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TGM
Meister im Astrotreff

Deutschland
810 Beiträge

Erstellt am: 05.09.2017 :  23:29:33 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo zusammen,


Ferngläser sind schon fast ein Teil des Alltages, sie erfreuen nicht nur beim Blick zum Mond und Milchstrasse, sondern praktisch bei jedem Ausflug, beim Beobachten vom Raubvogel im Park oder eines im Hafen einlaufenden Schiffes.

Um so schwieriger ist es ein Glas zu finden, das alles möglichst gut abdeckt, mir ist die bisher nicht gelungen und ich möchte ein paar subjektive Eindrücke von meiner Suche weitergeben.

Hier die 6 Teilnehmer des Vergleichs:

1. Leica Trinovid 8x20, mit 235 g ein immer dabei Glas, 110 m Gesichtsfeld
2. Zeiss Dialyt 7x42, Baujahr~ 2000, 150 m Gesichtsfeld, 800 g
3. Marox 8x32, Baujahr ~1960, dieses Glas aus deutscher Produktion, ein Erbstück, ~125 m Gesichtsfeld, sehr schlanke handliche Bauform dank damals ungewöhnliche Prismen
4. Canon IS 10x42 ED, mit Bildstabilisator, 114 m Gesichtsfeld bei ~1100 g

letzten Monat kamen fast zeitgleich dazu:

5. Celestron Granite 7x33 ED, 600 g, 159 m Gesichtsfeld
6. Zeiss Victory Pocket 8x25, ebenfalls 'immer dabei Glas' mit 290 g, 130 m Gesichtsfeld,

Wie kam es dazu?
Mit dem Celestron 7x33 ED hatte ich schon seit längerer Zeit geliebäugelt (Armin, danke für ein Hinweis) , da es von allen Qualitätsgläsern wohl das größte Gesichtsfeld besitzt. Kaum hatte ich es bekommen, ergab sich die Gelegenheit durch das brandneue Zeiss Victory Pocket zu blicken, und es war sofort klar, dass das Trinovid dem kaum größeren Zeiss als 'immer dabei Glas' weichen muss. Hier nun meine Eindrücke, sie basieren auf Frei-Hand-Beoabachtung, ich benutze Ferngläser praktisch ausschließlich ohne Stativ.

Beim Kontrast und Brillianz können die beiden älteren Gläser, das Marox 8x32 und das Zeiss Dialyt 7x42 nicht mithalten, der Unterschied fällt aber nur beim direkten Vergleich mit den neuen Gläsern und bei kontrastreichen Motiven auf. Besonders deutlich sieht man den Unterschied wenn man dunkle Objekte beobachtet, z.B. wenn die tiefstehende Sonne nicht sehr weit vom Gesichtsfeld steht. Vermutlich besitzen die neuen Gläsern effektivere Blenden und bessere Vergütungen. Möglich wäre auch, dass es sich bei meinen Gläsern nur um individuelle Schwächen handelt.

Unter einem dunklen Landhimmel (z.B. Schildwolke im Adler mit M11) nehmen sich das Zeiss 8x25, Marox 8x32, das Granite 7x33, sowie das Zeiss 7x42 nicht sehr viel, am auffälligsten sind die unterschiedlichen Gesichtsfelder (das Trinovid mit 110 m bei 8x fällt hier stark ab). Das Granite 7x33 hat leider die stärkste Randunschärfe, doch noch nicht störend, hier ist das Zeiss Dialyt sichtbar besser, auch wirkt das Gesichtsfeld kaum kleiner. In der Bildmitte sehe ich keine nennenwerten Unterschiede, allerdings sind die ED Gläser frei von jeden Farbsäumen. Das Bild des Granite ist natürgemäß etwas dunkler als das des Dialyts doch empfinde ich dies kaum als Nachteil. Tagsüber wirkt das Bild des Granites etwas wärmer als das des Victorys und des Canons.

