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 Beobachterforum Deepsky interstellare Objekte
 Was genau ist Beobachtungserfahrung?
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Seite: von 3

DaRestem
Meister im Astrotreff

Deutschland
597 Beiträge

Erstellt am: 28.02.2007 :  07:27:22 Uhr  Profil anzeigen  Besuche DaRestem's Homepage
Hallo Forum,
vier Dinge scheinen mir bei der visuellen Beobachtung wichtig zu sein und im Zusammenspiel über Erfolg oder Misserfolg einer Beobachtung entscheiden zu können:
- Himmelsqualität
- Instrumentarium
- Physische Aspekte (Fitness und Zustand des Auges)
- Beobachtungserfahrung

Wilhelm Herschel meinte: "Erwarten Sie nicht, beim Schauen schon zu sehen, Sehen ist eine Kunst, die erlernt werden muss"
In unserer Zeit wird vom, wie ich finde, etwas schwammigen Bergriff "Beobachtungserfahrung" gesprochen.
Mir begegnete der Begriff im Laufe der Jahre immer wieder und lange Zeit hatte ich nicht wirklich verstanden, um was es denn nun genau bei dieser ominösen Tugend des "erfahrenen Beobachters" geht. Ich denke, so geht es vielen anderen auch und deshalb halte ich es für eine gute Idee, den Begriff hier mal zur Diskussion zu stellen.

Also, was versteht ihr unter Beobachtungserfahrung?
Oder genauer:
- welche Bedeutung hat sie? Kann man damit fehlende Öffnung ersetzen?
- woraus genau setzt sie sich zusammen?
- welche "Tricks" gehören dazu?
- ist da noch mehr als nur die reine Beherrschung der Techniken?
- gehört zur Beobachtungserfahrung auch die Erfahrung beim Aufsuchen der Objekte?
- wie stark ist der Unterschied zwischen "erfahren" und "unerfahren". Konkrete Beispiele wären zur Veranschaulichung sehr hilfreich.
- ist ein erfahrener Planetenbeobachter damit auch gleich ein guter Deepsky- Beobachter?
- wird man ewig besser oder ist irgendwann auch mal eine Grenze erreicht?
- wie kommt man am effektivsten dazu?

Neben der reinen Präsentation oder Unterhaltungen eignet sich dieses Forum natürlich auch hervorragend dazu, Wissen zusammen zu tragen.

Mir ist klar, dass es auf manche Fragen keine eindeutige Antwort gibt. Aber gerade "weniger Erfahrene" könnten bestimmt trotzdem von guten Erklärungen profitieren und vielleicht bei der nächsten Gelegenheit mit einem klareren Bild im Hinterkopf etwas bewusster beobachten. Und das wäre doch schon was...

Bin gespannt, ob meine Frage auf Interesse stösst und so etwas Aufklärungsarbeit geleistet werden kann.

Viele Grüsse,
Daniel
www.astro-visuell.de

Bearbeitet von: am:

the-driver
Senior im Astrotreff

Schweiz
138 Beiträge

Erstellt  am: 28.02.2007 :  08:19:32 Uhr  Profil anzeigen  Sende the-driver eine AOL Message  Sende the-driver eine ICQ Message  Klicken Sie hier um the-driver's MSN Messenger Adresse anzuzeigen.  Sende the-driver eine Yahoo! Message
Also meiner Meinung nach gehört zur Beobachtungserfahrung, dass man das gesehene auch interpretieren kann. Also die Helligkeit, Strukturen...
Weiterhin gehört die Fähigkeit des indirekten Sehens dazu, sowie die Erfahrung bei der Suche nach Objekten, zumindest wenn amn es nach der Starhopping-Methode macht und nicht mit Goto. Fehlende Öffnung kann man dadurch natürlich nicht ersetzten, obwohl ein erfahrener Beobachter sicher "mehr" sieht als ein Laie. Planeten und Deep-Sky kann man nicht direkt vergleichen, da Planeten eine höhere Helligkeit haben und dadurch Strukturen besser zu erkennen sind. Natürlich haben auch Planeten ihre eigenen Probleme, das Seeing ist weitaus bedeutender. Die Grenze ist dann erreicht wenn das eigene Auge nicht mehr hergibt. Das hängt nicht nur mit der Erfahrung zusammen, sondern auch mit dem Alter und Sehfähigkeit des Auges. Am Effektivsten kommt man durch viel Beobachten und vorheriger Planung mittels Kartenmaterial dazu. Aber das sind natürlich alles persönliche Einschätzungen und kann auch nicht wirklich genau definiert werden.

