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 DDoptics Königstein ED 8x42 Testbericht

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Ü B E R S I C H T    
Mettling Erstellt am: 04.03.2018 : 17:10:32 Uhr
Hallo Freunde der kompakten Ferngläser,

Heute möchte ich ein Fernglas vorstellen, das ich mir kürzlich zum Geburtstag geschenkt habe. Ein Königstein ED 8x42 der deutschen Firma DDoptics.



DDoptics sitzt in Dresden und vertreibt unter eigenem Namen Ferngläser und Zielfernrohre aus fernöstlicher Produktion. Schwerpunkt sind Instrumente für Jäger und Naturbeobachter. Preislich fangen die Ferngläser bei rund 200,- € an und gehen bis 1278,- €.
Die Serie Königstein umfasst 8x42 und 10x42 Gläser. Besonderheit ist eine zusätzliche Bildebnungslinse im Strahlengang, ein Konstruktionsmerkmal, das man sonst nur bei wesentlich teureren Gläsern findet. Die Bildebnungslinse verspricht ein wesentlich größeres scharfes Gesichtsfeld, verglichen mit Gläsern ohne, indem die Bildfeldwölbung des Objektivs reduziert oder beseitigt wird.
Die Gläser scheinen sich aber nicht besonders gut verkauft zu haben, man findet sehr wenig Informationen und Tests darüber im Netz. Neben zwei kurzen Berichten auf Amazon findet man einen Bericht aus einem österreichischem Bogensportmagazin, der auf der Seite des Herstellers verlinkt ist:https://www.ddoptics.de/jagd_de/content/fernglas-test-ddoptics-koenigstein-ed-8x42-anwenderbericht/
Und Norman (NormanG) hatte das 10x42 Glas letztes Jahr kurz im Laden getestet und hier im Treff darüber in einem Thread berichtet:http://www.astrotreff.de/topic.asp?TOPIC_ID=208020
Bitte etwas runter scrollen.
DDoptics hat die Gläser mittlerweile auch aus dem Programm genommen, auf deren Webseite sind sie nicht mehr zu finden. Die einschlägigen Händler (Astroshop, TS, ICS) haben aber meist noch Exemplare im Programm, preislich liegen sie etwa bei 600,- €. Ich habe mein Exemplar von der Firma KW-Fernglas bezogen und 400,- € bezahlt, ganz regulär mit voller Herstellergarantie. Laut Amazon Marketplace hat KW-Fernglas noch 17 Exemplare des 8x42 liegen. Ich vermute deshalb mal, sie haben die Restbestände von DDoptics übernommen. Aber das ist reine Spekulation.

Ich bin vor einiger Zeit auf das Glas aufmerksam geworden, als ich auf der Suche nach einem leichten Dämmerungsglas als Ergänzung zu meinem Ultravid 8x20 war. Da war es mir aber zu teuer, es lag damals noch bei über 600,- €. Ich habe dann ein Zeiss Terra ED 8x42 angeschafft, mit dem ich aber nicht so richtig warm geworden bin. Als ich nun durch Zufall das günstige Angebot bei KW-Fernglas sah, habe ich es mir probeweise kommen lassen. Die letzte Zeit habe ich für ein paar Tests und Vergleiche mit dem Terra genutzt, über deren Ergebnisse ich hier berichten möchte.
Zunächst aber ein paar Eckdaten:

DDoptics Königstein ED 8x42

Vergrößerung: 8x
Objektivöffnung: 42mm
Gesichtsfeld: 7,5º 130/1000m
Austrittspupille: 5,25mm
Durchmesser Okularlinse: 23,5mm
Augenabstand: 18,5mm
Gewicht: 695g
Maße: LxBxH 132x128x52mm
Gehäuse: Magnesium, grün gummiarmiert, Stickstofffüllung, wasserdicht
Mitteltrieb: Magnesium, geriffelt. 1,5 Umdrehungen von Nahgrenze bis unendlich Anschlag
Dioptrienausgleich: am rechten Rohr unter der Augenmuschel, plus minus 3,5 Dioptrien
Optik: ED-Glas, Schmidt-Pechan Prisma, Bildebnungslinse, B-Okulare
Ausstattung: Objektiv- und Okularkappen, Neopren-Tragegurt, Nylontasche, Mikrofasertuch, Anleitung, Kartonverpackung
Stativgewinde: vorne an der Knickbrücke
Service: 30 Jahre Herstellergarantie
Preis: 400,- € incl. Versand bei www.fernglas-kw.de

Da ich das Zeiss Terra ED 8x42 hier liegen habe und das Königstein in direkter Konkurrenz dazu antritt, ist dieser Test natürlich auch ein Vergleich der beiden Gläser. Und da das Terra eines der bekannteren 8x42 ist, hilft das dem geneigten Leser vielleicht auch, die Eigenschaften des neuen Glases besser einschätzen zu können. Somit nimmt dieser Test hin und wieder auch die Form eines Terra versus Königstein Vergleiches an. Man möge mir das nachsehen.

