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Seite: von 9

oskar
Meister im Astrotreff


951 Beiträge

Erstellt  am: 11.06.2019 :  22:40:58 Uhr  Profil anzeigen  Besuche oskar's Homepage  Antwort mit Zitat
Hallo Robert,

die Darstellung von Jan Fremerey erinnert mich stark an Bilder vom Mars vom Hubble Space Teleskop, dort ist das Rot sogar noch röter. Ich bin der Meinung, dass kontrastarme Details - die bei Mars im Staubsturm gegeben sind, bei einem großen Bild über die Fläche wirken und es weniger Kontrastanhebung bedarf als bei einem kleinen Bild. Kleine Bilder wirken schärfer, da im optimalen Fall keine leere Vergößerung gegeben ist. Letztendlich sollte ein Bild alle darin enthaltenen Informationen zeigen und Artefakte vermeiden. Welche Präsentationsform gewählt wird, ist auch Geschmacksache. Eine(r) malt lieber in Pastellfarben, andere kräftig in Öl.

Viele Grüße

Oskar

Fliegen kannst Du nur gegen den Wind (Reinhard Mey)

Bearbeitet von: am:
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AstroRider
Meister im Astrotreff

Deutschland
845 Beiträge

Erstellt  am: 12.06.2019 :  22:03:21 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Robert,

das Thema Präsentationsgröße finde ich spannend, denn da weiß ich selbst auch nicht immer, welche Größe nun angemessen ist.

Gibt es da evtl. irgendwelche Richtwerte oder anhand welcher Kriterien kann man das festlegen?

BTW: Ich bleibe aber trotzdem ein Freund Eurer zarten Darstellung.

Grüße
Volker

Bearbeitet von: am:
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Jan_Fremerey
Senior im Astrotreff


168 Beiträge

Erstellt  am: 13.06.2019 :  01:57:00 Uhr  Profil anzeigen  Besuche Jan_Fremerey's Homepage  Antwort mit Zitat
Zitat:
Original erstellt von: AstroRider
das Thema Präsentationsgröße ... Gibt es da evtl. irgendwelche Richtwerte oder anhand welcher Kriterien kann man das festlegen?
Hallo Volker,

die Präsentationsgröße am Bildschirm sollte mindestens so sein, dass echte Bilddetails nicht durch das Bildschirmraster entstellt werden.

Auf der anderen Seite sollte aber die Präsentationsgröße m.E. auch nicht zu sehr in den Bereich der "leeren" Vergrößerungen gehen, bei denen keine feineren Bilddetails erkennbar werden, und von wo an die feinsten Details zunehmend verschwommen und kontrastarm erscheinen. Dann ist nämlich manchmal schwer zu erkennen, ob beispielsweise ein längliches Objekt als Linie oder als "Wolke" zu interpretieren ist.

Übergroße Darstellungen vermitteln gelegentlich den Eindruck, als sei die Abbildung von Mustern mit einer einheitlichen Punkt- und Linienstärke beherrscht, die sich ja tatsächlich aus dem begrenzten Auflösungsvermögen des Teleskops ergibt. Aufgrund des letztgenannten Kriteriums gehe ich bei der Präsentation meiner Planetenbilder nur selten in den Bereich von visuellen Vergrößerungen, die dem Dreifachen des Durchmessers der Aufnahmeoptik in mm entsprechen.

Gruß, Jan

www.astro-vr.de
10" f5 Spiegel von Bob Royce, offene Bauweise an Trägerrohr
FH 6" f/20 von D&G mit gefaltetem Strahlengang, offene Bauweise an Trägerrohr

Bearbeitet von: Jan_Fremerey am: 13.06.2019 02:19:21 Uhr
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RobertR
Altmeister im Astrotreff

Österreich
1310 Beiträge

Erstellt  am: 07.08.2019 :  10:29:01 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Planetenfreunde,
inzwischen ist unser La Palma Besuch genau ein Jahr her. Seitdem war mir keine vernünftige hochauflösende Planetenbeobachtung möglich. Wahrscheinlich setze ich nach dem La Palma Besuch meine Maßstäbe zu hoch.

