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Seite: von 2

Emil Nietlispach
Meister im Astrotreff

Schweiz
422 Beiträge

Erstellt am: 10.01.2019 :  19:43:39 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Guten Tag,


Und hier meldet sich ein weiterer Umweltsünder: Gestehe, dass ich im Nov./Dez. ein Chile-Reischen unternommen habe. Zum astronomischen Anteil das Folgende:

1.San Pedro de Atacama

Ich wählte San Pedro de Atacama als Ausgangspunkt, nicht zuletzt, weil dort genügend Infrastruktur vorhanden ist. Mitgenommen habe ich meinen 25cm Reise-Dobson. Die Idee war anfänglich, von der Pension aus loszumarschieren, direkt in die Salzpfanne des Salar de Atacama, um von dort aus den Himmel geniessen zu können. Funktionierte, nur musste ich feststellen, dass der Himmel von ungenügender Transparenz war. Schuld an allem waren die starken Winde am Tag, die grosse Staubmengen, jeglicher Grösse, ( von Karbo 40 - Microgrid) in die Atmosphäre transportierten. Das Zodiakallicht war zwar überdeutlich sichtbar, aber die Magellanschen Wolken schwächelten, Galaxien matschig, es blieben nur die offenen Sternhaufen akzeptabel. Das Ganze erinnerte an die sattsam bekannten hiesigen Verhältnisse.





2.Toconao,und Paso de Jama


Auch wegen der horrenden Preise in San Pedro (für volle 100€ schläft man unter Umständen nur in einem Saustall und das krampfende Personal hat nur 10€/d), beschloss ich für eine Woche ein Auto zu mieten und ins 30km entfernte Toconao zu dislozieren. Nur wenige KM von den Büros der ALMA entfernt. Auch dort dasselbe: Kein auspolierter Nachthimmel, Sand in der Luft und auf dem Spiegel.
Zum Rekognoszieren erkundigte ich am Tag die Gegend auf dem Paso de Jama, wo die Alma-Instrumente sind auf 4800m. Der Wind hatte eine solche Stärke, dass man mit Sicherheit einen Schaden mit ins Tal nähme, ohne gefütterte Kapuze auf Mann . Ein 2 stündiger Spaziergang mit etwas Höhendifferenz durch diese eindrückliche Marslandschaft genügte mir. Ich konnte mir lebhaft vorstellen, dass hier einer langsam schwarz zu sehen beginnt und umkippt für immer… Instinktiv verzichtete ich auf nächtliche Hinfahrt dort oben. Lastwagen fahren meistens in Gruppen zur Sicherheit, die Parkplätze sind verwaist, kein Mensch weit und breit, was soll ich da allein? - Auf der Weiterreise im Bus sass ich zufällig neben einem Alma-Mitarbeiter. Er war zuständig für Strassenunterhalt und hatte 1 Woche frei. Er bestätigte, dass hier praktisch immer starker Wind weht und die Arbeit knallhart sei. Die Alma nehme das Wohl der Mitarbeiter sehr ernst. Bei Dienstantritt sei nur 2h Tagesarbeit erlaubt, dann allmählich mehr. Aerztliche Ueberprüfung der Mitarbeiter finde laufend statt und ein Nofalldienst sei rund um die Uhr vorhanden.



3.Talabre - Indianerdorf


Einen richtig perfekten Himmel hatte ich dann in Talabre, einem kleinen Indianer-Dorf, auf etwa 3500m Höhe. Ich machte nur positive Erfahrungen bei diesen Leuten und war froh Kontaktpersonen zu haben, falls da plötzlich z.B. der Wagen streiken sollte. Die Indianer haben einen Sinn für die Astronomie aus historischen Gründen, man erntet strahlende Augen, wenn man sagt, man wolle hier beobachten. (Wir dagegen forschen wie verrückt, aber der Nachthimmel ist der Gesellschaft offensichtlich egal, sonst hätten wir ja effiziente Massnahmen gegen die Lichtverschmutzung. Und deshalb hatte das Inka-Reich Kultur und wir haben eben keine.)