Wenn man das Königstein aus seiner Verpackung nimmt, fällt zunächst auf wie klein es ist. Tatsächlich ist es ein ganzes Stück kleiner als das Zeiss Terra. Ich habe die beiden mal zusammen fotografiert und auch noch mein Leica 8x20 dazu gestellt:



Man hat fast das Gefühl, man hätte ein 8x30 in der Hand und kein 8x42. Mir kommt das entgegen, ich habe eher kleine Hände und lege Wert auf möglichst kompakte Gläser, die mich beim Wandern nicht stören. Das Glas ist angenehm leicht, dank des Magnesiumgehäuses. Tatsächlich ist das Zeiss 15g schwerer (nicht, dass man das merken würde), trotz Kunststoffgehäuse. Die Gummihülle ist etwas strukturiert, ähnlich wie bei Swarovski. Das Glas liegt dadurch sehr gut in der Hand. Die Hülle ist nicht mit dem Metallgehäuse verklebt und hat dadurch ein wenig Spiel, was man in der Praxis aber nicht bemerkt. Die Augenmuscheln lassen sich hochdrehen und rasten in vier Stellungen ein. Sie sind für meinen Geschmack etwas zu leichtgängig und haben in ihren Rastungen auch etwas Spiel. Da ich aber mit Brille beobachte und sie immer in unterster Position habe, stört mich das nicht. Beobachte ich ohne Brille, drehe ich sie ganz hoch und sie bleiben auch in dieser Position.
Der Dioptrienausgleich unter der rechten Augenmuschel dagegen ist recht schwergängig, vor allem das erste Drehen, wenn man ihn eine Zeitlang nicht betätigt hat. Das hätte ich gerne leichter. Die Knickbrücke ist ebenfalls recht fest eingestellt, was ich aber gut finde. Beim Terra habe ich die ab und zu versehentlich verstellt. Das ist hier ausgeschlossen.



Die Objektivkappen werden mit Kunststoffringen über das Gehäuse geschoben und sitzen ausreichend fest. Man kann sie mit den kleinen Fingern von den Objektiven schnipsen, wenn man das Glas ansetzt, sie baumeln dann sicher an den Ringen. Die Okularkappe sitzt ebenfalls sehr gut und wird mit einer Lasche am Gurt befestigt. Wenn man das Glas ansetzt, drückt man sie mit Daumen und Zeigefinger runter. Man kann also beim Anheben des Glases die Kappen komplett abnehmen ohne umgreifen zu müssen. Das ist sehr praxisgerecht, man merkt, dass das Glas für die Jagd gemacht ist.
Der Tragegurt hat ein breites, sehr weiches und flexibles Neoprenpolster. Es ist nicht anatomisch vorgeformt, so dass man das Polster mit der rutschfesten Gummiseite oder der rutschigen Nylonseite auf die Schulter legen kann, ohne dass man an der Gurtung etwas ändern muss. Auch sehr praktisch gedacht, beim anatomisch geformten Polster des Zeiss Glases geht das nicht. Für meinen Geschmack könnte der Gurt aber etwas länger sein, da ich das Glas über der Schulter trage und nicht um den Hals.
Was gar nicht geht, ist dass der Gurt nicht richtig in der Schnalle zur Längenverstellung hält. Er ist mir schon zwei Mal rausgerutscht, wodurch mir das Glas fast runtergefalle wäre! Klar, das kann man mit Nadel und Faden sicher verhindern, aber dann verliert man wiederum die Möglichkeit den Gurt mal schnell abzunehmen. Da muss ich mich noch nach einer Lösung umsehen. Vieleicht ein Schnellwechselsystem für verschieden lange Gurte. Mal sehen.

Sehr gut gefällt mir der Mitteltrieb ("MT") des Königsteins.



