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 Schliff eines Toroids für Reise Yolo

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Ü B E R S I C H T    
BeatK Erstellt am: 18.09.2019 : 17:43:20 Uhr
Hallo bekannte und unbekannte ATM's

In „Telescopes, Eyepieces and Astrographs“ steht der Satz: „The Yolo design beats the two mirror Schiefspiegler (Kutter) hands down“, aber auch dass der Sekundäspiegel, ein Toroid, schwierig herzustellen sei. Vor 20 Jahren haben wir in unserer Schweizer Gruppe gezeigt, dass für ein Yolo mit moderater Öffnung (1:12) ein Toroid zu schleifen keine besondere Schwierigkeit bereitet. Die Botschaft ist bis heute nicht richtig angekommen.

Ich hatte mich damals im Enthusiasmus an ein 130er Yolo mit Oeffnung von 1:8 gewagt. Das Instrument wurde vollendet, ist sehr kompakt und transportabel mit seinen gut 3 Kg. Die optische Qualität kam nicht an die 150 er 1:12 Instrumente heran. Heute können wir mittels PDI oder WinRoddier genaue Messungen machen. Das Instrument hat einen Strehlwert um 0.85, so gut wie ein mindestens ebenso schwerer vier Zoll „super“APO.

Mein Ziel ist es nun, das Instrument zu verbessern in Hinblick auf einen Strehl von mindestens über 0.90. Zuerst möchte ich den toroidalen, nicht optimal geratenen Sekundärspiegel durch einen neuen ersetzen. Stathis hat mir vor geraumer Zeit die Rohlinge (100 mm) zugestellt und ich habe nach dem Grobschliff erst jetzt wieder Zeit gefunden. Der mittlere Radius soll um 3750 mm und die Radiusdifferenz etwa 140 mm betragen.

Die Schwierigkeit, ein Toroid herzustellen wächst im Quadrat mit der Öffnung. Wenn es ohne besonderen Aufwand gelingt, einen guten Spiegel für ein 1:8 Yolo zu schleifen, so gibt es keine Vorbehalte mehr für ein 1:12 Yolo.

Beim Feinschliff durfte meine alte Schleifmaschine wieder einmal arbeiten. Beim Feinschliff mit Carbo 800 wird gleich die Radiusdifferenz gemacht, so wie es Lukas Howald oder J. Sasian beschreiben, aber nicht erst bei der Politur. Nach 14 „Séchées“ oder „Wets“ wie es im Texereau nach Übersetzung heisst, ergab sich eine Radiusdifferenz von 200 mm. Man musste das mit dem Feinstchmirgel zurückarbeiten, was ja kein Nachteil ist. Da brauchte ich etwas länger als nur für den Feinschliff vorgeschrieben, um die 140 mm auf einige mm genau zu erreichen. Die Messung erfolgte jeweils nach 1/4 h Anpolieren mit einer Pechhaut auf einem Holztool. (Da gibt es sicher noch einfachere Methoden.) Ich werde auf die Messmethoden zurückkommen.

Damit ist die Vorarbeit gemacht. Die Politur wird möglichst nur Tool on Top erfolgen, weil man den Rand damit besser hinkriegt. Wird sich die Radiusdifferenz relevant verändern? Wie gut wird die Fläche werden?
Ich werde wieder berichten, bin dankbar um Kommentare, Hilfe, Begleitung.
Gruss,
Beat
D I E    15   L E T Z T E N    A N T W O R T E N    (Neue zuerst)
BeatK Erstellt am: 02.12.2019 : 16:33:08 Uhr
Hallo zusammen

Inzwischen habe ich den 1:8 Reise Yolo mit dem neuen Toroid und dem alten hyperboloiden Primärspiegel wieder zusammengebaut. Mittels Point Diffraction Interferometrie erhalte ich in Autokollimation keine guten Streifen, habe die Schlussprüfung deshalb mit einem grün beleuchteten Pinhole mittels WinRoddier ausgewertet. Dies sind die Daten und die Ergebnisse:




Der Primärspiegel ist etwas unterkorrigiert, der Sekundäspiegel wenig überkorrigiert, was sich konstruktiv ergänzt. Es bleiben erwartungsgemäss hauptsächlich der Tetrafoilfehler und die Oberflächenrauhigkeit des Sekundärspiegels, wie der Vergleich mit der Interferometrie der Einzelspiegel ergibt. Das Ziel Strehl über 0.94 wurde erreicht.