CS

Dennis

Bearbeitet von: am:
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johanes
Meister im Astrotreff

Deutschland
391 Beiträge

Erstellt  am: 28.02.2007 :  08:28:36 Uhr  Profil anzeigen
Hallo Daniel,

Beobachtungserfahrung ist, wie Dennis schon schrieb die Fähigkeit das gesehene auch zu erkennen. Letzten Sommer waren Bekannte bei mir und wollten unbedingt mal durch mein Teleskop schauen - es war noch nicht ganz dunkel, eher gut dämmrig und Jupiter war gerade über den Horizont geklettert. Ich hab das Teleskop ausgerichtet, Jupiter gesehen, drei Monde auf anhieb und auch die beiden Bänder. Dann hab ich die astronomisch unbedarften rangelassen und dann kam nur ein etwas enttäuschtes "Da ist ja nur ein heller Punkt" Erst als ich beschrieben habe, was ich gesehen hatte kam so nach und nach das "Aha, jetzt seh ichs auch...". Eine Begebenheit die ganz deutlich zeigt, wie sehr das Sehen und Erkennen von Details eine Übungssache ist.

Ich selber habe es auch bei mir festgestellt - als ich anfing habe ich bei weitem nicht so viele Details an Objekten wahrgenommen, wie ich jetzt ganz bewusst sehe. Mein Teleskop ist übrigens der Lidl Refraktor.

Clear Skies

Johanes

49.3818° N, 11.3661° O
452 m.ü.NN

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Gast0557
deaktiviert


4629 Beiträge

Erstellt  am: 28.02.2007 :  08:35:30 Uhr  Profil anzeigen
Hallo,
Beobachtungserfahrung ist, noch nie ein Teleskop gehabt, aber sofort die tollsten Ratschläge (Ratschläger sind auch Schläge) geben

Bearbeitet von: am:
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Scorpio
Forenmeister im Astrotreff

Deutschland
2553 Beiträge

Erstellt  am: 28.02.2007 :  08:37:13 Uhr  Profil anzeigen
Zitat:
Original erstellt von: MrPlanet

Hallo,
Beobachtungserfahrung ist, noch nie ein Teleskop gehabt, aber sofort die tollsten Ratschläge (Ratschläger sind auch Schläge) geben


Was willst Du uns damit sagen?

Ciao,
Martin

Bearbeitet von: am:
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Gast0557
deaktiviert


4629 Beiträge

Erstellt  am: 28.02.2007 :  08:39:53 Uhr  Profil anzeigen
Moin,
Ich möchte das Thema etwas auflockern und gleichzeitig hier manche Forenmitglieder tangieren.

Bearbeitet von: am:
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geissinger
deaktiviert


1605 Beiträge

Erstellt  am: 28.02.2007 :  09:36:31 Uhr  Profil anzeigen  Besuche geissinger's Homepage
Hallo,

was jemand sehen kann, hängt oftmals auch davon ab, mit welcher Motivation er durchs Okular schaut - und was er vom Einblick ins Okular überhaupt erwartet.
Beispiel: Es ist draussen sehr kalt und die "Bessere Hälfte" kommt "nur mal ganz kurz" ins Freie raus, um zu sehen, was gerade so läuft. Der Einblick ins Okular wird dabei nie so spektakulär ausfallen, als wenn man sich 30min voll und ganz mit Geduld, Ruhe und Muße auf ein Objekt einlässt.