Beim Terra hatte ich immer Probleme den richtigen Fokus auf Anhieb zu treffen, weil der MT sehr schnell übersetzt ist, recht fest eingestellt und durch die Gummierung nicht sehr griffig ist. Man muss ihn immer mit zwei Fingern greifen oder mit einem Finger kräftig drücken um den Fokus einzustellen. Das ist Geschmackssache, mein Vater zum Beispiel findet das super. Aber ich muss meistens zwei, drei Mal hin- und herdrehen, bis ich den exakten Fokus finde.
Der MT des Königsteins besteht aus eloxiertem Magnesium und hat eine grobe Maschinenrändelung. Dadurch ist er sehr griffig und man kann ihn mit einem lose aufgelegten Finger drehen. Zudem ist er nur halb so schnell übersetzt und deutlich leichtgängiger. Dadurch finde ich den Fokus wesentlich einfacher als beim Terra. Er fühlt sich durch seine Schmierung ein wenig an wie ein Fluidneiger, das heißt bei schnellen Drehungen setzt er höheren Widerstand entgegen als bei langsamen. Beim Feinfokussieren ist er sehr leicht zu drehen, ein lose aufgelegter Finger reicht völlig aus. Das ist angenehm, weil man dadurch das Glas ruhiger halten kann.
Bei niedrigen Temperaturen wird er etwas schwergängiger (getestet bis -6ºC), geht aber immer noch leichter als der MT des Zeiss Terra.

Ich finde das ganz hervorragend! Der schwergängige und schnelle MT ist der Hauptgrund, warum ich mit dem Zeiss Terra nicht richtig warm geworden bin. Ich habe immer Probleme den Fokus exakt zu treffen und das Gefühl, da geht noch etwas. Also immer weiter hin- und her drehen, bis es dann irgendwann richtig passt. Das bekomme ich beim Königstein deutlich schneller hin. Einmal leicht über den Fokus hinaus gedreht, langsam ein Stückchen zurück: passt!
Für mich persönlich ist der deutlich angenehmere Mitteltrieb der größte Vorteil des Königsteins gegenüber dem Terra.



Jetzt zum wichtigen: die Optik.

Einblick und Vignettierung:
Der Einblick ist problemlos, ich finde schnell und sicher die richtige Einblickposition, wenn der Augenabstand richtig eingestellt ist. Ich kann mit Brille problemlos das ganze Feld von 130m bis zum scharf begrenzten Rand der Feldblende überblicken. Beim Terra habe ich teilweise auf die unscharfe Kante der Augenlinse geschaut, was ich nicht so schön fand. Ohne Brille und mit hochgedrehten Augenmuscheln ist der Einblick bequem und sehr schön kontrastreich. Das Gummi der Muscheln ist sehr angenehm am Auge.
Wenn ich mit Brille an den äußersten Rand des GF schaue, sehe ich eine wenig Vignettierung und manchmal schwarze Bereiche am gegenüberliegenden äußeren Rand. Die inneren 3/4 des Gesichtsfeldes bleiben aber immer gut sichtbar, kein klassisches Kidney Beaning. Solange der Blickpunkt in den inneren 3/4 des Gesichtsfeldes bleibt, sind keine Abschattungen oder Vignettierung sichtbar. Und wer schaut in der Praxis schon konzentriert auf den Rand? Wenn man da etwas sieht, schwenkt man das Glas dort hin. Wenn man die Austrittspupille von hinten anschaut, ist sie perfekt rund und homogen hell. Auch von vorne rein geschaut ragen keine Kanten in den Strahlengang. Offensichtlich sind alle Komponenten richtig dimensioniert.

Streulicht:
Das Streulichtverhalten ist in Ordnung und sogar etwas besser als beim Zeiss. Wenn die Sonne schräg auf das Objektiv scheint, hat man auf der gegenüberliegenden Seite eine leichte Aufhellung, durch die man aber immer noch hindurch beobachten kann. Beim Terra ist diese Aufhellung signifikant heller als beim Königstein. Störende Reflexe sind mir nicht aufgefallen.

