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 Wie kann ein Meteorit überhaupt explodieren?
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escho
Meister im Astrotreff

Deutschland
260 Beiträge

Erstellt am: 18.02.2013 :  19:21:28 Uhr  Profil anzeigen  Besuche escho's Homepage  Antwort mit Zitat
Auf Grund des Meteoriten über dem Ural stellt sich mir folgende Frage:

Wie kann so ein Meteorit überhaupt explodieren?

Wenn der Meteorit in die Erdathmosphäre eintritt, wird er durch die entstehende Reibung sehr heiß, eventuell verglüht er sogar teilweise oder ganz. Eventuell zerbricht er auch in mehrere Teile, von denen vielleicht das eine oder das andere den Erdboden erreicht.

Sehr viele Berichte sprechen bei dem Uralmetoriten von einer gewaltigen Explosion. Wie kann so ein Stein- oder Metallklumpen so mir nichts dir nichts explodieren? Welcher Stoff kann da explodieren? Irgendwie tue ich mich hart bei der Vorstellung, daß einige Tonnen Stein explodieren können, ohne daß man sie vorher mit ein paar Kilo Dynamit angereichert hat.

Einige wenige Berichte sprechen über die Explosion als explosionsartiger Überschallknall. Das kann ich mir sogar gut vorstellen, denn bei dem Speed, mit dem das Teil hereinrauschte, wird es schon sehr gewaltig pumpern.

Was ist nun richtig: Explosion oder Überschalknall oder beides? Kann mir das ein Fachmann oder eine Fachfrau bitte erklären?

Edgar

GSO RC 10Zoll 2000mm + Skywatcher Maksutov 127/1500
AZ-EQ6 GoTo
Canon EOS 600D + 6D
ASI 120 MM + MC
ASI 1600 MM pro mit Filterrad
https://sternenkarten.com/

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Etamin
Meister im Astrotreff

Deutschland
344 Beiträge

Erstellt  am: 18.02.2013 :  19:26:16 Uhr  Profil anzeigen
Zum einen verdampfen im Inneren durch die große Hitze verschiedene Bestandteile, die eingeschlossenen Gase sprengen sich den Weg frei. Zum zweiten gibt es in den meistem Meteoriten auch unterschiedliche Stoffe mit unterschiedlichen Wärmeausdehungskoeffizienten. Werden die Spannungen zu groß, reißt es auch die festen Bestandteile auseinander. Außerdem wirken von vorn starke Verzögerungskräfte durch den Luftwiderstand, die aufgrund der ungleichmäßigen Oberfläche auch noch sehr differenziert wirken. Der Luftwiderstand hängt quadratisch von der Geschwindigkeit ab und bei 10, 20 oder 30 km/s ...

Bearbeitet von: Etamin am: 19.02.2013 12:14:25 Uhr
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stefan-h
Altmeister im Astrotreff


17518 Beiträge

Erstellt  am: 18.02.2013 :  19:39:02 Uhr  Profil anzeigen
Hi,

dazu kommt im falschen Sprachgebrauch die Auswirkung der doch recht großen Masse samt ihrer hohen Geschwindigkeit in Zusammenhang mit der Lufthülle.

Durch die Erhitzung der Luft tritt natürlich eine Druckwelle auf- und diese gleicht dem was bei einer Explosion stattfindet. Der explosionsartiger Überschallknall sollte ja verständlich sein- das Ding war ca. 60x so schnell wie eine Concorde.

Demzufolge trifft beides zu- sich explosionsartig ausdehnende Luftmassen und der Überschallknall durch die Geschwindigkeit der Masse.

Gruß
Stefan

12" Galaxy Dobson * 105mm William ZS - 66mm William ZS - Tak FSQ85
Vixen Atlux - Skysensor 2000 PC - GP DX Skysensor 2000 / auf Berlebach Planet
Sonnenbeobachtung: 2" Baader Herschelkeil - SolarMax 60 mit BF15

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maul-wurf
Meister im Astrotreff

Deutschland
834 Beiträge

Erstellt  am: 18.02.2013 :  19:48:20 Uhr  Profil anzeigen
Hallo Edgar,

da explodiert nichts, sondern die enorm hohen Verzögerungskräfte zerreißen den Körper. Siehe hier:

http://de.wikipedia.org/wiki/Freier_Fall#Beispiel:_Meteoroid

Gruß

Kurt

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HWS
Meister im Astrotreff

United Kingdom
546 Beiträge

Erstellt  am: 18.02.2013 :  21:29:35 Uhr  Profil anzeigen
Alles kann explodieren, wenn es nur den entsprechenden Kräften ausgesetzt wird.
Eine Frage wäre: kann ein schwarzes Loch explodieren? Kaum. Ein SL mit der Masse unserer Erde ist gerade mal 2cm groß. Es tritt in die Erdatmosphäre ein mit einer üblichen Geschwindigkeit von ca 300km/s. Was würde passieren a) wenn es in der oberen Atmosphäre vorbeistreicht oder b) es saust durch die Erde hindurch? Dauert auch nur knappe 2,5min.
Würde man in zB 10000km Entfernung was davon merken?