Oben wurde ein gutes Beispiel bereits aufgezeigt: "Och, das ist ja nur ein heller Fleck..." Verglichen mit einem tollen Foto ist ein Planet in einer kleinen Optik auf den ersten Blick auch nicht viel mehr als ein heller Fleck. Man ist als Einsteiger doch einigermaßen überrascht, dass sich nicht sämtliche Details auf Anhieb erkennen lassen. Vielleicht liegt es auch an der allgemeinen Reizüberflutung, dass alles nicht sofort Ersichtliche in die Kategorie "ist das schon alles...?" abrutscht.

Ansonsten glaube ich, dass sich Beobachtungserfahrung bis zu einem gewissen Grad trainieren lässt. Irgendwann wird aber der Punkt kommen, wo das menschliche Auge mitsamt Gehirn nicht mehr hergibt. Eine große Rolle spielt dabei auch die aktuelle physische Verfassung, wie Kälte, Müdigkeit usw.

Grüße
Rolf


Late at night, all systems go...!
www.stern-fan.de

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piu58
Meister im Astrotreff

Deutschland
925 Beiträge

Erstellt  am: 28.02.2007 :  12:47:02 Uhr  Profil anzeigen  Besuche piu58's Homepage
Ich versuche seit vielen Jahren, möglichst 'alles' aus dem gegebenen Instrument herauszuholen. Mittlerweile sehe ich oft im Fernglas mehr als früher an einem deutlich größeren Fernrohr. Was ein Anfänger gerade so sieht, fällt dem Erfahrenen sofort ins Auge. Es sind nicht nur die Beobachtungstechniken wie indirektes Sehen, Teleskopwackeln und so, es ist auch die Erfahrung, in wie weit man der Wahrnehmung vertrauen kann.

Bleibt dran, am Okular.
--
Uwe Pilz, http://piu58.bplaced.net/ ~ FG Kometen: http://kometen.fg-vds.de

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Timm
Altmeister im Astrotreff

Deutschland
2419 Beiträge

Erstellt  am: 28.02.2007 :  13:03:51 Uhr  Profil anzeigen  Besuche Timm's Homepage
Hallo,
für mich ist Beobachtungserfahrung auch die Kenntnis und die Vielzahl der unterschiedlichsten Objekte. Ich habe in meinem Leben bestimmt schon mehrere tausend Objekte gesehen, mache davon schon hundertfach und kann ohne Himmelskarte und ohne Goto die schönsten und hellen Objekte recht schnell finden. Dass die Teleskope, die nächtlichen Bedingungen und die eigene körperliche Verfassung auch einer Rolle spielt, ist selbstverständlich. Wenn man aus unzähligen Beobachtungen weiß, wie Objekte bei den verschiedendsten Bedingungen aussehen, kann man auch bei unbekannten Objekte gleich die wichtigsten Details erfassen. Das wird mir demnächst bei meinem Namibiatripp helfen, wenn eine Menge mir unbekannter Objekte zu sehen sein werden.
CS
Timm

48°24'39"N / 8°0'38"O
und
26°52'53"S / 25°01'32"O

carpe noctem
observo ergo sum


Bearbeitet von: am:
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Andreas29
Meister im Astrotreff

Deutschland
299 Beiträge

Erstellt  am: 28.02.2007 :  14:06:29 Uhr  Profil anzeigen
Hi,

(==>)Daniel: Hier im Lipperland ist Beobachtungserfahrung lernen abzuschätzen welche Wolkenbilder eine Chance auf ein Fleckchen klaren unbedeckten Himmel aufzeigen

Ich würde mal sagen aus der Bedeutung des Wortes an sich:

Die diversen Techniken nicht nur aus dem Buch sondern auch aus der Praxis kennengelernt zu haben und unter den verschiedenen Bedingungen einsetzen zu können.

Den Einsatz von Filtern und Okularen den jeweiligen Beobachtungsbedingungen und Objekten optimieren zu können.

Letztlich zu wissen bzw. abschätzen zu können was man sehen wird (eben nicht die hochglanzfarbabbildungen sondern ein diffuses erfrischendes Steingrau oder war´s Mausgrau-Fleckchen mit mehr oder weniger ausgeprägten Strukturen)

Erfahrung kann man und muss man sammeln, die fliegt einem nicht zu. Nur durch das Beobachten an sich erhalte ich Erfahrung. Daraus folgt auch: Erfahrung ist nicht endlich sondern der Erfahrungsschatz ist ständig erweiterbar.
UND...man kann grundsätzlich von jedem Beobachter lernen. Nicht nur die neuen von den alten sondern auch umgekehrt.