Schärfe:
Jetzt wird es spannend. Die Mittelschärfe ist soweit ich das beurteilen kann perfekt. Es ist vielleicht einen Hauch schärfer als das Terra, aber das sieht man, wenn überhaupt nur bei aufgelegtem Glas. (Und selbst da bin ich mir nicht 100%ig sicher, ob ich mir die bessere Schärfe nicht einbilde oder ob meine Probleme mit der exakten Fokussierung des Zeiss da hineinspielen.) Es ist auf jeden Fall genauso scharf wie mein exzellentes Leica Ultravid 8x20.
Im mittleren Drittel des Gesichtsfeldes ist das Glas ebenfalls sehr scharf, auf jeden Fall schärfer als das Terra, bei dem die Schärfe zum Rand hin etwas schneller abfällt als beim Königstein. Hier machen sich die Bildebnungslinsen vermutlich bemerkbar.
Im äußeren Drittel wird es dann etwas weniger, allerdings machen hier dann auch die Verzeichnung und die CA (s.u.) eine Beurteilung der Schärfe schwierig. Aber auch hier ist das DDoptics immer noch ein bisschen schärfer als das Zeiss.
Mir ist beim Beobachten im Wald aufgefallen, dass ich beim Terra immer das Bedürfnis habe das Glas auf das gerade beobachtete Objekt auszurichten und durch die Mitte zu schauen. Bei Königstein halte ich eher das Glas fest und stabil und wandere mit dem Blick im inneren Gesichtsfeld herum. Ich denke mal, das liegt an der besseren Schärfe in den inneren 2/3 des GF, da man intuitiv dort beobachtet, wo man aufgrund optimaler Schärfe am meisten erkennt. Ich denke, das ist auch von Vorteil, wenn man mit dem Glas auf einem Stativ beobachtet.
Der Unterschied zwischen den beiden Gläsern ist dabei aber nicht so groß wie das hier jetzt vielleicht klingt. Auch das Terra hat eine sehr gute Schärfe im Feld. Aber das Königstein ist einen Tick besser.



Verzeichnung:
Das Königstein hat einen leichten Globuseffekt.
Das bedeutet, dass die Vergrößerung am Rand etwas geringer ist als in der Mitte (tonnenförmige Verzeichnung). Wenn man das Glas über die Landschaft schwenkt, sieht es so aus als wäre das Bild nicht eben, sondern man würde auf die Oberfläche eines Globus schauen, der sich vor dem Glas dreht. Diesen Effekt kennt man auch von anderen Ferngläsern, durchaus auch im hochwertigen Bereich. Wenn ich mich recht erinnere, hat das Zeiss Victory SF 8x42 auch einen ausgeprägten Globuseffekt. Das ist also grundsätzlich kein Zeichen für eine schlechte Optik. Aber es ist etwas gewöhnungsbedürftig. Ich frage mich ob das ein Seiteneffekt der Bildebnungslinsen ist.
Ich habe mich schnell an den Globuseffekt gewöhnt. Wenn ich im Wald beobachte, wirkt das Bild dadurch für mich sogar etwas dreidimensionaler, als es im Zeiss der Fall ist. Das hat nämlich keinen nennenswerten Globus. Ich weiß aber, dass manche Beobachter von diesem Effekt sehr gestört werden und deshalb solche Gläser nicht mögen. Wie vieles bei Ferngläsern, ist also auch das Geschmackssache.

Farbsäume und CA:
Ja, das Königstein zeigt leichte Farbsäume. Ich denke, das ist bei Gläsern in dieser Preisklasse vollkommen normal. Die Säume sind minimal breiter als im Terra, dafür aber blasser und fallen dadurch weniger auf. Und der Farbton der blauen Säume geht in der mittleren Hälfte eher ins Magenta. Ich habe vor einiger Zeit mal die Farbsäume eines Leica Ultravid 8x42 mit denen des Terra verglichen, die waren zwar etwas geringer, an harten Kontrasten aber immer noch wahrnehmbar. Deshalb denke ich, dass die Farbe des Königsteins in Anbetracht des günstigeren Preises völlig in Ordnung geht. Bei normaler Landschaftsbeobachtung fallen sie nicht auf, nur bei harten Kontrasten. Zum Beispiel wenn man einen Vogel beobachtet, der vor hellem Himmel im Baum über einem sitzt. Sobald die Lichtverhältnisse schwieriger werden, ist davon nichts mehr zu sehen.

