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Seite: von 4

PeJoerg
Altmeister im Astrotreff


1083 Beiträge

Erstellt  am: 04.07.2016 :  11:17:34 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Stathis,
auch wenn mir mein blöder Rechner nur abgehackte Bilder zeigt, die Geräuschkulisse ist da. Klingt gut.
Da du das Kratzen noch als laut wahrnimmst, hast du im Umkehrschluss beim Flexen immer schön auf den Gehörschutz geachtet. Sehr vorbildlich.
Viele Grüße
Jörg

Ausrüstung: Mehr als ausreichend, aber nie ganz zufriedenstellend.

Bearbeitet von: am:
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MartinB
Altmeister im Astrotreff

Deutschland
3244 Beiträge

Erstellt  am: 04.07.2016 :  17:31:59 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
(==>)Jogi:
Zitat:
Die Sphäre bei den beiden Herren ist aber schon schön auspoliert
Leider mit falschem Vorzeichen beim Krümmungsradius. Für asronomische Zwecke völlig untauglich, auch Versilbern hilft da nix. Zur Not vielleicht als Sekundärspiegel beim Cassegrain?

Zitat:
Irgendwann muss ich auch mal bei euch vorbeikommen, und mir von Euch den Foucault Test zeigen lassen, den kapier ich um verrecken nicht.
Klar, jederzeit gerne!
Du solltest aber vorher Bescheid geben, dann können wir uns vor der "Arbeit" etwas stärken, da gibt's mehrere Restaurants in der Nähe. Stathis ist auch nicht jedes Mal dabei.

Das Treffen ist übrigens offen für alle Interessierten, auch wenn Ihr nur kurz in München weilt!

Gruß,
Martin

Bearbeitet von: am:
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ES-Europe
Explore Scientific (Anbieter)

Deutschland
489 Beiträge

Erstellt  am: 06.07.2016 :  16:40:55 Uhr  Profil anzeigen  Besuche ES-Europe's Homepage  Antwort mit Zitat
Zitat:
Original erstellt von: MartinB

(==>)Jogi:
Zitat:
Die Sphäre bei den beiden Herren ist aber schon schön auspoliert
Leider mit falschem Vorzeichen beim Krümmungsradius. Für asronomische Zwecke völlig untauglich, auch Versilbern hilft da nix. Zur Not vielleicht als Sekundärspiegel beim Cassegrain?

Gruß,
Martin



Also Martin! Aber bitte - Du kannst doch nicht nach all den Jahren bei uns im Spiegelschleiftreff eine konvexe Fläche auf die Verwendung als Fangspiegel reduzieren! Pfui! Ich dachte, das wird ein Set Mangin-Spiegel für einen Satz Reise-optiken auf höherem Niveau, und habe schon auf die fertigen Medials gefreut...


Tassilo

Bearbeitet von: am:
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MartinB
Altmeister im Astrotreff

Deutschland
3244 Beiträge

Erstellt  am: 07.07.2016 :  11:46:40 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Aktueller Stand:

Stefan und ich haben letzten Dienstag weiter Karbo 80 geschliffen.
Stefan ist bei etwa 3mm Pfeiltiefe und die Flexspuren sind komplett weg.

ich hatte zu Hause nur wenige Stunden Zeit zum Schleifen.
Beide Scheiben werden auf demselben Tool chargenweise abwechselnd geschliffen. Das ergibt identische Brennweite, und die Gesamtmenge an zermahlenem Material ist geringer. Das Vorflexen hat den Vorteil allerdings deutlich verkleinert.

Die Pfeiltiefe ist bei 3,3mm, die Scheiben sind annähernd sphärisch. Keilfehler bei #1 noch ca. 0,17mm und bei #2 ca. 0,08mm. Ziel ist <0,05mm. Dann noch 0,3mm dünner machen, damit die Fase nicht mehr so breit ist. Jedes Photon zählt!
Die endgültige Dicke wird bei ca. 14,3mm liegen.