Gruß

Andreas

Bearbeitet von: am:
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BennyH
Altmeister im Astrotreff

Deutschland
1863 Beiträge

Erstellt  am: 28.02.2007 :  14:13:38 Uhr  Profil anzeigen  Besuche BennyH's Homepage
Hallo,

für mich ist Beobachtungserfahrung dass man sich gut auf das Beobachten von bestimmten Objekten vorbereitet, dazu zähle ich das Auffinden selbiger, vorher zu informieren wann und vor allem wie man das Objekt am besten beobachtet, also indirektes Sehen ect. aber auch die Wahl der richtigen Vergrößerung und dergleichen.

Mein erster Andromedanebel 2004 im 70mm Bresser Röhrchen war auch eher enttäuschend (falsche Erwartungshaltung + falsche Vergrößerung + falscher Standort), inzwischen sehe ich da auch mit dem Feldstecher aber auch generell mehr.

...und wenn das Wetter endlich mal wieder mitmacht würde ich auch gerne mal wieder an Beobachtungserfahrung dazugewinnen :)

Kann man mangelnde Erfahrung mit Öffnung kompensieren?

Teilweise bestimmt, als ich nocht nicht so firm am Himmel war habe ich das ein oder andere Mal durch große Geräte geschaut - klar M51 sah ich im 12"er wesentlich besser als durch mein Lidl wo ich die GX mehr erahnen als wirklich sehen konnte, aber umgekehrt war ich bei einem Sternwartenbesuch vom Blick durch ein 6" APO enttäuscht, Jupiter kam mir nicht sehr viel besser vor als in meinem Röhrchen... Das würde ich heute sicher schon anders beurteilen :)

Grüße Benny


Bearbeitet von: BennyH am: 28.02.2007 14:21:59 Uhr
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MootzGMS
Anbieter, deaktiviert

Deutschland
1207 Beiträge

Erstellt  am: 28.02.2007 :  14:22:28 Uhr  Profil anzeigen  Besuche MootzGMS's Homepage
Hallo leute,

mir fällt zusätzlich noch ein wichtiger Punkt ein. Die Erfahrung bringt es auch mit sich, dass man Abstände und Entfernungen immer besser abschätzen kann, also mit der Zeit auch bei neuen Objekten schon in etwa in der richtigen Gegend landet und sich anhand von Sternmustern von der Karte dann auch im Zielgebiet schneller zurecht findet.
Das lernt sich gut, wenn man immer wieder bereits bekannte Objekte aufsucht und beobachtet, sich nicht ständig nur neue Objekte vornimmt.
Wichtig ist auch, dass man langsam ein Gefühl dafür bekommt, was einen erwartet. Irgendwann sucht man im Übersichtsokular instiktiv nach dem passenden Anblick, den das Objekt bieten müsste. Auch das ist nicht von Anfang an so und dann "überfährt" man im Übersichtsokular das kleine mausgraue Fleckchen, welches bei höherer Vergrößerung das erhoffte AHA-Erlebnis bescheert hätte.
Ebenfalls eine wichtige Erfahrung ist es für mich, dass Geduld, Gelassenheit und Ausgeglichenheit den Beobachtungserfolg erheblich begünstigen.

CS
Günther

Bearbeitet von: am:
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StephanPsy
Altmeister im Astrotreff

Deutschland
2047 Beiträge

Erstellt  am: 28.02.2007 :  14:53:02 Uhr  Profil anzeigen  Besuche StephanPsy's Homepage
Wahrnehmung entsteht im Gehirn und ist das Ergebnis aus dem Prozess der Verarbeitung von äußeren (z.B. Sternenlicht) und inneren (z.B. Wissen, Erfahrung, unbewusstes und bewusstes Denken, Emotionen, Voruteile etc.) Reizen, ist eine "komplexe, aus Sinnesempfindungen und Erfahrungskomponenten bestehende psychische Erscheinung, deren Inhalt im Raum lokalisiert wird und dadurch zur Auffassung von Gegenständen der Außenwelt führt" (Rohracher).

