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SvenL12
Neues Mitglied im Astrotreff

Deutschland
10 Beiträge

Erstellt am: 13.09.2018 :  22:53:42 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo,
zunächst muss ich sagen das ich selber nichts mit Astrofotografie mache, aber mich halt dafür ein wenig interessiere und gerne etwas mehr darüber wissen würde.

Jetzt habe ich letztens ein kleines Video zum Hubble Deep Field gesehen, worin es hieß dass man das Hubble Teleskop auf eine scheinbar unbedeutende Stelle wo nur schwarz war gehalten hat. Da man diese Stelle jedoch eine lange Zeit belichtet hat konnte man nach einer gewissen Zeit ein Haufen von Galaxien sehen.

Und ich habe generell schon öfters das Wort Belichtung hier gelesen und deshalb wollte ich erstmal googlen was das eigentlich ist. Jedoch bin ich leider nicht wirklich schlau daraus geworden.

Deshalb ist meine Frage: Wie würdet ihr einem Kind Belichtung bei Astrofotografie erklären?

Bearbeitet von: am:

stefan-h
Altmeister im Astrotreff


16008 Beiträge

Erstellt  am: 13.09.2018 :  23:11:42 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Sven,

denk dir ein ganz normales Foto bei Sonnenschein- die Belichtungszeit ist entsprechend kurz, du hast das Foto mit z.B. 1/250s auf dem Chip.

Du wartest bis die Sonne so grade untergeht und machst das gleiche Foto erneut. Weniger Licht- du benötigst vielleicht schon 1/60s.

Du wartest noch länger, es wird richtig duster- neues Bild und die Kamera belichtet vielleicht schon 2s.

Noch später, keine Straßenlampen, nur etwas Licht vom Mond- gleiches Bild machen und deine Kamera belichtet vielleicht 20s- das Ergebnis wird schon etwas Rauschen enthalten, zeigt aber dein Objekt noch so halbwegs. Würdest du mit dem wenigen Licht so wie am Tag mit 1/250s belichtet wäre das Ergebnis ohne erkennbaren Inahlt einfach nur schwarze Fläche.

Sehr lichtschwache Objekte mit einem Teleskop ablichten ist noch schwieriger bzw. dauert noch länger. Mit ein paar Sekunden Belichtungszeit hast du gerade mal ein paar hellere Sterne auf dem Bild. Lichtschwache Galaxien oder Nebelstrukturen sind da noch lange nicht sichtbar. Also ein paar Minuten bis hin zu Stunden, für manche schwache Objekte viele Stunden belichten und erst dann hast du genug Licht auf dem Chip um diese Objekte sichtbar werden zu lassen.

Wie erklärt man es einem Kind? Zeig ihm, wie du mit einem Wasserstrahl in kurzer Zeit einen großen Eimer füllst- Foto bei Tag. Dann nimm einen Zerstäuber und sprüh damit ganz fein über den Eimer- wie lange dauert es, bis der auf diese Weise gefüllt ist? Das wenige aus dem Zerstäuber kommende Wasser ist das Licht der Sterne bzw. Galaxien ensprechend zur Astrofotografie.

Ergänzend- man kann ja nicht von der Erde aus 50h am Stück belichten, also macht man kürzere Aufnahmen, dafür dann viele davon und diese werden per Software übereinander gelegt- damit erhält man ein gemitteltes addiertes Ergebnis und holt schwache Objekte damit zum Vorschein.