Am Himmel und auch sonst spielt das Canon IS 10x42 mit Bildstabilisator in einer ganz anderen Liga. Sobald man den Bildstabilisator einschalten sieht man viel schwächere Sterne und auch Strukturen, die man vorher nie war genommen hat. Wenn man den Namen eines Schiffes lesen will, dann merkt man plötzlich wie erheblich der Detailverlust bei Frei-Hand-Beobachtung ist. Dies lässt sich grob abschätzen:

( https://www.cloudynights.com/topic/569833-effects-of-magnification-and-handheld-binocular-shaking-on-detectable-resolution/)

danach ergibt sich die effektive Vergrößerung zu Veff= V/(1+0.05V) für 7, 8, 10 facher Vergrößerung also nur 5,1 fach, 5,7 bzw. 6,7 fach. Ein 10x Glas mit Bildstabilisator besitzt danach gegenüber einem 7x Glas aus freier Hand eine fast doppelte effektive Vergrößerung, der Schritt von 7x auf 10 x ist deutlich kleiner als der Wechsel bei 10x zwischen mit/ohne Bildstabilisator. Dies es deckt sich mit meinen Eindrücken.

Mein Fazit, dank des Bildstabilisators zeigt das Canon viel mehr Details als jedes andere Glas, auch bei der Randschärfe liegt es vorne, leider ist es halt sehr schwer und klobig. Für Vogelbeobachtung und vieles andere ist es das optimale Glas. Mit dem Victory 8x25 Pocket ist Zeiss das Kunststück gelungen ein extrem kompaktes, leichtes, vollwertiges, optisch hervorragendes Glas zu schaffen. Wenn Zeiss auch noch ein 6x25 mit entsprechend größerem Gesichtsfeld auf den Markt brächte, fände ich das perfekt, dann würde ich mich nicht nur von dem Dialyt sondern auch dem Granite trennen. Leica legt momentan die Trinovid Serie (7x35- 10x40) mit neuen Gläser und Zutaten auf, vielleicht kommt ja auch einen moderne Version des legendären 6x24 Glases mit 210 m / 11 Grad Gesichtsfeld! Beides reichlich unwahrscheinlich, der Markt für hochwertige Gläser mit geringer Vergrößerung und dementsprechend großem Gesichtsfeld scheint sehr klein zu sein. So bleiben neue Versuchungen erspart nachdem ich gerade ein gute Kombination gefunden habe.

Viel Spaß bei Lesen,

Beste Grüße

Thomas





Bearbeitet von: TGM am: 07.09.2017 10:11:26 Uhr

vertigo
Altmeister im Astrotreff

Deutschland
2425 Beiträge

Erstellt  am: 05.09.2017 :  23:51:04 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Danke für den schöner Bericht Thomas,

diese Beobachtung kann ich allerdings nicht nachvollziehen...
"Unter einem dunklen Landhimmel (z.B. Schildwolke im Adler mit M11) nehmen sich das Zeiss 8x25, Marox 8x32, das Granite 7x33, sowie das Zeiss 7x42 nicht sehr viel",

Wie kann denn ein 8x25, 8x32 oder 7x33 mit der deutlich größeren Öffnung des 42ier mithalten, dazu kommt die größere AP die doch deutlich mehr Licht ins Auge läßt und somit die Wahrnehmung vergrößert?

Stimmt Leica hat das olle Trinovid wiederbelebt, im Jülichforum war das Tollhaus los, die Leute haben vor Aufregung die letzten Nächte nicht geschlafen!
Das 7x35 Trinni könnte vielleich nochmal den Nostalgiefaktor wecken obwohl es optisch wohl nicht on top sein dürfte, ob Leica sich aber mit dem 8x40 u. 10x40 Trinni einen Gefallen getan hat?
Ein 6x Glas wird wohl nicht mehr kommen?!

Übrigens, das Zeiss 8x25 würde mich auch interessieren auch wenn ich kein Taschenfernglasfreund bin hat es doch wenigstens ein gutes Gesichtsfeld ganz anders als die anderen Taschengläser. Wie ist die Randschärfe bei dem Glas?
Höhere Brillanz erreicht man allgemeinen bei höheren Transmissionswerten und durch gute Fremdlichtabschirmung, wobei Brillanz ein etwas schwammiger Begriff ist worunter viele was verschiedenes verstehen.