25cm ohne Optik und Vulkan Lascar


Hier konnte man sich astronomisch austoben. Funkelnde Galaxien im Fornax-Haufen zu Hauf. Prächtig die ganze Sculptor-Gruppe. Negativ blieben nur die beiden Zwerggalaxien ESO356-04 (Fornax) und ESO351-G30 (Sculptor). Da hätte man den Spiegel vorher entsanden und einen besseren Streulichtschutz mitbringen müssen.
Wenn man des Aufsuchens müde wird, (und man wird es!) kann man einfach die Grosse Magellansche Wolke anfahren und findet bei starker Vergrösserung ein Highlight nach dem andern.
Dieser Beobachtungsort wäre eigentlich ideal. Nicht zu hoch, keine Gefahr des Abgleitens ins Nirwana, freier Horizont rundum, grandiose grosszügige Landschaft und den aktiven Vulkan Lascar mit dabei, der noch die Tiefendimension einbringen tut. Asphaltierter Hinweg und freundliche Indianer in der Nähe, die einem Kost und Logie (basic) anbieten würden. Was will man mehr? Nur: wie lange dauert dieser Zustand noch: Im Westen sind noch ungefährlich, weil weit entfernt, die Lichter der Lithium-Minen ausmachbar. Bereits 25km2 beleuchtete Sole-Becken sind es. Beabsichtigt ist die gesamte Ausbeutung des Salar de Atacama, und dann ist hier Schluss. Und das könnte schon sehr bald sein. Im Hotel hat mir der Besitzer gesagt, er renoviere und investiere nicht mehr viel, wenn die hierher kommen, könne er die Touristen sowieso vergessen…..





4.Socaire, Paso de Sico,


Noch eins drauf in Sachen „eindrücklicher Nachthimmel“ brachten dann die Stunden etwas unterhalb der Laguna Miscanti auf dem Weg zum Paso de Sico. Vom Indianerdorf Socaire wagte ich mich noch 20km weiter , mehr nicht, dann könnte man nötigenfalls noch per Fussmarsch sich in Sicherheit bringen bei einer Panne.





Störfaktor Nummer 1 in Sachen Lichtverschmutzung war hier das Zodiakallicht im Westen. Klar erkennbar der Gegenschein mit dem Band. Am östlichen Horizont zeigte sich gleichmässig eine Aufhellung. Airglow?
Die feinsten südlichen Sternbilder waren jetzt alle sofort erkennbar. Eine unbeschreibliche Stille herrschte. Kein Ton, kein Rauschen ferner Wasser wie bei uns in den Bergen, keine Tierstimmen nichts… Ich fragte mich, warum da noch durchs Fernrohr schauen, wenn der Himmel so eindrücklich ist. Den Chor der 9. Sinfonie mit Schillers eindrücklichen Worten brachte ich nicht aus dem inneren Ohr……
Aber auch negative Gedanken kamen auf: Kein einziger Wagen kam vorbei. Was, wenn Banden kommen von Argentinien her und mit vorgehaltener Pistole den Autoschlüssel wollen. Im benachbarten Peru sind solche Vorkommnisse fast die Regel. Dann stände ich mit dem Fernrohr , aber ohne Kreditkarte und Pass, dafür mit einem Faustschlag im Gesicht, allein in dieser Kälte.( Erst am folgenden Tag winkte der befragte Dorfpolizist ab: Kein Problem, die policia de investigacion habe das Gebiet schon im Auge. Noch nie so etwas passiert. )


5.Wo sind die besten Beobachtungsplätze in Chile für uns Amateure?


Letztes Jahr war ich im Elqui-Tal. Es war irgendwie dunkler dort. Hier in den Anden bestand nie die Gefahr, in der Nacht die Orientierung zu verlieren wegen absoluter Dunkelheit. Die Szintillation war hier immer vorhanden, vergleichbar mit den Alpen, dagegen im Elqui-Tal bockstille Sterne.- So ab 4000m Höhe sinken die Temperaturen dermassen, dass man die volle Winterausrüstung mit Winterschuhen etc. einfach dabei haben muss. Bei 35oom ist es dagegen wesentlich wärmer, wie bei uns im Spätherbst in etwa.
Ein grosser Irrtum ist zu meinen, die Atacama-Wüste sei *der* Platz für Astronomie. Die Verstaubung der Atmosphäre ist die Regel. Unterhalb von 3000m Höhe und abseits der so wichtigen Küstennebel ist es schlechter als bei uns. Die Küstennebel gehen leider nur wenige Kilometer ins Landesinnere, wenn es dort immer noch Sand hat statt Felsen, ist bereits fertig. Deshalb ist die Gegend um La Serena, wo die Teleskope der älteren Generation stehen , hervorragend. Der Sand hört genau dort auf, wo die Küstennebel noch alles zudecken können.
Ich besuchte nachträglich noch die Wüstenoase Pica, auf der Höhe von Iquique. Katastrophale Verhältnisse. Die Bewohner bestätigten mir, dass es hier meistens Sand in der Luft habe. Auch ein Abstecher auf die erste Hügelkette bei Iquique, direkt in der Nähe des Pazifiks, zeigte einen schlechten Himmel, weil die Küstennebel zu dieser Jahreszeit bereits fehlten.
Leider sind die besten Plätze zwischen Antofagasta und La Serena ohne genügende Infrastruktur. Minen sorgen dort auch nicht gerade für gesunde Luft, und dunklen Himmel. In meinem Reisebuch von Stefan Loose, fehlen die Karten für dieses Gebiet. Das war sicher nicht ein Versehen und Nachlässigkeit….






