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 Planspiegel und "FringeXP"
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Kurt
Forenautor im Astrotreff

Germany
4845 Beiträge

Erstellt am: 09.06.2004 :  22:42:49 Uhr  Profil anzeigen
Zitat:
Wie schätzt du das ein, kann der Test in Autokollimation in Zukunft
vollständig durch diese interferometrischen Tests und Auswertung
mit FringeXP ersetzt werden? Oder anders gefragt, braucht man überhaupt
noch große Planspiegel? (Ausser als Coelostaten natürlich :-)


Hi Heiner,
ich hab auf Grund Deiner Frage ein neues Thema aufgemacht und beschränke mich mal auf die Prüfung von typischen Amateurspiegeln. Bevor nicht umfangreichere, gesicherten Messreihen zur Reproduzierbarkeit vorliegen möchte ich mich noch nicht festlegen ob man mit Messungen aus dem Krümmungsmittelpunkt und FringeXP genügend sichere Messungen zur Beurteilung der Spiegelqualität machen kann. Es hängt auch ganz wesentlich davon ab, welche Genauigkeit der Messergebnisse sinnvoll ist. Nach meinen ersten Versuchen zur Reproduzierbarkeit unter gut temperaturkontrollierten Laborbedingungen anlässlich der Untersuchungen zum Bodenseeing muss man mit dem einfachen I- Meter, einfachem Laser und Linse mit relativ großen Streuungen zu rechnen.

Beispiel an einem 8“ f/5:
Strehlwerte:
0,935 0,918 0,909 0,945 0,950 0,913 0,933 0,945 0,898 0,933 0,943
Mittelwert: 0,929
Range: 0,052, entsprechend 5,6% bezogen auf den Mittelwert.
Auswertung bezüglich Astigmatismus: Fehlanzeige

Ein anderes Beispiel:
11 Interferogramme an meinem 12“ f/4,8 Quarzspiegel in Autokollimation durchgeführt von einem Fremd“labor“, eigene Auswertung mit FringeXP:

Strehlwerte:
0,835 0,716 0,608 0,747 0,772 0,879 0, 792 0, 933 0,957 0,866 0,885
Der Range beträgt hier 0,35 Strehl, also rund 7x höher als im ersten Beispiel. Die Berechnung des Mittelwertes hab ich mir hier gespart. Bei der detaillierten Auswertung mit FringeXP zeigte jedes I- Gramm knalleharten Astigmatismus, nur mit jeweils völlig anderem Betrag und in anderer Ausrichtung. Das muss wohl am Quarz als Spiegelmaterial liegen. In jenem „Prüflabor“ scheinen auch sonst einige physikalische und messtechnische Ausnahmeregelungen zu gelten, von denen Physiker und/oder und Ingenieure selbiger Fachrichtung noch keine Ahnung haben. Wie auch immer, der Spiegel wurde mir dann mit exaktgenau Streel= 0,99 „zertifiziert“, garniert mit sich gegenseitig stützendem Beiwerk, so echt doll fein zum Quieken und Freuen. Das war dann auch das letzte mal, dass ich für eine Prüfung Geld bezahlt habe.

Noch mal zum Nutzen größerer Planspiegel für Messzwecke: Für die Vermessung des gesamten Teleskopes was z. B. bei Refraktoren, SCs, Cassis, RCs und ähnlichem sinnvoll ist wird man auf jeden Fall gute Planspiegel brauchen.

Zum Thema Interferometrie findet man auf Raphaels Seite lesenswertes http://www.optikpraxis.de/
Gruß Kurt
Physikingenieur

PS.: Da der Produzent der gemütserheiternden Streel 0,99 gerade mitten drin ist sein geniales Wissen gegen meine hier vorgestellten Arbeiten einzusetzen, möchte ich seine Namen nicht länger verschweigen: Der Produzent ist Wolfgang Rohr. Ebenso hat er die I- Gramme des zweiten Beispieles gefertigt.

Bearbeitet von: Kurt am: 10.06.2004 10:17:43 Uhr

otterstedt
Altmeister im Astrotreff

Deutschland
1387 Beiträge

Erstellt  am: 10.06.2004 :  06:02:24 Uhr  Profil anzeigen  Besuche otterstedt's Homepage
Hallo Kurt,

> Range: 0,052, entsprechend 5,6% bezogen auf den Mittelwert.

Das sieht doch ganz vielversprechend aus. Liegt die verbleibende Streuung am Messvorgang
oder ist es das Markieren der Streifen? Ich meine mich zu erinnern, dass es irgendwo auch
eine wiederholte Auswertung des selben Interferogramms gab, bei der auch eine erhebliche
Streunung festgestellt wurde. Diesen Teil des Tests könnte man ja sicherlich noch automatisieren.