Kontrast und Farbwidergabe:
Verglichen mit dem Terra gibt das Königstein die Farben etwas kräftiger wieder. Bedeckter Himmel erscheint im Zeiss gelblich, im DDoptics dagegen bläulich. Braun- und Rottöne hingegen erscheinen heller und farbintensiver. Die ganze Farbwiedergabe ist prächtiger, intensiver. Da hat das Königstein eindeutig ein Leica-Gen. Das kommt auch dem Kontrast bei dunklen Flächen zugute. Das Fell eines dunkelbraunen Pferdes in ca. 100m Entfernung erscheint im Königstein deutlich kontrastreicher als im Terra. Details in der Fellzeichnung lassen sich dadurch besser erkennen. Ich denke mal, hier merkt man, dass DDoptics seinen Schwerpunkt bei Jagdoptiken legt. Mit dem Königstein wird man Wild in der Dämmerung vermutlich besser ansprechen können als mit dem Terra.
Ich empfinde diese Art der Farbwiedergabe und den daraus resultierenden besseren Kontrast als sehr angenehm. Die Kombination aus hohem Kontrast und guter Schärfe im Feld gibt im Königstein ein sehr schönes Bild, vor allem im Wald und wenn das Licht etwas weniger wird. Ich denke, hier spielt das Glas seine spezifischen Vorteile voll aus. Neben dem Mitteltrieb gefällt mir die Farbwiedergabe am zweitbesten.

Astronomie:
Wir sind hier in einem Astroforum und natürlich habe ich das Königstein auch auf die Sterne gerichtet. Ich hatte allerdings keine Gelegenheit es unter guten Bedingungen zu testen. Über reine Sterntests bin ich also nicht hinausgekommen. Und ich muss vorausschicken, dass visuelle Sterntests bei Ferngläsern bei mir immer schwierig sind. Ohne Brille sehe ich meinen Augenastigmatismus schon recht deutlich, mit Brille (-5,5 Dioptrien!) sehe ich den Bildfehler des chromatischen Brillenglases. Deshalb haben Sterne im Fernglas bei mir immer kleine Schwänzchen und ich kann schlecht sagen, ob diese vom Glas oder von mir stammen.
Der Einblick bei voll geöffneten Pupillen ist immer noch angenehm und ich finde schnell die richtige Position. Die Schärfe im inneren Drittel ist sehr gut, im mittleren Drittel etwas reduziert und die Schwänzchen der Sterne werden etwas größer und bunter. Am Rand macht sich dann die Verzeichnung so langsam bemerkbar, da wird das Bild dann etwas matschig. Der Anblick im Terra ist aber ähnlich. Hier zeigt sich vielleicht am deutlichsten, dass beide Gläser nicht zur Oberklasse gehören. Spaß am Sternenhimmel bringen sie aber allemal. Aber vielleicht sollte diesen Test nochmal jemand mit besseren Augen als ich wiederholen.
Ein großer Vorteil des DDoptics gegenüber dem Zeiss ist das Stativgewinde vorne an der Knickbrücke. Das fehlt dem Zeiss, dadurch kann man es nicht ohne weiteres auf ein Stativ setzen. Einen Stativadapter habe ich bereits und ich bin gespannt auf die erste Beobachtung unter guten Bedingungen.

Alles in allem:
Ich bin wirklich angetan von diesem Glas. Es ist sehr schön klein und leicht, die Schärfe im Feld ist sehr gut und die Farbwiedergabe und der Kontrast sind ebenfalls gut. Die Ausstattung und Verarbeitung sind der Preisklasse vollkommen angemessen. Einige Sachen sind natürlich verbesserungswürdig und wären bei einem teureren Glas eher nicht zu akzeptieren. Und auch bei der Optik können teurere Gläser das eine oder andere sicherlich noch mal ein bisschen besser. Aber das Königstein ist natürlich auch kein Glas der Oberklasse. Ich vermute mal, ein direkter Vergleich mit einem Ultravid oder einem Victory würde dann schon zeigen, wo noch Luft nach oben ist.

Lohnt sich die Anschaffung? Für mich eindeutig ja. Ich werde das Terra durch das Königstein ersetzen, allein der für mich besser geeignete Mitteltrieb ist da schon Grund genug. Die bessere Optik ist ebenfalls eine nette Sache und freut mich natürlich auch. Aber das allein wäre für mich wohl kein Grund umzusteigen, dafür liegen die Gläser optisch dann doch noch zu nah beieinander. In der Praxis und ohne den direkten Vergleich wird man mit dem Terra keine Nachteile gegenüber dem Königstein haben.
Aber ich sage immer, ein Fernglas muss dem Benutzer "passen". Und alles in allem passt mir das Königstein einfach besser als das Terra.
Wie sieht es mit dem Preis aus? Ich denke, die regulär aufgerufenen rund 600,- € bei den einschlägigen Händlern sind kein Schnäppchen, aber dem Glas und der gebotenen Qualität noch angemessen. Die 400,- €, die das Glas momentan bei KW-Fernglas kostet, empfinde ich als günstig. Das Terra 8x42 kostet aktuell meist das gleiche.
Wer das Glas in Erwägung zieht, sollte sich also entscheiden solange dieser Händler es noch für diesen Preis anbietet.