Stathis ist uns allen davon galoppiert. Er hatte seinen Spiegel am Dienstag schon auspoliert und zu 40% parabolisiert mitgebracht.
Ein Interferometertest zeigte keinen nennenswerten Asti, aber heftige Turbulenzen auf der Messstrecke.

Das beantwortet auch die Frage von Jörg nach der Warteschlange beim Spiegel vermessen: Wir sind wohl so unterschiedlich schnell, dass das sowieso kein Problem wird.
Ich habe mir auch vorgenommen, wenn sorgfältige Vermessung per Interferometer mit grünem Laser einen Strehl >90% ergibt, werde ich die Bearbeitung beenden. Mehrere Wochen meiner Freizeit werde ich sicher nicht investieren.

Ziel ist zumindest bei mir, mehr Stunden mit der Benutzung als mit der Herstellung zu verbringen.

Gruß,
Martin


Bearbeitet von: am:
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MartinB
Altmeister im Astrotreff

Deutschland
3244 Beiträge

Erstellt  am: 19.07.2016 :  13:01:54 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Leute,

Hier kommt ein weiteres Update!
Das zuerst recht homogene Feld der Teilnehmer ist nun weit auseinander gezogen. Stathis hält weiter den Spitzenplatz, auch wenn er zwischendrin zur Sphäre zurück musste.
Meine beiden Scherben sind nun immerhin anpoliert, Stefans und Elis Scheiben haben noch nicht ganz die endgültige Pfeiltiefe.

Ich weiß, Ihr wollt Bilder sehen, und ich habe Bilder gemacht!
Also, hier ist die bebilderte Fortsetzung.


Beim Grobschliff mit 80er Karbo habe ich die Pfeiltiefe mit meinem Sphärometer bestimmt.
Beide Scheiben hatten zunächst noch einen deutlichen Keilfehler, weil per Hand vorgeflext wurde und ich beim Beginn des Grobschliffs nicht sofort gegen gesteuert habe.

Beim 180er am vorletzten Wochenende war gerade schönes Wetter, und ich konnte die klassische Methode anwenden: Spiegel passend zur Sonne ausgerichtet hinstellen, nass machen, Fokus suchen, ausmessen.

Brennweitenbestimmung à la John Dobson


Beim Schleifen mit dem 180er wurde der restliche Keilfehler weitgehend beseitigt.
Bis Montag abend war dann auch das 320er Karbo durch.

Letzten Dienstag ging es in der VSW München dann mit 25µm Microgrit weiter.
Ab dieser Körnung gibt es praktisch keinen Lärm und Dreck mehr, deshalb kann ndie Arbeit in zivilisierterer Umgebung fortgesetzt werden. Auf peinliche Sauberkeit muss ab jetzt sowieso geachtet werden, wenn man Kratzer durch übrig gebliebenes gröberes Schleifmittel bei den feinen Körnungen vermeiden will.

Auf dem Foto unten sieht man einen Gewürzstreuer. Damit dosiere ich die Körnungen Karbo 320 und Microgrit 25µm.

Feinschliff mit 25µm Microgrit


Die nächsten 4 Stufen Feinschliff (15µm, 9µm, 5µm, 3µm) verliefen problemlos, und mit einer Körnung pro Tag auch ohne Stress. Netto-Schleifzeit pro Scheibe und Körnung war jeweils im Durchschnitt ca. 45 Minuten. Immer schön mit 1/3 Strichen und abwechselnd MOT und TOT, und immer schön drehen.