Die Frage nach optimaler Präsentationsgröße war ja noch offen. Hier meine subjektive Meinung:

Im Heft 70 des VdS-Journals für Astronomie mit Hauptthema Mars und im Heft 1 Astronomie "Das Magazin" wurden unsere Bilder abgedruckt. Gedruckt gefällt mir 80 mm Durchmesser für unsere Marse am besten, 100 mm ist schon fast zu groß und wirkt unscharf (trotz Nachschärfung). Für ein 14"-Teleskop scheint 80 mm ein Optimum, 100 mm Maximum zu sein bei 24" Planetengröße. Das paßt dann auch ganz gut zu den im VdS Journal gezeigten 100 mm /130 mm Durchmesser der höher aufgelösten Bilder mit dem 20" Kellner Lomo des IAS aus Namibia. Größer macht wohl keinen Sinn.

Auf dem Bildschirm halte ich nach vielen Diskussionen 480 Pixel bei 24" Planetendurchmesser für das maximal sinnvolle für 14" Teleskopgröße. Mehr ist dann definitiv matschig. Torsten hätte sich für 360 Pixel entschieden. Jahn Fremery würde Mars noch kleiner abbilden, was dann noch "schärfer" aussieht. Eindruck hängt natürlich am Bildschirm, von Handy bis hochqualitativem Bearbeitungsbildschirm...

Aufgenommen hatten wir mit 240 Pixel entsprechend ca. 6000 mm Brennweite für die ASI290MM mit 2,9µm Pixeln. Unter der Theorie, dass jede Operation (u.a. Vergrößerung) am Bild Nebeneffekte bringt, würde sich daraus eine Brennweite von 6000...12000mm für 14" empfehlen, wenn man Nachvergrößerung Bild vermeiden will. Mars ist ausreichend hell, so dass für Mars (zu) kurze Brennweite nicht notwendig ist (Belichtungszeit bei uns im Rotkanal < 1/1000sec). Eine Bildnachvergrößerung über 2x hat sich bei mir noch nie bewährt. Üblicherweise verwende ich 1,5x Drizzle zur Nachvergrößerung guter Aufnahmen.

Habe auch Filme vom 20" Kellner Lomo des IAS aus Namibia bearbeitet mit 11000mm und 16.000mm Brennweite - da fand ich die Aufnahmen mit 11.000mm besser, was wohl auch an meiner Bildentwicklungsmethodik liegt. 16.000mm erforderte am Teleskop zudem ungünstig lange Belichtungszeiten um 1/100 sec. Die Bearbeitung und Ergebnisse mit 440 Pixel Planetendurchmesser (11000 mm) waren jedenfalls eindrucksvoll!

Ich rate damit zu 10...20 Pixel/1" auf Bildschirm bzw. 2...4 mm auf Papier/1" bei optimalem seeing. Kompromis liegt wohl in der Mitte. Gilt für Rotkanal und 14". Größe kann man dann beliebig rauf und runterskalieren je nach Teleskopgröße und Farbkanal z.B. für 8" 6..12 Pixel/1".

Was sagt Ihr? Gerne auch mit eigenen Bildern und Erfahrungen!

LG
Robert

PS: Noch etwas Hintergrundinfo:

PS1: Die Beugungsscheibchen haben bei unseren Aufnahmen (14", 6000 mm Brennweite, ASI290MM, RGB) zwischen 6...9 Pixel Durchmesser (Beispiel Phobos mit real 0,1" oder Encke mit real 0,08" bei Saturn). Phobos wird damit im Rotkanal als 9 Pixel große Scheibe mit maximaler Schwärze im Zentrum abgebildet. Durch Schärfung und Histogramm-Manipulation kann man Phobos auf 25...33% Größe drücken, d.h. er wird als 2..3 Pixel große schwarze Scheibe auf 240 Pixel großem Planeten abgebildet (ohne Vergrößerung). Er ist damit mindestens doppelt so groß abgebildet als er real ist. Eine solche Bearbeitung geht nur lokal, aber nicht über ganzes Bild und schneidet sich mit Kontrast von größeren schwächeren Gebilden. Ähnlichen Effekt sieht man auch schön an Encke. Man hat immer die Wahl, zwischen filigran eher kontrastarm oder kontraststark grob abzubilden. Unter eine bestimmte Abbildungsgröße kommt man beugungsbedingt sowieso nicht. Für bessere Abbildung hilft nur größere perfekte Optik (gibt es inzwischen verbreitet zu kaufen) und das entsprechende dazu passende Seeing (ist weltweit rar bzw. nördlich der Alpen kaum anzutreffen).