Andreas

Bearbeitet von: vertigo am: 05.09.2017 23:53:37 Uhr
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TGM
Meister im Astrotreff

Deutschland
810 Beiträge

Erstellt  am: 06.09.2017 :  18:52:42 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Zitat:
Original erstellt von: vertigo



Wie kann denn ein 8x25, 8x32 oder 7x33 mit der deutlich größeren Öffnung des 42ier mithalten, dazu kommt die größere AP die doch deutlich mehr Licht ins Auge läßt und somit die Wahrnehmung vergrößert?




Hallo Andreas,

ich hatte von dem Zeiss Dialyt 7x42 eigentlich auch etwas mehr erwartet, doch der Unterschied am Himmel ist gering, das Bild ist etwas heller als das vom 7x33 Granite, ich hatte nicht den Eindruck, mehr  d.h. schwächere Sterne zu sehen.   Im Grund ist es aber nicht so verwunderlich, dass alle vier Gläser (7x33, 7x42, 8x25, 8x32) dicht bei einander liegen: Die Vergrößerung der Öffnung bringt bei der Wahrnehmung von schwachen Sternen nicht sehr viel wenn die Vergrößerung nicht mit entsprechend angepasst wird, die Austrittspupille also konstant bleibt.

Für Dich und viele Andere sicherlich alte Hüte, die Leistungsfähigkeit eines Glases bei schwachem Licht kann durch verschieden Kennzahlen (z.B. Dämmerungsleistung) charakterisiert werden.  Eine neue Kennzahl, der Index nach Frankhausen ist laut Holger Merlitz

http://www.juelich-bonn.com/jForum/read.php?9,428427

besonders geeignet und er erlaubt es auch den Gewinn an Grenzgrößenklasse zu berechnen, und er stimmt auch mit Beobachtungen gut überein (siehe Diagramm in dem Link). Der 'Frankhausenindex' If skaliert mit

If   = (m^2 x D)^2/3  
wobei m die Vergrößerung und D der Objektivdurchmesser ist. Rechnet man dies durch (siehe Beitrag Beat Frankenhausen auf Cloudy Nights, https://www.cloudynights.com/articles/cat/articles/a-new-performance-index-for-binoculars-r2990)

kommt man zu dem Ergebnis, dass die Grenzgröße von 8x25 und 7x33 praktisch identisch ist (7x33 0.02 mag besser), der Unterschied zwischen 8x32 und 7x42 ist sogar noch geringer (gleiche Transmission vorausgesetzt). Ein 7x42 Glas zeigt 0,17 mag schwächere Sterne als ein 8x25 oder 7x33. Das fällt kaum ins Auge, wie viele Sterne befinden sich überhaupt im Gesichtsfeld die 0,2 mag schwächer sind?

Das 10x42 Glas bildstabilisiert hebt sich sehr deutlich ab, es  sollte 1.2 mag schwächere Sterne zeigen als 8x32 aus freier Hand, davon geht die Hälfte (0.6 mag) auf das Konto der Bildstabilisierung (für den Vergleich habe ich bei 8x32 die o.g. effektive Vergrößerung eingesetzt). Dies sieht man deutlich, sobald man den Bildstabilisator aktiviert, werden eine ganze Reihe zusätzlicher, schwacher Sterne sichtbar.

Das Dilemma aller Beobachtung aus freier Hand, nicht nur die Auflösung sondern auch die Grenzgröße hängt stark von der Vergrößerung ab, doch die effektive Vergrößerung ist bereits bei einem 10x Glas beträchtlich reduziert. Echte 'Astrogläser' gehören daher meiner Meinung nach auf ein Stativ, dann wünscht man sich natürlich auch gleich einen 90 Grad Einblick.

