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Seite: von 2

Robert Ganter
Mitglied im Astrotreff

Schweiz
47 Beiträge

Erstellt am: 04.02.2019 :  20:36:13 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo liebe Glasquäler,

nachdem ich nach x Versuchen endlich eine gute Pechhaut hingekriegt habe und ca. 11 Polierstunden später (siehe letzen Beitrag im Thread "Fragen zur Pechhaut) habe ich nun mal eine genauere Auswertung mittels Coudermaske und FigureXP gemacht.
Die doch lange Polierzeit (nach schon vielen Stunden "polieren") zeigt, dass die vorherigen Bemühungen mit unnützen Pechhäuten ziemlich für die Katz waren. Das hat sich nun spürbar, die Pechhaut saugt richtig gut, und sichtbar, der Spiegel ist jetzt überall auf der Stathis Skala so zwischen 6 und 7, gebessert.
Sicher, der Spiegel ist definitiv noch nicht auspoliert, es geht mir aber nun drum, ein Gespür dafür zu kriegen, wie das ganze Prozedere mit Foucault Test, Coudermaske und FigureXP funktioniert.
Einen Linealtest interpretiere ich so, dass ich keine abgesunkene Kante habe, sondern eher das Gegenteil.



Nun habe ich also gestern Abend mal eine Messung (ja, eine Messung, keine Reihe...) mit Coudermaske gemacht und in FigureXP eingegeben:






Wie erwartet ist die Spiegeloberfläche noch weit entfernt von der Wunschfigur. Aber wie muss ich das nun interpretieren?
- die zentrale Zone hat einen Berg. Stimmt, ist beim Foucaulttest deutlich zu sehen. Soweit ok.
- Bei Zone 7 stürzt das ganze ab. Doch eine abgesunkene Kante? Oder eben eine zurückgebliebene Kante?

Wenn ersteres, was tun, alles ausser Kante ausbaggern? Das wäre ein ganzes Stück Arbeit...
Wenn zweiteres, Daumenmethode? Wie lange massiert man da? 1/2h, 1h, 2h?

Vielen Dank für Tipps

herzliche Grüsse

Robert


Ich habe keine besondere Begabung, sondern bin nur leidenschaftlich neugierig (Albert Einstein)

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Monoceros
Meister im Astrotreff

Colombia
457 Beiträge

Erstellt  am: 04.02.2019 :  23:33:20 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Robert,

Du bist ja schon "nahe" am Ziel mit Strehl 0.513, aber der Spiegel ist noch nicht voll auspoliert .

Ich würde mal sagen bei der Auswertung mit FigureXp geht der Rand deutlich runter.
Den Linialtest habe ich schon lange nicht mehr gemacht deshalb möchte ich zum ersten Foto nichts sagen.

Bei Dir müsste man dann die Zonen bei 75-95% des Spiegeldurchmessers abtragen z.B. mit Kantendruck, Ringtool, etc..

Wie sieht dein Focaulttester aus? Messerschneide links oder rechts?

Warte aber auch nochmal den Rat von den anderen Kollegen ab.

Grüsse

Robert



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6" f7.1 Selbstschliff
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k_ruprecht
Mitglied im Astrotreff


33 Beiträge

Erstellt  am: 05.02.2019 :  00:04:38 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
'light source fixed' - stimmt das ?

Bearbeitet von: am:
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Robert Ganter
Mitglied im Astrotreff

Schweiz
47 Beiträge

Erstellt  am: 05.02.2019 :  00:47:24 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo zusammen,

Zum Tester: klassischer (antiker) Fixed Source Tester mit Schneide von rechts.
Das Material für einen Slitless Tester liegt schon eine Weile rum, baut sich aber nicht von alleine zusammen ;-) Muss dem mal gut zureden...