Bearbeitet von: am:

Moonchild_27
Meister im Astrotreff


681 Beiträge

Erstellt  am: 10.01.2019 :  20:39:23 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Emil,

Danke für deinen tollen Bericht. In einem Jahr bin ich zum ersten mal in Chile, aus astronomischen Gründen. Bin dann ca.100km südöstlich von La Serena auf 1500m in dem vorgelagerten Teil der Anden, weit weg vom Küstennebel oder Wüstenstaub. Allein auf die Landschaft und die vielen Sonnenstunden (im Januar) dort, freu ich mich jetzt schonmal riesig.

Sag mal, hast du den Dobson mit ins Handgepäck genommen, oder ihn Aufgeben müssen ? Bei den ganzen Zwischenstopps bis nach Chile eine recht heikle Sache wie ich finde.

Liebe Grüße
Mathias

Nauris Mirrage 21" f/4
Obsession 18" f/4,5 Classic
Traveldob 14" f/4,8
Traveldob 12" f/5,3
Galaxy 10" Dobson f/5
Leica 8x42 Ultravid HD


Freunde der Nacht


Bearbeitet von: Moonchild_27 am: 10.01.2019 21:00:32 Uhr
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Emil Nietlispach
Meister im Astrotreff

Schweiz
422 Beiträge

Erstellt  am: 10.01.2019 :  21:26:06 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Mathias,

die Optik inkl.Okulare hatte ich im Handgepäck. Beim Handgepäck kann es auch zu Pannen kommen: Kein freier Platz über deinem Sitz und beim Aussteigen rupft einer unachtsam an deinem Handgepäck und lässt es fallen... Oder der Kontrolleur akzeptiert entgegen der Vorschrift den Glasspiegel nicht, weil er seltsam aussieht, und er muss zum Frachtgut. Soll ich dann das Bundesgericht alarmieren per Natel kurz vor Gate-Schliessung.

Wenn mir das Fernrohr abhanden kommt, mache ich einfach ein neues besseres.

Grüsse Emil

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Winni
Altmeister im Astrotreff

Deutschland
1218 Beiträge

Erstellt  am: 10.01.2019 :  21:40:40 Uhr  Profil anzeigen  Besuche Winni's Homepage  Antwort mit Zitat
Hallo Emil,

Danke für den super Bericht, und auch für die Relativierung der Beobachtungsbedingugen dort.

Zitat:
"Wenn mir das Fernrohr abhanden kommt, mache ich einfach ein neues besseres."
Du hast dich mit diesem Satz soeben auf den absoluten Thron der astronomischen Coolheit gehoben, ich kniee nieder vor dir und opfere ein Seben Okular!

lg
Winni

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Dominik Braun
Meister im Astrotreff

Deutschland
493 Beiträge

Erstellt  am: 11.01.2019 :  09:31:56 Uhr  Profil anzeigen  Besuche Dominik Braun's Homepage  Antwort mit Zitat
Hi Emil,

ein wirklich schöner Bericht. Wenn man unser momentanes Wetter in Deutschland bedenkt, wird man da direkt neidisch - vor allem, wenn man dann von "Funkelnde Galaxien im Fornax-Haufen zu Hauf" liest.

Viele Grüße
Dominik

Taurus T350, TS 80mm f/6 Apo

Bearbeitet von: am:
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Emil Nietlispach
Meister im Astrotreff

Schweiz
422 Beiträge

Erstellt  am: 11.01.2019 :  12:16:53 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Winni


Zitat:
ich kniee nieder vor dir und opfere ein Seben Okular!



aber bitte das Opfer ungeschlachtet mit allen Eingeweiden abliefern. So ein all in one Zoom Okular würde die Hosentaschen beim Beobachten frei machen.