PS2: Auch auf den Bildern mit 20" Kellner Lomo des IAS/Namibia ist Phobos und Schattendurchgang vor der Planetenscheibe zu beobachten mit der der 20" Optik entsprechenden deutlich besserern Abbildungsleistung. Durchgang ist also kein Alleinstellungsmerkmal unsererseits und wurde von den dortigen Teams genauso übersehen wie von uns. Definitiv war die Auflösung in Namibia mit dem 20" Kellner Lomo des IAS wenigstens im IR deutlich besser als bei uns vom Roque de los Muchachos mit 14" aus. Wäre interessant, vom Roque de los Muchachos mit 20" zu arbeiten. Vom Seeing her war meiner Meinung nach noch Luft nach oben. Der Standort dort ist kein schlecht gewählter. Leider haben die Seeingmonitore dort nur 14" Durchmesser, so dass es keine reale Info zum bestmöglichen Seeing gibt.

Bearbeitet von: RobertR am: 19.10.2019 17:23:03 Uhr
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RobertR
Altmeister im Astrotreff

Österreich
1310 Beiträge

Erstellt  am: 03.09.2019 :  11:19:15 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Planetenfreunde,
leider hab ich in 2019 noch nichts vernünftiges aufnehmen können. Deshalb hier noch ein Nachschlag mit auf maximalen Kontrast getrimmten Mars jeweils aus Namibia und La Palma von der Opposition 2018:



oben bzw. links Mars 27.07.2018 UT22:46 IRRGB Aufnahme Robert Schulz/Namibia/Hakos/IAS 20" Kellner/Lomo Cassegrain mit 11,3m Brennweite, unten bzw. rechts 02.08.2018 UT01:34 RRGB LaPalma 14", beides mit ASI 290MM.

Bearbeitung beider Bilder mit selber Methodik, unsere Aufnahme allerdings mit 2x drizzle, um auf dieselbe Bildgröße zu kommen. Bildmaterial 2018 aus Namibia punktet vor allem im IR. Robert Schulz hat einen Baader RG610 Passfilter (HWB 610nm) mit gutem Erfolg eingesetzt. Die Auflösung ist damit besser als mit längeren Passfiltern. Werde mir diesen Filter wohl auch besorgen. Vom IAS 20" Kellner/Lomo Cassegrain kamen 2018 wohl die besten Mars-Bilder aus Namibia. In der Oberflächen-Detailauflösung liegen die Bilder höher als unsere. Unsere Blaukanäle sind dafür besser. Das seeing war in Namibia deutlich anders als auf La Palma.

LG
Robert Reitsam

Bearbeitet von: RobertR am: 19.10.2019 17:37:42 Uhr
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ThWinterer
Altmeister im Astrotreff

Deutschland
1234 Beiträge

Erstellt  am: 03.09.2019 :  12:10:12 Uhr  Profil anzeigen  Besuche ThWinterer's Homepage  Antwort mit Zitat
Hallo Robert,

für meine Geschmack sind beide Bearbeitungen recht weit weg von der damaligen Realität. War ebenfalls zum ähnlichen Zeitpunkt in Namibia und habe auch mit C14 und Keller gefilmt. Nur unser Seeing war einfach zu schlecht. Robert aber auch Sebastian hatten da eine Woche zuvor deutlich mehr Glück. Strukturen waren unter der Staubdecke nur wenige zu sehen. Ich empfinde das Paar hier als to much overprocessed, da kommen frühere Bildergebnisse aus deinem Megathread hier deutlich besser an den visuellen Eindruck heran.

