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 Gestern war 'ne lange Nacht
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Syrtis Major
Altmeister im Astrotreff

Schweiz
1228 Beiträge

Erstellt am: 12.03.2007 :  21:59:56 Uhr  Profil anzeigen
Hallo Freunde der Nacht,

was macht der Sternensüchtige nach langer Abstinenz? Er gibt sich mal wieder so richtig die Kante. Also trafen sich gestern einige Astrofreunde am Beobachtungsplatz des Astrotreff Niederhein zum Photonensaugen. Mit seiner Lage von rund 100 Metern über NN handelt es sich für niederrheinische Verhältnisse um einen hochalpinen Standort. Auch die Lichtverschmutzung hält sich dort in Grenzen. Von rein visueller bis rein photographischer Beobachtung und vom Feldstecher bis zum 10 Zoll-Newton war im Laufe der Nacht alles vertreten und es wurde recht eng auf der kleinen Wiese.

Um 19:20 aufgebaut war es noch ziemlich dämmerig und es ging ganz gemütlich los. Neben meinem 8''-Dobson waren zunächst ein 4''-Fluorid-APO von Vixen und ein 6''-Fraunhofer am Start. Erstmals hatte ich die Gelegenheit, durch solche Geräte zu blicken und zu vergleichen. Überrascht war ich von dem Achromaten, der an der Venus seinem Ruf als Farbwerfer natürlich gerecht wurde, aber schon am Saturn bei mittlerer Vergrößerung visuell fast ein dem APO vergleichbares Bild zeigte. Mich hat der APO durch seine wirklich nadelfeinen Sterne begeistert, die Schwächen sind natürlich in der begrenzten Lichtsammelleistung - was an M51 und M37 deulich wurde - und im Preis zu suchen.

Nachdem es dann richtig dunkel geworden war, starteten wir mit einem ca. 5m3 Himmel bei sehr gutem Seeing - Saturn stand ruhig in allen Okularen und das Trapez in M42 ließ sich je nach Intrument in fünf bzw. alle sechs Komponenten auflösen. Der Dobson kriegte u.a. folgendes vorgesetzt:

NGC 2359 (38-200x): Mein zweiter und vorerst letzter Versuch. Der OIII-Filter entscheidet zwischen Sehen und Nichtsehen. Eine Helm- oder Entenform vermag ich nicht zu entdecken.

M47 und M46 mit NGC 2438 (38-86x): Wird zu meinen neuen Lieblingssternhaufen. M47 mit eher wenigen, dafür hellen Sternen und M46 mit deutlich mehr und schwächeren Sternen stehen gerade noch gleichzeitig im Gesichtsfeld. Der kleine planetarische Nebel im Vordergrund von M46 gewinnt sehr durch den OIII-Filter und wird zu einem kleinen, nicht ganz geschlossenen Ring.

Plötzlich wird es hell, die Dunkeladaptation geht flöten. Ein Bauer auf seinem Trecker kommt von der Arbeit... was der sich wohl angesichts der Meute mit den komischen Rohren gedacht haben mag? Ich nutze die Gelegenheit und darf durch einen 8x56 Feldstecher von Zeiss blicken - was mich fast umhaut. Was für ein Unterschied zum Lidl-Glas! Beide Achsen sind perfekt parallel ausgerichtet und das Gesichtsfeld scharf bis in die äußersten Ecken. Sofort stellt sich ein 3D-Effekt ein, im Lidl-Glas undenkbar. Da merkt man den Unterschied...

Weiter mit NGC 2392, dem Eskimonebel. Bei 200x hell und bläulich, aber zeigt sein Gesicht noch nicht richig. Leider kann ich nicht höher vergrößern, weil das Zoom bei 5 mm nicht mehr in den Fokus kommt. Der OIII-Filter bringt nix.

M48 (38x): Wenig spektakulär, mäßig viele, locker stehende Sterne.

NGC 3115 (86-200x): Säuft leider ziemlich in der inzwischen aufgetretenen Himmelsaufhellung (fst um 4m8) ab. Außer dem hellen Kern ist nix zu sehen.

NGC 3242 (86-200x): Ein grünliches Scheibchen, das vom OIII-Filter nochmal etwas profitieren kann. Sieht wirklich wie ein Geisterbild von Jupiter aus.

NGC 2903 (86-200x): Heller Kern und Halo, auffälliges Objekt, der Balken läßt sich gerade so erahnen. Die Spiralarme vermag ich nicht zu erkennen.

M65 und M66 (86-200x): Man fragt sich, warum NGC 2903 von Messier übersehen wurde.

NGC 4361 (86-200x): Der planetarische Nebel im Raben, ein lichtschwaches, etwas eckiges Scheibchen. OIII bringt keine Besserung.

M104 (86-200x): Auch der Sombrero leidet unter der Himmelsaufhellung. Immerhin läßt sich die Form so gerade eben erahnen.

M81 und M82 (38-200x): Sehr hell, im Übersichtsokular zusammen im Gesichtsfeld. Bei 200x zeigt M82 angedeutet sein querverlaufendes Staubband und zwei helle Knoten. Hatte ich so bisher noch nicht gesehen.

NGC 2403 (38-150x): Gehört mit zur M81-Galaxiengruppe, wirkt aber deutlich lichtschwächer. Interessante, "bananenartige" Form.