Alle meine Fragen sind noch nicht gelöst: Eine wichtige: Wir gut wird das Toroid bei Verspannung? Ob nicht doch einmal die entsprechenden Besitzer eine Objektivierung versuchen wollen?

Ich habe im Lauf der Arbeit aber einiges gelernt aber auch bestätigt erhalten:
Ein Toroid mit der notwenigen Genauigkeit lässt sich relativ einfach schleifen.
Die Strehlverluste der zwei Spiegel im Yolo addieren sich. Der Primärspiegel kann mit einer Genauigkeit nahe Strehl 1 geschliffen werden, sodass praktisch nur die Fehler des Sekundäspiegels (Toroid) ins Gesamt System eingehen.
Die Einzelspiegel lassen sich einfach und hervorragend mittels Point Diffraction Interferometrie und DFTFringe messen. Damit sind die Fehler des Gesamtsystems einfach berechenbar.

Ich möchte alle Freunde eines Schiefspiegler animieren, ein Yolo Teleskop zu bauen. „It beats hands down…“ bei 150 mm 1:12, bei 130mm 1:10.

Gruss, Beat
BeatK Erstellt am: 14.11.2019 : 10:12:33 Uhr
Hallo Guntram
Vielen Dank für die Anerkennung. Nicht unerwähnt seien Heri Ziegler, der die Vorzüge des Yolos entdeckt hat, Alois Ortner, der diese Vorzüge objektiviert hat (beide leider verstorben) und Dale Eason, der uns mit DFTFringe ein geniales Programm zur Fehleranalyse zur Verfügung stellt.

Hallo Rainer,
danke für die klärenden Angaben. Nun ist der Tetrafoil Fehler etwa 5 mal grösser als die Oberflächenrauhigkeit. Beide Fehler sind allerdings so klein, dass sie nur theoretischen Wert haben. Wenn die Striche beim Toroid nicht kreuzförmig sind, wird Tetrafoil zunehmen und es werden wohl noch andere Fehler auftreten. Ich habe keine Lust gehabt, dies auszuprobieren, nachdem der Spiegel die gewünschte Genauigkeit aufweist.

Mit Gruss, Beat
rainer-l Erstellt am: 13.11.2019 : 23:24:00 Uhr
Hallo Beat

Um max. mögliche Fehlanpassung zwischen Tool und Spiegel zu vergleichen habe ich die relative Radiusdiferenz gewählt weil Sie die unterschiedlichen Krümmungen der Oberflächen beschreibt . Relativ weil die absolute Radiusdifferenz durch den Radius geteilt wird . Dies erscheint mir notwendig den der gleiche absolute Unterschied ist bei kleinen Radien entsprechen bedeutender .
Longitudinale Aberation als optische Größe ist nicht so gut zum Vergleich der Oberflächen geeignet .
Um die Berechnung zu vereinfachen habe ich aus dem Paraboloid die Parabel gemacht . Für einen groben Vergleich ist das ausreichend .
Natürlich vermeidet man normalerweise die max. mögliche Radiusdifferenz . Beim Yolo poliert man kreuzweise und beim schnellen Paraboloid parabolosiert man nicht mit Fullsizetool und beim Glätten wird man selten halbe Striche verwenden . Das Ergebnis des Vergleichs legt nahe das die Striche beim Toroid nicht so genau kreuzförmig sein müßen . Wie weit man hier gehen kann und soll kann nur die Praxis zeigen . Für mich ist das ein Grund weniger "Angst" vor "Rauigkeit" bei einem Toroid zu haben .

Hier die Herleitung :

Parabel: Y = C*X^2
.........Y´= 2*C*X
...... ..Y´´= 2*C
Krümmungradius Parabel im Ursprung = Ro

Krümmungsradius R = ((1+Y´^2)^3/2) / Y´´
Im Ursprung gilt : Y´ = 0 : Klammer = 1
Damit wird : C = 1/2Ro
Eingesetzt in Parabel ergibt :
Y´= X/Ro
Y´´= 1/Ro
Krümmungsradius Parabel : R = Ro * (1+ X^2/Ro^2)^3/2
für den Rand gilt : X = D/2
R(Rand) = Ro * (1 + D^2/4 * Ro^2)^3/2
mit delta = (R(Rand) - Ro) / Ro
delta = (1 + D^2/ 4 * Ro^2)^3/2 - 1

Viele Grüße Rainer


Guntram Erstellt am: 13.11.2019 : 20:07:12 Uhr
Hallo Beat.