LG Thomas Winterer

Meine Homepage: www.sky-win.de

Bearbeitet von: am:
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RobertR
Altmeister im Astrotreff

Österreich
1310 Beiträge

Erstellt  am: 03.09.2019 :  12:30:32 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Thomas,
da hast Du vollkommen recht, das ist nun schon heftig bearbeitet! Der visuelle Eindruck war ein ganz anderer und bzgl. Oberflächendetails erheblich blasser. Es ist immerhin erstaunlich, was sich aus dem Material herausholen läßt, insbesondere aus R und IR-Bandfiltermaterial. Wunsch nach heftiger Bearbeitung ist leider Meanstream. Robert war erst zufrieden, als es so aussah wie hier präsentiert - natürlich geht das mit dem La Palma Material auch. Darum hier der ähnlich stark bearbeitete Vergleich- als Extrembearbeitung ein Jahr später. Sonst teile ich Deine Meinung 1:1!

LG
Robert

Bearbeitet von: RobertR am: 03.09.2019 12:46:11 Uhr
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Niklo
Altmeister im Astrotreff

Deutschland
5356 Beiträge

Erstellt  am: 03.09.2019 :  17:07:57 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Robert,
das obere Bild zeigt an manchen Stellen noch ein bisserl mehr Details. Vom ästhetischen Anblick gefällt mir das zweite Bild besser, da es natürlicher wirkt. Beim 20" Bild wirkt der Kontrast zu stark und links gibt es eine Art Ringmuster? am linken Marsrand.
Unabhängig davon beeindruckende Bilder.
Aber angeregt durch den Einwand mit dem visuellen Eindruck, könntest Du da eine Version einstellen, eventuell auch kleiner, die vom Kontrast und von den Farben dem visuellen Anblick bei bestem Seeing am ehesten entspricht?

Servus,
Roland

Freund kleiner und klassischer Teleskope

Bearbeitet von: am:
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RobertR
Altmeister im Astrotreff

Österreich
1310 Beiträge

Erstellt  am: 09.09.2019 :  23:19:13 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
N20: Kommentare ergänzt.

Hallo Roland,
die relativ kontrastreichen Ausarbeitungen sind auf Wunsch der Astronomie Hefte Redakteure entstanden. In den Heften sind dann noch kontrastreichere Ausarbeitungen andere Autoren zu bewundern. Immerhin toll, dass das technisch so gut geht - hab ich auch eine Zeit lang gebraucht, bis ich die Art von Ausarbeitung im Griff hatte. Ich sag auch ganz ehrlich, dass ich selbst die gezeigte Bildgröße an der ober(st)en Grenze empfinde und ich über manche Bildfehler nicht ganz glücklich bin.

Das von Dir beschriebene Ringmuster steckt vor allem in den IR-Aufnahmen von Robert und könnte an der Gammarinstellung "100" liegen, die Robert verwendet hat (siehe auch seine Ausarbeitungen auf Alpo Marsseite (http://alpo-j.asahikawa-med.ac.jp/kk18/m180727z.htm)). Scheint eine Variante der Randartefacte zu sein. Besser bringe ich das halt auch nicht hin....

Den visuellen Eindruck als Bild hier wiederzugeben, ist gar nicht so einfach. Der Kontrastumfang mit Auge ist viel größer. Zudem ist der visuelle Eindruck nun auch schon ein Jahr her. Der Kontrast der Oberflächendetails war jedenfalls Ende Juli/Anfang August 2018 auch bei dem sehr guten Seeing auf La Palma eher geringer als sonst üblich bzw. Anfang des Jahres 2018 von Deutschland aus zu bewundern, was insbesondere in den letzten Ausarbeitungen nicht mehr so rüberkommt.

