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 Einsteigertipp: Gesichtsfeld eines Okulares
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slyv
Altmeister im Astrotreff

Schweiz
5161 Beiträge

Erstellt am: 07.10.2010 :  20:45:45 Uhr  Profil anzeigen
Hallo.

Ich hatte eben eine Idee, wie man einem Einsteiger das scheinbare Gesichtsfeld eines Okulares erklären kann: mit einer leeren Klorolle!

1. man halte das Kartonrohr mal auf's Auge, bzw, drücke es leicht in die Augenhöhle.
(Ich habe eben festgestellt, dass ich das sogar freihändig kann! Ich klemme die Rolle ein wie ein Monokel.)
Das Gesichtsfeld, was Du siehst, das ist ein ganz extremer "Tunnelblick". Es entspricht schätzungsweise 25...30°, solche Okulare gibt's nur im Billigstsegment, die verdienen die Bezeichnung "Okular" eigentlich gar nicht..


2. dann drück die Röhre platt, schneide 2cm davon ab, und drücke sie wieder rund. Halte sie erneut vor's Auge. Was Du jetzt siehst, entspricht etwa 35...40° scheinbarem Gesichtsfeld. Einige speziell auf Kontrast (Mond, Planeten) getrimmte Okulare (z.B. Monozentrische oder Orthoskopische) liegen in diesem Bereich.


3. schneide erneut 2cm von der Rühre ab. Nun werden etwa 50...55° überblickt - das entspricht etwa dem Gesichtsfeld von Plössls oder ähnlichen "einfachen" Okulardesigns.

4. schneide diesmal etwa 1,5cm ab. Das Reststück entspricht dann etwa 70° und entspricht etwa dem Gesichtsfeld von Panoptic oder Hyperion Okularen. Bei Gesichtsfeldern von ca. 70° spricht man von Weitwinkel-Okularen (oder auch "WA", steht für "wide angle").

5. gucke durch eines der abgeschnittenen 2cm Stücke: der Ring begrenzt das Gesichtsfeld des Auges nur noch ganz knapp. Das entspricht etwa dem Blick durch ein UWA Okular, also mit etwa 80° scheinbarem Gesichtsfeld. z.B. die Spers Waler Okulare haben dieses Gesichtsfeld, oder die Nagler Serie von Tele Vue oder die Meade UWA.
(UWA steht für "ultra wide angle" was soviel heisst wie Überweiteinkel )


6. und dann gibt's auch noch Okulare mit 100°Gesichtsfeld, die "Ethos" Serie von Tele Vue. Die sind dann etwa so, wie wenn das Kartonröhrchen nur 4mm lang wäre - oder anders gesagt: die begrenzen das natürliche Gesichtsfeld des Auges gar nicht mehr! Man kann sogar zu einem gewissen Rahmen im Gesichtsfeld des Okulares "hin- und her gucken". Das ist dann "mittendrin statt nur dabei"


Ja, so ist das, mit dem sGf, dem scheinbaren Gesichtsfeld.

Man sollte die Qualität eines Okulares aber keinesfalls nur anhand des sGf messen! Es gibt viele weitere Attribute - z.B. das Einblickverhalten ist auch sehr wichtig und natürlich die Kontrastleistung oder die Randschärfe (besonders an Newtons mit f/5 oder "schneller") und nicht zuletzt ist natürlich auch der Preis ein Kriterium!

Zum Einstieg also lieber 3...4 Plössls als 1/3 von einem Ethos!
Aber "für später" lieber 3...4 *wirklich gute* Okulare als 6...8 mässig gute...
Meine Meinung.


Erfahrene Sternegucker: bitte meldet Euch auch zu Wort.
Probiert das mit der Klorolle mal und beschreibt, ob meine Schätzung des sGf einigermassen mit dem überein stimmt, was ihr seht.
(Vielleicht hab'ich ja auch übermässig tiefe Augenhöhlen; soll bei langjährigen Brillenträgern ja nicht selten sein.)