Ganz wichtiger Tipp: Das Schleifmittel vor dem Aufbringen mit etwas Wasser in Suspension bringen! Momentan benutze ich dazu kleine Filmdosen. Die werden zu etwa 30% mit Schleifpulver gefüllt, dann kommt Wasser dazu, und zum besseren Aufschütteln eine kleine Glasmurmel.
Es kommt pro Charge nur eine kleine Menge frisch aufgeschüttelte Suspension auf den Spiegel bzw. das Tool. Bei Bedarf wird etwas Sprühnebel aus der Wasserflasche dazu dosiert, aber gaaanz sparsam, sonst gibt's Aquaplaning statt Feinschliff. "Trocken fallen" darf das Schleifmittel aber auch nicht, sonst steigt die Kratzer- und Festklebegefahr, besonders bei den feinen Körnungen.

Beim nächsten Mal werde ich zur besseren Dosierung kleine PE-Flaschen mit Dosierspitze nehmen (ca. 50-100ml).

Richtig spannend wurde es dann beim Feinschliff mit 1µm Korngröße. Damit kann man theoretisch die Polierzeit verkürzen, aber es ist nur mit großer Vorsicht anzuwenden.

Meine Erfahrung ist: Die Konzentration des Schleifmittels in der Suspension muss genau stimmen. Schon wenige Sekunden Pause mit versetztem Tool und Spiegel können den offen liegenden Wasserfilm durch Verdunsten so sehr eindicken, dass es "klemmt". Sleeks auf dem Glas sind die Folge, die den Polierzeit-Vorteil zunichte machen können. Dosiert man eine winzige Menge Wasser dazu, gleiten die Scheiben erst mal wieder ohne Schleifaktion nur auf dem Wasserfilm.

Feinschliff mit 1µm Microgrit


Vorgestern abend konnte ich mich dann endlich aufraffen, die Pechhaut zu gießen.
Die Verzögerung ergab sich weitgehend aus meiner Unlust, vor Beginn der Aktion die Küchenspüle aufzuräumen und picobello zu säubern. Durch den späten Start wurde es dann fast eine Nachtaktion.

Zuerst wurde eine passende Menge Pech in einer kleinen Stahlschüssel erhitzt. Der Dunstabzug nach draußen ist hier vorteilhaft. Das Ceranfeld (übrigens auch Borsilikatglas von Schott genau wie der Spiegel) lässt sich nach der Aktion sehr einfach reinigen.

Pech erhitzen


Das Tool bekam einen Rand aus Klebeband. Hinweis: Besser wäre Kreppband gewesen, weil das Kunststoffband durch die Hitze des Pechs fast zu weich wurde.

Pechhaut gießen


Nach diem Gießen musste die Pechschicht erst auf die richtige Konsistenz abkühlen.
Zwischendrin konnte ich das Klebeband vom Rand entfernen.

Klebeband entfernen


Dann wurden 4mm breite Rillen in die weiche Pechschicht gedrückt.
Zwischendrin wurde die Pechhaut im ca. 60°C warmen Wasserbad 2-3x wieder angewärmt.

Rillen eindrücken (Facettieren)


Nachdem Rillen in beiden Richtungen eingedrückt waren, wurde mehrmals abwechselnd die Pechhaut im Wasserbad angewärmt, der nasse Spiegel aufgepresst und die zulaufenden Rillen wieder erweitert.
Zu flache Facetten wurden mit kleinen Pechklecksen erhöht.
Zum Schluss wurde bereits etwas Poliermittel dazu gegeben.

Fertige Pechhaut, bereits angepasst


Die abgebildete Pechhaut-Aktion hat insgesamt ca 2 1/2 Stunden gedauert (ohne Küche sauber machen). Das ist aber auf jeden Fall sehr gut investierte Zeit!


Inzwischen habe ich beide Scheiben bereits anpoliert.
Heute beim Treffen in München werden wir per Interferometrie mal nachschauen, ob die Scheiben Asti haben.