Zu deiner Frage zum neuen Zeiss Vicktory 8x25 Pocket, sicher zeigt es leichte Unschärfe am äußersten Bildrand, doch nur das Canon mit Bildebnungslinse übertrifft es hier. Als Taschenglas macht es sich am Himmel bemerkenswert gut, es wäre interessant es mal mit einem Top 8x32 Glas zu vergleichen.


beste Grüße

Thomas

p.s.

ich habe mir nochmal die Abschätzung zur Grenzgröße der verschiedenen Gläser angeschaut und auch das Link zu dem Beitrag von Holger Merlitz. Mancher mag sich auch schon gewundert haben, wieso die Grenzgröße von dem Produkt aus der Vergrößerung zum Quadrat und dem Durchmesser des Objektives abhängigen soll. Dies ist sicherlich nicht das Hauptthema hier, es macht nur mal wieder deutlich dass, man bei der Verwendung von Weblinks vorsichtig sein sollte. Bei Teleskopen wurde die Grenzgröße hier bereits intensiv disktutiert,

http://www.astrotreff.de/topic.asp?TOPIC_ID=184413

dort findet sich ein Link zu einem Programm

http://www.cruxis.com/scope/limitingmagnitude.htm

bei dem die Grenzgröße von dem Produkt aus Öffnung und Vergrößerung abhängt, zumindest solange das Seeeing vernachlässigt werden kann, was bei Ferngläsern sicherlich der Fall ist.

Nimmt man diese Skalierung, werden sich die Zahlen sicherlich etwas ändern, doch die Schlussfolgerung bleibt im wesentlichen bestehen



Bearbeitet von: TGM am: 07.09.2017 10:15:23 Uhr
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vertigo
Altmeister im Astrotreff

Deutschland
2425 Beiträge

Erstellt  am: 07.09.2017 :  14:52:33 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Thomas,

ich bin jetzt kein Physiker deshalb musste ich mich jetzt einigermaßen quälen um der Diskussion im Jülich Forum folgen zu können.
Aber...ist das ganze nicht auch sehr theoretisch, nicht umsonst werden die Modelle ja selbst als "theoretisch" bezeichnet.

In der Praxis habe ich tatsächlich subjektiv andere Erfahrungen gemacht, ein Vergleich zwischen einem Zeiss Victory 7x42 T*FL und einem Zeiss Victory 8x32 T*FL zeigt mir im ersteren Glas mehr Sterne, vorausgesetzt der Himmel ist dunkel genug sodass ich die 6mm AP. des 7x42 voll nutzen kann.
Der Unterschied ist vielleicht nicht weltbewegend aber für mich deutlich erkennbar.
Einwenden könnte man eventuell noch dass das Zeiss 7x42 über Abbe-König Prismen verfügt, (dass 8x32 Schmidt-Pechan) die gegenüber dem 8x32 ca 3-4% mehr Transmission aufweisen, aber erklärt das einen deutlichen Wahrnehmungsunterschied?
Mit einer 6mm AP. gelangt doch mehr Licht ins Auge als mit einer 4mm AP. folglich sollte die Wahrnehmung doch größer sein?
Deshalb ist es trotz "theoretischer Modelle" für mich etwas irritierend das der Unterschied zwischen einem 8x25 und einem 7x42 Glas unter dunklem Landhimmel nicht schon einigermaßen deutlich ausfällt und sich nur an den GF. äußert.

Andreas

Bearbeitet von: am:
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TGM
Meister im Astrotreff

Deutschland
810 Beiträge

Erstellt  am: 07.09.2017 :  17:41:01 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Andreas,

ich kann deinen Einwand gut nachvollziehen, ich habe mich auch gewundert, dass das Zeiss Dialyt mit 42 mm öffnung sich nicht stärker vom 8x25, 8x32 und 7x33 absetzt, die Abschätzung mit den Modellen in den beiden o.g. Links scheinen mir eine Erklärung, doch nachdem ich mir das länger angeschaut habe kommen mir hier auch Zweifel

Zur Beobachtung, das Bild im 7x42 war deutlich heller als das der anderen Gläser, besonders natürlich vom 8x25, doch ich hatte nicht den Eindruck deutlich mehr zu sehen, also Strukturen in der Milchstrasse und / oder schwächere Sterne. Da mag vieles zusammen kommen, die Schildwolke mit M11 ist möglicherweise kein geeignetes Objekt, es gibt nicht genügend Sterne in dem kritischen Bereich, die unaufgelösten Sterne geben einen recht hellen Hintergrund, sie stand nicht optimal (ich schätze nur 30-40 Grad hoch). Dann, die Transmission des Dialyts ist deutlich kleiner als die der ganz neuen Gläser (würde mich allerdings wundern, denn das Dialyt wurde besonders wegen seiner sehr hohen Transmission gelobt). Ich will das zum Anlass nehmen, bei passender Gelegenheit nochmal zu vergleichen.