Hallo Dominik,

ich erinnere mich, vor Jahren auf der Rigi (1800m ü.M.) hoch über dem Nebelmeer, Mitglieder des Fornax-Haufens erfolgreich beobachtet zu haben und zwar auch mit einem 25cm-Spiegel.
Im Winter mit wenig Wasserdampf in der Atmosphäre sind solche Beobachtungen auch von hier aus reizvoll. - Nur haben leider die Pensionen dort oben die Uebernachtungspreise kurzerhand mindestens verdoppelt, das macht die Expedition dann weniger reizvoll....

Grüsse Emil

Bearbeitet von: am:
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Timm
Altmeister im Astrotreff

Deutschland
2642 Beiträge

Erstellt  am: 11.01.2019 :  14:22:50 Uhr  Profil anzeigen  Besuche Timm's Homepage  Antwort mit Zitat
Hallo Emil,

schade, dass sich die astronomischen Bedingungen im erreichbaren chilenischen Hochland allmählich verschlechtern.
Ich habe schon mal überlegt, wohin ich gehen könnte, wenn sich die politischen Umstände in Südafrika verändern und die Farmer möglicherweise enteignet werden.
Seit 2011 bin ich regelmäßig mehrmals im Jahr dort und möchte den fantastischen Südhimmel nicht missen.
Chile wäre ja dann keine gute Option, oder doch?

cs
Timm

48°24'39"N / 8°0'38"O
und
26°52'53"S / 25°01'32"O

carpe noctem
observo ergo sum


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oliva
Senior im Astrotreff

Deutschland
219 Beiträge

Erstellt  am: 11.01.2019 :  17:30:27 Uhr  Profil anzeigen  Besuche oliva's Homepage  Antwort mit Zitat
Hallo Emil, Tim & alle anderen,

sehr schöner Bericht, der differenziert geschrieben ist. Tja, wir werden von zwei Seiten in die Zange genommen:

1. der zunehmenden Lichtverschmutzung bei uns und
2. den politischen Unsicherheiten an den Orten, wo wir gerne hinfahren, weil die Lichtverschmutzung dort gering ist.

Wo kann man hinfahren? Bleibt evtl. Australien. War noch nie da, soll aber relativ sicher sein? Nordamerika? Keine Ahnung. Man wird sehen müssen.

Oliver


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Emil Nietlispach
Meister im Astrotreff

Schweiz
422 Beiträge

Erstellt  am: 11.01.2019 :  19:27:44 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Oliver,

In Chile hat die politische Unsicherheit ebenfalls zugenommen. Die Städte sind etwas unsicher geworden. Entreissdiebstahl ist allgegenwärtig geworden. Aber Bandenkriminalität und bewaffnete Ueberfälle sind extrem selten. In allen touristischen Belangen funktioniert Chile sonst einwandfrei.


Hallo Timm,
"Chile wäre ja dann keine gute Option, oder doch?"

es kommt darauf an:
Wenn man es bequem haben will und dort beobachten will, wo man schläft, dann wird es schwierig: Ich kenne da nur die HACIENDA LOS ANDES in Hurtado. Die holen dich am Flughafen in la Serena ab und können auch eigene Beobachtungsinstrumente anbieten. Aber das hat seinen Preis!
Ansonsten braucht man ein Mietauto . Abseits der touristischen Hochburgen sinken die Preise drastisch aber es kann auch sehr basic werden und man muss Spanisch sprechen können.
Im Altiplano hat man einen guten Horizont, aber eine gewisse Wetterunsicherheit. Januar- April regnet es häufig. In den trockenen guten Gebieten, also zwischen Antofagasto, Copiapo und la Serena fehlt es an guten Strassen, die einem in Höhen führen mit einem freien Horizont. Da braucht man im Minimum einen 4Rad-Antrieb. Und dort wo die Strassen gut sind und in die Höhe führen, hat es Minen mit allen Risiken für die Gesundheit des Beobachters.


Grüsse Emil

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Winni
Altmeister im Astrotreff

Deutschland
1218 Beiträge

Erstellt  am: 11.01.2019 :  21:11:32 Uhr  Profil anzeigen  Besuche Winni's Homepage  Antwort mit Zitat
Hallo zusammen...