Vergleichbar zum Wasserbeispiel, deine handbetriebene Sprühvorrichtung kannst du nur begrenzte Zeit betätigen, dann musst du eine kurze Pause einlegen (etwas krummer Vergleich, aber für ein Kind... )

Gruß
Stefan

12" Galaxy Dobson * 105mm William ZS - 66mm William ZS - Tak FSQ85
Vixen Atlux - Skysensor 2000 PC - GP DX Skysensor 2000 / auf Berlebach Planet
Sonnenbeobachtung: 2" Baader Herschelkeil - SolarMax 60 mit BF15

Bearbeitet von: stefan-h am: 13.09.2018 23:28:04 Uhr
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astro_alex
Mitglied im Astrotreff

Deutschland
37 Beiträge

Erstellt  am: 13.09.2018 :  23:12:14 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hi Sven,

ein Eimer Wasser unter einem tropfenden Wasserhahn ist ein guter Vergleich.
So länger der drunter steht, so voller wird er.

Übersetzt: so länger man belichtet, so mehr Lichtteilchen werden detektiert/aufgefangen/eingesammelt und so mehr kann man erkennen, vereinfacht gesagt.
Herausforderung dabei ist und was die Astrofotografie spannend um nicht zu sagen schwierig macht, dass natürlich nicht nur Lichtteilchen ankommen, die man haben möchte, sondern auch viele ungewünschte andere Teilchen (Rauschen).

Wieder zurück zum Wasser :-)
Das mit dem Rauschen ist dann aber ein bisschen so, als wenn man mit dem Wassereimers abschätzen möchte wie stark der Wasserhahn tropft (wie voll ist der Eimer nach x Minuten) - aber der Eimmer und Hahn dabei im Nieselregen stehen.

Grüße,
Alex

Bearbeitet von: am:
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SvenL12
Neues Mitglied im Astrotreff

Deutschland
10 Beiträge

Erstellt  am: 14.09.2018 :  07:27:57 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo,
Erstmal Dankeschön für die Antworten, dass leuchtet mir jetzt schon eher ein.
Also ist das so das Belichtung nur was mit der Kamera selber zu tun hat und nichts mit dem Teleskop?
Und ist Belichten vom technischen her quasi nur draufhalten und warten bis ich mehr sehe oder ist das eine Funktion der Kamera?

Bearbeitet von: am:
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Xsplendor
Meister im Astrotreff

Schweiz
907 Beiträge

Erstellt  am: 14.09.2018 :  10:57:05 Uhr  Profil anzeigen  Besuche Xsplendor's Homepage  Antwort mit Zitat
Zitat:
Original erstellt von: stefan-h

Hallo Sven,

denk dir ein ganz normales Foto bei Sonnenschein- die Belichtungszeit ist entsprechend kurz, du hast das Foto mit z.B. 1/250s auf dem Chip.

Du wartest bis die Sonne so grade untergeht und machst das gleiche Foto erneut. Weniger Licht- du benötigst vielleicht schon 1/60s.

Du wartest noch länger, es wird richtig duster- neues Bild und die Kamera belichtet vielleicht schon 2s.

Noch später, keine Straßenlampen, nur etwas Licht vom Mond- gleiches Bild machen und deine Kamera belichtet vielleicht 20s- das Ergebnis wird schon etwas Rauschen enthalten, zeigt aber dein Objekt noch so halbwegs. Würdest du mit dem wenigen Licht so wie am Tag mit 1/250s belichtet wäre das Ergebnis ohne erkennbaren Inahlt einfach nur schwarze Fläche.

Sehr lichtschwache Objekte mit einem Teleskop ablichten ist noch schwieriger bzw. dauert noch länger. Mit ein paar Sekunden Belichtungszeit hast du gerade mal ein paar hellere Sterne auf dem Bild. Lichtschwache Galaxien oder Nebelstrukturen sind da noch lange nicht sichtbar. Also ein paar Minuten bis hin zu Stunden, für manche schwache Objekte viele Stunden belichten und erst dann hast du genug Licht auf dem Chip um diese Objekte sichtbar werden zu lassen.

Wie erklärt man es einem Kind? Zeig ihm, wie du mit einem Wasserstrahl in kurzer Zeit einen großen Eimer füllst- Foto bei Tag. Dann nimm einen Zerstäuber und sprüh damit ganz fein über den Eimer- wie lange dauert es, bis der auf diese Weise gefüllt ist? Das wenige aus dem Zerstäuber kommende Wasser ist das Licht der Sterne bzw. Galaxien ensprechend zur Astrofotografie.