Wahrnehmung verbessert sich also sowohl durch bessere Außenreize (helleres Licht durch perfektes großes Teleskop und dunklen Himmel), als auch durch bessere "innere Reize", z.B. je mehr ich von einem Objekt weiß, wie es aussieht (aus Vorinformation, aus Büchern und Bildern, oder aus früherer Beobachtungserinnerung), desto besser werde ich es auch wahrnehmen


StephanPsy vom Eridanus im ALBiREO mit Phoenix von Goldammer, Penelope von IthakA, femina, Lokomotive, PA-T, Kat:ze von der Almwiese, BlackSeeleScope, Zakyntha

Es gibt keinen Weg zum Glück. - Glücklich-Sein ist der Weg. (Buddha)

Bearbeitet von: StephanPsy am: 28.02.2007 14:55:30 Uhr
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jaramillo
Meister im Astrotreff

Deutschland
615 Beiträge

Erstellt  am: 28.02.2007 :  14:57:48 Uhr  Profil anzeigen
Moin Daniel,

ein interessantes Thema greifts Du da auf!

Die Basis grundlegender Beobachtungserfahrung bedeutet für mich einerseits, sich am Himmel (ohne GoTo) zurechtzufinden und die Objekte der Begierde auch erfolgreich in das Gesichtsfeld des Aufsuchokulars zu bringen. Dies beinhaltet natürlich auch, nicht beim Blick durch den Sucher/durch das Aufsuchokular völlig erschlagen und absolut orientierungslos zu sein. Damit fängt's meiner Meinung nach erstmal an.

Weiterhin gehört wohl dazu, sich auf das einmal eingestellte Objekt einzulassen - es also längere Zeit (und nicht nur im "Vorbeigehen") im Detail zu beobachten - verschiedene Vergrößerungen durchzuspielen, und letztendlich die optimale AP für das jeweilige Objekt aus dem Okularpark zu selektieren.

Gerade bei der DeepSky-Beobachtung ist natürlich die Technik des indirekten Sehens unverzichtbar, muss man ja auch erstmal in den Griff bekommen. Ich habe für mich persönlich festgestellt, wie sich die Beherrschung dieser Technik mit den Jahren immer weiter verbessert hat. Irgendwann ist beispielsweise M1 - unter gleichen Bedingungen und mit gleichem Instrument - nicht mehr nur ein verwaschenes Fleckchen, sondern die Oberfläche wirkt unruhig und zeigt aufeinmal duetliche Struktur. Mittlerweile meine ich festgestellt zu haben, dass es für mich persönlich eine "optimale Position des indirekten Sehens gibt", unter der ich das meiste aus einem Objekt herausholen kann - unabhängig von dessen Größe, Helligkeit und Vergrößerung.

Falls es dieses optimale indirekte Sehen tatsächlich gibt, und ich mir das nicht nur einbilde, denke ich, kommt der Rest der "Beobachtungserfahrung" von ganz allein. Ob es irgendwann eine Grenze gibt, wo die Wahrnehmungsfähigkeiten völlig ausgereizt sind, keine Ahnung - ich sammle Erfahrung seit 4 Jahren und sammle weiter ....

Gruß und CS,

Mathias
------------------------
„Das Positive am Skeptiker ist, dass er alles für möglich hält “ (Thomas Mann)

Bearbeitet von: am:
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NONSENS
Meister im Astrotreff

Deutschland
725 Beiträge

Erstellt  am: 28.02.2007 :  16:08:25 Uhr  Profil anzeigen
Hallo Daniel!