beste Grüße

Thomas

Bearbeitet von: TGM am: 07.09.2017 17:43:21 Uhr
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vertigo
Altmeister im Astrotreff

Deutschland
2425 Beiträge

Erstellt  am: 07.09.2017 :  18:48:02 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Thomas,

wenn Dein Dialyt Baujahr 2000 ist hat es doch schon die Phasenkorrektur, darum sollte es über eine große Transmissionsleistung verfügen, das Nachfolgemodell eben das Zeiss Victory 7x42 T*FL dürfte mit den heutigen Zeiss Victory HT sicher mithalten und wäre damit eines der hellsten Dachkantgläser.
Ich habe das Zeiss intensiv gegen ein Fujinon FMT 7x50 verglichen und es kann was die Transmission angeht ziemlich gut mithalten obwohl letzteres ein Porroglas ist.
Das Dialyt dürfte dem nicht viel nachstehen zumal es meines Wissens auch über Abbe-König-Prismen verfügt?!
Würde mich jetzt erstauen wenn das neue Victory 8x25 über mehr Transmission verfügen würde obwohl es neuer ist.
Hast Du schon mal umgekehrt durchs Dialyt geschaut ob sich eventuell leichter Belag auf den Prismen gebildet hat.
Ist allerdings manchmal von außer schwer zu sehen aber selbst geringer Belag kann die Transmission erheblich vermindern.

Andreas

Bearbeitet von: vertigo am: 07.09.2017 18:49:15 Uhr
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TGM
Meister im Astrotreff

Deutschland
810 Beiträge

Erstellt  am: 08.09.2017 :  08:31:11 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
sorry, dies hatte ich versehentlich überschrieben:


Hallo Andreas,

danke für deine Anregung. Ich denke die Transmission des Dialyts scheint mir o.k.. Ich habe mit den Test mit dem einem weißen Papier gemacht, durch das Obektiv auf das Papier in einiger Entfernung geschaut. Danach hat das Victory Pocket die höchste Transmission, dann mit geringem Abstand auf gleichen Niveau, das Trinovid, Dialyt und Canon IS. Das Granite hat eine minimal geringer Transmission mit leichtem gelb/braunton und dann folgt etwas dunkler das Marox 8x32.

Beste Grüße

Thomas


Bearbeitet von: TGM am: 09.09.2017 18:13:17 Uhr
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TGM
Meister im Astrotreff

Deutschland
810 Beiträge

Erstellt  am: 09.09.2017 :  18:11:14 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat

So, nun zum Abschluss noch ein paar Fotos und Bemerkung zu den verschiedenen Gläsern.
Den Anfang machen das Leica Trinovid 8x20 und das Zeiss Victory Pocket 8x25.



Das Trinovid 8x20 ist neben dem Ultravid 8x20 wohl das kleinste und leichteste (235g) hochwertige Glas auf dem Markt, ich hatte es mir 2011 als Ergänzung zum Canon IS - damals 15x45 - in einem Leicaladen erworben und seinerzeit auch mit dem Ultravid verglichen. Beide Gläser erschienen mir sehr ähnlich, laut Leica besitzt das Ultravid eine noch etwas bessere Transmission ist aber deutlich teurer. Wie das Ultravid ist es 'der' Prototyp eines Taschenglases, kleiner geht es kaum, es passt locker in eine Jackentaschen und ich habe es praktisch bei jedem Spaziergang dabei. Die extrem geringen Abmessung haben einen Preis, mit 113 m/1000 bzw. 51 Grad ist das Gesichtsfeld doch sehr knapp.