Gruß,
Martin


Bearbeitet von: MartinB am: 19.07.2016 13:20:06 Uhr
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Stathis
Forenautor im Astrotreff

Greece
4482 Beiträge

Erstellt  am: 20.07.2016 :  11:15:50 Uhr  Profil anzeigen  Besuche Stathis's Homepage  Antwort mit Zitat
Danke Martin für die Bilder.
Meine Pechhaut sieht nicht ganz do schön regelmäßig aus.
Mit der Pechhaut im heißen Wasser habe ich mit dem Messer noch zusätzlich kreuz und quer Mikrokanäle rein geschnitten.



Bei Polieren im Sommer (bei mir zur Zeit ca. 26-28°C) packt die Pechhaut so stark (wir haben alle die übliche Pechhärte 28°), dass ich sogar bei diesem kleinen Spiegelchen ins Schwitzen kam. Dafür war der Spiegel bereits nach 3 Stunden auspoliert.





Nachteil des Turbopolierens war eine leicht abgesunkene Kante, die ich erst noch zurückholen musste.
Jetzt noch etwas Zone glätten und auf zum parabolisieren. Allerdings wird das jetzt eine Weile dauern, da ich zur Zeit "erwachsene" Rohlinge bändigen muss.

Stathis
http://www.stathis-firstlight.de

Bearbeitet von: Stathis am: 20.07.2016 11:19:40 Uhr
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MartinB
Altmeister im Astrotreff

Deutschland
3244 Beiträge

Erstellt  am: 20.07.2016 :  12:04:17 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Stathis,
Zitat:
Meine Pechhaut sieht nicht ganz so schön regelmäßig aus
Deine Pechhaut sieht doch richtig gut aus! Zu regelmäßig ist ja wohl auch nicht gut.
Mikrokanäle werde ich auch noch 'reinschneiden.

Hattest Du deine Scheibe vor dem Polieren auch bis 1 µm Körnung geschliffen?

Montag Abend habe ich im ca. 34-25°C warmen Zimmer etwa 40 Minuten mit "richtig Dampf" poliert, danach war der Spiegel deutlich erwärmt, ich schätze auf jeden Fall über 30°C.

Vor dem Polieren hatte ich je 4 Chargen mit 1µm Mikrogrit geschliffen. Eine Scheibe hatte danach mehrere ganz schwache Sleeks im Randbereich, die waren nach der Polieraktion am Montag schon komplett weg. Die andere hat etwas stärkere Sleeks auf einer Seite, da hatte es einen leichten "Kolbenfresser" gegeben, anscheinend wegen zu wenig Wasserfilm. Unter dem Mikroskop scheinen die aber auch nicht tiefer als 5 µm zu gehen, also werde ich sie auspolieren.
Nach ca. 40 Minuten Polieren haben beide Scheiben nur noch maximal ca. 5 µm tiefe Pits.

Gruß,
Martin

Bearbeitet von: MartinB am: 20.07.2016 12:06:05 Uhr
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StefanSLS
Meister im Astrotreff

Germany
890 Beiträge

Erstellt  am: 15.01.2017 :  19:29:38 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Optikgemeinde,

bei den Fünflingen geht es weiter!

Elli und ich haben unsere Spiegel bis zum 3µ ausgeschliffen, und so konnten wir letzten Dienstag anpolieren zwecks Brennweitenbestimmung im Foucaulttester. Stathis hatte sein Tool mit Pechhaut und Poliermittel mitgebracht, Martin sein Polierbrett. Und auf ging es!

Erst mal schön die Pechhaut anpassen!


Das kann man noch steigern:



Erstes Anpolieren



Dann war Martin an der Reihe:



Und natürlich Elli- ist ja ihr Spiegel.



Während Stathis und Elli im Optiklabor die Brennweiten bestimmten, polierte ich für so zehn Minuten an meiner Scherbe:



Und was kam bei der Brennweitenbestimmung raus?...1070mm- bei beiden Spiegeln :-) Das sind dann die Zwillinge unter den Fünflingen.

Fortsetzung folgt.