Ergänzend- man kann ja nicht von der Erde aus 50h am Stück belichten, also macht man kürzere Aufnahmen, dafür dann viele davon und diese werden per Software übereinander gelegt- damit erhält man ein gemitteltes addiertes Ergebnis und holt schwache Objekte damit zum Vorschein.

Vergleichbar zum Wasserbeispiel, deine handbetriebene Sprühvorrichtung kannst du nur begrenzte Zeit betätigen, dann musst du eine kurze Pause einlegen (etwas krummer Vergleich, aber für ein Kind... )

Gruß
Stefan



Hi stefan guter vergleich mit dem zerstäuber den muss ich mir merken so verstehen es auch 85% der erwachsenen mitbürger

Interessierten Astrofotografie-Einsteigern möchte ich einen Blick in mein Tutorial empfehlen:
http://www.xsplendor.ch/astrofotografie-tutorial.php?Page=Hauptseite

http://www.xsplendor.ch/


Grüsse und allzeit clear sky, Simon

Bearbeitet von: am:
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stefan-h
Altmeister im Astrotreff


16008 Beiträge

Erstellt  am: 14.09.2018 :  11:00:29 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hi Sven,

das mit dem Belichten musst du ein klein wenig trennen. Einmal ist es eine Grundfunktion der Kamera, so wie bei jeder Knipse oder einer Spiegelreflex. Man kann 3 Variable ändern- Belichtungszeit, Blende oder den ISO-Wert.

Stellt man von Blende 5 auf Blende 10 verlängert sich die Belichtungszeit um Faktor 4. Man kann auch die ISO-Einstellung ändern, z.B. von 200 auf 400- je größer dieser Wert desto höher wird das auf dem Chip gesammelte Signal beim auslesen verstärkt, das verkürzt die Belichtungszeit (führt aber bei höheren ISO-Werten wieder zu anderen Problemen).

Damit kann man die Aufnahmen je nach Helligkeit des Objekts passend hinbekommen. Wird es dunkler kann man also die Beliochtungszeit verlängern, den ISO-Weet erhöhen oder den Blendenwert von z.B 10 auf 5 verstellen.

Bei einem Teleskop hat man eine feste Blende- die ergibt sich aus der Brennweite geteilt durch die Öffung. Also für ein 150/750 Teleskop zu rechnen: 750 durch 150 = 5 oder wie als technische Angabe zu lesen f/5. Durch diesen festen Wert kann man also nur noch Zeit und ISO ändern.

Der zweite Punkt- das Teleskop sammelt Licht, je größer die Linse oder der Spiegel desto mehr Licht wird eingefangen. Das gilt aber nur für punktförmige Objekte wie z.B. Sterne. Bei flächigen Objekten sammelt das Teleskop auch mehr Licht, aber es verteilt dieses entsprechend seiner Brennweite auf dem Kamerachip (oder visuell genutzt auch im Auge) auch wieder auf eine größere Fläche.

Ein Teleskop mit 200mm Öffnung sammelt 4x soviel Licht wie eines mit 100mm und zeigt damit mehr lichtschwächere Sterne, flächige Objekte wie Galaxien aber zeigen beide gleich hell, eine Kamera benötigt an beiden die gleiche Belichtungszeit, um die Galaxie abzubilden.

Schau auch mal auf den Link hier drauf- http://www.astrotreff.de/topic.asp?TOPIC_ID=228474

da findest du eine ganze Reihe Begriffe erklärt, hilft vielleicht an der einen oder anderen Stelle weiter.