Die Herstellung und die Dokumentation dieses Toroides ist dir vorzüglich gelungen. Ausgezeichnete Arbeit!


Viele Grüße,

Guntram
BeatK Erstellt am: 13.11.2019 : 15:40:02 Uhr
Hallo Rainer, danke für das Kompliment!

Ich vermute einen Zusammenhang der Striche (sie müssen möglichst kreuzförmig sein!) mit den Strichspuren und der Vierwelligkeit. Mehr seitliches Ausladen gibt weniger Strichspuren, zentrische Striche weniger Tetrafoil und damit ist wohl ein Kompromiss möglich. Ich werde auch das mal ausprobieren. Wir bewegen uns da aber auf hohem Perfektionsniveau. Bei moderater Oeffnung des Yolo ist das Problem nur "kosmetischer" Art.

Dein Delta verstehe ich wahrscheinlich nicht richtig. Die Radiusdifferenz beim Yolo - Toroid liegt in der Grössenordnung von 10 cm, beim aktuellen 14 cm. Bei einem Parabospiegel von 40 cm 1:4,5 beträgt die longitudinale Aberration (in Analogie) 2,2 cm. Beim Paraboloid gibt es das Problem der orthogonalen Striche nicht.

Mit Gruss,
Beat
rainer-l Erstellt am: 12.11.2019 : 12:02:16 Uhr
Hallo Beat

Glückwunsch zu dem super Sekundärspiegel und der klasse Dokumentation .

Dafür das es Dich trotzdem reizt die minimalen Polierspuren noch weiter zu minimieren habe ich Verständniss .
Mein Vorschlag ist weniger kreuzförmig zu polieren . Besonders wenn Du die kurze Achse polierst kannst Du (nach meiner Vorstellung vom Torrus) auch seitlich fahren .

Wenn auch geometrisch anders , auch bei schnellen Parabolspiegeln gibt es erhebliche Radiusdifferenzen .

Die relative Radiusdfferenz sei : delta = (Rmax - Rmin) / Ro

Für den Parabolspiegel gilt : delta = ((1 + D^2/(4*Ro^2))^3/2) - 1

Beispiel 1.) Paraboloid f 4 : delta = 0,0059 = 0,59%

Beispiel 2.) Yolo 12" f 15 Daten aus winspot : delta 0,0126 = 1,26%

Die beim Polieren tatsächlich auftretenden Radiusdifferenzen hängen außerdem von Art der Abweichung , von der Strichweite , Offset und Richtung ab . Ein schnelles Paraboloid und ein gemäßigter Yolo sollten nicht weit auseinander liegen .

Viele Grüße Rainer





BeatK Erstellt am: 11.11.2019 : 18:26:54 Uhr
Hallo Alle

Habe inzwischen die Grenzen beim Schleifen eines Toroids auszuloten versucht und den alten, nicht optimal geratenen Sekundärspiegel revidiert. Das Endresultat sieht so aus:



Es zeigt sich nun, dass der hauptsächliche Strehlverlust auf „Tetrafoil“ zurückgeführt werden muss. Dieser beträgt 0.025. Er dürfte durch die kreuzweisen Striche bedingt sein. Sichtbar wird er beim Ellipsentest des Toroids bei geringem Defokus am Okular (beachte die 45 Grad Rotation):



Oder in DFTFringe an der Randwelligkeit der Oberfläche:



Der Ronchi Test ist dafür zu wenig empfindich:



Auch bei meiner kurzbrennweitigen Version des Yolos (1:8) wird er kaum eine Rolle spielen bei Strehl von 0,96 und dem inzwischen fertigen Primärspiegel mit Strehl von 0.99. Trotzdem wäre es interessant herauszufinden, wie man polieren muss, damit dieser Fehler nicht auftritt. In der mir zugänglichen Literatur habe ich nichts darüber gefunden. Ich weiss jetzt aber warum ich bei meinen Yolos in AK ein diskret angedeutetes Oktogon in ersten Beugungsring gesehen habe, (nicht am Stern).

Das bekannte Problem der im Vergleich zum sphärischen Spiegel grösseren Oberflächenrauhigkeit habe ich nun doch mittels Foucault sichtbar machen können, nachdem ich nun ein Pinhole von 15 mikron habe, beleuchtet mit einer 3 W grünen LED.