Soweit mein kleiner Fernglastest und Bericht über das DDoptics Königstein ED 8x42. Der Bericht ist (wie so oft bei mir) mal wieder länger geworden als ursprünglich geplant. Aber ich hoffe, er ist einigermaßen informativ und unterhaltsam zu lesen. Und es gibt über Ferngläser nun mal immer eine Menge zu sagen, immerhin sind sie komplexe optische Systeme. Ich freue mich deshalb auch wie immer über Feedback und eine angeregte Diskussion.
Und es wird sich also vermutlich demnächst ein Zeiss Terra ED 8x42 im Biete-Forum einfinden.

Bis dann:
Marcus

EDIT: Falsche Webadresse korrigiert.
D I E    15   L E T Z T E N    A N T W O R T E N    (Neue zuerst)
Avier50 Erstellt am: 28.05.2020 : 08:17:21 Uhr
Danke Marcus,
schau mer ma !
Mettling Erstellt am: 27.05.2020 : 17:20:15 Uhr
Hallo Andreas,

Ich hatte das Glas damals für Stathis ausgemessen. Der maximale Augenabstand ist 75mm, minimal 56mm. Die Augenmuscheln haben einen Außendurchmesser von 44,8mm.
Ich weiß aber nicht, ob man das Königstein noch bekommt, es wurde 2018 von DDoptics aus dem Programm genommen. Das Nachfolgemodell ist das DDoptics Lux-HR 8x42 ED. Ich hatte aber noch keine Gelegenheit mal durch so eines durch zu schauen.

https://www.ddoptics.de/de/fernglas-8x42-lux-hr-ed

Bis dann:
Marcus
Avier50 Erstellt am: 27.05.2020 : 08:28:13 Uhr
Hallo Marcus,
ich danke dir für deinen sehr informativen Testbericht. Für freihäendige Tagesbeobachtungen nutze ich seit Jahren ein multiverguetetes Zeiss Deltrintem 8x30, spiele aber auch mit dem Gedanken, etwas lichtstaerkeres anzuschaffen. Da war dein Bericht eine grosse Hilfe.
Eine Frage: Wie weit kann man den Augenabstand oeffnen? Mein Augenabstand ist 72 mm und kenne Ferngläser, die das nicht ganz ermöglichen. Die nützen mir also nichts. Monokulare Optik habe ich schon genug!
Gruesse
Andreas
Mettling Erstellt am: 26.05.2020 : 22:09:35 Uhr
Hallo Kurt,

schön dass Du nachfragst. Ja, ich bin mit dem Glas immer noch sehr zufrieden. Zwar benutze ich mein Leica Ultravid 8x20 deutlich häufiger. Aber wenn die Lichtverhältnisse etwas schlechter werden (Wolken, Dämmerung) oder für Astro ist das 8x42 am Start. Auch wenn ich losziehe um gezielt etwas zu beobachten, bevorzuge ich das DDoptics, weil die größere AP und das größere GF auch bei Tag eine angenehmere Beobachtung ermöglichen. Der Vorteil des Leica ist halt das geringe Gewicht und Packmaß in der Gürteltasche.
Ich habe den kauf bislang nicht bereut und habe momentan nicht vor, es zu ersetzen.

Vielleicht irgendwann durch ein Swarovski EL. Vielleicht....

Bis dann:
Marcus
Kurt753 Erstellt am: 26.05.2020 : 19:23:25 Uhr
Hallo Marcus,

mich würde es interessieren wie es dir nach zwei Jahren mit dem Königstein geht.
Ich habe es selbst und bin nach wie vor begeistert.

Mfg,Kurt
Mettling Erstellt am: 12.03.2018 : 07:54:00 Uhr
Hallo Rolf,

Danke für den Bericht, es freut mich dass ich mit meiner Einschätzung des Glases nicht daneben liege und es Euch gefällt.
Wenn Ihr erst mal in der Natur damit unterwegs seid, werdet Ihr das große, helle und scharfe Bild erst richtig zu schätzen wissen. Ich habe gestern eine Wiese voller Nonnengänse beobachtet, das war toll. Wenn man sich konzentriert und sich etwas Zeit nimmt, kann man sehr viele Details an den Vögeln heraus arbeiten.