Gruß
Stefan

12" Galaxy Dobson * 105mm William ZS - 66mm William ZS - Tak FSQ85
Vixen Atlux - Skysensor 2000 PC - GP DX Skysensor 2000 / auf Berlebach Planet
Sonnenbeobachtung: 2" Baader Herschelkeil - SolarMax 60 mit BF15

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Xsplendor
Meister im Astrotreff

Schweiz
907 Beiträge

Erstellt  am: 14.09.2018 :  11:02:41 Uhr  Profil anzeigen  Besuche Xsplendor's Homepage  Antwort mit Zitat
Zitat:
Original erstellt von: Xsplendor

Zitat:
Original erstellt von: stefan-h

Hallo Sven,

denk dir ein ganz normales Foto bei Sonnenschein- die Belichtungszeit ist entsprechend kurz, du hast das Foto mit z.B. 1/250s auf dem Chip.

Du wartest bis die Sonne so grade untergeht und machst das gleiche Foto erneut. Weniger Licht- du benötigst vielleicht schon 1/60s.

Du wartest noch länger, es wird richtig duster- neues Bild und die Kamera belichtet vielleicht schon 2s.

Noch später, keine Straßenlampen, nur etwas Licht vom Mond- gleiches Bild machen und deine Kamera belichtet vielleicht 20s- das Ergebnis wird schon etwas Rauschen enthalten, zeigt aber dein Objekt noch so halbwegs. Würdest du mit dem wenigen Licht so wie am Tag mit 1/250s belichtet wäre das Ergebnis ohne erkennbaren Inahlt einfach nur schwarze Fläche.

Sehr lichtschwache Objekte mit einem Teleskop ablichten ist noch schwieriger bzw. dauert noch länger. Mit ein paar Sekunden Belichtungszeit hast du gerade mal ein paar hellere Sterne auf dem Bild. Lichtschwache Galaxien oder Nebelstrukturen sind da noch lange nicht sichtbar. Also ein paar Minuten bis hin zu Stunden, für manche schwache Objekte viele Stunden belichten und erst dann hast du genug Licht auf dem Chip um diese Objekte sichtbar werden zu lassen.

Wie erklärt man es einem Kind? Zeig ihm, wie du mit einem Wasserstrahl in kurzer Zeit einen großen Eimer füllst- Foto bei Tag. Dann nimm einen Zerstäuber und sprüh damit ganz fein über den Eimer- wie lange dauert es, bis der auf diese Weise gefüllt ist? Das wenige aus dem Zerstäuber kommende Wasser ist das Licht der Sterne bzw. Galaxien ensprechend zur Astrofotografie.

Ergänzend- man kann ja nicht von der Erde aus 50h am Stück belichten, also macht man kürzere Aufnahmen, dafür dann viele davon und diese werden per Software übereinander gelegt- damit erhält man ein gemitteltes addiertes Ergebnis und holt schwache Objekte damit zum Vorschein.

Vergleichbar zum Wasserbeispiel, deine handbetriebene Sprühvorrichtung kannst du nur begrenzte Zeit betätigen, dann musst du eine kurze Pause einlegen (etwas krummer Vergleich, aber für ein Kind... )

Gruß
Stefan



Hi stefan guter vergleich mit dem zerstäuber den muss ich mir merken so verstehen es auch 85% der erwachsenen mitbürger




Sven du kannst es dir auch noch so vorstellen eine seeeeeeeeeeeeeeeeeeehr weit entfernte galaxie strahlt ihr licht 360 grad in alle richtungen ab (jeder stern darin halt) diese einzelnen licht photonen wandern dann für jahrtausende durchs universum bis irgendwann "zufällig" mal eins genau in die teleskop öffnung von hubble oder deinem teleskop fliegt und aud dem kamera chip landet dann folgt stefans beispiel.

Interessierten Astrofotografie-Einsteigern möchte ich einen Blick in mein Tutorial empfehlen:
http://www.xsplendor.ch/astrofotografie-tutorial.php?Page=Hauptseite

http://www.xsplendor.ch/


Grüsse und allzeit clear sky, Simon

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