> Auswertung bezüglich Astigmatismus: Fehlanzeige

Da im Interferogramm alle nötigen Daten enthalten sind, müsste FringeXP das in Zukunft
eigentlich hin bekommen. Mal sehen, aber ich bin optimistisch, dass Dave da etwas einfällt.

Ciao, Heiner

Teleskope bauen in Theorie und Praxis

Bearbeitet von: am:
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Gert
Altmeister im Astrotreff


1309 Beiträge

Erstellt  am: 10.06.2004 :  06:52:42 Uhr  Profil anzeigen  Besuche Gert's Homepage
Hallo,

Ich bin derzeit beim Fangspiegel fuer ein 10zoll RC Projekt und schaue mir mal alle Testmethoden so an. Der Hauptspiegel ist fertig und ist mit LWT getestet. Der Fangspiegel ist 100mm Durchmesser hat 800mm Radius und eine Exzentrizitaet von -6.7. Das ist eine Menge! Ich habe erstmal Fangspiegel und eine Passplatte beide sphaerisch auf den Zielradius gebracht.
http://www.trivalleystargazers.org/gert/rc10_testing/RC10_testing_M2.html
Vorteil hier. Die Sphaere auf der Testplatte kann man gnadenlos gut im stink normalen Foucault testen. Wie kommt man dann aber zur Hyperbel?
Man koennte die Testplatte korrigieren. Test mit LWT oder Foucault software. (Wie genau wird das bei F4 und 6.7facher Parabel? Dann fringeXP oder einfach ganz normaler Interferenztest bis man gerade Streifen hat. Wie sschwierig es bei zwei gleichzeitig gekruemmten Flaechen ist gerade Streifen hinzukriegen habe ich beim Einstiegsexperiment mit den beiden Platten zur Sphaere gemerkt. (Knifflig!)
Oder Testplatte sphaerisch lassen, Fangspiegel korrigieren und mit fringeXP die Differenz messen. Bei meiner Korrektur kommen da etwa 15 Streifen raus! Wer weiss, wie genau da noch die Auswertung mit fringeXP ist? Ich bin zur Zt. in Emaildiskussion mit Dave zu diesem Problem.
Ich habe auch eine Idee sich in der Mitte zu treffen. Testplatte halb korrigieren (vielleicht bis -3) (Ob man das nun einfacher mit LWT oder Foucault messen kann als -6.7??) und dann mit fringeXP und noch wenige Streifen messen.

Kommentare und Ideen sind erwuenscht.

Clear Skies,

Gert



Bearbeitet von: am:
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Marty
Altmeister im Astrotreff

Germany
1739 Beiträge

Erstellt  am: 10.06.2004 :  09:47:45 Uhr  Profil anzeigen  Besuche Marty's Homepage  Sende Marty eine AOL Message  Sende Marty eine ICQ Message  Sende Marty eine Yahoo! Message
Zitat:
Original erstellt von: Gert

Hallo,

Ich bin derzeit beim Fangspiegel fuer ein 10zoll RC Projekt und schaue mir mal alle Testmethoden so an.




Hallo Gert,
Wenn du den Fangspiegel aus BK7 machst, dann kannst du den von Rückwärts durch die plane Vorderfläche testen. Man muß dazu den Strahlengang mit einem Programm wie OSLO berechnen. Das geht natürlich nur mit optischen Gläsern. Bei Pyrex oder Zerodur wird der Strahlengang durch das Glas gestört. Da du ein größeres Projekt vor dir hast, nützt dir diese Methode dann wenig.
Übrigens um auch die Zernikekoeffitienten höherer Ordnuung zu erfassen braucht FringeXP eine entsprechende Anzahl von Linien, Ich hab mal ein Interferogramm mit einer Linie ausgewertet, da kam dann ein Strehl von 1,00 raus Was völlig abwegig war. Es schadet m.E.nicht wenn du mit 15 Ringen testest. Möglich, daß du den Astigmatismus bei diesem Verfahren ausklammern mußt, und auf anderem Weg ausschließen.
Grüße Martin

Homepage www.marty-atm.de
mailto:martin<at>marty-atm.de
AG Spiegelschleifen in der Wilhelm Foerster Sternwarte NUR NOCH NACH VEREINBARUNG
Info zum AG Spiegelschleifen: http://www.wfs.be.schule.de/pages/AGSpiegel/

Bearbeitet von: am:
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Raphael
Anbieter

Deutschland
571 Beiträge

Erstellt  am: 10.06.2004 :  10:12:41 Uhr  Profil anzeigen  Besuche Raphael's Homepage
Hallo Heiner

"Ich meine mich zu erinnern, dass es irgendwo auch
eine wiederholte Auswertung des selben Interferogramms gab, bei der auch eine erhebliche
Streunung festgestellt wurde"

Meinst Du folgendes:?