Falls meine Schätzungen grob daneben liegen, korrigiert mich bitte!

Orangeblau grüsst Silvio von der MACH1 (Member of Albireo) und wünscht allen klare Sicht

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sweeper
Altmeister im Astrotreff

Deutschland
4726 Beiträge

Erstellt  am: 07.10.2010 :  20:50:58 Uhr  Profil anzeigen  Besuche sweeper's Homepage
Silvio!

Klasse, egal ob da jetzt ein paar mm hin oder her. Was zählt ist die Veranschaulichung.

Ich stimme dafür, den Beitrag im Wissensspeicher anzupinnen!

CS und Gruss
Robert
-------------------
"Es passen mehr Atome in ein Lichtjahr als es Sterne im Universum gibt!"
www.allgaeugraphie.de
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mintaka
Forenmeister im Astrotreff

Deutschland
14917 Beiträge

Erstellt  am: 07.10.2010 :  21:13:18 Uhr  Profil anzeigen
Hallo Silvio,

vor einigen Monaten hatte ich mal die gleiche Idee, aber ich finde meine Notizen dazu nicht mehr.
Ich habe jetzt noch mal versucht, eine Formel dafür aufzustellen:

l = 21 / tan( a / 2 )

Dabei ist a das gewünschte Gesichtsfeld und l die Länge der Papprolle in mm mit 42 mm Durchmesser.
Es sind nur grobe Anhaltswerte, da das gezeigte Gesichtsfeld sicher auch von der Kopfform des Klorollenbenutzers abhängt.

Ich komme auf folgende Werte:
98 mm, 24° (original Klorolle)
78 mm, 30°
51 mm, 45°
45 mm, 50°
36 mm, 60°
30 mm, 70°
25 mm, 80°
16 mm, 105°

Gruss Heinz

Bearbeitet von: mintaka am: 07.10.2010 21:29:06 Uhr
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notoxp
Altmeister im Astrotreff


1036 Beiträge

Erstellt  am: 07.10.2010 :  21:26:12 Uhr  Profil anzeigen
Zitat:
Original erstellt von: mintaka

Es sind nur grobe Anhaltswerte, da das gezeigte Gesichtsfeld sicher auch von der Kopfform des Klorollenbenutzers abhängt.
... vor allem wie weit das Auge in die Klorolle hineinragt.

Trotzdem nette Idee! Obwohl das beste immer noch das echte durchsehen durchs Okular am eigenen Teleskop ist.

CS

notoxp

Bearbeitet von: am:
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slyv
Altmeister im Astrotreff

Schweiz
5161 Beiträge

Erstellt  am: 23.01.2011 :  12:08:44 Uhr  Profil anzeigen
Hallo Zusammen.

Huch, den Thread habe ich ja vollkommen aus den Augen verloren...

Danke, Heinz, für Deine Berechnungen. Wenn ich meine Schätzungen mit Deinen Resultaten vergleiche, fällt mir auf, dass meine Schätzungen z.T. arg daneben liegen, z.T. aber auch recht gut stimmen.

Ich frage mich, warum manche Schätzungen so gut stimmen und andere nicht, ich habe das Sgf mit meinen Okularen (habe Orthos, Plössls, 2 PanO, 2 Nagler und ein Spers Waler Zoom) abgeglichen...

Aber so wichtig ist das im Prinzip gar nicht. Es ging mir ja in diesem Thread nicht um mathematische Grundlagen, sondern darum, dem Einsteiger möglichst einfach und möglichst anschaulich den Unterschied der verschiedenen sGf aufzuzeigen.

Da ich eben eine Anfrage erhalten habe, meinen Text (oder zumindest die Idee mit der Klorolle) in die Teleskopdatenbank zu übernehmen, denke ich, ist mir diese Veranschaulichung recht gut gelungen.


Orangeblau grüsst Silvio von der MACH1 (Member of Albireo) und wünscht allen klare Sicht

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