Es soll ja sogenannte "primordiale Löcher" geben, wozu vielleicht die "2cm" große Erde gehören könnte. Die zerstrahlen schon wärend der Lebzeiten unseres Universums. Sie sollen auch in der letzten Phase explosionsartig verschwinden.
Grüße Hans-W.

HWS

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FrankH
Altmeister im Astrotreff


9881 Beiträge

Erstellt  am: 19.02.2013 :  00:08:42 Uhr  Profil anzeigen
Hallo

man muß auch davon ausgehen das die schnelle Erwärmung die äußeren Schichten stärker aufheizt wie die Inneren und sich durch die so entstehenden Spannungen Hüllen abplatzen.
selbst wenn der Brocken aus einem gleichmäßigem Stoff ist.
Ist ja bei manchen Steinen auch schon so wenn man sie ins Feuer legt, selbst das kann schon ganz schön ins Auge gehen, und bei dem Meteoriten ging es um größere Brocken noch stärker und schneller aufgeheizt, da wird dann wohl auch das leise Knacken etwas lauter ausfallen.

Gruß Frank

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mic888
Meister im Astrotreff

Deutschland
968 Beiträge

Erstellt  am: 19.02.2013 :  08:00:25 Uhr  Profil anzeigen
Hi

Dieser Erwähnte Überschallknall hat in keiner Weise etwas mit der Explosion zu tun. Klar, beides ist auf die unglaubliche Geschwindigkeit zurück zu führen aber wenn er jetzt nicht explodiert wäre, hätte er trotzdem die Schallmauer durchbrochen.
Stellt sich mir nur die Frage, explodieren denn grundsätzlich alle Meteoriten und nur der Hauptbrocken verursacht den Krater?

Grüße Michael

Bearbeitet von: am:
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Avier50
Altmeister im Astrotreff


1080 Beiträge

Erstellt  am: 19.02.2013 :  08:38:28 Uhr  Profil anzeigen
Hallo,
aufmerksames Beobachten des Ereignisses bringt einen weiter. Es war ja nicht so, dass der Tscheljabinsk-Meteorit bis zum Schluss gleichmäßig aufleuchtete und dann mit einem Knall "explodierte". Es ist auf allen Videos deutlich zu sehen, dass am Ende der Bahn mehrere einzelne Lichtblitze auftauchten, die auf das Abplatzen einzelner Fragmente vom Hauptkörper zurückzuführen sind. Da kamen auch keine einzelnen "Knalle". Es passierten alle Phänomene, die von Boliden bzw. Feuerkugeln bekannt sind, nur ins Gigantische vergrößert. Dadurch ein imposantes Naturschauspiel!
Und generell, was die Medien für "Fachbegriffe" verwendeten, abscheulich. Lasst Euch doch nicht auf das Niveau ein.
Grüße
Andreas

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maul-wurf
Meister im Astrotreff

Deutschland
834 Beiträge

Erstellt  am: 19.02.2013 :  08:39:57 Uhr  Profil anzeigen
Hallo zusammen,

im Wikipedia-Artikel "Meteorit" steht praktisch alles drin, unter anderem das:

Zitat:
Beim Eintritt in die Erdatmosphäre werden die Meteoriten sehr stark abgebremst, dabei an der Oberfläche so erhitzt, dass sie teilweise schmelzen bzw. verdampfen. Da der Sturz durch die Erdatmosphäre nur einige Sekunden dauert, kann sich das Innere vor allem größerer Meteoriten nicht nennenswert erwärmen. Erst nach dem Aufschlag kann die an der Oberfläche entstandene Reibungswärme in das Innere durch Wärmeleitung abgegeben werden. Da das Volumen der erhitzten Oberfläche im Verhältnis zum Gesamtvolumen jedoch meist klein ist, bleibt das Innere relativ kühl und unverändert.