Man sieht quasi eine Abbildung der kreuzweisen Striche, welche auftreten, obwohl die Kanäle der Pechhaut nicht in diese Richtung zeigen. Ob kleinere Facetten besser wären? Wahrscheinlich spielt auch der Druck beim Polieren eine Rolle. Sie führen zu einem Strehlverlust von 0.005, soweit mir das DFTFringe oder WinRoddier rechnen, also zerbreche ich mir den Kopf nicht darüber. Aber auch hier wäre interessant, wie noch besser machen.

Mit Gruss, Beat
BeatK Erstellt am: 13.10.2019 : 22:44:42 Uhr
Hallo Georg

Auch bei mir geht gar nicht alles immer planmässig. Wir haben ja für’s Yolo noch keine Kochbücher.

Planspiegel: für die Kollimation braucht ihn es nicht unbedingt, ist einfach sehr praktisch. Er muss auch nicht „high end“ sein, nicht die volle Oeffnung ausleuchten, habe ich erwähnt. Lichtquelle ist bei mir für diesen Zweck eine rote Laserdiode.

Hyperbel (Primäspiegel): Ist mir beim ersten Yolo auf Anhieb gelungen, aber mit Glück, muss ich sagen. Achtung vor einer abgesunkenen Kante! Der sicherste Weg ist das Hyperbolisieren in Autokollimation im (im Rohbau) aufgebauten Yolo. Dazu braucht es aber einen guten Planspiegel mit mindestens Durchmesser des Yolo Primäspiegels. Ich muss ja neu auch noch einen Primärspiegel fertig polieren. Ich werde jetzt AK am Gesamtsystem erstmals mit WinRoddier und DFTFringe am Primärspiegel allein vergleichen können. Für den Test in AK brauche ich am besten Foucault, am liebsten als Slitless Tester mit der herkömmlichen Lichtquelle. Für DFTFringe eine rote Laserdiode im „lasenden“ Zustand und für WR dieselbe Diode im LED Modus oder eine weisse Glasfaser Punktquelle von Pierro Astro à 9 mikron. Am besten wäre wohl eine Lochblende von Edmund. Ich werde damit auch noch Versuche machen, sobald ich eine habe. Die Punktquelle soll ja theoretisch nicht mehr als den halbe Airy Disk Durchmesser der zu testenden Optik haben. Am Einzelspiegel sind wir da gut dran mit etwa 15 bis 20 mikron. Bei der fertigen Optik je nach F Nummer ist das ja anders.

Spiegelzellen: möglichst einfach und leicht! Einen Flansch braucht es nicht, nur drei Halterungen wie üblich. Drei Stellschrauben und kräftige Federn, damit man keine Konterschrauben braucht. Den Rand decke ich bei Bedarf mit einem ausgeschnittenen ½ mm Sperrholring ab, den man mit einem Zirkel ausschneiden kann, schwarz lackiert.

Tubusseeing: Wenn das Instrument Wärme abstrahlt kann es nicht „austemperieren“. Darum die Alufolie.

Mit Gruss, Beat
Gelegenheitsgucker Erstellt am: 13.10.2019 : 13:22:03 Uhr
Hallo Beat, ich komme leider immer erst nach so langer Zeit zum Antworten - verzeih. Die Arbeit an meinem Yolo stockt leider auch etwas, der Primärspiegel müsste noch zur Hyperbel gebracht werden. Aber vielen Dank auch für die Bilder die du gemacht hast, das regt zum Nachdenken an.

Auf den Schliff eines Planspiegels werde ich vorerst verzichten, sollte es garnicht anders gehen dann natürlich schon. Ein Bino, wenn auch ein recht preisgünstiges aus China, hätte ich aber noch. Was verwendest du als Lichtquelle für die Prüfung in Autokollimation?

Zur Lagerung der Spiegel - die wollte ich an ihrer Frontseite mit einem Flansch fassen. Ein Absatz am Flansch begrenzt das seitliche Spiel der Spiegel und hält sie sicher und einigermaßen spannungsfrei. Der/die Spiegel sind rotierbar wenn man die Halteschrauben etwas lockert und je nachdem wie man bemaßt kann man den äußeren Rand der Spiegel abblenden. Die Fertigung setzt allerdings ein Drehbank oder CNC-Fräsmaschine vorraus. Gut, wenn man da jemanden kennt, der einen kennt...



Hinsichtlich des Tubusseeing tendiere ich eher dazu, dass das Instrument vollständig austemperiert ist. Da möchte ich jetzt aber keinen Glaubenskrieg anfangen, davon gibts heutzutage leider schon zuviele.