Herzliche Grüsse

Robert

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MartinB
Altmeister im Astrotreff

Deutschland
3482 Beiträge

Erstellt  am: 05.02.2019 :  01:23:49 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Robert,

Wie viel seitlichen Abstand hast Du zwischen Schneide und Lichtquelle? Das sollte so wenig wie möglich sein (Vorschlag: unter 10mm) und ist bei "fixed source" schwieriger zu erreichen. Warum eigentlich "fixed source"? Meiner Meinung nach ist das bei LED-Beleuchtung nicht mehr sinnvoll. Das stammt noch aus der Zeit der Petroleumlampen und Glühbirnen, wo man die Lampe gern etwas vor der Schneide platziert hat, um sich nicht die Augenbrauen zu versengen. Ich finde, die einfachste Methode ist, die LED an derselben Schneide etwas tiefer zu platzieren, was einen gut funktionierenden Slitless-Tester ergibt.

Bei 150mm f/6 würde ich mir auch keine 7 Zonen antun. Da reichen 5. Das Poliertool sollte gleich groß wie der Spiegel sein, und zum Parabolisieren sollte eigentlich noch kein kleineres Tool benötigt werden.

Ich würde mal bei deiner Messung den ROC-Schieber so verstellen, dass der Rand flach wird. Wie sieht die Kurve dann aus?

Momentan ist erst mal Auspolieren und Vermeiden weiteren Randabsinkens angeagt. Den Strehlwert solltest Du noch nicht beachten, das kommt später.
Poste doch mal ein paar Fotos deines Polierplatzes, mit Unterlage und Tool, und des Focaulttesters.
Nach welcher Methode hast Du bisher poliert?

Gruß,
Martin

Bearbeitet von: am:
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Stathis
Forenautor im Astrotreff

Greece
4660 Beiträge

Erstellt  am: 05.02.2019 :  10:24:58 Uhr  Profil anzeigen  Besuche Stathis's Homepage  Antwort mit Zitat
Hallo Robert,

du hast einen zurückgebliebenen Randbereich. Je weiter zum Rand, um so übermäßig länger wird der Krümmungsradius. Das ist ganz eindeutig an der "% Zonal Correction" zu sehen, die Zum Rand hin immer heftiger zunimmt. Auch der Linealtest zeigt eine leuchtende Sichel, die viel breiter als die Linealkante ist.

Zeige mal bitte ein Bild von der Pechhaut. Wie hast du bisher poliert?
Ich wundere mich, dass ein so kleiner Spiegel nach 11 Stunden noch nicht auspoliert ist.

Stathis
http://www.stathis-firstlight.de

Bearbeitet von: Stathis am: 05.02.2019 10:25:53 Uhr
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Robert Ganter
Mitglied im Astrotreff

Schweiz
47 Beiträge

Erstellt  am: 05.02.2019 :  14:46:09 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Martin,

besten Dank für Deine Nachricht.

der Abstand Lichtquelle - Schneide ist sicher mehr als 10mm.

Weshalb Fixed Source? Das Ding steht schon da... Persönliche Faulheit, das anzugehen...
Ich werde mal eine provisorische Slitlessvariante zusammenschustern. Wie gesagt, das Material liegt alles schon bereit.

Zum Poliertool: das ist gleich gross wie der Spiegel.

Für den Rest, siehe auch Antwort an Stathis, mehr Bilder mach ich mal heute Abend.

herzliche Grüsse

Robert

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Robert Ganter
Mitglied im Astrotreff

Schweiz
47 Beiträge

Erstellt  am: 05.02.2019 :  17:06:46 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Stathis,

besten Dank für Deine Nachricht. Uff, da bin ich froh, dass es nicht eine abgesunkene Kante ist, ehrlich.
Das bedeutet Daumen ran und schrubben... Frage: ist eine halbe Stunde Daumenpolieren (bis zum nächsten Test) zu kurz?

Anbei ein Bild der Pechhaut. Das Loch in der Mitte ist sicher ziemlich gross, es ist das Ergebnis eines missratenen Papiersterns. Da der Fortschritt beim Polieren aber relativ homogen ausgesehen hat, habe ich da nichts gemacht.



Poliert habe ich mit langen Zügen (1/3) mit viel Überhang und leicht kreisenden Bewegungen v.a. TOT. D.h. während ich um den Opferstock gekreist bin, habe ich das Tool in die andere Richtung gedreht. Alle 10min wurde der Spiegel etwas gedreht, alle 30min die sechseckige Schleifschale. Der Spiegel ist übrigens nicht eingeklemmt und bewegt sich leicht.
Eine brauchbare Unterlage, die den Spiegel daran hindern würde, sich zu bewegen, habe ich bisher nicht gefunden.