Jetzt werde ich mich von diesem guten Gefährten wohl trennen, denn im August ergab sich die Gelegenheit beim lokalen Optikladen durch das brandneue Zeiss Victory Pocket zu blicken, und ich konnte nicht widerstehen: Sicherlich ist es etwas größer, minimal schwerer (55g) doch es passt ebenso trotz des viel größeren Gesichtisfeldes in praktisch jede Jackentasche. Bei einem Gesichtsfeld von 130 m/1000 bzw. 60 Grad liegt es fast auf dem Niveau der klassischen 8x32 Gläser. Mitten- und Randschärfe sind tadellos. Der Bildton eher kühl /neutral die Transmission scheint mir die höchste von allen hier verglichenen Gläsern zu sein, dank ED-Glas ist es frei von Farbsäumen.



Bei der Einstellung des Augenabstandes unterschieden sich die Gläser, das Trinovid besitzt zwei Gelenke, dadurch wird es extrem komapkt. Wenn man es schnell aus der Tasche holen will um einen plötzlich auftauchenden Vogel zu betrachten, kann es allerdings manchmal länger dauern als man möchte. Beim Victory geht dies schneller, das asymmetrische Design ist ebenfalls sehr kompakt, doch sicher nicht jedermanns Geschmack. Die Tasche finde ich nicht optimal, zu groß und zu sperrig, da muss noch ein leichter, gepolsterter Beutel her. Natürlich ist das Pocket Victory kein Astroglas, doch ich war überrascht, wie viel es am Himmel dank des für ein Taschenglases großen Gesichtsfeldes zeigt, von Korsika aus die südliche Milchstrasse mit dem Laguennebel, schön anzusehen.

Soweit erst mal, es ist vielleicht der erste deutschsprachige Bericht über das Victory 8x25 und ich beantworte gerne Fragen.

Beste Grüße

Thomas

Bearbeitet von: TGM am: 09.09.2017 18:15:27 Uhr
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Boetschge
Neues Mitglied


8 Beiträge

Erstellt  am: 09.09.2017 :  22:04:40 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Thomas,
ich poste nur sehr selten,bin eher der Typ "stiller Mitleser".
Dein Thread hier finde ich sehr interessant,denn ich bin seit geraumer Zeit auf der Suche nach
einem leichten,kompakten und klasse abbildendem Glas fürs immerdabeihaben.
Also,wenn Du nach einem Abnehmer für das Trinovid suchst...würde ich mich über eine Mail von Dir freuen! :-)
Das wäre dann marc75- ätt web.de

Viele Grüße und CS,Marc

Bearbeitet von: am:
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TGM
Meister im Astrotreff

Deutschland
810 Beiträge

Erstellt  am: 10.09.2017 :  11:47:35 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Sorry, hatte versehtentlich folgende Zeilen überschreiben:

Hallo Marc,

als ich schrieb, dass ich mich von dem Trinovid trenne werde, war das erstmal nicht als Verkaufsofferte gedacht, doch ich will mich in der Tat trennen und schicke dir eine private Mail.

Gruß

Thomas


Jetzt geht es weiter:

Das Marox 8x32 ist ein Glas von dem ich mich mit Sicherheit nicht trennen werde, ich bekam es als Jugendlicher von meinem Vater geschenkt und es war für viele Jahre mein einziges Fernglas. Ich beziehe es hier in den Vergleich mit ein als Anhaltspunkt wie groß bzw. klein Unterschiede zwischen Ferngläsern sind und was sich in den lezten Jahrzehnten hier getan hat. Meine Wertung ist natürgemäß subjektiv, ein Urteil über Ferngläser hängt nicht nur von den eigenen Maßstäben, sondern auch den Augen, Sehgewohnheiten und der Verwendung ab.



Rechts im Bild das Marox 8x32, links ein Tourex 7x28 das noch etwas früher, in den 50iger Jahren hergestellt wurde. Das Marox kam kurz vor der Leica Trinovid Serie auf den Markt und ist bereits ein recht modernes, wenn auch wenig verbreitetes Glas. Es basiert auf einem Penta-Dachkant-Prisma, ähnlich dem in den frühen Hensoldgläsern verwendeten Prisma.