Weiterhin ein gutes Gelingen!
Georg
Emil Nietlispach Erstellt am: 02.10.2019 : 08:45:03 Uhr
Halllo Beat,

Was mir sehr gefällt, ist die Haube (Bild 4). Damit ist der Sekundärspiegel vor Turbulenzen und Streulicht gut geschützt.Das ist beim Kutter ein Nachteil, der Sekundärspiegel ist dort viel zu offen gelagert.

Gruss Emil
BeatK Erstellt am: 02.10.2019 : 07:16:46 Uhr
Hallo Georg

Zu Deiner Frage… Zuerst mal müssen wir zum fertigen Toroid den passenden Primäspiegel rechnen. Zu beachten ist, dass der Sekundärspiegel für die axiale Abbildung nicht ganz ausgeleuchtet werden soll. Zudem möchten wir vielleicht die äussersten mm abdecken, weil da die Aberrationen am grössten sind. Bei meinem aktuellen Design ist etwas schade, dass die Rohlinge nichtmehr 105, sondern 100 mm sind, das hätte besser zum Primärspiegel von 130 mm gepasst. Den Weg am Okularauszug möchten wir möglichst gross haben. Das gibt einen Kompromiss. Ich plane es etwa so:


Für den Bau des Kastens mache ich ein Gerippe, etwa so:



Kann man gut aus Holz machen, aber sicher auch aus Metall. Für mich hat Metall den Nachteil, dass ich es nicht gut bearbeiten kann. Was die Steifheit betrifft, gibt es wahrscheinlich kaum Unterschiede. Zuerst mache ich die Spiegelzellen und damit dann eine Art Wanne. Der Spiegelabstand ist kein Problem, der Winkel des Sekundärspiegels etwas mehr, deshalb ein Aufsatz für den Okularauszug derart, dass dieser Winkel noch gut angepasst, der Auszug in der Meridionale verschoben werden kann.



Jetzt kollimiere ich und passe das Gerüst bei Bedarf an. Kollimationslaser und Lochblenden, dann Autokollimation. Ohne letzteres geht es ja schon auch, nur muss man den Kasten dann schon so steif machen, dass eine Ausrichtung zum Polarstern möglich ist. (Ein Hilfsteleskop im umgekehrten Strahlengang habe ich nie ausprobiert. Ein Wasserbad als Planspiegel schon…).

Ich würde empfehlen, dass beim Schliff der Spiegel ein Planspiegel mit geschliffen wird. (Der Primärspiegel kann zum Prüfen gebraucht werden, vgl. Texereau.) Ein Durchmesser von 100mm bei 130 mm Öffnung des Teleskops reicht aus. Später wird er eine hervorragende Kollimationshilfe im Feld sein. Ein Bino (Strahlteiler) wird man als Yolo Besitzer sowieso haben wollen.

Der Sekundärspiegel muss derart in der Zelle gelagert werden, dass man ihn auf mindestens 1/10 Grad genau rotieren kann. Das habe ich bisher leider nicht gemacht, das ist dann mühsam… Auf kleinen Rollen die man dann fixiert etc., bin selber froh um Ideen.

Den Kasten mache ich dann mit 1mm Birken Sperrholz fertig, verstärke in Modellflugzeugbau Technik, was dann gerade auch einige Baffles gibt und die Luftzirkulation im Tubus hemmt. Die „Nase“ so leicht wie möglich aus ½ mm Sperrholz erst wenn der Strahlengang definitiv ist.





Ganz wichtig ist, dass der Kasten mit Verstrebungen verwindungsfest gebaut wird.
Ich klebe in der Regel Alufolie drauf, weil dann kaum Wärmeabstrahlung gegen den Himmel erfolgt: Weniger Tubusseeing, kein Tau oder Eis.

Geeignet ist eine AltAZ Montierung. Für die äquatoriale Montierung braucht es einen keilförmigen Unterbau, auch kein Problem.



Ich hoffe dass das hilft und bin für Fragen, aber auch Feedbacks zu haben!