Man muss aber auch klar sagen: in manchen Gebieten war der Kontrast nicht soo schlecht und durch die Einlagerung von hellem Staub erheblich besser als gewohnt, d.h. es waren einige Marsdetails zu bewundern, die sich sonst so nicht zeigen. Visuell ist uns das damals aber nicht wirklich aufgefallen. Wir waren wohl zu viel mit Aufbauen und Aufnehmen beschäftigt. Wir haben der visuellen Planetenbeobachtung leider nicht viel Zeit gewidmet, um möglichst viel gutes Filmmaterial zu gewinnen.

LG
Robert

PS: auf der alpo Marsseite gibt es auch schöne visuelle Berichte; der geübte und geduldige Beobachter sieht auf Mars visuell mehr, als man bei ersten eigenen Eindruck glauben möchte; der erste Eindruck ist jedenfalls immer gleißend hell - wir hätten einen Dämpfungs- bzw. Graufilter gebraucht, auch mit 600x!

Bearbeitet von: RobertR am: 16.10.2019 04:35:22 Uhr
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ryo2a
Neues Mitglied im Astrotreff

France
11 Beiträge

Erstellt  am: 10.09.2019 :  18:49:46 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Fantastisch dieser Beitrag

Bearbeitet von: am:
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RobertR
Altmeister im Astrotreff

Österreich
1310 Beiträge

Erstellt  am: 11.10.2019 :  23:40:32 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
N20: Bild ersetzt wegen sichtbaren Hintergrundartefakten

Danke für den Kommentar aus Frankreich!

Es war ja noch der Punkt visueller Eindruck offen. Nach Rü mit Robert Schulz hab ich hier etwas aus seinen Daten zusammengebaut, was meinem subjektivem Eindruck im Okular bei 600x entsprach:


visueller Eindruck Mars zum Zeitpunkt der Opposition - Basis sind reine RGB Daten, die nach weichem Schärfen sogar wieder geglättet wurden

Hier mit dem o.k. von Robert ein paar Eindrücke aus Namibia bearbeitet von mir (Robert Schulz hat seine eigenen Ergebnisse ziemlich komplett auf der alpo Marsseite eingestellt):



Mars mit Phobos am 27.07.2018 UT 22:45:20 Aufnahme Robert Schulz
Namibia/Hakos/IAS 23° 14' Süd, 16° 21' Ost, 1834 m über NN
Cassegrain Lomo/Kellner 500f9 verlängert auf f22 11100mm
Baader RG610 Passfilter (klassischer Mars Rotfilter)
ASI 290MM
30 sec Aufnahme a´4500 Frames, 5,17 ms Belichtungszeit
50% gestackt mit Autostakkert 3
geschärft mit Giotto Mex Hat
geringfügige Histogrammanpassung in Fitswork
originale Aufnahmengröße

So sehen bessere Filme aus Namibia ohne viel Nachbehandlung aus! Der Baader RG610 Passfilter (klassischer Mars Rotfilter) läßt dabei mehr Licht durch als ein normaler R oder der Baader IR685.
Der Baader RG610 ist dabei ein sehr interessanter und kostengünstiger Filter für Marsoberflächendetails bei höherem Planetenstand auch für kleine Teleskope. RG610 ist grundsätzlich ein gängiges Schottfilterglas, welches es schon sehr lange gibt. Aufgrund des niedrigen Standes von Mars auf la Palma hätte der Filter bei uns wohl nur mit ADC funktioniert. Wir hätten einen Bandfilter wie den Astrodon SSDS I Filter 690....820nm für nahes IR haben sollen. Die SSDS Filter sind leider sehr teuer, der gute Ruf von Astrodon nach Verkauf zumindest beschädigt.

Auf Basis von RGB und RG610 oben entsteht dann ohne viel Aufwand ein L(RG610)RGB


Wenn man mehrere gute RG610 Filme addiert, steigt der Kontrast (N20: Bild ersetzt wegen sichtbaren Hintergrundartefakten 16.10.2019).