Viel Spaß mit dem Glas:
Marcus
Astro-Rolf Erstellt am: 11.03.2018 : 18:57:34 Uhr
Hallo Marcus,

meine Frau hat seit gestern das Fernglas regelmäßig zur Vogelbeobachtung,überwiegend durch das Wohnzimmerfenster, benutzt. Sie ist von dem Glas ebenfalls begeistert. Ihr viel sofort das helle Bild und die Schärfe auf der Achse auf.

Wie versprochen ein kurzes Feedback.

Das Fernglas kam sicher und gut verpackt bei mir an. Das Glas ist sehr solide verarbeitet. Das sieht und merkt man unter anderem an dem tollen Mitteltrieb aus Metall. Tolle Übersetzung, schnelles scharfstellen möglich.

Im Vergleich zu meinem Meade 8x56 ist das Glas sehr klein. Da ich relativ große Hände habe ist das eine leichte Umstellung, das Glas richtig zu umfassen. Liegt aber trotzdem ganz gut in der Hand.

Auf der Achse sehr scharfe und helle Abbildung, ab 2/3 wird es langsam etwas unscharf. Am Rand aber trotzdem noch in Ordnung. In der regel konzentriet man sich ja auf die Mitte. Das Meade hat am Rande ein sichtbar bessere Schärfe. Sehr gutes Einblickverhalten.

Habe mal Abends auf die Beleuchtung unseres Parkhauses in etwa 500/600 mtr. gehalten. Am Rande war nach meiner Erinnerung ein leichter Blausaum sichtbar. Wie gesagt, am Rande ist man ja regelmäßig nicht unterwegs.

Der Spiel nach der Verstellung der Augenmuscheln ist mir auch aufgefallen. Stört mich aber auch nicht, da ich auch Brillenträger bin und die Augenmuscheln in der "Grundstellung" bleiben.

Das Gesichtsfeld ist für mich als Brillenträger gut überschaubar. Habe ebenfalls festgestellt, dass der Dioptrienausgleich etwas schwergängig ist; als Brillenträger für uns aber nicht relevant.

Unser großes FG hatten wir schon öfter in den Bergen dabei. Blieb aber oft auf dem Zimmer zurück, da es relativ "unhandlich" war.
Das neue Glas wird mit Sicherheit auf jeder Tour dabei sein.

Wir sind mit dem Fernglas "rundum" zu frieden.

Noch mal Danke für den tollen Bericht.

Viele Grüße aus dem leicht verregneten Bondorf.

Rolf
Mettling Erstellt am: 08.03.2018 : 21:10:05 Uhr
Hallo Rolf,

Na dann herzlichen Glückwunsch zum neuen Fernglas. Ich bin gespannt, wie es Dir gefällt. Ich nutze das Glas auch oft zur Vogelbeobachtung. Durch den hohen Kontrast und die Farbwiedergabe ist es dafür sehr gut geeignet.
Mir war auf der Amazon-Seite der Händlers schon aufgefallen, dass er eines weniger am Lager hat. Jetzt weiß ich, wo es geblieben ist.

Bis dann:
Marcus
Astro-Rolf Erstellt am: 08.03.2018 : 19:34:32 Uhr
Hallo Marcus,

wie bereits gesagt, trage ich mich schon länger mit dem Gedanken, mir ein Fernglas mit 8x42 bzw. 10x42 zu kaufen. Wegen der größeren AP lag der Fokus mehr auf den 8x42. Ich habe einen bekannten, der Kontakt zu einem Mitarbeiter der Fa. Steiner hat; wollte eher dort ein FG kaufen.

Dein Bericht hat mich aber so animiert, dass ich mir am Dienstag das Königstein bei dem großen Online-Händler bestellt habe.

Das Fernglas ist auch heute angekommen. Konnte mich aber noch nicht so richtig mit dem FG beschäftigen. Macht aber insgesamt einen sehr guten "ersten" Eindruck.
Was mir gleich aufgefallen ist (meine subjektive Wahrnehmung), dass das Bild genau so hell ist wie bei meinem 8x56 Meade RainForest Pro. Das Meade hatte in der Vergangenheit gelegentlich für "Spaziergänge" am Nachthimmel eingesetzt.

Wenn das Wetter mitspielt, werde ich wohl am Wochenende das Fernglas schwerpunkt mäßig zur Beobachtung der Vögel an der Futterstelle im Garten einsetzen.