Ein gutes Beispiel für Beobachtungserfahrung ist die visuelle Jupiterbeobachtung. Auch erfahrenste Beobachter wissen, daß man eine Saison braucht, um sich "einzusehen". Am Ende der Saison weiß man dann, was man der Optik zutrauen kann, wie der Einfluß des Seeings ist und was man auf dem Planeten erwarten kann. Wenn´s dann am schönsten ist, ist die Saison zu Ende... und zu Beginn der nächsten Saison fängt man wieder an, allerdings auf einem ganz anderen Level. Habe ich mehrfach erlebt.
"Beobachtungserfahrung" bezieht sich hauptsächlich auf die visuelle Beobachtung. Auch als Planetenfotograf macht man natürlich seine Erfahrungen, die beziehen sich dann aber mehr auf die Technik. Ich selbst finde das Beobachten und das Erfahren mit den eigenen Sinnen reizvoller. Deshalb gibt es auch kaum Fotos von mir, sondern hauptsächlich Zeichnungen. Zeichnen erfordert Beobachten und ist eine sehr gute Möglichkeit, Beobachtungserfahrung zu bekommen.
Mit dem oben Geschriebenen will ich auf keinen Fall behaupten, daß gute Astrofotografen schlechte Beobachter sind. Da gibt es sicher jede mögliche Zwischenstufe...(ich bin anders, weil ich wie alle bin und weil alle anders sind...)

Grüße von Michael!

Das Leben bewegt das Lebendige und das Tote unaufhörlich: jede Minute sind Überraschungen möglich. (E. Strittmatter)

Bearbeitet von: am:
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glahn
Altmeister im Astrotreff

Deutschland
1356 Beiträge

Erstellt  am: 28.02.2007 :  16:41:14 Uhr  Profil anzeigen  Besuche glahn's Homepage
Moin Herr Restemeier,

interessante Frage...vergiss aber nicht deine Meinung dazu mitzuteilen.

Zitat:
...was versteht ihr unter Beobachtungserfahrung? und...woraus genau setzt sie sich zusammen?

Nach meiner Definition bedeutet "Beobachtungserfahrung":
- möglichst schnell und exakt
- möglichst kleine Details
- oder lichtschwache Aufhellungen
nachzuvollziehen, also bewusst zu erfassen.
Ebenfalls dazu gehört die Einschätzung, ob ein Detail, welchens sich an der Wahrnahmungsgrenze befindet real oder auch nicht real ist. Je erfahrener man ist, desto besser gelingt diese Abschätzung, die allerdings immer noch eine Abschätzung bleibt.

Für mich nicht dazu gehören Punkte wie:
- möglichst viele Objekte auswendig auffinden zu können (wenn ich beispielsweise mein ganzen Leben lang exakt 100 Objekte ansteuere und diese innerhalb Sekunden einstellen kann, hat das nix mit Beobachtungserfahrung zu tun)
- möglichst viele Objekte auswendig aufzählen zu können (das Zahlengedächtnis ist nun mal bei jedem unterscheidlich stark ausgeprägt)
- möglichst gut mit dem Teleskop klarzukommen (reine Übungssache)

Aber mal zu deinen Punkten Daniel...ich versuche es mal aus meiner Sicht zu beantworten.
Zitat:
welche Bedeutung hat sie?

Eine sehr große. Letztendlich ist sie neben der Öffnung und den Bedingungen wie Transparenz und Seeing einer der wichtigsten "Entscheidungsträger" zwischen Sehen/Nichtsehen.

Zitat:
Kann man damit fehlende Öffnung ersetzen?

Ganz klar ja. Interessant ist die Frage wieviel, bzw. wieviel Prozent zwischen welchen "Stufen" der Beobachtungserfahrung. Ich werfe mal 20% in den Raum zwischen "sehr erfahren" und "Einsteiger mit Grunderfahrungen"

Zitat:
welche "Tricks" gehören dazu?


Von Trick würde ich nicht sprechen. Eher von der möglichst effizienten Auslegung und Ausnutzung der grundlegenden und allgemeine bekannten Techniken.

Zitat:
ist da noch mehr als nur die reine Beherrschung der Techniken?

Jein Beobachtungserfahrung hat relativ wenig mit den Techniken selbst zu tun. Diese nutzen auch relativ "neue" Einsteiger und sehen trotzdem weniger. Es geht eher um die wie oben geschriebenen effizienten Ausnutzung der Techniken.
Was sich außerhalb der Techniken bewegt sind Dinge wie z.B. Gedult, Auswahl der richtigen AP, Kombination der Techniken untereinander (z.B. Bewegen des Teleskopes mit indirektem Sehen)

Zitat:
gehört zur Beobachtungserfahrung auch die Erfahrung beim Aufsuchen der Objekte?