Wenn man dann auch noch IR dazu mischt und den Kontrast aufdreht, entstehen Bilder wie oben gezeigt und von Thomas Winterer zu Recht in Frage gestellt bzw. mit dem visuellen Eindruck nicht vergleichbar. Machbar ist das mit Robert´s Material ohne Hexerei!

Ganz schlecht waren die Bedingungen auf Hakos/IAS jedenfalls rund um die Opposition auch nicht, die Auflösung mit dem Cassegrain Lomo/Kellner 500f9 im nahen IR in jedem Fall besser als bei uns. Blaukanäle sind mit größeren Teleskopen immer schwierig. Blaukanäle aus Namibia fand ich trotz des hohen Marsstandes in 2019 zur Opposition nicht überzeugend. Das Seeing scheint diesbezüglich auf La Palma am Roque besser gewesen zu sein.

Bin ja gespannt, wie sich das zur Opposition 2020 darstellen wird. Nach jetziger Planung werden Torsten und ich wohl wieder auf die kanarischen Inseln fliegen. Mal schauen, welche Teleskope da von Athos zu mieten sein werden oder ob es wieder mein 14" Newton wird.

LG
Robert



Bearbeitet von: RobertR am: 19.10.2019 17:42:16 Uhr
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Niklo
Altmeister im Astrotreff

Deutschland
5356 Beiträge

Erstellt  am: 12.10.2019 :  08:01:39 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Robert,
danke für die neuen Bilder. Wenn man genau schaut, sind auch da die kleinen Krater zu erkennen. Vermutlich hat/hätt man sie aber nur gesehen, wenn man gezielt danach gesucht hätte oder ein sehr geübter Planetenbeobachter ist?
Die Bilder vom anderen Robert aus Namibia sind auch schön. Ob die größere Öffnung etwas gebracht hat, kann ich nicht sagen. Ab 14" wird die Luft nach oben zu mehr Auflösung vermutlich eh dünn.
Die Frage ist auch, wie sich die Qualtät der Optik bei der Öffnung bemerkbar macht. Orion UK hatte oder hat ja Qualitätsprobleme (gehabt) so dass die Messzettel von Orion UK meist keine verlässliche Aussage geliefert haben. Ich gehe davon aus, dass Du Glück hattest und bei Dir der Sterntest gut war. Zumindest sind die Marsbilder genial
Die Frage ist aber trotzdem, bringt mehr Öffung mittlerer Qualität mehr Details wie z.B. 10", 12" oder 14" mit super Qualität?
Hast Du Vergleichsbilder von Deinem 14" zu Deinem 12" oder 10"? Für mich sind das alles riesige Öffnungen und ich konnte manchmal nichtmal meinen 6" f/8 Newton wegen schlechtem Tubusseeing/Seeing ausreizen, wobei meine Balkone sicher nicht ideal sind.
Servus,
Roland

Freund kleiner und klassischer Teleskope

Bearbeitet von: Niklo am: 12.10.2019 08:07:58 Uhr
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RobertR
Altmeister im Astrotreff

Österreich
1310 Beiträge

Erstellt  am: 12.10.2019 :  12:58:25 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Roland,
größere Krater hätte man wohl gesehen, wenn man gezielt danach gesucht hätte. Wir hatten ja einen Tag mit kaum Wind und super seeing. Wir hatten da bei 600x fast stehendes Bild. Keine wabelnde Planetenscheibe, scharf begrenzter Planetenrand, gerade Mal geringfügige Störungen sind über die Scheibe gelaufen. Wer so etwas selbst noch nie gesehen hat, glaubt das nicht! Hauptproblem auf dem Roque de los Muchachos ist der Wind. Der Tubus bewegt sich dann leicht, was bei unseren sehr kurzen Belichtungszeiten egal war, aber ein entspanntes visuelles Beobachten nicht zuläßt. Für visuelle Beobachtung hätte es zudem visuelle Planetenfilter gebraucht, da Mars auch bei 600x zu hell war.