Noch einen schönen Abend und Grüße
Rolf
Mettling Erstellt am: 08.03.2018 : 08:00:42 Uhr
Hallo Stathis,

Ich habe es gestern Abend noch mal ausprobiert. Wenn ich das Glas auf 56mm zusammen drücke, komme ich ohne Brille mit der Nase nicht mehr zwischen die Augenmuscheln. Mit Brille könnte es so grade noch klappen. Die Große Okulare sind leider der Preis, wenn man die 130/1000m auch mit Brille voll überschauen können soll.
Der große Bruder des Königstein, das EDX, hat abnehmbare Augenmuscheln. Aber das kostet dann auch gleich über 1200,- und dann hat man den Abstandshalter zum Okular nicht mehr.
Vielleicht doch eher ein klassisches Glas ohne B-Okulare?

Bis dann:
Marcus
Stathis Erstellt am: 07.03.2018 : 09:58:14 Uhr
Hallo Marcus, danke für's nachmessen.
Könnte auch bei noch passen, wenn auch knapp. Ich werde das wohl bei Gelegenheit ausprobieren müssen.

Die Fernglas Konstrukteure und Hersteller denken zu wenig an engstirnige Südeuropäer. Ich habe 56 mm Interpupillenabstand und wenn die Augenmuscheln zu dick sind, kriege ich die Nase nicht mehr dazwischen. Fujinon FMT-SX, APM MS ED, sowie sämtliche Marine Gläser, die ich vor den Augen hatte, passen mir nicht.
Siehe ältere Diskussion im Nachbarforum:
http://forum.astronomie.de/phpapps/ubbthreads/ubbthreads.php/topics/1106320/
Swissnova Erstellt am: 07.03.2018 : 09:48:44 Uhr
Zitat:
Original erstellt von: Mettling

Spätestens dann dreht sich die Diskussion nur noch um DDoptcs vs. die Großen Drei. Und da haben Mittelklassegläser naturgemäß schlechte Karten.



Das kann ich bestätigen...
Ich besitze seit Jahren ein DDoptics Pirschler 8x56 und habe bis jetzt nie bereut, dieses Glas gekauft zu haben. Preis/Leistung stimmen für mich total.
Klar, im direkten Vergleich mit dem fast dreimal so teuren Swarovski 8x56 zieht es den Kürzeren, aber das bisschen mehr Schärfe resp. minimal weniger Farbfehler sind mir das Geld einfach nicht wert (gut ich war damals Student).
Dafür hab ich das Pirschler seither überall dabei und gehe nicht grad sorgsam mit ihm um, da es eben nicht n halbes Vermögen wert ist...
Und es hält immer noch.
Mettling Erstellt am: 06.03.2018 : 21:08:46 Uhr
*Messschieber aus der Werkstatt hol*

Hallo Stathis,

Klar doch. Der Außendurchmesser der Augenmuscheln ist 44,8mm. Der minimale Interpupillenabstand ist 56mm, der maximale 75mm. Wieso fragst Du? Hattest Du da bei Ferngläsern schon mal Probleme die Hälften nah genug zusammen zu bekommen? Mein Abstand beim Glas liegt bei69mm, da ist das Gelenk der Knickbrücke ein Bisschen mehr als halb geöffnet.

Bis dann:
Marcus
Stathis Erstellt am: 06.03.2018 : 19:51:04 Uhr
Hallo Marcus,

interessantes Fernglas, interessanter und wertvoller Bericht, vielen Dank für das Veröffentlichen.

Kannst du den Außendurchmesser der Okular - Augenmuscheln messen?
Welches ist der kleinste einstellbare Interpupillenabstand? Ich konnte keine Angabe dazu in den Specks finden.
Mettling Erstellt am: 06.03.2018 : 06:15:18 Uhr
Hallo Rolf,

Der Mechanismus der Augenmuscheln soll aus Metall sein, die Augenauflage ist aber komplett aus Gummi. Ich habe Kunststoffgläser in meiner Brille und das Glas hat bislang keine Kratzer hinterlassen. (Das Zeiss übrigens auch nicht.)

DDoptics ist hauptsächlich in Jagdforen ein Thema. Da geht es meistens um die Zielfernrohre oder größere Ansitzgäser wie 8x56 und ähnliche. Die kommen meist sehr gut weg, aber nach zwei bis drei Postings kommt dann immer "Ich habe mir lieber gleich ein Swarovski EL geleistet und würde darunter nicht mehr auf den Ansitz gehen". Spätestens dann dreht sich die Diskussion nur noch um DDoptcs vs. die Großen Drei. Und da haben Mittelklassegläser naturgemäß schlechte Karten.

Bis dann:
Marcus

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