Hier noch ein paar Bilder, die ich mit dem Mikroskop aufgenommen habe. Kontrast und Ausleuchtung habe ich noch nicht ganz im Griff, da bin ich noch am runprobieren.

Bild 1: Kante, 60fach:


Bild 2: 60% Zone, 60fach:


Bild 3: Kante, 200fach:


Bild 4: 60% Zone, 200fach.


Ein Grund, dass das so lange dauert ist vermutlich u.a., dass die erste Pechhaut für die Katz war und den Spiegel nur etwas anpoliert hat. Wie man auf den Kantenbildern sehen kann, braucht der Randbereich noch einiges, während so ab 70% die Pits sichtbar weniger werden.
Die CeO Emulsion mische ich übrigens als 1 Teile CeO und 2 - 3 Teile Wasser. Droht die Pechhaut trocken zu werden, spühe ich nur Wasser nach. Nach 1/h Stunde gebe ich etwas Emulsion dazu.

Ich glaube, die Richtung stimmt, die Pits werden weniger, auch am Rand. Der braucht jetzt einfach etwas mehr Nachdruck...

Ich werde heute Abend mal ein paar Bilder machen und den Slitless Tester-Prototypen. Vielleicht kann ich dann ja auch ein paar bessere Foucault-Bilder liefern.

herzliche Grüsse

Robert

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Bearbeitet von: am:
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Stathis
Forenautor im Astrotreff

Greece
4660 Beiträge

Erstellt  am: 05.02.2019 :  19:29:13 Uhr  Profil anzeigen  Besuche Stathis's Homepage  Antwort mit Zitat
Hallo Robert,

die Pechhaut sieht gut aus. Jedenfalls ist sie am Rand nicht schwächer. Auch an der Arbeitsweise kann ich nicht erkennen, warum dein Rand so zurückbleibt. Ich würde in dieser Phase erst mit voller Pechhaut den Spiegel auspolieren. Wie bereits geraten, würde ich TOT mit Kantendruck auf die 70-90% Zone polieren. Mit dem Daumen würde ich erst rangehen, wenn das alles nicht hilft.

Zitat:
Alle 10min wurde der Spiegel etwas gedreht,...

Das halte ich für viel zu wenig - Astigefahr. Statt rund- herumlaufen, lieber den Spiegel ständig drehen, spätestens nach jeder Minute.

Wenn der jetzige Foucault Tester funktioniert - und das schein er ja zu tun - sehe ich keinen Anlass, einen neuen zu bauen.

Stathis
http://www.stathis-firstlight.de

Bearbeitet von: Stathis am: 05.02.2019 19:31:50 Uhr
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Robert Ganter
Mitglied im Astrotreff

Schweiz
47 Beiträge

Erstellt  am: 13.02.2019 :  17:44:45 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Martin, Stathis und alle anderen :-)

Besten Dank für die Tipps.

Ich habe unterdessen nochmals weiterpoliert, wie von Stathis vorgeschlagen mit viel Kantendruck. Eine Session 1h TOT, dann eine Session 1/2h TOT und 1/2h MOT (um zu sehen, wie die Pechhaut liegt).

Hier noch ein paar Bilder von FigureXP. Erst mit ROC Regler in der Mitte, dann so wie von Martin vorgeschlagen mit Regler soweit rechts, dass der Rand flach ist.

1. Bild: am 2.2. vor der Therapie. ROC Regler in der Mitte. Siehe weiter oben im Thread.
2. Bild: am 2.2. vor der Therapie. ROC Regler ganz rechts. Es reicht nicht, der Spiegelrand wird nicht flach:


3. Bild: am 8.2. nach 1h TOT (am 2.2.) mit viel Kantendruck. ROC Regler in der Mitte:


4. Bild: am 8.2. nach 1h TOT (am 2.2.) mit viel Kantendruck. ROC Regler ziemlich weit rechts:


5. Bild: am 10.2. nach 1/2h TOT und 1/2h MOT (am 8.2.) mit viel Kantendruck. ROC Regler in der Mitte:


6. Bild: am 10.2. nach 1/2h TOT und 1/2h MOT (am 8.2.) mit viel Kantendruck. ROC Regler ziemlich weit rechts:


Ich weiss nicht, ob ich das nun richtig gemacht habe mit FigureXP, aber wenn man davon ausgeht, dass die Referenz "flache Kante" ist, dann müsste ich in der ersten Stunde an der Kante fast 400nm und in der zweiten Stunde nochmals fast 100nm abgehobelt haben. Alles in allem scheint es mir, dass die Therapie wirkt und es in die richtige Richtung geht.
Es gibt noch ein zweites Indiz dafür: die Pit-Dichte an der Kante hat nochmals deutlich abgenommmen und nähert sich derjenigen in der Mitte.

Was meinen die Experten dazu? So weitermachen? Ich könnte heute Abend nochmals 2h ran (2h TOT) und dann am Freitag Abend wieder messen.

Zum Thema Astigmatismus: bekanntlich lässt sich dieser ja mit der Foucault Probe nicht direkt erkennen. Ein Indiz wäre aber, wenn bei ausserfokaler Messerschneide statt eines geraden Schattens eine Yin und Yang Figur sichtbar wäre. Ich habe den Spiegel so in 30° Schritten vermessen und nur schurgerade Schatten gesehen. Ich denke also, da ist alles in Ordnung.
Trotzdem habe ich nun umgestellt, der Spiegel wird nach einer Umkreisung etwas gedreht. Damit sollte ich definitiv auf der sicheren Seite sein.

Vielen Dank für eure Tipps und herzliche Grüsse

Robert

Ich habe keine besondere Begabung, sondern bin nur leidenschaftlich neugierig (Albert Einstein)

Bearbeitet von: am:
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Robert Ganter
Mitglied im Astrotreff

Schweiz
47 Beiträge

Erstellt  am: 14.02.2019 :  09:43:08 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo liebe Glasquäler und -therapeuten,

ich habe gestern nochmals 2x 1h TOT die äussere Zone bearbeitet. Immer gesetzt meine Interpretation von FigureXP ist richtig (ROC Regler so verschieben, dass der Rand flach ist) habe ich gestern 600nm runtergehobelt. Die Pechhaut arbeitet sehr gut, wenns angefangen hat zu pfeifen habe ich etwas Wasser draufgesprüht, nach 20min und nach 40min einen kleinen Pinselstrich CeO.

Ausgangspunkt ist das letzte Bild im Beitrag weiter oben.
Nach einer Stunde TOT sah es so aus:
1. Bild: am 13.2. nach 1h TOT mit viel Kantendruck. ROC Regler in der Mitte:


2. Bild: am 13.2. nach 1h TOT mit viel Kantendruck. ROC Regler nach rechts:


Da das ist schon mal eine Ansage.

3. Bild: am 13.2. nach einer weiteren Stunde TOT mit viel Kantendruck. ROC Regler in der Mitte:


4. Bild: am 13.2. dasselbe mit ROC Regler nach links:



Aus ursprünglich über 1100nm sind wengier als 75nm geworden. Dafür steht nun der Zentralberg prominent in der Landschaft. Ich werde nun am Freitag Abend die Pechhaut so anpassen, dass die Mitte auch greift und mal den Berg etwas runterhobeln (ich denke 1/2h TOT und dann messen).

Was nun deutlich sichtbar ist: die Anzahl Pits hat am Rand dramatisch abgenommen und unterschreitet die der Mitte nun deutlich (diese wird zur Zeit ja nicht angetastet). Der Lasertest in absoluter Dunkelheit zeigt keinerlei sichtbare Reflexionen mehr. Ich denke, dass da die meisten unter dem Mikroskop noch sichtbaren Pits verschwinden werden, bis der Spiegel die gewünschte Form hat.

Tipps und Feedback wie immer sehr willkommen.


herzliche Grüsse

Robert

Ich habe keine besondere Begabung, sondern bin nur leidenschaftlich neugierig (Albert Einstein)

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Rudi FK
Senior im Astrotreff

Deutschland
113 Beiträge

Erstellt  am: 15.02.2019 :  14:38:32 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Robert,

die Pechhaut anpassen ist immer gut. Danach würde ich MOT mit seitlichem Überhang, ähnlich dem Grobschlif mit K80, polieren. Der seitliche Überhang darf dann auch mal fast bis halben (ca.0,3-0,4*D) Spiegeldurchmesser betragen. Mit ca. 10Min. Polierzeit müsste sich dann schon ordentlich was getan haben. Also erst einmal nicht zu lange um die Wirkung abschätzen zu können.

