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 Buchrezension "Die Jagd auf die Venus"
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Sternli
Altmeister im Astrotreff

Schweiz
1589 Beiträge

Erstellt am: 20.05.2012 :  19:07:53 Uhr  Profil anzeigen
Die Jagd auf die Venus
und die Vermessung des Sonnensystems

Autor: Andrea Wulf
Verlag: C. Bertelsmann
416 Seiten
Preis: 21.99 €
ISBN: 978-3-570-10095-0

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© C. Bertelsmann
Mit freundlicher Unterstützung
des Verlages

Klappentext:

Mitte des 18. Jahrhunderts machten sich in vielen Ländern der Erde Männer auf, um ein Himmelsschauspiel zu beobachten und um eine Menschheitsfrage zu beantworten: Wie gross ist unser Sonnensystem?

„Die Beobachtung des Venus-Transits – das ehrgeizigste jemals geplante wissenschaftliche Projekt zu einer Zeit, als ein Brief von Philadelphia nach London zwei bis drei Monate brauchte und die Reise von London nach Newcastle sechs Tage dauerte. Auch der Plan, genaue Entfernungen im Raum zu berechnen, war ein kühnes Vorhaben, da die Uhren noch nicht genau genug gingen für exakte Längenbestimmungen und mehr als 2000 Masseinheiten existierten.“

Andrea Wulf mit einem Wissenschaftsthriller über Erkenntnishunger, Mut und Fantasie.



Rezension:

Zwischen dem Buch „Die Spur des Abendsterns“, welches ich im Februar 2012 rezensierte und dem, welches ich euch heute vorstellen möchte, liegen – gelinde gesagt - Welten. Während Gudrun Bucher in die „Spur des Abendsterns“ sehr sachlich und nüchtern über die damaligen Transite berichtet, setzt Andrea Wulf mehr auf die Gefühlsebene, ja reisst den Leser förmlich mit in den Strudel der Geschehnisse.

Zu Beginn des Buches findet man ausgewähltes Kartenmaterial, welches die Welt zeigt, so wie sie 1761/1769 bekannt war. Die Karten sind schwarz/weiss abgedruckt, so wie auch die übrigen Abbildungen, Zeichnungen und Portraits. Teilweise werden auf diesen Karten und im Buch die alten Namen der Orte verwendet, so wie sie auch in den Quellen zu finden sind. Andernorts wurden schon die heute gebräuchlichen Bezeichnungen übernommen. Manchmal muss man dann diese in der Vorbemerkung nachschlagen, aber vielerorts hat die Autorin Fussnoten hinzugefügt.

Nach einer kurzen Personeneinführung, der „Dramatis Personae“, geht es endlich los – und zwar mit der Herausforderung des Edmond Halley. Schon im Jahre 1716 rief er die internationale Astronomengemeinschaft dazu auf den Venustransit nicht ungenutzt verstreichen zu lassen und alle erdenklichen Massnahmen zu ergreifen, um diesem Ereignis beizuwohnen. Und so brachte er den Stein ins Rollen und die Wissenschaft zur internationalen Zusammenarbeit.

Die Transite von 1761 und 1769 werden jeweils in separaten Kapiteln beschrieben. Innerhalb dieser Kapitel gleicht sicher aber der Aufbau. So werden in einem ersten Schritt die Vorbereitungen der einzelnen Nationen geschildert, inklusive Erfolgen und Misserfolgen der einzelnen Astronomischen Vereinigungen. Die Wege der auserwählten Beobachter werden verfolgt und auch Ereignisse aus der Politik finden hier ihren Platz – denn sie haben damals massgeblich zu den Schwierigkeiten der "Mission Transit" beigetragen. Dann, zum Stichtag, geht die Autorin auf die einzelnen Beobachtergruppen separat und detailliert ein. Hier schildert sie, wie die Beobachtungen verliefen, mit welchen Tücken die Beobachter zu kämpfen hatte und zu welchen Ergebnissen sie kamen. Die Ergebnisse fasst sie dann in einem letzten Schritt zusammen – in dem Bericht über die weltweite Berechnung der Parallaxe.

Die Texte sind sehr einfach geschrieben, es gibt wenige Fremdworte. Es gibt immer wieder Zitate, die am Anfang etwas verwirrend sind. So ist das Buch eigentlich aus der Sicht eines allwissenden Erzählers geschrieben und damit in der dritten Person singular. Immer wieder mischen sich aber Zitate in den Text, welche aus der Ich-Perspektive geschrieben sind. Dies ist am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, vor allem da diese nicht in separaten Sätzen verarbeitet wurden, sondern in die Sätze miteinfliessen.

Aber gerade diese Zitate aus Tagebüchern und Berichten machen das Buch so intensiv und spannend. Man hat das Gefühl, dass man Glück und Unglück mit den Hauptdarstellern hautnah miterlebt. Andrea Wulf schafft es mit ihren Worten die Handlungen so auszuschmücken, dass vor dem inneren Auge die Bilder automatisch Gestalt annehmen und das ganze Buch wie ein Film vor dem inneren Auge abläuft.
Man bekommt einen Sinn für die damalige Zeit. Für die Schwierigkeiten und Gefahren, in welche sich die Astronomen begaben, für die Sichtweisen der damaligen Menschen und für den Geist der Gesellschaft. Die Expeditionen sind sehr spannend und ausführlich beschrieben und werden von allerhand zusätzlichen Informationen begleitet, trotzdem verliert die Autorin nie den roten Faden.

Einige wenige Rechtschreib- und Grammatikfehler können die Freude am Buch nicht trüben, sollen aber hier Erwähnung finden.
In der Mitte des Buches gibt es eine kleine, aber feine, Auswahl mit Portraitbildern der wichtigsten Persönlichkeiten dieses Buches auf Hochglanzpapier. Auch diese Bilder sind natürlich schwarz-weiss, aber von guter Qualität und geben den Menschen, über die man nun schon eine Weile gelesen hat ein Gesicht. Die Bilder sind gut ausgewählt und von angemessener Grösse.

Zu guter Letzt gibt es ein sehr umfangreiches Verzeichnis, in dem sich der Leser weiter schlau machen kann. Hier findet er alle Beobachter nach Transit und Land sortiert, alle Anmerkungen zu den verschiedenen Textstellen, Quellenangaben und empfohlene Literatur im Internet sowie in Buchform.


Fazit:
Ein gelungener Mittelweg zwischen sachlicher Lektüre und spannendem Roman. Andrea Wulf versteht es den Leser mitzureissen und ihm das Gefühl zu geben, er sei die ganze Zeit dabei gewesen. Dieses Werk regt zum Nachdenken an - und zum Tatendrang. Wer würde nicht gerne am 5./6. Juni auf eine persönliche Entdeckungsreise gehen und ebensolche Abenteuer erleben?

Bisher eines der unterhaltsamsten und zugleich informativsten Bücher, welches ich über die Expeditionen zu den Venus-Transiten gelesen habe.

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