Gruss, Beat















Mit Gruss, Beat
BeatK Erstellt am: 29.09.2019 : 22:20:41 Uhr
Hallo alle

Ich möchte nun noch über die interferometrische Testung des 100mm Toroids, Sekundärspiegel des geplanten 130er Reise Yolos, berichten. In Frage kam ein Point Diffraction Interferometer (PDI), weil es problemlos in die bisherigen Testmethoden passt (s.o.). Das PDI Plättchen habe ich von Michael Koch. Die Aufnahme der Interferogramme ist ohne besondere Einrichtung mit meiner alten DSLR Kamera und dem 210er Zoom Tele möglich. Nach wiederholten Testaufnahmen hier die aktuellen I-Gramme:



Bei Einlesen in DFTFringe kann man kontrollieren, ob die Aufnahmen richtig belichtet wurden.



Auswertung mit DFTFringe: wirklich tolles Programm. Dale Eason hat Videos dazu gemacht. Die Auswertung der Messungen sieht auf der Frontseite folgendermassen aus (es gibt dann noch ein ausführliches Protokoll etc etc):



Das Resultat (Strehl 0.96) entspricht dem von WinRoddier (s.o.), wenn ich dies korrekterweise rot auswerte statt grün.

Wenn das alles stimmt, haben wir ein Toroid, das den gestellten Ansprüchen genügt. Der Primärspiegel wird einen Strehl haben von nahezu eins. Der Gesamt Strehl des Yolo wird damit mindestens 0.94 sein: ein höherer Werte sei visuell nicht bemerkbar, lese ich in der Fachliteratur.

Zusammen mit meinen vorangehenden Ausführungen erhalte ich die Bestätigung für meine Vermutung, dass der Schliff eines Toroids kaum schwieriger ist als der eines Kugelspiegels und dass damit ein Yolo für hohe visuelle Ansprüche wird gebaut werden können.

Mit Gruss, Beat
BeatK Erstellt am: 29.09.2019 : 22:14:06 Uhr
Hallo Georg

Das ist eine Frage des Praktikers, Danke! Habe mit meinen fünf Yolos viel Zeit dafür aufgewendet. Darüber zu berichten wäre fast ein Thread für sich. Ich versuche mich in einer Kurzfassung und berichte dann. Zuerst aber die erfreulichen Resultate der Interferometrie.

Gruss, Beat
Gelegenheitsgucker Erstellt am: 29.09.2019 : 21:16:08 Uhr
Hallo Beat,

da du ja schon dein Instrument hast, kannst du mal was zum mechanischen Teil schreiben bzw. bebildern? Das korrekte Justieren scheint mir sehr knifflig zu sein, Abstände der Spiegel zueinander und die Winkel müssen ja genau eingehalten werden. Wie stellt man das am einfachsten an?
Ich spiele mit dem Gedanken für den Tubus Alu-Profile (Bosch-Profile) zu verwenden. Mit denen ist man recht flexibel beim Teileanbau und es sollte recht stabil werden.

Beste Grüße
Georg
BeatK Erstellt am: 28.09.2019 : 20:37:08 Uhr
Hallo und danke für eure Beiträge

Vielleicht doch ein paar Statements:

Mein Thread ist gedacht für Praktiker, die sich für den Bau eines Yolos interessiert haben und vielleicht den Mut nicht hatten ein Toroid zu schleifen. Ich würde ihnen empfehlen bei einer Oeffnung von 130mm nicht 1:8, sondern 1:10, bei Oeffnung von 150 mm 1:12 zu gehen.

Die Mikrorauhigkeit ist ein interessantes Thema. Bei meinem ersten Yolo habe ich den Lyot Test gemacht, es waren keine Polierstriche zu sehen und der Experte war zufrieden. Die Wahrscheinlichkeit mit erneutem Lyot relevante neue Erkenntnisse zu machen ist klein und sprengt den Rahmen meiner Arbeit.

Die Makrorauhigket wird bei den Testverfahren miterfasst und man kann sagen, dass sie nur einen sehr geringen Einfluss auf die Abbildungsqualität hat.

Eine Verspannung setzt eine mechanische Werkstatt voraus, die für sehr viele, denke ich, nicht zugänglich ist. Wir haben eine solche nach Herrig gebaut, der Aufwand ist nicht unerheblich. Die Verspannung hat Gewicht, ein zu grosser Spiegel bedeutet auch Korrektur von grösseren Aberrationen. Es gibt etliche unter uns, die Spiegel verspannen. Unterzieht diese Spiegel doch mal einer Interferometrie oder einem WinRoddier Test, so wie ich es beschreibe! Wir möchten doch wissen, was Leonard mit "satisfactory" gemeint haben kann.

Es gibt kein Teleskop ohne Kompromisse, das muss ich nicht ausführen.

Mit Gruss, Beat


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