Dieses Prisma (oben im Bild, davor links das 7x28, rechts das 8x32 Glas) gestattet besonders geringe Abmessungen ohne Verwendung verspiegelter Flächen. Zumindest die Frontlinsen scheinen mir Mehrschicht 'vergütet'. Bis auf die Randschärfe überzeugt dieses Glas mit ~125 m/1000 m Gesichtsfeld, natürlich reicht das Bild nicht an heutigen Spitzengläser heran, was dies konkret vor allem für die Himmelsbeobachtung bedeutet, darauf komme ich später nochmal zurück.
Das Marox gehört zu einer Serie von 6x24 bis 10x40/11x32 Gläsern, die alle sehr kompakt sind , hier mal der Vergleich zwischen dem Tourex 7x28 und dem aktuellen Leica Trinovid 8x 20.





Bei der Randschärfe, Kontrast und auch Gewicht kann das Tourex (410 g) mit dem Trinovid nicht mit mithalten, es hat nur sehr einfache Okulare und MgF2 Vergütung, das größere und etwas später gefertigte ebenfalls sehr kompakte Marox 8x32 spielt deutlich in einer anderen Liga.


Meines Wissens fertigt momentan kein Hersteller so eine Serie die bereits bei 6x24 beginnt, eigentlich schade, Gläser mit geringer Vergrößerung fehlen im Top-Segment fast vollständig.

Beste Grüße

Thomas

Bearbeitet von: TGM am: 13.09.2017 10:14:39 Uhr
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TGM
Meister im Astrotreff

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810 Beiträge

Erstellt  am: 16.09.2017 :  15:18:07 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Etwas off topic, noch eine Ergänzung zum Thema kleiner Ferngläser, die Kunst sie zu fertigen ist schon recht alt:



Hier ein Vergleich zwischen dem aktuellen Leica Trinovid 8x20 und dem Theatis von 1920, einem 3,5x15 Glas, ein Vorläufer der Serie um das Marox 8x32 Glas. Es basiert auf einem modizierten Leman-Sprenger Prisma, dadurch wurde es besonders kompakt, das Gesichtsfeld ist allerdings recht eng. Damals gab es noch keine Entspiegelung, doch tagsüber kann man dennoch etwas mehr als mit einem doppelt so schweren und viel größeren Vixen 'Gucki' mit 2.3 x Vergößerung erkennen., Das Theatis wurde später auch von Zeiss (VEB Carl Zeiss) bis 1980 gefertig.

Die sehr kompakte Form wird besonders in der Seitenansicht deutlich:




Offensichtlich haben sich derartige Mini-Gläser auch als Theaterglas nicht neben Galileischen Ferngläsern behaupten können, auch wenn Letzere prinzipbedingt immer ein recht enges Gesichtsfeld haben, vor allem bei etwas höheren Vergrößerung.

In Kürze dann wieder in die Gegenwart und zum Celestron Granite 7x33.


Beste Grüße

Thomas

Bearbeitet von: TGM am: 16.09.2017 15:19:44 Uhr
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TGM
Meister im Astrotreff

Deutschland
810 Beiträge

Erstellt  am: 17.09.2017 :  15:29:05 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Es hat etwa zwei Jahre gedauert, bis ich mich schließlich entschieden hatte das Granite 7x33 ED anzuschaffen, Armin (Alpha SCO) hatte über das Glas sehr positiv geschrieben. Der zentrale Aspekt, das Granite besitzt eines der größten absoluten Gesichtsfelder, 159m/1000 m bzw. 9.1 Grad, es sollte eine Weitwinkelergänzung zum Canon 10x42 IS sein. Ich hatte auch das preisgünstige Nikon 7x35 mit Porroprismen ins Auge gefasst, doch dann in Berichten gelesen, dass nicht alle Linsen Mehrschicht vergütet sind. Vixen bietet seit kurzem ein 6.5x32 speziell für Astroánwendungen an, doch das Gesichtsfeld ist sogar kleiner als das des Granites, für Tagesbeobachtungen ist es weniger geeignet, die Entfernung muss mit beiden Okularen einzeln eingestellt werden. Auch das vielfach sehr gelobte Nikon 8x30 EII Weitweinkelglas befand sich auf meiner Liste.