Das würde ich eher der "Praxis am Telekop" zuschieben. Natürlich findet man als erfahrener Beobachter, der z.B. oft, lange und intensiv beobachtet Objekte schneller. Ist aber eher ein "Abfallprodukt" und würde ich wie oben schon geschrieben aus dem Begriff "Beobachtungserfahrung" ausgrenzen.

Zitat:
wie stark ist der Unterschied zwischen "erfahren" und "unerfahren". Konkrete Beispiele wären zur Veranschaulichung sehr hilfreich.


Schwer abzuschätzen. Nach meinen Erfahrungen aber schon enorm. Beispiele möchte ich jetzt nicht bringen.

Zitat:
ist ein erfahrener Planetenbeobachter damit auch gleich ein guter Deepsky- Beobachter?

Jein bei einem reinen Planetenbeobachter.
-Ja, bei der Erfahrung kleine Details einzufangen. Gerade die Planetenbeobachter können durch gute Vergleiche durch zeitnahe Fotos genau abschätzen, welche Objekte real oder nicht real waren und so ihre Grenzen recht schnell und nachvollziehbar nach oben bringen. Ein bekanntes Beispiel kennst du ja, hab ich dir mal erzählt. Namen möchte ich nicht nennen.
-Nein bei der Fähigkeit besonders lichtschwache Objekte wahrzunehmen.

Zitat:
wird man ewig besser oder ist irgendwann auch mal eine Grenze erreicht?

Ich denke irgendwann ist die Grenze erreicht, ähnlich der Leistungsfähigkeit eines Leistungssportlers, der irgendwann an seine Grenze läuft und sich dann mehr oder weniger an ihr bewegt. Ich merke bei mit z.B., dass ich zumindest keine großen Sprünge mehr nach oben machen, die Sehfähigkeit wird nicht besser. Könnte sein, dass z.B. die Detailwahrnehmung bei kleinen Objekten noch ausbaufähig wäre, wenn man viel speziell daran übt.

Zitat:
wie kommt man am effektivsten dazu?

Die grundlegenste Frage überhaupt...gut und treffend formuliert. Hier interessieren mich beispielsweise auch ungemein andere Meinungen.
Ich denke, dass man durch die 1.) richtige und 2.) Übung dazu kommt.
-zu 1.) was heisst richtig? Unter richtig verstehe ich speziell seine Augen auszureizen. Das heisst z.B. speziell auch kleine oder sehr schwache Objekte versuchen zu beobachten. (kann man z.B. auch an hellen Messiers machen, indem man speziell nach den Details ausschau hällt, ohne sich mit dem "och ist das schön" zufrieden zu geben und zum nächsten Objekt zu hetzen) Und das möglichst oft und intensiv. Der Vergleich zum Sport liegt wieder Nahe. Um schnell zu werden, muss man nicht nur viel Laufen, sondern auch spezielle Belastungseinheiten laufen, also schwierige und anstrengede Läufe machen...also...schwierige (klein und schwach) Objekte
- zu 2.) was heisst Übung? Für mich die Anzahl der Stunden der Beobachtung (nicht unbedingt Anzahl der Nächte...nicht aussagekräftig, wenn z.B. nur 1-2 Stunden lang) Das merke ich auch relativ leicht bei meinen Augen. Ab einen Zeitruam von ca. 8-10 Wochen ohne Beobachtung, habe ich deutlich größere Schwierigkeiten anspruchsvolle Beobachtungen durchzuführen. Das merke ich an der Intensität meiner Konzentration, die deutlich höher sein muss, als bei einem "Lauf", wo alles mehr oder weniger hinfällt, wo ich es haben möchte.

Pohhh...das wird ein Roman, aber ist ja auch ein sehr interessantes Thema, zu dem man viel schreiben könnte. Wie gesagt, Beobachtungserfahrung heisst für mich die Fähigkeit des Auges, möglichst kleine und schwache Details sicher zu erfassen.

Viele Grüße, Uwe


www.deepsky-visuell.de

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