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 Tarantelnebel: Eine dicht bevölkerte Nachbarschaft
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Caro
Astrophysikerin

Deutschland
5930 Beiträge

Erstellt am: 30.05.2018 :  14:43:33 Uhr  Profil anzeigen  Besuche Caro's Homepage  Antwort mit Zitat
Der etwa 160.000 Lichtjahre entfernte Tarantelnebel ist das eindrucksvollste Himmelsobjekt innerhalb der Großen Magellanschen Wolke, einer Begleitgalaxie unserer Milchstraße. Das VLT Survey Telescope am Paranal-Observatorium der ESO in Chile hat diese Himmelsregion und ihre reichhaltige Umgebung in feinstem Detail aufgenommen. Das Bild zeigt eine kosmische Landschaft aus Sternhaufen, leuchtenden Gaswolken und den verstreuten Überresten von Supernovaexplosionen. Es ist das schärfste Bild, das je von diesem gesamten Feld gemacht wurde.

Unter Ausnutzung der Kapazitäten des VLT Survey Telescope (VST) am Paranal-Observatorium der ESO in Chile haben Astronomen dieses sehr detaillierte neue Bild des Tarantelnebels und seiner zahlreichen benachbarten Nebel und Sternhaufen aufgenommen. Die Tarantel, die auch als 30 Doradus bezeichnet wird, ist die hellste und energetischste Sternentstehungsregion in der Lokalen Gruppe von Galaxien.

Der Tarantelnebel am oberen Rand dieses Bildes erstreckt sich über mehr als 1000 Lichtjahre und befindet sich im Sternbild Dorado (der Schwertfisch) tief am südlichen Sternhimmel. Dieser atemberaubende Nebel ist Teil der Großen Magellanschen Wolke, einer Zwerggalaxie, die sich über etwa 14.000 Lichtjahre ersteckt. Die Große Magellansche Wolke ist eine der nächstgelegenen Galaxien zur Milchstraße.

Im Zentrum des Tarantelnebels befindet sich ein junger, riesiger Sternhaufen namens NGC 2070, eine Sternenstehungsregion, deren dichter Kern mit dem Namen R136, einige der massereichssten und leuchtkräftigsten bekannten Sterne enthält. Das helle Leuchten des Tarantelnebels selbst wurde erstmals 1751 vom französischen Astronomen Nicolas-Louis de Lacaille aufgezeichnet.

Ein weiterer Sternhaufen im Tarantelnebel ist der viel ältere Hodge 301, in dem schätzungsweise mindestens 40 Sterne als Supernovae explodiert sind und Gas in der gesamten Region verbreiten. Ein Beispiel für einen Supernovaüberrest ist die Superblase SNR N157B, die den offenen Sternhaufen NGC 2060 umschließt. Dieser Sternhaufen wurde erstmals 1836 vom britischen Astronomen John Herschel mit einem 18,6-Zoll-Spiegelteleskop am Kap der Guten Hoffnung in Südafrika beobachtet. Am rechten unteren Rand des Tarantelnebels kann man die Position der berühmten Supernova SN 1987A ausmachen [1].


Die reichhaltige Region um den Tarantelnebel in der Großen Magellanschen Wolke. Bild: ESO

Auf der linken Seite des Tarantelnebels sieht man einen hellen, offenen Sternhaufen namens NGC 2100, der eine helle Konzentration blauer Sterne aufweist, die von roten Sternen umgeben sind. Dieser Sternhaufen wurde 1826 vom schottischen Astronomen James Dunlop bei seiner Arbeit in Australien mit seinem selbstgebauten 9-Zoll-Spiegelteleskop (das entspricht einem Durchmesser von 23 cm) entdeckt.

Im Zentrum des Bildes steht der Sternhaufen und Emissionsnebel NGC 2074, eine weitere massereiche Sternentstehungsregion, die von John Herschel entdeckt wurde. Bei genauerem Hinsehen erkennt man eine dunkle, seepferdchenförmige Staubstruktur - das "Seepferdchen der Großen Magellanschen Wolke". Dabei handelt es sich um eine gigantische Säulenstruktur, die etwa 20 Lichtjahre lang ist - fast fünfmal so lang wie die Entfernung zwischen der Sonne und dem nächsten Stern, Alpha Centauri. Die Struktur ist dazu verdammt, in den nächsten Millionen Jahren zu verschwinden, denn sobald sich in dem Sternhaufen mehr Sterne bilden, werden ihre Strahlung und ihre Winde langsam die Staubsäulen wegblasen.

Dieses Bild war nur dank der speziell entwickelten 256-Megapixel-Kamera OmegaCAM möglich. Das Bild wurde aus OmegaCAM-Einzelaufnahmen durch vier verschiedene Farbfilter erzeugt, darunter ein Filter zur Isolierung des roten Leuchtens von ionisiertem Wasserstoff [2].

Fußnoten
[1] SN 1987A war die erste Supernova, die mit modernen Teleskopen beobachtet wurde und die hellste seit Keplers Supernova im Jahr 1604. SN 1987A war nach ihrer Entdeckung am 23. Februar 1987 über mehrere Monate hinweg 100 Millionen Sonnenleuchtkräfte hell.
[2] Die H-alpha-Emissionslinie ist eine rote Spektrallinie, die entsteht, wenn das Elektron in einem Wasserstoffatom Energie verliert. Dies geschieht im Wasserstoff in der Umgebung heißer junger Sterne, wenn das Gas durch intensive ultraviolette Strahlung ionisiert wird und sich die Elektronen anschließend wieder mit den Protonen zu Atomen verbinden. Die Fähigkeit von OmegaCAM, diese Linie zu erkennen, erlaubt es Astronomen, die Physik von Riesenmolekülwolken zu charakterisieren, in denen sich neue Sterne und Planeten bilden.

Weitere Infos, Bilder und Videos auf den Seiten der ESO unter https://www.eso.org/public/germany/news/eso1816

Bearbeitet von: am:

blende8
Mitglied im Astrotreff


41 Beiträge

Erstellt  am: 31.05.2018 :  12:17:04 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Sehr schön!

Das Wort "Riesenmolekülwolken" in Fußnote 2 stach mir ins Auge.
Man kann es auf 2 verschiedene Weisen auffassen:
Riesenmolekül-Wolken
oder
Riesen-Molekülwolken.

:-)

Bearbeitet von: am:
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Caro
Astrophysikerin

Deutschland
5930 Beiträge

Erstellt  am: 31.05.2018 :  12:49:10 Uhr  Profil anzeigen  Besuche Caro's Homepage  Antwort mit Zitat
Tja, der Fachmann verwendet halt nur das englische Giant Molecular Clouds (und keine Giant Molecule Clouds )

Ich bin ja schon froh, wenn die Leute heutzutage im Deutschen überhaupt Bindestriche setzen, wenn sie meinen, Komposita trennen zu müssen, insofern: Feel free...

Viele Grüße
Caro

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