Zu deinen generellen Fragen ein paar pauschale Antworten aus meiner Erfahrung:
- die Zeit, als das Auge der Kamera überlegen war, ist seit ca. 1998 und dann spätestens mit der Verbreitung preisgünstiger CCD 2005 endgültig vorbei
- die lichtempfindlichen Sensoren sind viel schneller als das Auge und können Seeing teilweise gut einfrieren. Da gibt es sicher noch Fortschritte in den nächsten Jahren zu noch kürzerer Belichtungszeit und noch höheren fps Raten
- mit den Sensoren kann man Bandfilter einsetzen und damit der Lichtbrechung entgegenwirken
- mit aktueller Bildbearbeitung kann man etliches aus wenigstens teilweise brauchbarem Material herauskitzeln, wenn Details in einzelnen Bildsegmenten vorhanden
- Preise für größere Teleskope sind im Vergleich zu früher unter Berücksichtigung der Inflation erheblich gesunken (neu liegt ein perfekter 12"<3000,-€, ein 14"<5000,-, gebraucht gibt es beides billiger, hätte perfekten 12" abzugeben)
- visuell wird ein perfektes kleineres Teleskop immer ein kontrastreicheres Bild abliefern als ein geringfügig größeres schlechteres (Beispiel perfekter 7" Schiefspiegler ist besser als mittelprächtiger 8"Coude-Refraktor)
- bei ausreichend gutem seeing und mit Kamera schlägt die etwas größere Optik immer die kleinere bzgl. Auflösung und Detailerkennung, solange Qualität Optik gleich ist (Beispiel C9 versus 8" Refraktor), visuell ist das nicht unbedingt so
- 8" Newton ist in Süddeutschland für Planeten immer wieder gut nutzbar und liefert gute Qualität in allen Kanälen und auch visuell bis 400x - hab da nun 40 Jahre Erfahrung an verschiedenen Standorten
- 12" Newton ist in Süddeutschland für Planeten ab und zu nutzbar und liefert selten sehr gute Qualität im Blaukanal, ab und zu ist 12" auch visuell gut nutzbar bis 600x, der Sprung von 8" auf 12" ist groß und eindrucksvoll
- 14" Newton ist in Süddeutschland für Planeten selten und nur bei hohem Planetenstand nutzbar und liefert nie sehr gute Qualität im Blaukanal, visuell ist 14" selten nutzbar mit > 600x und im Vergleich zu 12" kein Quantensprung
- Bedingungen auf La Palma am Roque de los Muchachos sind ein Quantensprung zu Süddeutschland selbst für einen langjährigen Planetenbeobachter!

Die Diskussion über ideale Teleskopgröße für Planeten wird schon lange geführt - nördlich der Alpen wird das bei 10...12" liegen, wenn man regelmäßig maximale Auflösung einfahren will. Ich hab nun schon seit 12 Jahren auch 14" und konnte das Gerät erst auf La Palma voll ausreizen. Da war es mir dann fast zu klein...

Was auch zu beachten ist: ein Planetenteleskop gibt es nicht von der Stange. Es macht hier eher Sinn, als weniger begabter Bastler ein bewährtes gebrauchtes Gerät zu kaufen oder die Hilfe eines erfahrenen Teleskopbauers in Anspruch zu nehmen. Das ist bei 8" alles noch kein wirkliches Problem, wird bei immer größerer Öffnung dann immer problematischer. Die Themen sind Justagestabilität, Verspannung der Optik, Tubusseeing (Isolation, Durchmesser, Zwangsströmung, etc.).

Wo der Trend bei der Planetenbeobachtung hingeht, läßt sich vermuten:
- Mietteleskope oder remote Beobachtung an Mietgerät von idealen Standorten aus (die üblichen Verdächtigen oder sogar von Satelliten aus)
- immer mehr Aufwand bei Computer und Kameras anstelle in optischer Hardware
- Einsatz spezieller enger Bandfilter zur Beruhigung der Luftunruhe

Andererseits gönnen sich auch immer mehr Amateure größere Teleskope, 20" ist nun schon häufig zu sehen. Unsere Volkssternwarte hat auf 1 m Spiegel hochgerüstet. Wirklich reisetauglich ist sowas nicht mehr. Für Planetenbeobachtung wird das in den meisten Fällen kein sinnvoller Geldeinsatz sein. Selbstverständlich werde ich den 1 m Spiegel in Verbindung mit IR Band und Passfiltern in 2020 an Mars probieren , wird wohl so enden. Auf La Palma hätte ich gerne mehr als 14"...