Bitte verzeih mir ein wenig oftopic, Emil.

Ich denke Chile ist für die meisten keine Alternative, weder monetär noch flugzeittechnisch, nicht zu vergessen die Zeitverschiebung - dasselbe würde ich auch für Australien gelten lassen.

Afrika wird in der Tat immer prekärer was etliche Länder angeht.
Südafrika hat sich ja als großes Vorbild hinsichtlich der Landveränderungen Zimbabwe auserkoren, in dem ich einige Jahre beruflich unterwegs war, es kann deshalb sehr schnell zu solchen Veränderungen kommen wie Timm sie befürchtet.

Mozambique geht auch gut im Landesinneren, allerdings würde ich das Land nicht als Tourist bereisen wollen - immer noch Reisewarnung des auswärtigen Amtes.

Was imho momentan bleibt ist Namibia, da hier genügend Infrastruktur für unser Hobby da ist, preislich halt auch jedes Jahr teurer.

USA ist auch sehr schön astronomisch, Komfort ohne Ende, allerdings halt auch nicht südlich genug wenn man denn schon soweit fliegen muß.

...ein Teufelskreis...


lg
Winni


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oliva
Senior im Astrotreff

Deutschland
219 Beiträge

Erstellt  am: 11.01.2019 :  21:12:38 Uhr  Profil anzeigen  Besuche oliva's Homepage  Antwort mit Zitat
Hallo Emil,

das habe ich vor einigen Jahren in Reportagen auch gesehen: Die Minenaktivitäten insbesondere der Abraum enthalten ungesünde Stäube, ich glaube es waren Schwermetalle. Die wehen dann von den Abraumhalden und "verseuchen" die Umgebung.

Wie sieht es eigentlich mit Tieren aus? Ich komme gerade vom Alto Tajo zurück und habe auch nachts ein Tier vielleicht 30m von mir entfernt schnauben hören. War kein Problem. Aber wie sieht es dort aus? Vermutlich nix, da Wüste oder? Streunende Hunde?

Übrigens mit dem Teleskop haste vollkommen recht. Habe im letzten Sommer einen 10 Zöller "kennengelernt. Wenn der verloren ginge, halb so wild. Wird ein neuer gebaut. Materialkosten lagen bei weniger als 100 EUR. Trotzdem konnte man damit sehr fein beobachten. Deiner sieht auch so aus :)

Oliver

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Robin
Meister im Astrotreff

Deutschland
552 Beiträge

Erstellt  am: 11.01.2019 :  21:39:45 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Emil,

Danke für den tollen Beobachtungs- und Erfahrungsbericht! Wenn man selbst da gewesen ist, kann man die Standorte super gut nachvollziehen.
Hattest Du eigentlich zufällig ein SQM dabei oder hast vergleichende Grenzgrößenbestimmungen an verschiedenen Standorten gemacht?

Ich hatte auch den Eindruck, dass wenn man aus Richtung Paso de Jama nach San Pedro kommt, sehr viel Staub unten im Tal ist. Oben war das etwas besser. Und richtig saubergewaschen ist die Luft vermutlich eher in Meeresnähe (VLT)?

Allerdings fand ich die Bedingungen an der Laguna Inka Coya (unweit der größeren Stadt Calama) immer noch ziemlich gut, konnte sehr deutlich das Zodiakalband erkennen. Davon kann man auf der Schwäbischen Alb oder im Schwarzwald nur träumen.
Deswegen hatte ich mich gefragt, ob Staub das Licht weniger streut als das Wasser in der Luft und die Himmelstransparenz einfach wegen der Trockenheit gut war.

(==>)Oliver, tatsächlich, in der Nähe von Calama ist das größte Kupferbergwerk der Welt und da hängt eine mehrere Quadratkilometer große Staubwolke drüber. Kann nicht sonderlich gesund sein...
Hinsichtlich Tieren: Eine Menge Vicunas, Flamingos und Lamas. Füchse gibt es auch. Theoretisch auch Pumas, begegnet man aber extrem selten.

(==>)Emil, das Foto vom Dobson mit dem Lascar im Hintergrund sieht wirklich toll aus!