2. Streuung bei mehrfacher Auswertung des selben Interferogrammes (Krümmungsmitelpunkt)
Ergebnisse der Messung aus dem Krümmungsmittelpunkt. Auch hier mit manueller Nachkorrektur. Den Vergleich mit automatischer Optimierung spare ich mir an dieser Stelle, weil ich der Meinung bin, dass dazu die Messung aus dem Krümmungsmittelpunkt zu empfindlich für Abweichungen ist. Dabei wird eine recht große Streuung entstehen - so meine Vermutung.

Messung 1: Strehl: 0,307
Messung 2: Strehl: 0,327
Messung 3: Strehl: 0,325
Messung 4: Strehl: 0,344
Messung 5: Strehl: 0,365

Statistische Auswertung:
Mittelwert 0,3336, s=Standardabweichung: 0,0219043, T(95, f=4): Vertrauensbereich: +- 0,0271935, Streuung: +- 8,15%

Das findest Du auch auf meiner HP die Kurt ja schon verlinkte. Und zwar unter "Anmerkungen zu" und dann "FringeXP".
Man sollte diese Untersuchungen nochmal mit einer besseren Optik wiederholen, allerdings hatte ich damals keine Interferogramme die sich dafür eigneten. Da der Strehlwert hier bei nur 0,33 liegt macht sich jeder Fehler natürlich Prozentual stark bemerkbar. Des weiteren war das I-Gramm ganz schön verrauscht. Ich denke das geht auf alle Fälle noch besser.

Viele Grüße
Raphael

http://www.Optikpraxis.de

Bearbeitet von: am:
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Kurt
Forenautor im Astrotreff

Germany
4845 Beiträge

Erstellt  am: 10.06.2004 :  10:31:50 Uhr  Profil anzeigen
Hi Gert,
nach meiner ersten Übung mit einem 90 mm Cassegrain FS + Probeglas kommt man bei Anwendung mit FringeXP mit einem sphärischen Referenzglas gut zurecht. Bei meiner Prüfung kam zufällig eineCC von 7,4 heraus. Wie bereits gesagt, bringe ich dazu einen ausführlicheren Bericht, natürlich mit Untersuchung der Genauigkeit. Hab leider im Moment keine Zeit dafür. Wie Marty schon bemerkte, nicht mit zu wenig Streifen arbeiten. Die Autoren empfehlen 10 - 20 Streifen!

Gruß Kurt

Bearbeitet von: am:
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Kurt
Forenautor im Astrotreff

Germany
4845 Beiträge

Erstellt  am: 10.06.2004 :  20:09:03 Uhr  Profil anzeigen
Weil es allgemein wohl viel Spaß macht, hab ich das nachfolgende I-Gramm 10x nacheinander mit „FringeXP“ ausgewertet. Das läuft ganz gut im Autotrace-Modus. Nur die Endpunkte in den Streifen wurden manuell eingefügt.


Mittelwert Strehl = 0,742
Range 0,048 entsprechend 6,5% bezogen auf den Mittelwert.

Das I-Gramm entstammt der Messreihe 2 aus dem Diagramm zur Seeing – Untersuchungen.
Der Range zwischen dem höchstem/niedrigsten Messwert der Einzeldiagramme betrug hier mehr als 0,8 Strehl. Da muss man nicht mehr über den Range von 6,5% philosophieren. Siehe http://www.astrotreff.de/topic.asp?TOPIC_ID=10537,
zweites Diagramm. Für den Anwendungsfall, hier Nachweis der Änderung des Bodenseeing ist die Auflösung gut genug.

Erst wenn es um die genauere Erfassung von Unterschieden und richtige Ermittlung der „Zernikes“ geht stellt sich dringend die Frage nach besserer Streifenqualität. Da bleibt noch einiges zu tun. Man kann nicht erwarten, dass eine Software verrauschte Messsignale, wie hier die Streifen zu 100% restaurieren kann. Das ist genau so unmöglich, wie ein unscharf geschossenes Foto nachträglich auf die volle Schärfe bringen zu wollen.

Gruß Kurt

Bearbeitet von: Kurt am: 10.06.2004 20:11:10 Uhr
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