LG
Robert

PS: Orion Optics kann gute Spiegel herstellen, sehr gute Spiegel sind bis 10" eher die Regel als Ausnahme. Ein bestimmter Prozentsatz der verkauften Optiken ist sicher nicht ideal zur Planetenbeobachtung geeignet. Da muss man dann auch bei gebrauchten Optiken vorsichtig sein. Ich hab meine guten OO-Optiken direkt beim Hersteller bezogen und extra Preis für extra Qualität bezahlt (you get what you pay for). Hat dann über ein Jahr gedauert bis ich einen jeweils sehr guten Spiegel erhalten habe.

Bearbeitet von: RobertR am: 19.10.2019 18:26:53 Uhr
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Jan_Fremerey
Senior im Astrotreff


168 Beiträge

Erstellt  am: 12.10.2019 :  20:16:58 Uhr  Profil anzeigen  Besuche Jan_Fremerey's Homepage  Antwort mit Zitat
Zitat:
Original erstellt von: RobertR
Die Themen sind Justagestabilität, Verspannung der Optik, Tubusseeing (Isolation, Durchmesser, Zwangsströmung, etc.

Diese Themen spielen kaum eine Rolle bei Teleskopen mit offener Bauweise:





Auch Wind ist hier weniger ein Problem.

P.S. Angesichts des mit einer Expedition auf die Kanaren ohnehin verbundenen Kostenaufwands würde es sich vielleicht lohnen, über den mechanisch und optisch "robusten" Aufbau einer 14"-Kamera der hier gezeigten Art nachzudenken ...

Gruß, Jan

www.astro-vr.de
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Bearbeitet von: Jan_Fremerey am: 13.10.2019 13:00:43 Uhr
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RobertR
Altmeister im Astrotreff

Österreich
1310 Beiträge

Erstellt  am: 13.10.2019 :  15:29:50 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Jan,
wenn ich in diesem Beitrag auf Dein Design tiefer eingehe, verlassen wir das Ausgangsthema endgültig. Ohne Zweifel funktioniert Dein Teleskop bei Dir gut!

Ein paar kurze Anmerkungen kann ich mir nicht verkneifen: Konische Spiegel sind rar. Schön wäre so was mit Ausfräsungen, wenn Spiegel >14". Da steckt dann viel Arbeit im Glasrohling. Als Cassegrain könnte man das in meinen Augen notwendige Filterrad und Motorfokus von hinten einsetzen und alles sehr kompakt halten. Ob man den verbleibenden Tubus zur Halterung des Fangspiegels dann als "Bügelbrett" oder als Gitterrohr ausführt, ist dabei wahrscheinlich Nebenschauplatz, wenn gleichwertig ausgeführt. Bei gleichmäßiger Strömung hat ein nicht vorhandener Tubus sicher große Vorteile. Ein zu enger Tubus ist fast immer schlechter als alles andere. Das ganze wäre ein vielfach aufwendigeres Projekt als unser Standardnewton. Grundsätzlich würde ein solches Teleskop auf La Palma funktionieren.

An meinem Heimatstandort funktioniert ein offener Tubus nicht. Dort habe ich meine geschlossenen und isolierten Tuben noch zusätzlich mit langen Taukappen versehen, um möglichst weit vom Boden wegzukommen. Effekt könnte man natürlich auch alternativ mit sehr hoher Säule erzielen. Irgendwann ist das ganze dann aber nicht mehr transportabel. Ich hab das schon lange Jahre in vielen Varianten probiert.

LG
Robert

Bearbeitet von: RobertR am: 13.10.2019 15:36:41 Uhr
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