Clear skies

Robin



Bearbeitet von: Robin am: 11.01.2019 21:41:14 Uhr
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NormanG
Altmeister im Astrotreff

Deutschland
1687 Beiträge

Erstellt  am: 11.01.2019 :  21:46:51 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
und eine der giftigsten Spinnen der Welt kann euch in den Arsch beissen - aber nicht draußen, sondern in den Schlafgemächern.


gepimpter 12" Sumerian-Dob mit f/4,5-Nauris-HS, 72 mm Lacerta Apo

- who stands the rain deserves the sun! -

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Emil Nietlispach
Meister im Astrotreff

Schweiz
422 Beiträge

Erstellt  am: 12.01.2019 :  02:42:53 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Oliver,
das mit den Tieren: Es sind tatsächlich immer die Hunde, welche gefährlich sind, weil sie zu blöde sind, einen harmlosen Sterngucker vom Dieb zu unterscheiden. Hatte in Toconao und San Pedro damit Probleme. Tollwutimpfung für alle Sternfreunde!
Sonst hätte nur noch der Puma die Physik dazu, den einsamen, am Okular absorbierten Beobachter von hinten anzufallen und zu erledigen. Aber eine Neumondperiode reicht ihm vermutlich nicht, bis er es endlich wagen würde, einzugreifen. Dieses Tier ist sehr scheu, wenn etwas nicht alltäglich ist für es.

Hallo Robin,
auch dir vielen Dank für deinen interessanten Beitrag. Nein ich habe kein SQM. Es verbessert ja die Situation nicht, in der man steckt als Beobachter

In Chile hast du sehr wenig Lichtverschmutzung, schon rein wegen der ungeheuren Distanzen zwischen den Städten und der fehlenden Zersiedelung. Und deshalb siehst man das Zodiakallicht immer, auch bei Lichtstreuung durch Partikel, sei es nun Staub oder Wasser. Es hat ja keine Kontur mit scharfen Grenzen und braucht keine Transparenz für die Sichtbarkeit. Es ist schon in sich diffus.

Bei uns dagegen ist Hopfen und Malz verloren. Partikel in der Luft verschärfen den Effekt der Lichtverschmutzung ganz gewaltig. Die Zunahme der Luftverschmutzung und die Steigerung der Lichtverschmutzung (vor allem durch diese LED mit mehr Blauanteil) führen zu einer exponentiellen Aufhellung des Nachthimmels.
Deshalb hat man bei uns die besten Beobachtungschancen, wenn eine lange grossflächige Regenperiode eben zu Ende geht.Dann ist die Luft reingewaschen und das künstliche Licht kann nicht zuschlagen.Dagegen bei einem langfristigen Hoch wird es immer schlechter, weil die Luft nicht gewaschen wird und sich immer mehr mit Dreck anreichert.

Grüsse Emil

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daniel1976
Senior im Astrotreff


172 Beiträge

Erstellt  am: 12.01.2019 :  18:13:21 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Emil und alle anderen,

erstmal danke für Deinen spannenden und ehrlichen Bericht. Soweit abseits der Zivilisation beobachten ist schon was anderes als in der Heimat.
Die beunruhigenden Gedanken kann ich voll nachvollziehen. Ich finds schon komisch, wenn in der Dunkelheit ein Fuchs im Gebüsch raschelt (oder wars nur ein Igel ...?). Und das ist nur auf einem Feldweg im Nachbardorf ...

Wo wir bei den internationalen Beobachtungsorten sind: Wie schätzt Ihr Teneriffa / Pico del Teide ein ?
Schön hoch, schön südlich, schön dunkel ?

Gruß
Daniel






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oliva
Senior im Astrotreff

Deutschland
219 Beiträge

Erstellt  am: 12.01.2019 :  18:22:12 Uhr  Profil anzeigen  Besuche oliva's Homepage  Antwort mit Zitat
Hallo Daniel,

Teneriffa bzw. die Cañadas del Teide sind gut. Ich war allerdings das letzte Mal 2003 in dem oben angesiedelten Hotel (nicht auf dem Teide). Lichtverschmutzung war damals schon ein Thema. Wenn du die übliche Passat Bewölkung hast, wird es vermutlich gut sein. Ich bin danach nach La Palma ausgewichen. Fahre seit 2004 fast jährlich da hin. Tiere gibt es da nicht, außer evtl. streunende Hunde. In der Vergangenheit habe ich nachts auf La Palma allerdings keinen mehr gesehen. Wildtiere gibt es gar keine, wenn man mal von Wühlmäusen und Hasen/Kaninchen absieht. Nur fällende Tannenzampfen erschrecken einen manchmal.

Oliver

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