Viel Spaß und Erfolg!

Gruß
Rudi

Bearbeitet von: am:
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Robert Ganter
Mitglied im Astrotreff

Schweiz
47 Beiträge

Erstellt  am: 03.03.2019 :  17:59:52 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo zusammen,

in der Zwischenzeit war ich zwar schweigsam im Forum, aber nicht untätig.
Erst mal die gute Nachricht: der Spiegel ist auspoliert, es sind kaum noch Pits am Rand zu finden.
Ich habe unterdessen einen brauchbaren Aufbau mit dem USB Mikroskop hingekriegt, der saubere Bilder liefert (leider 90Grad gedreht):


Das Mikroskop ist mittels Schnellspannplatte an einem Makroschlitten befestigt, dieser wiederum an einem Stativ. Eine LED Arbeitslampe mit Papiertaschentuch als Diffusor dient als Beleuchtung. Im Prinzip könnte man so (z.B. mit Kalibrierplatte) eine definierte Vergrösserung einstellen und dann nur noch mit dem Makroschlitten fokussieren.
Ist der Spiegel auspoliert ist ein fokussieren nur am Rand möglich. Um auch weiter innen fokussieren zu können, kann man mit einem Permamentmarker einen Strich ziehen und darauf fokussieren.
Extrem wichtig ist dabei aber auch, dass der Spiegel mit einem fusselfreien Tuch (zusätzlich in Isopropylalkohol getränktem Einweg-Brillenreinigungstuch) gereinigt wird. Ansonsten sieht man in erster Linie Fussel, CeO und andere Reste.
Am Rand sieht der Spiegel nun so aus:




Innen sind überhaupt keine Pits mehr zu finden.

Nun zur ersten Katastrophe (nein, ich lass wirklich nichts aus...):
die Pechhaut konnte nicht mehr gesundgepresst werden, also haben wir eine neue gemacht. Bei der Reinigung des Spiegels ist mir dieser dann (Styroporplatte vergessen) ins Waschbecken gedonnert. Kurzes Schweigen, lautloser Fluch, erste Schadenaufnahme. Nichts zu sehen am nassen Spiegel.
Am nächsten Tag habe ich dann erst gesehen, dass die Kante an einer Stelle eine Art Stauchung aufweist:


Im Foucaulttest ist dort ein schwarzer Fleck. Ich überlege mir, das Glas aus ausreichend grosser Höhe runter zu schmeissen und bei Stathis einen neuen Rohling zu bestellen...
Nach einer Nacht darüber schlafen entscheide ich mich aber, das Teil fertig zu polieren. Im schlimmsten Fall kann ich so Erfahrung sammeln, diese blöde Kante hinzukriegen, im Besten Fall endet das ganze sogar in einem brauchbaren Spiegel.

Nach mehreren Warmpressrunden gelingt aber dafür eine überall anliegende Pechhaut.

Nach ca. 1h TOT 1/3 COC wieder Foucaultprobe: der Fleck ist weg :-), die Kante ist aber immer noch eine Katastrophe. Mit dem Mut der Verzweiflung und einem Satz vom ollen Goethe (Erfolg hat drei Buchstaben: T.U.N.) entschliesse ich mich zur Daumenmethode. Nach 70 Runden und zwei schmerzenden Daumen sieht der Spiegel so aus:


Aua, das sieht nach viel weiterer Arbeit aus. Ich mache noch das Experiment, die steile Felswand, die sich nun gebildet hat, mit dem flachen Daumen, dem Zeige- und Mittelfinger etwas abzubauen. Das Resultat sieht aus wie eine Hügellandschaft. Nicht weiter erstaunlich, da die Bearbeitung unmöglich homogen erfolgt ist (das Bild erspar ich euch :-) ).
Nun geht es ans Glätten. Nach ca. 1h TOT mit einigem Druck auf die Toolkante fängt die Felswand an, zu verschwinden, die Inhomogenitäten werden kleiner.
Der Spiegel sieht nun so aus:


Die FigureXP Diagramme sehen so aus:
<< Bilder folgen, wenn freigegeben >>

Bucklige Hyperbel, die äussere Zone ist immer zu hoch (oder das Loch in der Mitte zu tief).
Die bucklige Oberfläche rührt daher, dass ich zu hektisch poliert habe.
Also erst mal 2x 30min TOT 1/3 COC, eine Metronom-App gibt den Takt von 30/min vor. Die Oberfläche ist nun wieder schön glatt, an der Kurve hat sich aber nur bedingt etwas gebessert.
Foucault Bilder habe ich noch nicht, die mach ich heute Abend (Reihen von -2 - +4mm in 0.5mm Schritten, bei 0, 45, 90 und 135Grad).

Ich habe mal einige FigureXP Bilder reingestellt mit dem Versuch, diese so zu erklären, wie ich sie verstehe. Vielleicht liegt hier noch der Haken, dass ich die Daten falsch interpretiere und so falsch vorgehe.
Kurve von FigureXP ohne Anpassungen:

Zonen Z2 -Z6 sind zu hoch, das muss was weg.

Kurve von FigureXP , Kante gerade:

Da muss viel weg, von der Kante bis fast in die Mitte. Ist das realistisch?

Kurve von FigureXP, Mitte bei Null:

Vergleichbar mit Bild 1.

Was ich gelesen (aber vermutlich immer noch nicht ganz begriffen) habe: das sind eigentlich nicht Höhenprofile, sondern Krümmungsradien. Wie aber nun bestimmen, was eine zu hohe, zu tiefe Kurve an Arbeit bedeuten?

Nun die Millies-Lacroix Analyse.

Ich verstehe hier auch noch nicht ganz, was dies für die weitere Bearbeitung bedeutet:
- was heisst das bei den Säulen links? < 100%: da muss noch was weg >100% da ist zu viel weg? Oder ist es umgekehrt?
- die Punkte rechts: was ich begriffen habe ist, dass Punkte innerhalb der zwei grünen Kurven ok sind. Verschiebt man nun den Regler so, dass die unteren Punkte in der Mitte sind, sind die Punkte Z4, Z6 und Z7 ausserhalb. Muss da nun noch was weg (sprich Arbeit v.a. im Randbereich) oder muss ich mich eher auf die Zonen Z1 - Z5 konzentrieren?
Wenn ich das, was ich im Foucaulttester sehe, richtig interpretiere, habe ich:
- ein Loch in der Mitte (Hyperbel
- entweder immer noch einen zurückgebliebenen Rand
- schon eine abgesunkene Kante.

Bevor ich nun weiter poliere wäre ich sehr dankbar für Unterstützung, die Daten richtig zu verstehen. Erst dann macht es Sinn, allenfalls die Pechhaut entsprechend anzupassen (Mitte deaktivieren, Stern am Rand, was auch immer).

Die Abweichungen sind auf jeden Fall kleiner geworden, die Richtung stimmt also meiner Meinung nach. Da ich nun aber mit der Scherbe um die letzen 50-100nm feilsche, möchte ich genau wissen, was ich sehe und was ich damit anfangen muss.

Vielen Dank schonmal für Tipps und Tricks.

Herzliche Grüsse

Robert

Ich habe keine besondere Begabung, sondern bin nur leidenschaftlich neugierig (Albert Einstein)

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Stathis
Forenautor im Astrotreff

Greece
4660 Beiträge

Erstellt  am: 03.03.2019 :  19:56:21 Uhr  Profil anzeigen  Besuche Stathis's Homepage  Antwort mit Zitat
Hallo Robert,

gratuliere zunächst einmal zum auspolierten Spiegel und zu den schönen Mikroskopbildern.

1.
Durch den Muschelbrauch am Rand hat sich an der Stelle die Oberfläche verändert. Der Foucaulttest ist für solche lokalen Deformationen sehr empfindlich, da die Flankensteigung ja groß ist. Der Foucaulttest zeigt ja Krümmungsradiendifferenzen und keine absoluten Höhen und Tiefen. Absolut waren das vielleicht 10 Nanometer und wurden daher bei der weiteren Politur schnell wieder eingeebnet.
Den Muschelbruch kannst du somit vergessen, da er keinerlei Auswirkung mehr auf die Oberfläche hat.

