Schnupperkurs ist die richtige Polierweise immer über die Toolmitte, entweder in geraden oder leicht ovalen Strichen. Die Strichlänge ist entweder von Rand bis Rand, oder Mitte bis Rand.

Deshalb bin ich dazu übergegangen, die Keilplatten vom großen Träger zu lösen und einzeln zu polieren. Das kleine runde Trägerglas bleibt aber jeweils dran. So kann man auch viel längere Striche machen als vorher. Der Poliertisch dreht sich etwa einmal in 10 Sekunden.

Viele Grüße
Andreas

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AndiL
Senior im Astrotreff

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182 Beiträge

Erstellt  am: 31.03.2019 :  22:59:52 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo,

heute habe ich wieder eine Stunde poliert. Insgesamt stecken jetzt 12 Stunden Polierzeit drin, also 6 Stunden pro Keilplatte. Das sieht jetzt so aus:



Die Wabenstruktur ist zu, die vielen Kanäle brauche ich aber gar nicht. In der Mitte ist ein kleines Loch, dazu noch eine Spirale. Zuerst dachte ich, das Polieren geht deutlich schneller als bei einem großen Spiegel. Leider ist das nicht so. Ich bin immer noch am auspolieren, also noch gar nicht bei der Flächenform.

Jedenfalls fängt es an spannend zu werden. Die Flächen lassen sich einfach nicht auspolieren, es sind immer feinste Kratzer zu sehen. Hier mal Fotos einer Keilplatte. Fotografiert mit dem Handy durch eine Lupe. Eine Deckenlampe unter einem bestimmten Winkel liefert eine Art Hellfeld- oder Dunkelfeld-Beleuchtung.



Die Linie aufgereihter Punkte (auf 4 Uhr, unter dem hellen Kratzer) sind noch Reste vom Schleifen. Diese werden auch langsam heraus poliert. Die anderen feinen Striche aber bleiben, besser gesagt, diese entstehen immer wieder neu. Ein Feinoptiker hat mir erzählt, das nennt sich "Wiedergrau". Schuld ist eine chemische Reaktion des Poliermittles mit dem S-FPL53. Generell neigen ED-Gläser zu diesem Verhalten, besonders bei Ceroxid. Es werden beim Polieren winzige Glasstücke herausgelöst, die dann über die Oberfläche kratzen. Eine Möglichkeit für ein besseres Polierverhalten wäre, ohne Poliermittel aber mit viel Wasser direkt auf dem Pech zu polieren. Ich werde das die nächsten Tage mal ausprobieren.

Viele Grüße
Andreas

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AndiL
Senior im Astrotreff

Deutschland
182 Beiträge

Erstellt  am: 08.04.2019 :  13:17:17 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Zusammen,

ich kann einen ersten Erfolg vermelden. Das Polieren auf Pech ohne Poliermittel hat gewirkt. Die beiden Keilseiten sind nach jeweils etwa einer Stunde polieren jetzt so gut wie frei von Strichen und Pünktchen.

Jetzt kommt der nächste Schritt: Die Messung gegen ein Planglas ergab für beide Flächen eine leicht konvexe Oberfläche. Die Abweichung liegt bei 5 Ringen, was einem Krümmungsradius von 45 Meter entspricht. Die Ringe sind weitestgehend rund, also die Fläche ohne nennenswerten Astigmatismus.

Es gibt zwei Möglichkeiten weiter zu machen:

1) Es dabei belassen. Die Abweichung von der Planität hat keinen wesentlichen Einfluss auf die optische Abbildung. Es handelt sich hier auch um die Kittfläche, verkittet mit einem Kitt und einem Glas mit sehr ähnlichem Brechungsindex.

2) Doch noch versuchen, die Flächen planer zu machen: Das könnte eine Übung für später sein, wenn die Außenflächen dran kommen. Die Fragen ist nur, wie? Vielleicht wieder auf dem gemeinsamen Träger mit dem Ring als Unterstützung? Oder habt ihr Ideen, mit welcher Strichführung ich in Richtung konkav arbeiten kann?

Wahrscheinlich ist es für Punkt 2 erst einmal sinnvoll, die Keilplatten von den Trägergläsern ab zu machen. Eventuell übt die Verklebung eine Spannung aus, so dass sich die Flächenform wieder ändert. Dann müsste ich die Keilplatten ganz lose für die finale Oberfläche polieren.

Vielleicht ist es erst besser die Außenflächen soweit zu bringen wie jetzt die Keilseiten?

Viele Grüße
Andreas

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Beloptiker
Senior im Astrotreff

Deutschland
134 Beiträge

Erstellt  am: 08.04.2019 :  15:43:40 Uhr  Profil anzeigen  Besuche Beloptiker's Homepage  Antwort mit Zitat
Hallo Andreas,

eine schöne Arbeit die Du da machst! Vor allem mit diesem *hüstel* anstrengenden FPL53 Glas!
Ja, weiter polieren ohne frisches Poliermittel um die "Wischer" zu vermeiden ist richtig. Es braucht immer ein bisschen bis das Poliermittel ein- und auspoliert ist. Für eine genaue Planfläche empfehle ich das Wetzen. Also polieren bei stehendem Tool in geraden Strichen mit viel drehen des Werkstücks und relativ langsamer Bewegung, wenn die Fläche noch leicht erhaben ist. Das Werkstück dabei so tief wie möglich fassen wegen dem Kippeln und über das Tool führen, schieben, ziehen usw. ohne Druck.

Auf das Temperieren des Werkstücks vor dem Prüfen mit Probeglas achtest Du ja sicher.

Bei Zeiss damals haben wir Kittflächen immer auf besser 3 Ringe poliert. Das reicht auch.

Weiter gutes Gelingen!

Gruß
Oliver


https://beloptik.de

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AndiL
Senior im Astrotreff

Deutschland
182 Beiträge

Erstellt  am: 09.04.2019 :  20:45:17 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Oliver,

danke für deinen Tipp. Ich habe jetzt eine halbe Stunde nach deinem Vorschlag poliert. Leider ändert sich nichts, zumindest wie man das bei etwa 5 Ringen abschätzen kann. Ich habe das Gefühl, dass ohne jeglichen Druck das Werkstück einfach nur auf einem Wasserfilm über das Pech gleitet. Das Eigengewicht ist einfach zu gering.

Was aber gut ist, es entstehen so gut wie keine weiteren Wischer. Auch das Arbeiten mit stehendem Tool und langsamen Strichen scheint gefühlsmäßig weniger Kippeln zu verursachen.

Ich bin probehalber dazu übergegangen, am Rand des Tools mit Überhang zu polieren, also wie bei der Spiegelherstellung im Grobschliff. Tatsächlich ist die Mitte flach geworden, in der Mitte sogar minimal tiefer. Über 2/3 der Fläche sind die Steifen annähernd gerade, zum Rand fällt es dann 3 Streifen ab.

Ich werde weiter versuchen, auf diese Weise mit variierendem Überhang zu polieren und beobachten wie es sich verhält. Wäre es sinnvoll, dafür eine neues kleineres Tool (ca. 50mm) mit frischem Pech zu machen?

Viele Grüße
Andreas

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