Viele Grüße,
Stefan


Bearbeitet von: am:
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MartinB
Altmeister im Astrotreff

Deutschland
3244 Beiträge

Erstellt  am: 16.01.2017 :  11:21:56 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo Stefan,

Schön, dass es jetzt auch bei euch beiden weiter geht!
Elli hat über die Weihnachtsferien ganz schön aufgeholt, und Du warst auch sehr fleißig!
Stathis hat "auf uns gewartet" und seinen anparabolisierten Spiegel noch mal zur Sphäre zurück entwickelt.
Aktueller Stand ist damit: Drei Scheiben fertig poliert, zwei anpoliert.
Brennweiten: Stathis ca. 1078mm, Martin 2x 1081mm, Elli und Stefan 1070mm. Wir haben also die Zielvorgabe von 1080mm recht gut getroffen.

Die Unterschiede sollten sich gerade noch mit ein paar mm Justierweg an der Hauptspiegelzelle plus ein paar mm unterschiedliches Auflagemaß am Okularauszug in den Griff kriegen lassen, d.h. die Bauteile können alle auf dasselbe Maß gefertigt werden. Zu berücksichtigen sind dabei aber auch die unterschiedlichen Spiegeldicken von knapp 15mm bei Stefan und mir und knapp 18mm bei den anderen beiden. Die "Extremfälle" sind daher Stefan und ich.

Bevor es bei mir ans Parabolisieren geht, werde ich erst noch den festgestellten leichten Astigmatismus einer meiner Scheiben weitgehend rauspolieren. Woher der Asti kommt, da bin ich mir nicht ganz sicher. Allerdings hatte die betreffende Scheibe zunächst einen Keilfehler von ca. 0,3mm, den ich am Ende des Grobschliffs noch behoben habe. Also vermutlich ist das die Ursache.

Gruß,
Martin

Bearbeitet von: MartinB am: 16.01.2017 11:27:42 Uhr
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MartinB
Altmeister im Astrotreff

Deutschland
3244 Beiträge

Erstellt  am: 06.03.2017 :  12:47:39 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo allerseits,

Wir sind noch nicht fertig, aber aufgegeben haben wir auch noch nicht!
Hier kommt mal ein aktueller Zwischenstand:

Mittlerweile sind alle 5 Spiegel auspoliert, aber es hat sich noch ein Nachzügler dazu gesellt, der jetzt erst mal den Grobschliff macht.

Letzten Samstag haben Stefan, Stathis und ich einen zusätzlichen Arbeitseinsatz eingeschoben. Vier der Spiegel haben wir mit dem Interferometer in der VSW München vermessen. Das hat zu Anfang etwas länger gedauert, mangels ausreichender Übung. Aber nun flutscht es besser. Ursprünglich hatte ich 4 Stunden eingeplant, schlussendlich bin ich 8 Stunden geblieben und die anderen beiden haben noch weiter gearbeitet.

Stefans Scherbe hat nach einer Spielerei am Anfang der Politur immer noch etwas abgesunkene Kante. aber es wird.
Meine beiden Scherben hatten auch noch ca. 1/2 Lambda abgesunkene Kante, das kommt wohl von meiner Turbo-Politur, bei der sich Pechhaut und Spiegel deutlich erwärmt hatten (auspoliert in netto unter 3h Polierzeit pro Spiegel).

Ellis Spiegel hat eine perfekte Kante (Anfängerglück?), aber ca. 2cm innerhalb eine Zone. Das ist aber kein großes Problem, der ist auf jeden Fall fertig zum Parabolisieren.

Eine meiner superdünnen Scheiben hatte ca. 1/4 Lambda Asti. Das wusste ich im Prinzip schon, aber die Interferogramme haben es "richtig schön" bestätigt.
Also habe ich meine Pechhäute, die seit dem Auspolieren letzten August im Wasserbad lagen, wieder reaktiviert, und bin das Problem mit einem Minitool angegangen (mein allererster Versuch in dieser Richtung). Zwischendrin und zum Schluss wurde mit der großen Pechhaut geglättet. Ich war erstaunt, wie gut das geklappt hat!