Grüße

Kurt

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Mettling
Altmeister im Astrotreff

Deutschland
5889 Beiträge

Erstellt  am: 19.02.2013 :  08:48:51 Uhr  Profil anzeigen
Zitat:
Original erstellt von: HWS

Alles kann explodieren, wenn es nur den entsprechenden Kräften ausgesetzt wird.
Eine Frage wäre: kann ein schwarzes Loch explodieren? Kaum. Ein SL mit der Masse unserer Erde ist gerade mal 2cm groß. Es tritt in die Erdatmosphäre ein mit einer üblichen Geschwindigkeit von ca 300km/s. Was würde passieren a) wenn es in der oberen Atmosphäre vorbeistreicht oder b) es saust durch die Erde hindurch? Dauert auch nur knappe 2,5min.
Würde man in zB 10000km Entfernung was davon merken?

Es soll ja sogenannte "primordiale Löcher" geben, wozu vielleicht die "2cm" große Erde gehören könnte. Die zerstrahlen schon wärend der Lebzeiten unseres Universums. Sie sollen auch in der letzten Phase explosionsartig verschwinden.
Grüße Hans-W.



Moin Hans-W.,

Was hat das mit dem Thema dieses Threads zu tun? Du willst nicht ernsthaft behaupten, dass da ein primordiales Schwarzes Loch über Tscheljabinsk detoniert ist, oder? Wie erklärst Du damit die Rauchspur und die Explosionswolke?

Edgar,
Bei den typischen Eintrittsgeschwindigkeiten eines Meteoriden wird die Atmosphäre so "hart", dass sie ihn zerreißt wenn er in die dichteren Schichten eintritt. Ein Großteil der kinetischen Energie des eintretenden Körpers wird dabei in thermische Energie umgewandelt, was die gleichen Folgen hat wie eine Explosion. Du brauchst gar keinen "Sprengstoff" im klassischen Sinne, die Materie des Impaktors selbst wird zu Sprengmittel.

Wenn Du einen Schneeball aus Hüfthöhe einfach ins Wasser fallen lässt, bleibt er wahrscheinlich intakt. Wenn Du ihn mit voller Wucht auf die Wasseroberfläche schleuderst, wird er zerplatzen und eine kräftige Druckwelle im Wasser erzeugen. Einfach nur durch seine kinetische Energie und ganz ohne Sprengstoff.
So ähnlich musst Du Dir den Eintritt und die Detonation des Meteors vom Freitag vorstellen. Nicht irgendein brisanter Bestandteil hat ihn zerrissen und die Druckwelle erzeugt, sondern einfach die gewaltige kinetische Energie.

Michael,
Ob ein Meteorid beim Eintritt explodiert oder als ganzes einschlägt hängt unter anderem von der Größe und Beschaffenheit des Körpers, dem Eintrittswinkel und der Eintrittsgeschwindigkeit ab. Ein kohliger Chondrit wird höchstwahrscheinlich in der Atmosphäre zerrissen, egal wie groß und schnell/langsam er ist. Bei einem Stein/Eisen-Meteoriten sieht das schon ganz anders aus. So einer hat übrigens den Barringerkrater in Arizona erzeugt.

Bis dann:
Marcus

16" f/3,7 Dobson, 6" Reisedobs, C8, ED 80/560, Sunlux (Skylux/PST-Mod)
Vixen SP-DX und Porta, Star Adventurer
Zeige mir einen Dobson und ich zeige Dir eine Baustelle.

Bearbeitet von: am:
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HWS
Meister im Astrotreff

United Kingdom
546 Beiträge

Erstellt  am: 19.02.2013 :  14:19:58 Uhr  Profil anzeigen
Ja Marcus,
hast natürlich Recht, hat nichts mit dem Thread zutun. Wird auch wahrscheinlich nie passieren. War nur eine Reflexion.
Gruß Hans

HWS

Bearbeitet von: am:
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escho
Meister im Astrotreff

Deutschland
260 Beiträge

Erstellt  am: 19.02.2013 :  18:59:19 Uhr  Profil anzeigen  Besuche escho's Homepage
Da sag ich mal Dankeschön für eure Erklärungen. Eine anschauliche Erklärung hab ich nach langem Suchen auch auf scienceblogs.de gefunden, und zwar einen Eintrag von Florian Hofstetter: http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2013/02/17/der-meteor-uber-russland-eine-zusammenfassung/ . Ist ein interessantes Thema.

Edgar

GSO RC 10Zoll 2000mm + Skywatcher Maksutov 127/1500
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