Das Celestron Granite 7x33 ED im Vergleich mit dem Marox, das viel größere Gesichtsfeld geht zu Lasten der Kompaktheit

Nun zum Granite, mir gefällt es sehr gut, das Bild ist in der Mitte sehr scharf und kontrastreich, sehr schönes Einblickverhalten, die Augenmuscheln lassen sich in mehren Stufen einrasten. Das Bild hat einen leicht warmen, gelblichen Ton, tagsüber finde ich dies sehr angenehm, nachts sollte sich dies durch minimal geringere Grenzgröße bemerkbar machen, doch dafür müsste ein anderes 7x33 Glas zur Verfügung stehen. Die Randschärfe ist von den her diskutierten Gläsern (Trinovid 8x20, Victory 8x25, Marox 8x32, Dialyt 7x42, Canon 10x42 IS ) am geringsten, doch tagsüber stört mich dies kaum. Bei der Randunschärfe spielt natürlich auch das scheinbare Gesichtsfeld eine Rolle, und das ist beim Granite sehr groß. Nachts ist die Randschärfe dann schon fast grenzwertig, sie fällt besonders auf wenn man mit dem Glas über den Himmel schwenkt. Hier ist das Granite am Rand deutlich unschärfer als das Dialyt 7x42. Der Unterschied im Gesichtsfeld zwischen Granite und Dialyt ist minimal (9,1 gegenüber 8,6 Grad), das fällt mir überhaupt nicht auf und so gesehen, hätte sich die Anschaffung nicht gelohnt, würde mir das Granite nicht tagsüber so gut gefallen, das Bild ist kontrastreicher als das des Dialyts. Dies kann allerdings auch daran liegen, dass mein Dialyt leichte altersbedingte Schwächen hat.



Links das Victory Pocket 8x25 rechts das Granite 7x33.

Tagsüber scheint mir die Schärfe des Granites und des Victory Pockets besser als die des Marox 8x32 und auch des Dialyts zu sein (freihändiger Vergleich), dennoch sehe ich mit dem Dialyt minmal mehr Details, z.B. Gräser vor einem dunklen Bausstamm oder Blumenblüten. Dies liegt vermutlich daran, dass es sich auf Grund des höheren Gewichts (Mase 810 g) und der größeren Baulänge ruhiger halten lässt. In seinem wirklich lesenswerten Buch schreibt Holger Merlitz, dass empirische Untersuchung ergeben haben, dass 800 g optimal sind um ein Fernglas zitter- und ermüdungsfrei zu halten. Die leichten Gläser, vor allem das Trinovid 8x20 aber auch das Victory Pocket sind hier im Nachteil. Es kling etwas paradox, dass man deutlich erkennt, dass die Gläser unterschiedlich scharf sind, dass man aber mit den schärferen trotzdem nicht signifikant mehr sieht. Meine Erklärung, man nimmt zwar Unterschiede in der Schärfeleistung wahr, doch die höhere Schärfe nützt einem nichts weil das Gehirn nicht hinterherkommt, die Bilder korrekt zusammenzusetzen. Wenn es darum geht Details aufzulösen nehmen sich die vier Gläser kaum etwas. Sicher, das Bild des Victory und des Granite wirkt kontrastreicher und schärfer, besonders bei sonnigem Wetter fällt dies auf, doch in der Praxis wenn es darum geht einen weit entfernten Vogel zu identifizieren oder den Namen eines einlaufenden Fährschiffes zu lesen hilft dies nicht wirklich. Wie gesagt, alles meine subjektiven Eindrücke, durchaus möglich, dass andere zu anderen Ergebnissen und Schlussfolgerungen kommen.

Unter dem Strich, das Granite 7x33 ist ein tolles Universalglas zu einem moderaten Preis, eine sehr gelungene Kombination von sehr großem Gesichtsfeld, sehr guter Mittenschärfe, angenehmen Einblickverhalten, nicht zu leicht und nicht zu schwer.

Beste Grüße

Thomas

Bearbeitet von: TGM am: 17.09.2017 19:07:25 Uhr
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