Was Stathis und Stefan noch nicht wissen: Gestern abend habe ich zu Hause eine meiner beiden Scherben bereits zu ca. 3/4 Richtung Parabel gebracht. Ich schätze, bis 100x Vergrößerung würde der Spiegel jetzt schon sehr schöne Bilder liefern.
Heute geht's noch vorsichtig etwas weiter Richtung Parabel. Mal schauen, wie das Teil morgen im Interferometer aussieht. Zu Hause kann ich momentan nur Focaultmessungen machen.

Gruß,
Martin


Bearbeitet von: am:
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StefanSLS
Meister im Astrotreff

Germany
890 Beiträge

Erstellt  am: 06.03.2017 :  22:38:17 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Hallo zusammen,

ganz Recht, das war ein Bastel- und Vermessungsmarathon am Samstag....der aber jede Menge Spaß gemacht hatte
Und natürlich gibt es Actionpics...

Der Martin beim Vermessen seiner Scherbe:


Na, hilft Alles nichts, da muss ein (großes) Minitool her:



Und etwas Überzeugungsarbeit mit der großen Pechhaut muss auch geleistet werden:



Stathis und ich haben uns dann um die Mechanik gekümmert- mehr davon im Nachbarforum.

Viele Grüße,
Stefan

Bearbeitet von: am:
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MartinB
Altmeister im Astrotreff

Deutschland
3244 Beiträge

Erstellt  am: 03.04.2017 :  13:06:48 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
So, allmählich geht's voran mit den Scherben.
Vorletzten Dienstag wurde das Interferometer an der VSW in den "Astronomietag-Modus" versetzt, d.h. es stand ca. eine Woche lang nicht zur Verfügung. Schrecklich!

Kurz entschlossen habe ich die bereits vor längerer Zeit beschafften Teile geschnappt und meinen guten alten Focaulttester zum Interferometer erweitert.
Der Bau war eine Sache von einem Nachmittag am Wochenende. Ohne Spezialwerkzeuge, nur mit Standbohrmaschine, Schraubstock, Metallsäge und ein paar Feilen.
Es dauerte dann nach dem Aufstellen keine 2 Minuten, bis die ersten Fringes sichtbar wurden!

Die ersten Interferogramm-Auswertungen mit DFTFringe offenbarten aber, dass die Spiegellagerung nicht den Anforderungen genügte. Also wurde hier auch noch nachgebessert.

Die nächste Hürde war, dass der Laser (grün, 5mW) offenbar nicht ok war. Die Emission scheint zu schwach, und es zeigten sich zusätzliche Interferenzen, die sich als rauhe Fringes im Interferogramm störend bemerkbar machten. Ein Wechsel auf OpenFringe 14.1 brachte eine kleine Verbesserung, aber die Interferogramme waren prinzipiell zu schlecht.

Zum Glück besitze ich einen grünen 1mW Laserpointer. Mit dem funktionierte es dann sehr gut. Zusätzlicher Vorteil: Keine Kabel, da Stromquelle eingebaut. ca. 3h Leuchtdauer mit einem Akkusatz sollte genügen.
Mittlerweile sind beide Spiegel, die ich bearbeite deutlich besser als beugungsbegrenzt.

Dies war mein erster Versuch mit interferometrischer Auswertung.
Spiegel parabolisieren mit Focaulttest: Nie wieder!

Gruß,
Martin

Bearbeitet von: MartinB am: 03.04.2017 13:11:13 Uhr
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Stefanie_St
Mitglied im Astrotreff

Deutschland
66 Beiträge

Erstellt  am: 03.04.2017 :  13:33:05 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Zitat:
So, allmählich geht's voran mit den Scherben.