NGC 1501 (86-150x): Dieser planetarische Nebel war mal OdS in der Interstellarum. Leider sehe ich kaum mehr als ein flaues Scheibchen, das für OIII wohl nicht genug Licht übrig läßt.

M51 und NGC 5195 (86-150x): Immer wieder schön, hell und deutlich. Erstmals kann ich die Spiralarme und die Brücke zu 5195 erahnen. Im 10-Zöller des Nachbarn erstaunlicherweise nicht besser.

M63 und M94 (86x): Langsam gehts nur noch ums Finden und Abhaken, denn es wird etwas windig und spürbar kälter. Beide Galaxien geben nicht viel her, sind aber recht hell.

NGC 4490 (86x): Mäßig hell, diffus ohne erkennbaren Kern. Interessante Form mit Ausziehung an einem Ende, direkt daneben läßt sich noch ein kleines Nebelfleckchen erkennen. Mein Nachbar erzählt mir, dass es sich um ein wechselwirkendes Galaxienpaar handelt. Da werde ich mit weniger kalten Fingern gerne nochmal vorbeisehen.

NGC 4449 (86x): Eckiges Zentralgebiet, einen Halo vermag ich kaum wahrzunehmen.

M106 (86-150x): Groß und hell, ich versuche mich an Balken und Ansätzen der Spiralarme. Den Balken kann ich erahnen, die Spiralarme muss ich ein anderes Mal erneut probieren.

M13 (86x): Zur Abwechslung mal wieder ein Kugelsternhaufen. Ist inzwischen hoch genug herausgekommen. Immer ein wunderbarer Anblick.

NGC 4565 (86-150x): Die berühmte Edge-On-Galaxie in Coma Berenices. Hatte ich mir heller vorgestellt. Immerhin läßt sich die Form klar erkennen, aber die Enden sind doch sehr lichtschwach.

NGC 4631 (86-150x): Hier bin ich positiv überrascht. Nicht nur deutlich heller als 4565, sondern zeigt mit zwei bis drei Lichtknötchen sogar Struktur. Ein Anblick, der die inzwischen sehr kalten Finger kurz vergessen läßt. Lohnt sich bestimmt auch mit etwas weniger Öffnung.

M64 und M53 (86x): Endspurt! Der Galaxie vermag ich ihr "Dunkles Auge" nicht zu entlocken. Demnächst mal ein neuer Versuch mit höherer Vergrößerung. M53 nur noch, weil er so leicht zu finden ist und ich noch einen Vergleich zu M13 haben wollte. Der Haufen ist hell, sehr kompakt und verträgt sicherlich eine deutlich höhere Vergrößerung. Mit 86x nur beginnend angelöst.

Um 2:20 nach sieben Stunden habe ich schnell abgebaut und mich ins wärmende Auto geflüchtet. Mann, Astronomie kann ja echt anstrengend werden. Ziemliche Überdosis. Aber ich werde es wieder tun...

Gruß und CS

Volkmar

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Copernicus
Altmeister im Astrotreff

Deutschland
6523 Beiträge

Erstellt  am: 13.03.2007 :  09:47:46 Uhr  Profil anzeigen
Hallo Vlkmar,

ein sehr umfangreicher Bericht. Solche Nächte darf man nicht verschlafen oder am Fernseher verbringen - hier muss man raus !
Interessant war auch Deine kurze Darstellung von Saturn mit dem FH und dem Apo. Dies deckt sich auch mit meinen Erfahrungen.
Merkwürdigerweise zeigte mein 6"f8 Refraktor gerade bei bestimmten hohen Vergrößerungen kein merkliches sek. Spektrum an Saturn und Jupiter. Venus und helle Sterne bilden natürlich eine Ausnahme - auch am Mondrand war ein leicht gelber bzw. violetter Rand zu erkennen - abe trotzdem war die Detailfülle enorm.

Viele Grüße

Copernicus

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Syrtis Major
Altmeister im Astrotreff

Schweiz
1228 Beiträge

Erstellt  am: 15.03.2007 :  14:16:07 Uhr  Profil anzeigen
Hallo Swen,

möglicherweise kommt es bei der subjektiven Wahrnehmung des Farbfehlers auch auf die Flächenhelligkeit an. Der Saturn war etwa 200x vergrößert und dadurch natürlich schon etwas matter als bei größerer AP. Unser Auge verzeiht aber wohl auch deutlich mehr als ein CCD- oder CMOS-Chip. Das ergibt ja wirklich tolle Säume um helle Sterne.

Gruß und CS

Volkmar

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Antares5
Altmeister im Astrotreff

Deutschland
1289 Beiträge

Erstellt  am: 15.03.2007 :  14:39:15 Uhr  Profil anzeigen  Besuche Antares5's Homepage
Hallo Volkmar,

Klasse Bericht, sehr umfangreich und gut beschrieben.


Gruß
Stefan

8" f/5 Newton mit ED80 f/7.5 Pro auf EQ6 SkyScan und Alccd5 mit Canon EOS 450D unmod.

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Copernicus
Altmeister im Astrotreff

Deutschland
6523 Beiträge

Erstellt  am: 15.03.2007 :  17:38:51 Uhr  Profil anzeigen
Hallo Volkmar,

so muss es sein. omit leistet ein solcher "FH" durchaus gute Dienste wenn man ihn als rein visuelles Scope verwendet.

Gruß

Copernicus

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