2.
Die Balken am Millies Lacroix Diagramm zeigen lediglich die prozentuale Korrektur der jeweiligen Zone, genau wie die rechte Spalte "% Zonal Correction"
Wo Glas weg muss, siehst du in der Kurve "Surface Error Analysis". Bei dir muss also im Bereich ca. 50-95% des Spiegelradius Glas wegpoliert werden.

3.
Die Daumenpolitur hat funktioniert, aber du hast leider deutlich zu wenig davon gemacht. Du bist immerhin von Anfangs 270 und über 800% Zonal Correction in den Randzonen auf 177 und 244% gekommen. Die Ziel muss sein, dich in allen Zonen den 100% zu nähern.

Stathis
http://www.stathis-firstlight.de

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Robert Ganter
Mitglied im Astrotreff

Schweiz
47 Beiträge

Erstellt  am: 04.03.2019 :  12:22:03 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Stathis,

vielen Dank für Deine Antwort.

Ich wollte eigentlich nur messen gestern Abend, als ich dann aber Deine Nachricht gelesen hatte, habe ich gleich den Daumen gespitzt und nochmals ca. 50 Runden gebaggert. Da ich gewisse Unterschiede beim Krümmungsradius festgestellt hatte, habe ich erst mal asymmetrisch gearbeitet (also in 45Grad Segmenten unterschiedlich oft). Dann noch 10 Runden mit breitem Daumen und 30 Runden Zone 2 - 4 mit dem Handballen. Das Resultat sieht nun so aus:





1. Grand Canyon. Baut sich beim Glätten wieder ab. Das Foucault Bild sieht erwartungsgemäss furchtbar aus :-) .
2. Ich habe endlich begriffen, was die Kurven aussagen:
- eine fallende Flanke bedeutet zu kurzer Radius, also unterkorrigiert. Im M-L Diagramm zeigt sich das als unterkorrigiert.
- eine steigende Flanke bedeutet zu langer Radius, also überkorrigiert. Im M-L Diagramm zeigt sich das als überkorrigiert.

In meinem Fall heisst das, dass ich bei Z6 (15 Runden, sehr spitzer Daumen) und (etwas weniger) bei Z4 (8 Runden, flacherer Daumen) etwas nachdäumeln werde. Dann mess ich wieder (alle Winkel zur Astikontrolle). Wenn ich eine halbwegs homogene fallende Flanke Richtung Z2- Z3 habe, wird geglättet (Frage: neutraler Strich, TOT 1/3 COC, ist das ok?)

Zur Daumenmethode muss ich sagen, dass ich sie als sehr präzise empfinde.
Wenn dieser Spiegel fertig ist, gibts einen Drehteller. Zur Zeit stelle ich mit Daumen und Zeige- und Mittelfinger die Position ein und laufe dann die geplanten Runden um den Opferstock herum. Immer nur auf Daumen und Spiegel achten, dann gehts mit dem Schwindel. Wenn fertig: Weg vom Spiegel und mit beiden Händen eine Tischkante anfassen. Nach ca 30s dreht sich der Rest der Welt nicht mehr... Geht so, mit Drehteller wärs aber wesentlich angenehmer :-))

So, heute Abend gehts weiter, mal schauen, was die weiteren Schritte bewirken.


herzliche Grüsse

Robert

Ich habe keine besondere Begabung, sondern bin nur leidenschaftlich neugierig (Albert Einstein)

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Rudi FK
Senior im Astrotreff

Deutschland
113 Beiträge

Erstellt  am: 04.03.2019 :  17:50:48 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Robert,

interresannter Beitrag, da kann ich mich wieder voll in die Auswertung mit Foucault und Maske eindenken. Du schreibst oben von der Asti-Kontrolle durch Messung in mehreren Winkelpositionen des Spiegels. Wie beurteilst Du den Asti?

Viel Erfolg und Spaß beim weitermachen
Gruß
Rudi

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