Bin gespannt... ich komme morgen Abend vorbei und kontrolliere die Fortschritte
Außerdem habe ich mal ein paar ganz unverbindliche Fragen bezüglich eines gewissen, fiktiven 16-Zöllers

Zitat:

Vorletzten Dienstag wurde das Interferometer an der VSW in den "Astronomietag-Modus" versetzt, d.h. es stand ca. eine Woche lang nicht zur Verfügung. Schrecklich!


UNFASSBAR. Da würde ich mich aber mal GANZ OBEN beschweren

Bearbeitet von: am:
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Stathis
Forenautor im Astrotreff

Greece
4482 Beiträge

Erstellt  am: 21.04.2017 :  10:33:27 Uhr  Profil anzeigen  Besuche Stathis's Homepage  Antwort mit Zitat
Nachdem Martin so vorgelegt hat, habe ich jetzt auch endlich fertig

Gemessen mit Bath Interferometer, je ca. 6 I-Gramme in 0 Uhr und 3 Uhr Position, ausgewertet und gemittelt mit DFT-Fringe, Gauss Blur Radius 100:



Beispiel Interferogramm:



Nachprüfung mit fotografischem Foucault 12 Zonen, Zonenermittlung mit Horias FXL und Auswertung mit Figure XP







Der Werdegang:
- Aushöhlen von Spiegel und gleichgroßem Fliesentool mit der Flex und anpassen mit K80
- Feinschliff je Körnung ca. 1,5 Stunden, 5+3 my je 40 Minuten, bei flotter Arbeitsweise. Geforderte Brennweite auf 2 mm genau getroffen
- Auspolieren in nur 3 Stunden, da sehr warm und sehr schnell poliert. Dabei abgesunkene Kante eingefangen.
- Rand mit Daumen korrigiert und in 2 Std. mit Volltool ausgeglichen – Sphärisch mit ganz leichtem Berg in der Mitte, sonst komplett zonenfrei. Kante scharf!
- Parabolisieren bis ca. 90% Korrektur mit Volltool MOT. Fortschritt mit Foucault kontrolliert frei Auge ohne Zonenmessungen. Dabei 1x nicht aufgepasst und kleines aber tiefes Loch in die Mitte gebuddelt. Lokale “Streicheleinheiten“ mit 100, 60 und 30 mm Tools hauptsächlich zur Zentrallochbeseitigung. Messen mit Bath Interferometer: Komplett frei von Astigmatismus und sehr gute Übereinstimmung mit fotografischem Foucault. Im Endzustand sehe ich im Foucault Lifebild immer noch das Zentralloch und hauchzarte Riefen bei 40% Spiegelradius vom 30 mm Tool.

Meine Erkenntnisse:
- 20 mm Feinsteinzeugfliese ist gut für noble Terrassen und noble Spiegel.
- Die Regeln für die großen Dünnen gelten auch für kleine Dünne.
- Die größte Hürde bei kleinen Spiegeln ist der Randbereich – ist der Rand gut, hat man schon halb gewonnen.
- Spiegelschleifen ist die beste Erfindung seit dem Fahrrad. Nur noch zu toppen durch Spiegelschleifen in der Gruppe mit gleichgesinnten Glasquälern.

Edit 18.05.: Bilder ergänzt

Stathis
http://www.stathis-firstlight.de

Bearbeitet von: Stathis am: 18.05.2017 21:47:14 Uhr
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Nils_Eggert
Meister im Astrotreff

Germany
400 Beiträge

Erstellt  am: 21.04.2017 :  10:45:43 Uhr  Profil anzeigen  Antwort mit Zitat
Moin Stathis,

bemerkenswert ist aber nicht nur der Spiegel, den du damit gemacht hast, erstaunlich finde ich, dass du mit Bath und Foucault quasi das gleiche Messergebnis erhalten hast.

Ziemlich nett das ganze
VG
Nils

Und im Übrigen bin ich der Meinung, daß Karthago zerstört werden muss.

Bearbeitet von: am:
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